Auswanderer Menschen

Leben in Dubai: Zwischen Wonne und Wahn­sinn

1. Mai 2020
Leben in Dubai: Patricia mit ihrer Emirates ID

Zuletzt aktua­li­siert am 12. Mai 2020 um 12:03

Im Juli 2019 tauschte Patricia (30) ihren Alltag in Bremen mit einem Leben in Dubai, der größten Stadt der Ver­ei­nigten Ara­bi­schen Emi­rate. Was macht das Aus­wan­dern in die Wüs­ten­me­tro­pole so reiz­voll? Und wie lebt es sich als Frau in Dubai? In diesem Erfah­rungs­be­richt erzählt die Deut­sche von Luxus und Hitze, von Fort­schritt und sozialer Ungleich­heit  – und von „dubai­ver­sauten“ Expats.


Leben in Dubai: Aus­wan­derin Patricia erzählt

Als mein Mann mich im Sommer 2018 fragte, ob ich mir ein Leben in Dubai vor­stellen könnte, war ich von mir selbst über­rascht: An der Idee fand ich sofort Gefallen, obwohl es mich nie gereizt hat, aus­zu­wan­dern. Ich war auch noch nie in Dubai gewesen und hatte von den Ver­ei­nigten Ara­bi­schen Emi­raten kaum eine Vor­stel­lung. Mein Mann war aller­dings schon mehr­mals privat und geschäft­lich nach Dubai gereist und hatte mir Fotos gezeigt. Beson­ders eines war mir im Gedächtnis geblieben: eine Auf­nahme vom Burj Kha­lifa, dem höchsten Gebäude der Welt. Wie LEGO City sah das aus.

Mein Mann hatte ein attrak­tives Job­an­gebot von einem Logis­tik­un­ter­nehmen in Dubai bekommen. Dass ich einem Umzug gleich offen gegen­über­stand, hatte einen Grund: Ich arbei­tete in einer Kin­der­krippe und hinter mir lagen sehr stres­sige Monate, die mich aus­ge­laugt hatten. Umso reiz­voller war eine beruf­liche Aus­zeit an einem Ort, an dem andere Urlaub machen.

Aus­wan­dern oder nicht? Das Expat-Leben hat seinen Reiz

Die Firma meines Mannes erleich­terte uns die Ent­schei­dung. Ich war zwar auf­ge­schlossen, aber blau­äugig hätte ich mich nicht ins Aben­teuer gestürzt. Sein Arbeit­geber lockte uns mit so vielen unschlag­baren Ange­boten, dass mir nach und nach die Bedenken aus­gingen. Unter anderem über­nahm die Firma die Kosten für den Umzug und stellte eine ordent­liche Summe für die Woh­nungs­ein­rich­tung zur Ver­fü­gung. Außerdem zahlt sie unsere Miete. So gingen wir kein Risiko ein und wussten, dass wir Geld zur Seite legen können. Das gab uns Sicher­heit, schließ­lich würde mein Gehalt in Dubai ja auf unbe­stimmte Zeit weg­fallen.

Im Oktober 2018 lud das Unter­nehmen uns zu einem vier­tä­gigen „Look-and-see-Trip“ ein. Wir schliefen in einem schi­cken Hotel und sahen uns den Burj Kha­lifa und andere Sehens­wür­dig­keiten in Dubai an. Ich war auf­ge­regt wie ein Kind. Wie künst­lich die Stadt aus­sieht, dachte ich und war gleich­zeitig beein­druckt: Wahn­sinn, was man hier alles auf Sand gebaut, wie viele Grün­flä­chen man mitten in der Wüste ange­legt hat.

Dubai Burj Khalifa Aussicht

Patricia blickt von der Aus­sichts­platt­form des Burj Kha­lifa auf Dubai herab. Er wurde im Januar 2010 eröffnet und ist mit 828 Metern bis heute das höchste Gebäude der Welt (Alle Fotos dieses Bei­trags © mydubaiexperience.de)

Wenn wir nicht mit Sight­seeing beschäf­tigt waren, schaute ich mich in den Super­märkten um und ver­glich Preise: Obst Gemüse, Reis und Cous­cous – alles, was aus der Region kommt – ist günstig, Fleisch und Mar­ken­pro­dukte kosten mehr als in Deutsch­land. Draußen herrschten 34 Grad – ange­nehme Tem­pe­ra­turen für die Ein­wohner der Emi­rate. „Oha“, dachte ich, „Dann kann ich mir ja vor­stellen, wie das Leben in Dubai im Sommer aus­sieht.“

Sommer in den VAE: uner­träg­liche Hitze

Heute weiß ich: Nein, so richtig kann man es sich nicht vor­stellen, wenn man diese Hitze nie erlebt hat. Meine bes­sere Hälfte zog im Februar 2019 nach Dubai vor und küm­merte sich um die Woh­nung. Ich zog im Juli nach, gleich nach unserer Hoch­zeit, die wir schon lange geplant hatten und noch in Deutsch­land fei­erten. Nach der Lan­dung lief ich gegen eine Wand aus heißer Luft. 45 Grad. Ich konnte kaum atmen. Nie war es schöner, in ein kli­ma­ti­siertes Taxi zu steigen.

Unsere Woh­nung befindet sich in einem Apart­ment-Tower in der Dubai Marina. Als ich das Gebäude zum ersten Mal betrat, kam ich mir vor wie in der Lobby eines Fünf-Sterne-Hotels. Der Kom­plex ver­fügt über eine Rezep­tion, einen Pool, einen Fit­ness­be­reich und einen Spiel­platz. Das Hoch­haus hat 82 Etagen, wir wohnen im 71. Stock­werk. Bei klarer Sicht können wir das Meer und die ganze Stadt samt Burj Kha­lifa und Burj al Arab sehen. Auch die „Palm Jumeirah“ können wir erkennen, die berühmte auf­ge­schüt­tete Insel in Pal­men­form. Durch das Viertel führt ein künst­lich ange­legter Kanal mit Yacht­hafen, an dessen Pro­me­nade – „Dubai Marina Walk“ oder „The Walk“ mit Namen – man ent­lang spa­zieren kann.

Patricia und ihr Mann leben in Dubai und haben diesen Ausblick

Aus­blick Rich­tung Down­town von Patri­cias Woh­nung in der Dubai Marina. Gut zu erkennen: Burj Al Arab, weiter hinten piekt der Burj Kha­lifa in den Himmel. Nicht immer ist die Sicht so klar, manchmal weht zu viel Wüsen­sand durch die Luft

So luxu­riös würden wir in Deutsch­land nie leben. Ich bin dankbar für unser stets wohl­tem­pe­riertes Apart­ment und den Pool – nicht, weil ich den Luxus brauche, son­dern weil man im Sommer so viel Zeit in den eigenen vier Wänden ver­bringt. Im Juli und August kann man sich in Dubai nicht länger als zehn, fünf­zehn Minuten draußen auf­halten. Die Klei­dung klebt sofort an der Haut und die Was­ser­fla­sche, die man besser immer dabei hat, ist ruck­zuck leer. Geh­wege sind wie aus­ge­storben und die Menschen höchs­tens mal auf dem Weg vom Park­haus in ein Gebäude draußen. Aus­ge­rechnet in den Ver­ei­nigten Ara­bi­schen Emi­raten leiden des­halb 90 Pro­zent der Ein­wohner an Vit­amin-D-Mangel, gegen den sie Tabletten nehmen müssen.

Leben in Dubai: Auf dem „The Walk“ kann man spazieren gehen

The Walk“ in der Dubai Marina. Zwischen den Hoch­häu­sern links klemmt die Al-Rahim-Moschee, die ein­zige in der Marina

Viele zieht es dann in die Shop­ping Malls. Ein­kaufs­zen­tren sind essen­ziell für das Leben in Dubai und viel mehr als nur Orte, wo man Sachen kauft: Sie sind kli­ma­ti­sierte Spa­zier­parks, in denen man sich die Beine ver­tritt oder sich ins Café setzt. Am Anfang haben wir an den Wochen­enden einige Ein­kaufs­zen­tren abge­klap­pert. Dabei erlebt man Tem­pe­ra­tur­stürze von mehr als 40 Grad draußen auf 18 Grad drinnen. Den Wechsel ver­trage ich gut, trotzdem lernte ich schnell, mir immer eine Jacke und ein Tuch ein­zu­pa­cken, um nir­gendwo frös­teln zu müssen.

Leben in Dubai: Zum Spa­zieren in die Mall

Die Malls in Dubai sind über­wäl­ti­gend, man kommt fix und fertig wieder raus. In der „Dubai Mall“ neben dem Burj Kha­lifa, der größten der Welt, gibt es allein 1200 Geschäfte. Um sich alles anzu­sehen, braucht man meh­rere Tage. Gleich am Anfang lernte ich eine Deut­sche kennen, die den ganzen August über täg­lich in eine Mall fuhr. Sie war gerade Mutter geworden und wusste ein­fach nicht, wo sie sonst ihren Kin­der­wagen schieben sollte.

Was sich damals als Ahnung in mein Bewusst­sein schlich, ist für mich heute Gewiss­heit: Dubai ist kein idealer Ort, um Familie zu gründen. Kinder können sich hier nicht draußen aus­toben. Als gelernte Erzie­herin stieß mir das früh auf. Mitt­ler­weile ist die Liste an Dingen, mit denen ich in Dubai hadere, etwas länger geworden. Ebenso aber auch die mit den Vor­zügen.

Wolkenkrater in der Dubai Marina

Viele Expats wohnen in einem der Wol­ken­kratzer in der Dubai Marina – so auch Patricia und ihr Mann

Mein Mann arbeitet viel und gern. Er hat ein nettes, inter­na­tio­nales Kol­le­gium und ist ins­ge­samt besser ange­kommen als ich. Mich kos­tete es Zeit, mich daran zu gewöhnen, dass ich keinen Job und kein eigenes Ein­kommen mehr habe. In der Krippe zu kün­digen war mir schwer gefallen. Auch wenn es dort stressig gewesen war, hatte ich meine Kol­le­ginnen und den Arbeits­platz sehr gemocht. In Dubai als Erzie­herin zu arbeiten, ist nicht ein­fach. Dieser Job ist hier noch weniger aner­kannt als in Deutsch­land. Die meisten Ein­rich­tungen sind außerdem inter­na­tional und um dort gute päd­ago­gi­sche Arbeit leisten zu können, müsste mein Eng­lisch besser sein. Im Moment kann ich mir nicht vor­stellen, in meinem Beruf hier zu arbeiten. Ich schließe es aber nicht aus.

Patri­cias Blog über das Leben in Dubai: Erfah­rungs­be­richt und Forum

Gerade inves­tiere ich viel Zeit in meinen Blog mydubaiexperience.de, auf dem ich von meinem Leben in Dubai erzähle. Vor allem aber möchte ich Menschen ein Forum bieten, die auch nach Dubai aus­wan­dern wollen und Infor­ma­tionen suchen. Ich selbst hätte mir in der Situa­tion deut­lich mehr Ein­blicke gewünscht – gegooglet ohne Ende habe ich damals! Ich schreibe über die Kosten des täg­li­chen Lebens, die Woh­nungs­suche oder die Frage, wie man die Auf­ent­halts­ge­neh­mi­gung und die Emi­rates ID bean­tragt. Dazu gebe ich Tipps für Unter­neh­mungen in Dubai und anderswo in den Ver­ei­nigten Ara­bi­schen Emi­raten.

Dubai Marina Street Food Stalls

In der Nähe von Patri­cias Woh­nung gibt es auch Street Food. In den Som­mer­mo­naten ist der Food Court aller­dings wegen Hitze geschlossen — wie so viele Außen­an­lagen in Dubai

Dadurch dass ich nicht arbeite, habe ich Ein­drücke vom Zusam­men­leben in Dubai gewonnen, die mir sonst viel­leicht ent­gangen wären. In Bremen war ich ständig am Schnacken mit den Nach­barn oder mit den Ver­käu­fe­rinnen beim Bäcker. In Dubai geht es sehr anonym zu. Ab und an ein kleiner Plausch – das wäre schön. Das fehlt mir hier.

Ich bin sehr emp­fäng­lich für meine Umwelt. Nie zuvor war ich derart mit sozialer Ungleich­heit kon­fron­tiert. Da sind die, die wegen ihrer gut bezahlten Jobs besser gestellt sind und das auch aus­strahlen und die, die die Drecks­ar­beit machen, die sonst keiner machen will. In Dubai ist nach wie vor gefühlt jedes vierte Gebäude eine Bau­stelle. Jeden Tag sehe ich dort Arbeits­mi­granten aus ärmeren Län­dern, die sich auch bei der drü­ckendsten Hitze abra­ckern – und zwar länger als acht Stunden am Tag und länger als fünf Tage die Woche. Ihre Mit­tags­pause ver­bringen sie in Park­häu­sern, unter Brü­cken oder in der Mitte von Kreis­ver­kehren, immer auf der Suche nach ein biss­chen Schatten. Da blutet mir das Herz.

 Expats in der Wüs­ten­stadt: Viel Geld, wenig Respekt

Im krassen Gegen­satz dazu erlebe ich die gut ver­die­nenden Expats, von denen viele sich ein total über­heb­li­ches Ver­halten ange­wöhnt haben. Es schüt­telt mich, wenn ich im Super­markt oder im Restau­rant Zeugin von Gesten und Gesprä­chen werde, die erkennen lassen, dass jemand Geld, aber keinen Respekt hat. „Dubai­ver­saut“, nenne ich solche Menschen im Stillen und hoffe ganz inständig, selbst nie so zu werden. Beob­achten kann ich das auch in unserem Wohn­haus: Da sind viele Haus­meister ange­stellt, die von den Mie­tern wie Luft behan­delt werden. Dabei tut es doch nicht weh, mal „Guten Tag“ oder „Danke“ zu sagen.

In der Dubai Tram

Patricia in der Dubai Tram. Die Stra­ßen­bahn wurde Ende 2014 ein­ge­weiht und ver­bindet den Stadt­teil Al Sufouh mit dem rie­sigen Wohn­haus­kom­plex Jumeirah Beach Resi­dence. Die Bahn ist selbst­fah­rend und ver­fügt auch über Wagons spe­ziell für Frauen und Kinder

Gewöh­nungs­be­dürftig finde ich auch, dass einem im Super­markt alles ein­ge­packt wird – natür­lich in etliche Plas­tik­tüten, wenn man nichts sagt. Die Stadt ist zwar sauber, aber wer mal mit dem Auto in ein anderes Emirat, zum Bei­spiel nach Abu Dhabi, fährt, sieht Plas­tik­müll in der Wüste liegen. Umwelt- und Kli­ma­schutz werden hier auf unzäh­lige Arten miss­achtet und jeder kennt Bei­spiele dafür: die auf minus zwei Grad her­un­ter­ge­kühlte Indoor-Ski­halle „Ski Dubai“ zum Bei­spiel. Oder die Kli­ma­an­lagen überall – sogar draußen wird die Luft mit Sprüh­nebel gekühlt. Oder die Unmengen von Wasser, die es für die Pools und Grün­flä­chen braucht.

Leben in Dubai: So ist es als Frau

Häu­figer werde ich aber mit der Frage kon­fron­tiert, wie es sich in Dubai als Frau lebt. „Musst du dich jetzt ver­schleiern?“, habe ich oft gehört. Nein, muss ich nicht. In den Ver­ei­nigten Ara­bi­schen Emi­raten ist der Islam die Staats­re­li­gion. Sicher ist es ratsam, Schul­tern und Knie zu bede­cken. Die Ein­woh­ne­rinnen nehmen das aber selbst nicht immer so genau und das wird auch tole­riert.

In meinem Alltag erlebe ich keine Ein­schrän­kungen. Es gibt aber Momente, in denen ich mich als Frau unsichtbar fühle. Sind mein Mann und ich zusammen unter­wegs, dann wird häufig nur er ange­spro­chen. Auch wenn es für mich in dem Moment schwer zu akzep­tieren ist, sage ich mir immer wieder, dass das nicht als Zei­chen von Frau­en­feind­lich­keit zu ver­stehen ist. Zu einer fremden Person des anderen Geschlechts Abstand zu halten, ist für viele Emi­ratis viel­mehr eine Frage des Respekts.

Lies auch: „Als Frau in Dubai — meine Erfah­rungen“ auf Patri­cias Blog
Leben in Dubai: Wohnhaus mit eigenem Swimmingpool

Der Swim­ming­pool, der zu Patri­cias Wohn­haus gehört. Die aus­ge­wan­derte Deut­sche weiß ihn zu schätzen. Wer genau hin­guckt, erkennt im Hin­ter­grund das fast fer­tig­ge­stellte „Ain Dubai“, auch „Dubai Eye“ genannt – das höchste Rie­senrad der Welt. Seine Eröff­nung ist zur Expo am 20. Oktober 2020 geplant

Je länger ich hier lebe, umso mehr Rück­zugs­orte finde ich in dieser lauten, rie­sigen Stadt mit ihren über­bor­denden Reizen. Es gelingt mir immer besser, mein Leben in Dubai zu genießen.

Ich finde es groß­artig, meh­rere Strände vor der Haustür zu haben. Zumin­dest eine Hälfte des Jahres über kann ich aus­giebig Zeit am Meer ver­bringen. Ich nutze den Pool und das Fit­ness­studio bei uns im Haus, wohl wis­send, dass ich beides in Deutsch­land nie unterm selben Dach haben werde. Am Abend, wenn die Tem­pe­ra­turen erträg­lich sind, laufe ich gern „The Walk“ mit seinen Cafés, Restau­rants und Sitz­bänken ent­lang. Auch das fühlt sich oft wie Urlaub an. Dubai hat außerdem ein unheim­lich breites kuli­na­ri­sches Angebot. Die Stadt ist ein Schmelz­tiegel der Kul­turen und so gibt es Restau­rants mit Spe­zia­li­täten aus aller Herren Länder, die man sich pro­blemlos nach Hause lie­fern lassen kann. Mein Mann und ich machen rege Gebrauch davon und lieben es, öfter etwas Neues zu pro­bieren.

Souk Madinat Jumeirah

Der Souk Madinat Jumeirah ist Patri­cias Lieb­lingsort in Dubai. Die Anlage ist einem tra­di­tio­nellen ara­bi­schen Souk nach­emp­funden und Teil einer rie­sigen Hotel­an­lage. Dahinter erhebt sich das Luxus­hotel Burj Al Arab

Fort­schritt­li­ches Dubai: Will­kommen in „Smart City“!

Mein Lieb­lingsort ist der Souk im Madinat Jumeirah. Er ist einem tra­di­tio­nellen ara­bi­schen Markt nach­emp­funden und Teil einer rie­sigen Hotel­an­lage in der Nähe des Burj Al Arab. Die echten alten Souks in der Alt­stadt von Dubai habe ich auch besucht. Sie sind mir aber zu anstren­gend. Man kann sich nichts in Ruhe anschauen, wird ständig von links und rechts ange­quatscht. Wenn er auch nur künst­lich ist: Im Souk Madinat Jumeirah komme ich eher in Tau­send­und­eine-Nacht-Stim­mung.

Shopping im Souk Madinat Jumeirah

Geschäft im Souk Madinat Jumeirah

Was mich am Leben in Dubai auch fas­zi­niert, ist die Fort­schritt­lich­keit. Dubai ist eine „Smart­City“. Wer hier lebt, bekommt so gut wie nie Rech­nungen oder andere Post auf Papier, son­dern erle­digt alles mit dem Smart­phone. Ich hatte noch nie so viele Apps auf meinem Handy. Für alles gibt es eine App, für die Strom- und die Was­ser­ab­rech­nung, für Arzt­be­suche, für Gut­scheine von Restau­rants. Sogar Auto­un­fälle werden – sofern es keinen Per­so­nen­schaden gibt – per Smart­phone gemeldet. Man stellt ein­fach den Vor­gang ein, lädt Fotos für die Ver­si­che­rung hoch, fertig.

Wie lange wir hier bleiben, kann ich nicht sagen. Meinem Mann gefällt es gut, aber er ver­steht auch meine Zweifel. Wir reden über alles, haben uns vor­ge­nommen, nichts in uns hin­ein­zu­fressen. Wenn es nach der Corona-Pan­demie wieder mög­lich ist, wollen wir unbe­dingt mehr von der Ver­ei­nigten Ara­bi­schen Emi­rate sehen und in andere Länder in der Umge­bung reisen. Dubai ist dafür ja ein super Dreh­kreuz. Und doch: Mir fehlt die Natur! Ich ver­misse die Jah­res­zeiten und Vogel­ge­zwit­scher und den Geruch von nassem Laub. Vor allem aber kann ich mir ein Leben mit Kin­dern in Dubai nur schwer vor­stellen. Wie auch immer wir uns letzt­lich ent­scheiden: Ich bin dankbar für die Erfah­rungen, die ich in Dubai sammle.

Wüste in den Vereinigten Arabischen Emiraten

In der Wüste im Nach­bar­emirat Abu Dhabi. Patricia emp­fiehlt Rei­senden unbe­dingt eine Wüs­ten­sa­fari in den Ver­ei­nigten Ara­bi­schen Emi­raten,  am besten zum Son­nen­auf­gang oder Son­nen­un­ter­gang

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Leben in Dubai: Infos zum Aus­wan­dern auf einen Blick

  • Dubai ist mit mehr 3,1 Mil­lionen Ein­woh­nern die größte Stadt der Ver­ei­nigten Ara­bi­schen Emi­rate. Jahr für Jahr ziehen Tau­sende Arbeitsmigrant:innen in die VAE zu, sodass sich eine genaue Ein­woh­ner­zahl schwer bestimmen lässt. Fast 90 Pro­zent der Bewohner:innen kommen aus dem Aus­land. Da der Groß­teil der Arbeits­mi­granten in der ganzen Föde­ra­tion männ­lich ist, haben die VAE einen extremen Män­ner­über­schuss.
  • Ein­bür­ge­rungen kommen selten vor, aber Ausländer:innen können in Dubai und der VAE eine unbe­grenzte  Auf­ent­halts­ge­neh­mi­gung für sich und ihre Fami­lien bean­tragen. Das Visum gilt aber nur in Ver­bin­dung mit einer Fest­an­stal­lung. Bei Ver­lust der Arbeits­stelle hat man einen Monat Zeit, einen neuen Job zu finden, sonst droht die Aus­wei­sung.
  • Sofern man nicht als Investor:in ein­reist, muss man von einem Pri­vat­un­ter­nehmen ein­ge­laden werden, um in Dubai arbeiten zu können. Inter­es­sierte können auch eine Arbeits­ver­mitt­lung kon­tak­tieren, um eine Stelle in Dubai zu finden. Hier sind außerdem Job­börsen gelistet. Die Kosten für das Arbeits­visum für Dubai belaufen sich auf 200 Dirham (ca. 50 Euro) pro Jahr.
  • Gut aus­ge­bil­detet Fach­kräfte und Akademiker:innen, die in Dubai arbeiten, bekommen oft ein statt­li­ches Gehalt. Reiz­voll ist das Aus­wan­dern  auch des­halb, weil die VAE keine Ein­kom­mens­steuer erheben.
  • Laut auswandern-info.com sind allein 2018 offi­ziell 1.048 Deut­sche in die VAE gezogen. Wie viele Deut­sche in Dubai leben, lässt sich schwer sagen. Zwar ist auch das nicht aus­sa­ge­kräftig, aber  bei Facebook gibt es meh­rere Gruppen für Deut­sche in Dubai, allein diese hier hat aktuell mehr als 6300 Mit­glieder.

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7 Comments
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Christian Wiemann
1. Mai 2020 14:42

Hört sich gut an, aber ganz ehr­lich gesagt die Men­ta­lität dieser Menschen wäre mir nichts. Ich würde die Jah­res­zeiten auch ver­missen. Glimmer und Glanz ist nicht alles,ich könnte mir ein Leben dort nicht vor­stellen. Respektlos ist nichts für mich. Nur wegen das Geldes nein danke. Ich wün­sche ihn trotzdem viel Glück. MFG Chris­tian Wie­mann

4. Mai 2020 17:26

Ein super span­nender Bei­trag! Ich war noch nie in Dubai, möchte das aber auf jeden Fall einmal sehen. Aber dort leben? Ich glaube das könnte ich nicht. Da bin ich ein zu großer Frei­heits-Mensch (bitte ohne Vor­ur­teile ver­stehen), sodass es ein­fach schwierig wäre dort tat­säch­lich so zu leben, wie man in AT oder DE eben ganz leicht kann. Aber einmal ansehen und Urlaub dort ver­bringen möchte ich auf jeden Fall mal :)

Liebe Grüße

4. Mai 2020 18:54

Als Urlaubs­ziel ist Dubai sicher fas­zi­nie­rend, aber dort leben wäre keine Option für mich. Mit Schwüle und großer Hitze kann ich nicht gut umgehen und als Frau nicht wahr­ge­nommen zu werden, stößt mir auch bitter auf.
Aber dein Bericht kommt sehr offen und ehr­lich rüber und liest sich gut.

Liebe Grüße
Liane

5. Mai 2020 4:13

Liebe Susanne, liebe Patricia, wow, das ist ein span­nender Bericht! Ich kenne Dubai nur von kurzen Auf­ent­halten, war aber nie länger dort. Es ist schön, in ein anderes Leben ein­zu­tau­chen. Ich selbst bin bei dieser Stadt zwie­ge­spalten. Wir waren immer in den Win­ter­mo­naten da, zum Teil als Sto­pover bei Reisen nach Indien. Wenn man dann von Indien zurück kommt, ist es fast ein kleiner Kul­tur­schock. Alles so sauber auf den Straßen! Ich habe mal gelesen, dass es trotz der schi­cken Neu­bauten keine Abwas­ser­ka­na­li­sa­tion gibt und dafür Tank­wagen benutzt werden. Für einige Zeit könnte ich mir ein Leben dort vor­stellen, aber… Read more »

9. Mai 2020 15:25
Reply to  Susanne

Hallo Susanne,

mit den Emi­granten bin ich ganz bei dir. Ich habe so viele am Flug­hafen gesehen. VAE mit kleinstem öko­lo­gi­schen Fuß­ab­druck — da bin ich gespannt! Im Moment sieht es wohl eher anders aus.

Liebe Grüße
Renate