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Was mir das Reisen gibt

Autorin
Scherenschnitt

(Foto: S. Hof­schla­eger / pixelio.de)

Ganz egal, ob allein oder nicht: Wenn eines für mich über­haupt nicht infrage kommt, dann ist es Urlaub zu haben – und ihn zu Hause zu ver­bringen.


Was mich immer wieder in die Welt hin­aus­zieht? Warum ich heute angst­frei auch allein auf Reisen gehe? Erfah­rungen, die ich so nur fernab der Heimat gemacht habe. Dar­unter die fol­genden.

  •  Im Hier und Jetzt ankommen

Man ist auf Reisen aus­ge­schnitten aus dem nor­malen Leben. Wie ein Sche­ren­schnitt“, hat Katja Weit­zen­böck gesagt. Als Volon­tärin bei einer Pro­gramm­zeit­schrift habe ich die Schau­spie­lerin, die schon viel in der Welt unter­wegs war, mal inter­viewt und auf das Reisen ange­spro­chen. Das mit dem Sche­ren­schnitt gefiel mir. „Man beschäf­tigt sich in einer fremden Umge­bung nicht ständig mit All­tags­sorgen, die den Moment gar nicht betreffen“, hat sie erklärt. Und dass sie das Reisen als regel­recht heilsam emp­findet.

Für mich gilt das nicht aus­nahmslos – man nimmt sich selbst, seine Ver­gan­gen­heit, ja doch immer mit. Den­noch bin auch ich anderswo emp­fäng­li­cher. Eher bereit, Augen, Ohren und Herz sperr­an­gel­weit zu öffnen. Für alles, was neu und anders ist. Und für den Moment.

  •  Freundschafen schließen. In Rekordzeit.

Offener bin ich auch gegen­über den Men­schen, die mir begegnen. Es fas­zi­niert mich, wie leicht man unter­wegs Leute kennen lernt. Wirk­lich kennen lernt. In Rekord­zeit können aus Rei­se­be­kannt­schaften bedeut­same Freunde werden.

Eine der frü­hesten und schönsten Erin­ne­rungen dieser Art ist mein 23. Geburtstag: Mein Aus­lands­se­mester in Eng­land hatte gerade begonnen, ich ver­brachte ihn spontan mit zwei Fran­zosen, zwei Hol­län­de­rinnen und anderen Deut­schen, die ich kaum kannte. Am Morgen hatte der Geld­au­tomat nichts mehr aus­ge­spuckt. Ich war pleite, nicht mal ein Bier konnte ich aus­geben. Musste ich auch nicht. Die anderen ver­sorgten mich mit mehr als genug Getränken. Alain aus Paris schenkte mir eine Fla­sche sau­teuren Cham­pa­gner, die er aus Frank­reich mit­ge­nommen hatte, „für einen ganz beson­deren Moment“, wie er sagte.

Da war so viel Herz­lich­keit an diesem Abend in dieser Kneipe. Wir sind über Jahre in Kon­takt geblieben, sind es teil­weise bis heute.

  • Action. Ohne Ausreden.

Wer reist, will seine Zeit meist nutzen, so gut es geht. Womög­lich ist er nur einmal im Leben an diesem einen Ort, also lässt er sich ein auf das, was die fremde Umge­bung zu bieten hat: auf Aus­flüge, Unter­neh­mungen, Ver­ab­re­dungen.

Zeit bekommt eine andere Bedeu­tung. Die Frage, ob sich Auf­wand über­haupt lohnt, stellt sich nicht. Es werden keine Aus­reden bemüht, es wird ein­fach gemacht.

Allein reisen Erfahrungen: Finnland Mökki See

Neun Stunden Auto­fahrt durch Finn­land für einen ein­zigen Tag in dieser Hütte am See. Hat sich das gelohnt? Und wie!

Zu Hause, im Alltag gelingt das oft nicht. Und scheinbar umso weniger, je älter man wird. Spon­tane Treffen mit Freunden sind Man­gel­ware. Gemein­same Pläne auch. Jeder hat mit sich zu tun. Keine Lust. Heute nicht. Der Termin mit der Frau von der Bank. Der Wecker morgen früh um sechs. Und was für eine Her­aus­for­de­rung es geworden ist, sechs Leute für ein Essen an einen Tisch zu bekommen – nicht drin ohne Ter­min­ka­lender und wochen­langes Abwägen. Aber das holen wir nach, ver­spro­chen!

  • Lernen. Über die Welt. Und über mich.

Wer etwas über diese Welt lernen will, kann sich belesen. Oder sie bereisen. Dinge, die man selbst erlebt hat, wecken nach­hal­tiger Inter­esse. Dass Bali die ein­zige hin­du­is­ti­sche Insel im ansonsten mus­li­mi­schen Indo­ne­sien ist, wusste ich. Aber erst jetzt, da ich die vielen Tempel gesehen habe, die unzäh­ligen Opfer­gaben, weiß ich, wie beein­dru­ckend all­ge­gen­wärtig Reli­gion auf der Insel ist.

Allein reisen Erfahrungen: Meerestempel Tanah Lot auf Bali

Mee­res­tempel Tanah Lot auf Bali

Auch das hier wird mich nie mehr los­lassen: Im Zen­trum von Van­couver – eine Stadt, die seit Jahren als eine der lebens­wer­testen der Welt gilt – befindet sich einer der größten Drogen-Slums Nord­ame­rikas. In der East Has­tings Street ist die HIV-Rate höher als in Bots­wana. Warum ich das weiß? Weil ich ver­se­hent­lich zwei Tage mit­ten­drin gewohnt habe.

Unbe­zahlbar ist, was man zudem über sich selbst lernt. Und wenn man dafür erst beim Body­surfen in Mexiko ver­sagen muss. Oder  aus­ge­lacht von einem bali­ne­si­schen Hotel­an­ge­stellten.

  • Allein reisen, Selbstvertrauen gewinnen

Jeder Urlaub im Aus­land kann zur Her­aus­for­de­rung werden, beson­ders, wenn man allein reist. Man muss klar­kommen in einer fremden Umge­bung, sich zurecht­finden, in einer anderen Sprache kom­mu­ni­zieren und aller­hand Dinge orga­ni­sieren, die zu Hause anders laufen.

Und bekommt am Ende alles hin. Natür­lich. Je öfter ich diese Erfah­rung mache, desto weniger Angst habe ich vor Ver­än­de­rungen und vorm Schei­tern. Und desto stärker und opti­mis­ti­scher werde ich.

Wie ist es bei dir? Was bringt dir das Reisen? Inwie­fern ver­än­dert es dich? Lass es mich wissen in den Kom­men­taren!


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Hi! Ich bin Susanne. Journalistin und Reisende. Ich liebe und schreibe Geschichten vom Reisen (auch allein!) und Auswandern. Warum? Hier erfährst du mehr. (Foto: © André Schade)

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