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Unter­wegs mit einem Pony

Autorin

Wan­dern mit Pferd: Sarah (26) bricht seit mehr als zwei Jahren mit Pony Egon zu Touren durch Deutsch­land auf. Hier erzählt sie, was sie mit dem süßen Kerl an ihrer Seite unter­wegs erlebt – und wie sie über Deutsch­land als Rei­se­land denkt.


Egon, mein Mini­pony, hat eigent­lich einer Bekannten gehört. Kennen gelernt habe ich ihn auf einer gemein­samen Wan­de­rung. Ich habe mich sofort in ihn ver­liebt. Nur eine Woche später habe ich ihn ihr abge­kauft und zu mir in den Stall geholt. Mehr als zwei Jahre ist das jetzt her. Anfangs sind wir vor allem direkt vom Stall aus durch Thü­ringen gewan­dert. Dann habe ich den Anhänger-Füh­rer­schein gemacht. Seitdem bin ich mit Egon auch in Bran­den­burg, der Säch­si­sche Schweiz, Hessen, Rhein­land-Pfalz und Meck­len­burg-Vor­pom­mern gewesen.

Wan­dern mit Pferd, Sommer wie Winter

Meist sind mein Mann Timo und unser Hund Sturmi mit dabei. Wir sind immer drei bis zehn Tage unter­wegs und schlafen meist bei Pri­vat­leuten auf Rei­ter­höfen. Das ist am prak­tischsten, weil ich dann weiß, dass ich Egon unter­stellen kann. Manchmal über­nachten wir aber auch im Zelt. Unsere Touren plane ich vorher, es ist mir lieber, zu wissen, wo wir abends schlafen. Im Sommer klappt das super, da gibt’s fürs Pony überall Wiesen und Gras. Im Winter machen wir nur Tages­touren.

Wandern mit Pferd: Sarah mit ihrer Crew

Sarah und ihr Mann Timo mit Mini­pony Egon und Hund Sturmi. Die Fotos stammen von Sarahs Blog www.verwandert.de.

Wandern mit Pferd: Guten Morgen, Egon!

Pferde mochte ich schon immer, ich habe mit neun Jahren ange­fangen zu reiten. Früher wollte ich Pfer­de­wirtin werden und habe von einem Bau­ernhof geträumt. Und ich war schon immer gern draußen.

Ich habe BWL stu­diert und war nach dem Abschluss 2012 als Mar­ke­ting­lei­terin ange­stellt. Das war aber nicht meine Welt, ich wollte frei sein. Also habe ich mich als Mar­ke­ting­be­ra­terin selbst­ständig gemacht und meinen Blog www.verwandert.de gestartet. Das ist auch ein Grund, warum ich das alles über­haupt mache: Es geht mir darum zu zeigen, dass man anders leben kann, dass man nicht immer den klas­si­schen Weg gehen muss.

Es gibt aber schon auch Momente, in denen ich denke: „Warum tust du dir das an, du könn­test auch ganz gemüt­lich mit dem Bus fahren.“ Am Anfang, als Egon und ich uns noch anein­ander gewöhnen mussten, ist er auch mal aus­ge­büchst. In Hessen war mal ein Garten nicht umzäunt, da ist er ins Dorf gelaufen. Zum Glück haben nette Bewohner ihn zurück­ge­bracht, bevor ich über­haupt bemerkte, dass er fehlt.

Egon ist elf Jahre alt und ein typi­sches Shet­land-Pony, total mutig. Er läuft Abhänge ohne Murren. Und er ist ein rich­tiger Clown, man kann ihn nicht aus den Augen lassen. Da passt du einmal nicht auf, schon schmeißt er auf Burg Raben­stein die ganzen Blu­men­pötte um. Ich muss auch immer auf Sturmi auf­passen, wenn er dabei ist, damit Egon ihn nicht ärgert.

Wandern mit Pferd: Sarah und Egon in Thüringen

Über­wie­gend klappt das Wan­dern super. Egon ist wie ein guter Freund, er läuft tage­lang mit mir, da ist schon ein beson­deres Ver­trauen. Zu Hause in Thü­ringen steht er nicht allein, son­dern art­ge­recht mit anderen Ponys in der Herde. Aber er lang­weilt sich schnell und freut sich, wenn wir wieder auf­bre­chen und er in den Hänger steigen kann.

Wandern mit Pferd: Unterwegs im schönen Hessen

Natür­lich werden wir unter­wegs ständig von Leuten ange­spro­chen. Wenn sie nett sind, nehme ich mir gern Zeit für sie. Oft schwingen aber auch Vor­würfe mit. „Das arme Pony!“, heißt es oft. Egon trägt schon mal 20 Kilo­gramm, das ist aber völlig in Ord­nung für ihn. Die Leute sind das Bild eben nicht gewöhnt, viele fragen, warum ich mir nicht statt­dessen einen Esel ange­schafft habe.

Wan­dern mit Pferd und dabei Deutsch­land ent­de­cken

Wenn wir über Schotter müssen, ziehe ich Egon Huf­schuhe an, das schützt vor zu starkem Abrieb. Die fas­zi­nieren die Leute. Wenn er die trägt, sagt nie­mand mehr was zu dem Gepäck auf seinem Rücken.

Seitdem wir die Wan­de­rungen machen, ist für mich klar: Deutsch­land wird als Rei­se­land total unter­schätzt, vor allem von jungen Leuten. Jede Tour war bis­lang total anders, die Land­schaften sind so viel­fältig, von den Fels­for­ma­tionen in der Säch­si­schen Schweiz über den san­digen Flä­ming bis hin zu den Bergen in Rhein­land-Pfalz.

Wandern mit Pferd: Hier in Sachsen

Ich bin auch jedes Mal über­wäl­tigt von der Gast­freund­schaft. Deut­sche seien nicht offen, meinen viele. Das kann ich über­haupt nicht bestä­tigen. In Hessen stand uns zum Bei­spiel eine Nacht im Zelt bevor, aber dann durften wir spontan im Ver­eins­ge­bäude des ört­li­chen Schüt­zen­ver­eins schlafen. So etwas erleben wir ständig, und diese Begeg­nungen bewegen mich auch nach­haltig.

In den nächsten Wochen plane ich die Touren fürs kom­mende Jahr. Dabei hole ich mir wahr­schein­lich Inspi­ra­tion bei den Lesern meines Blogs. Und wer weiß, viel­leicht dehnen wir unser Wan­der­ge­biet Stück für Stück auf die Nach­bar­länder aus.

Wandern mit Pferd: Pause in der Sächsischen Schweiz

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