Auswanderer Menschen

Leben in Dubai: Zwischen Wonne und Wahn­sinn

1. Mai 2020
Leben in Dubai: Patricia mit ihrer Emirates ID

Zuletzt aktua­li­siert am 26. August 2020 um 15:09

Im Juli 2019 tauschte Patricia (30) ihren Alltag in Bremen mit einem Leben in Dubai, der größten Stadt der Ver­ei­nigten Ara­bi­schen Emi­rate. Was macht das Aus­wan­dern in die Wüs­ten­me­tro­pole so reiz­voll? Und wie lebt es sich als Frau in Dubai? In diesem Erfah­rungs­be­richt erzählt die Deut­sche von Luxus und Hitze, von Fort­schritt und sozialer Ungleich­heit  – und von „dubai­ver­sauten“ Expats.


Leben in Dubai: Aus­wan­derin Patricia erzählt

Als mein Mann mich im Sommer 2018 fragte, ob ich mir ein Leben in Dubai vor­stellen könnte, war ich von mir selbst über­rascht: An der Idee fand ich sofort Gefallen, obwohl es mich nie gereizt hat, aus­zu­wan­dern. Ich war auch noch nie in Dubai gewesen und hatte von den Ver­ei­nigten Ara­bi­schen Emi­raten kaum eine Vor­stel­lung. Mein Mann war aller­dings schon mehr­mals privat und geschäft­lich nach Dubai gereist und hatte mir Fotos gezeigt. Beson­ders eines war mir im Gedächtnis geblieben: eine Auf­nahme vom Burj Kha­lifa, dem höchsten Gebäude der Welt. Wie LEGO City sah das aus.

Mein Mann hatte ein attrak­tives Job­an­gebot von einem Logis­tik­un­ter­nehmen in Dubai bekommen. Dass ich einem Umzug gleich offen gegen­über­stand, hatte einen Grund: Ich arbei­tete in einer Kin­der­krippe und hinter mir lagen sehr stres­sige Monate, die mich aus­ge­laugt hatten. Umso reiz­voller war eine beruf­liche Aus­zeit an einem Ort, an dem andere Urlaub machen.

Aus­wan­dern oder nicht? Das Expat-Leben hat seinen Reiz

Die Firma meines Mannes erleich­terte uns die Ent­schei­dung. Ich war zwar auf­ge­schlossen, aber blau­äugig hätte ich mich nicht ins Aben­teuer gestürzt. Sein Arbeit­geber lockte uns mit so vielen unschlag­baren Ange­boten, dass mir nach und nach die Bedenken aus­gingen. Unter anderem über­nahm die Firma die Kosten für den Umzug und stellte eine ordent­liche Summe für die Woh­nungs­ein­rich­tung zur Ver­fü­gung. Außerdem zahlt sie unsere Miete. So gingen wir kein Risiko ein und wussten, dass wir Geld zur Seite legen können. Das gab uns Sicher­heit, schließ­lich würde mein Gehalt in Dubai ja auf unbe­stimmte Zeit weg­fallen.

Im Oktober 2018 lud das Unter­nehmen uns zu einem vier­tä­gigen „Look-and-see-Trip“ ein. Wir schliefen in einem schi­cken Hotel und sahen uns den Burj Kha­lifa und andere Sehens­wür­dig­keiten in Dubai an. Ich war auf­ge­regt wie ein Kind. Wie künst­lich die Stadt aus­sieht, dachte ich und war gleich­zeitig beein­druckt: Wahn­sinn, was man hier alles auf Sand gebaut, wie viele Grün­flä­chen man mitten in der Wüste ange­legt hat.

Dubai Burj Khalifa Aussicht

Patricia blickt von der Aus­sichts­platt­form des Burj Kha­lifa auf Dubai herab. Er wurde im Januar 2010 eröffnet und ist mit 828 Metern bis heute das höchste Gebäude der Welt (Alle Fotos dieses Bei­trags © stadt-land-meer.com)

Wenn wir nicht mit Sight­seeing beschäf­tigt waren, schaute ich mich in den Super­märkten um und ver­glich Preise: Obst Gemüse, Reis und Cous­cous – alles, was aus der Region kommt – ist günstig, Fleisch und Mar­ken­pro­dukte kosten mehr als in Deutsch­land. Draußen herrschten 34 Grad – ange­nehme Tem­pe­ra­turen für die Ein­wohner der Emi­rate. „Oha“, dachte ich, „Dann kann ich mir ja vor­stellen, wie das Leben in Dubai im Sommer aus­sieht.“

Sommer in den VAE: uner­träg­liche Hitze

Heute weiß ich: Nein, so richtig kann man es sich nicht vor­stellen, wenn man diese Hitze nie erlebt hat. Meine bes­sere Hälfte zog im Februar 2019 nach Dubai vor und küm­merte sich um die Woh­nung. Ich zog im Juli nach, gleich nach unserer Hoch­zeit, die wir schon lange geplant hatten und noch in Deutsch­land fei­erten. Nach der Lan­dung lief ich gegen eine Wand aus heißer Luft. 45 Grad. Ich konnte kaum atmen. Nie war es schöner, in ein kli­ma­ti­siertes Taxi zu steigen.

Unsere Woh­nung befindet sich in einem Apart­ment-Tower in der Dubai Marina. Als ich das Gebäude zum ersten Mal betrat, kam ich mir vor wie in der Lobby eines Fünf-Sterne-Hotels. Der Kom­plex ver­fügt über eine Rezep­tion, einen Pool, einen Fit­ness­be­reich und einen Spiel­platz. Das Hoch­haus hat 82 Etagen, wir wohnen im 71. Stock­werk. Bei klarer Sicht können wir das Meer und die ganze Stadt samt Burj Kha­lifa und Burj al Arab sehen. Auch die „Palm Jumeirah“ können wir erkennen, die berühmte auf­ge­schüt­tete Insel in Pal­men­form. Durch das Viertel führt ein künst­lich ange­legter Kanal mit Yacht­hafen, an dessen Pro­me­nade – „Dubai Marina Walk“ oder „The Walk“ mit Namen – man ent­lang spa­zieren kann.

Patricia und ihr Mann leben in Dubai und haben diesen Ausblick

Aus­blick Rich­tung Down­town von Patri­cias Woh­nung in der Dubai Marina. Gut zu erkennen: Burj Al Arab, weiter hinten piekt der Burj Kha­lifa in den Himmel. Nicht immer ist die Sicht so klar, manchmal weht zu viel Wüsen­sand durch die Luft

So luxu­riös würden wir in Deutsch­land nie leben. Ich bin dankbar für unser stets wohl­tem­pe­riertes Apart­ment und den Pool – nicht, weil ich den Luxus brauche, son­dern weil man im Sommer so viel Zeit in den eigenen vier Wänden ver­bringt. Im Juli und August kann man sich in Dubai nicht länger als zehn, fünf­zehn Minuten draußen auf­halten. Die Klei­dung klebt sofort an der Haut und die Was­ser­fla­sche, die man besser immer dabei hat, ist ruck­zuck leer. Geh­wege sind wie aus­ge­storben und die Menschen höchs­tens mal auf dem Weg vom Park­haus in ein Gebäude draußen. Aus­ge­rechnet in den Ver­ei­nigten Ara­bi­schen Emi­raten leiden des­halb 90 Pro­zent der Ein­wohner an Vit­amin-D-Mangel, gegen den sie Tabletten nehmen müssen.

Leben in Dubai: Auf dem „The Walk“ kann man spazieren gehen

The Walk“ in der Dubai Marina. Zwischen den Hoch­häu­sern links klemmt die Al-Rahim-Moschee, die ein­zige in der Marina

Viele zieht es dann in die Shop­ping Malls. Ein­kaufs­zen­tren sind essen­ziell für das Leben in Dubai und viel mehr als nur Orte, wo man Sachen kauft: Sie sind kli­ma­ti­sierte Spa­zier­parks, in denen man sich die Beine ver­tritt oder sich ins Café setzt. Am Anfang haben wir an den Wochen­enden einige Ein­kaufs­zen­tren abge­klap­pert. Dabei erlebt man Tem­pe­ra­tur­stürze von mehr als 40 Grad draußen auf 18 Grad drinnen. Den Wechsel ver­trage ich gut, trotzdem lernte ich schnell, mir immer eine Jacke und ein Tuch ein­zu­pa­cken, um nir­gendwo frös­teln zu müssen.

Leben in Dubai: Zum Spa­zieren in die Mall

Die Malls in Dubai sind über­wäl­ti­gend, man kommt fix und fertig wieder raus. In der „Dubai Mall“ neben dem Burj Kha­lifa, der größten der Welt, gibt es allein 1200 Geschäfte. Um sich alles anzu­sehen, braucht man meh­rere Tage. Gleich am Anfang lernte ich eine Deut­sche kennen, die den ganzen August über täg­lich in eine Mall fuhr. Sie war gerade Mutter geworden und wusste ein­fach nicht, wo sie sonst ihren Kin­der­wagen schieben sollte.

Was sich damals als Ahnung in mein Bewusst­sein schlich, ist für mich heute Gewiss­heit: Dubai ist kein idealer Ort, um Familie zu gründen. Kinder können sich hier nicht draußen aus­toben. Als gelernte Erzie­herin stieß mir das früh auf. Mitt­ler­weile ist die Liste an Dingen, mit denen ich in Dubai hadere, etwas länger geworden. Ebenso aber auch die mit den Vor­zügen.

Wolkenkrater in der Dubai Marina

Viele Expats wohnen in einem der Wol­ken­kratzer in der Dubai Marina – so auch Patricia und ihr Mann

Mein Mann arbeitet viel und gern. Er hat ein nettes, inter­na­tio­nales Kol­le­gium und ist ins­ge­samt besser ange­kommen als ich. Mich kos­tete es Zeit, mich daran zu gewöhnen, dass ich keinen Job und kein eigenes Ein­kommen mehr habe. In der Krippe zu kün­digen war mir schwer gefallen. Auch wenn es dort stressig gewesen war, hatte ich meine Kol­le­ginnen und den Arbeits­platz sehr gemocht. In Dubai als Erzie­herin zu arbeiten, ist nicht ein­fach. Dieser Job ist hier noch weniger aner­kannt als in Deutsch­land. Die meisten Ein­rich­tungen sind außerdem inter­na­tional und um dort gute päd­ago­gi­sche Arbeit leisten zu können, müsste mein Eng­lisch besser sein. Im Moment kann ich mir nicht vor­stellen, in meinem Beruf hier zu arbeiten. Ich schließe es aber nicht aus.

Patri­cias Blog über das Leben in Dubai: Erfah­rungs­be­richt und Forum

Gerade inves­tiere ich viel Zeit in meinen Blog stadt-land-meer.com, auf dem ich von meinem Leben in Dubai erzähle. Vor allem aber möchte ich Menschen ein Forum bieten, die auch nach Dubai aus­wan­dern wollen und Infor­ma­tionen suchen. Ich selbst hätte mir in der Situa­tion deut­lich mehr Ein­blicke gewünscht – gegooglet ohne Ende habe ich damals! Ich schreibe über die Kosten des täg­li­chen Lebens, die Woh­nungs­suche oder die Frage, wie man die Auf­ent­halts­ge­neh­mi­gung und die Emi­rates ID bean­tragt. Dazu gebe ich Tipps für Unter­neh­mungen in Dubai und anderswo in den Ver­ei­nigten Ara­bi­schen Emi­raten.

Dubai Marina Street Food Stalls

In der Nähe von Patri­cias Woh­nung gibt es auch Street Food. In den Som­mer­mo­naten ist der Food Court aller­dings wegen Hitze geschlossen — wie so viele Außen­an­lagen in Dubai

Dadurch dass ich nicht arbeite, habe ich Ein­drücke vom Zusam­men­leben in Dubai gewonnen, die mir sonst viel­leicht ent­gangen wären. In Bremen war ich ständig am Schnacken mit den Nach­barn oder mit den Ver­käu­fe­rinnen beim Bäcker. In Dubai geht es sehr anonym zu. Ab und an ein kleiner Plausch – das wäre schön. Das fehlt mir hier.

Ich bin sehr emp­fäng­lich für meine Umwelt. Nie zuvor war ich derart mit sozialer Ungleich­heit kon­fron­tiert. Da sind die, die wegen ihrer gut bezahlten Jobs besser gestellt sind und das auch aus­strahlen und die, die die Drecks­ar­beit machen, die sonst keiner machen will. In Dubai ist nach wie vor gefühlt jedes vierte Gebäude eine Bau­stelle. Jeden Tag sehe ich dort Arbeits­mi­granten aus ärmeren Län­dern, die sich auch bei der drü­ckendsten Hitze abra­ckern – und zwar länger als acht Stunden am Tag und länger als fünf Tage die Woche. Ihre Mit­tags­pause ver­bringen sie in Park­häu­sern, unter Brü­cken oder in der Mitte von Kreis­ver­kehren, immer auf der Suche nach ein biss­chen Schatten. Da blutet mir das Herz.

 Expats in der Wüs­ten­stadt: Viel Geld, wenig Respekt

Im krassen Gegen­satz dazu erlebe ich die gut ver­die­nenden Expats, von denen viele sich ein total über­heb­li­ches Ver­halten ange­wöhnt haben. Es schüt­telt mich, wenn ich im Super­markt oder im Restau­rant Zeugin von Gesten und Gesprä­chen werde, die erkennen lassen, dass jemand Geld, aber keinen Respekt hat. „Dubai­ver­saut“, nenne ich solche Menschen im Stillen und hoffe ganz inständig, selbst nie so zu werden. Beob­achten kann ich das auch in unserem Wohn­haus: Da sind viele Haus­meister ange­stellt, die von den Mie­tern wie Luft behan­delt werden. Dabei tut es doch nicht weh, mal „Guten Tag“ oder „Danke“ zu sagen.

In der Dubai Tram

Patricia in der Dubai Tram. Die Stra­ßen­bahn wurde Ende 2014 ein­ge­weiht und ver­bindet den Stadt­teil Al Sufouh mit dem rie­sigen Wohn­haus­kom­plex Jumeirah Beach Resi­dence. Die Bahn ist selbst­fah­rend und ver­fügt auch über Wagons spe­ziell für Frauen und Kinder

Gewöh­nungs­be­dürftig finde ich auch, dass einem im Super­markt alles ein­ge­packt wird – natür­lich in etliche Plas­tik­tüten, wenn man nichts sagt. Die Stadt ist zwar sauber, aber wer mal mit dem Auto in ein anderes Emirat, zum Bei­spiel nach Abu Dhabi, fährt, sieht Plas­tik­müll in der Wüste liegen. Umwelt- und Kli­ma­schutz werden hier auf unzäh­lige Arten miss­achtet und jeder kennt Bei­spiele dafür: die auf minus zwei Grad her­un­ter­ge­kühlte Indoor-Ski­halle „Ski Dubai“ zum Bei­spiel. Oder die Kli­ma­an­lagen überall – sogar draußen wird die Luft mit Sprüh­nebel gekühlt. Oder die Unmengen von Wasser, die es für die Pools und Grün­flä­chen braucht.

Leben in Dubai: So ist es als Frau

Häu­figer werde ich aber mit der Frage kon­fron­tiert, wie es sich in Dubai als Frau lebt. „Musst du dich jetzt ver­schleiern?“, habe ich oft gehört. Nein, muss ich nicht. In den Ver­ei­nigten Ara­bi­schen Emi­raten ist der Islam die Staats­re­li­gion. Sicher ist es ratsam, Schul­tern und Knie zu bede­cken. Die Ein­woh­ne­rinnen nehmen das aber selbst nicht immer so genau und das wird auch tole­riert.

In meinem Alltag erlebe ich keine Ein­schrän­kungen. Es gibt aber Momente, in denen ich mich als Frau unsichtbar fühle. Sind mein Mann und ich zusammen unter­wegs, dann wird häufig nur er ange­spro­chen. Auch wenn es für mich in dem Moment schwer zu akzep­tieren ist, sage ich mir immer wieder, dass das nicht als Zei­chen von Frau­en­feind­lich­keit zu ver­stehen ist. Zu einer fremden Person des anderen Geschlechts Abstand zu halten, ist für viele Emi­ratis viel­mehr eine Frage des Respekts.

Lies auch: „Als Frau in Dubai — meine Erfah­rungen“ auf Patri­cias Blog
Leben in Dubai: Wohnhaus mit eigenem Swimmingpool

Der Swim­ming­pool, der zu Patri­cias Wohn­haus gehört. Die aus­ge­wan­derte Deut­sche weiß ihn zu schätzen. Wer genau hin­guckt, erkennt im Hin­ter­grund das fast fer­tig­ge­stellte „Ain Dubai“, auch „Dubai Eye“ genannt – das höchste Rie­senrad der Welt. Seine Eröff­nung ist zur Expo am 20. Oktober 2020 geplant

Je länger ich hier lebe, umso mehr Rück­zugs­orte finde ich in dieser lauten, rie­sigen Stadt mit ihren über­bor­denden Reizen. Es gelingt mir immer besser, mein Leben in Dubai zu genießen.

Ich finde es groß­artig, meh­rere Strände vor der Haustür zu haben. Zumin­dest eine Hälfte des Jahres über kann ich aus­giebig Zeit am Meer ver­bringen. Ich nutze den Pool und das Fit­ness­studio bei uns im Haus, wohl wis­send, dass ich beides in Deutsch­land nie unterm selben Dach haben werde. Am Abend, wenn die Tem­pe­ra­turen erträg­lich sind, laufe ich gern „The Walk“ mit seinen Cafés, Restau­rants und Sitz­bänken ent­lang. Auch das fühlt sich oft wie Urlaub an. Dubai hat außerdem ein unheim­lich breites kuli­na­ri­sches Angebot. Die Stadt ist ein Schmelz­tiegel der Kul­turen und so gibt es Restau­rants mit Spe­zia­li­täten aus aller Herren Länder, die man sich pro­blemlos nach Hause lie­fern lassen kann. Mein Mann und ich machen rege Gebrauch davon und lieben es, öfter etwas Neues zu pro­bieren.

Souk Madinat Jumeirah

Der Souk Madinat Jumeirah ist Patri­cias Lieb­lingsort in Dubai. Die Anlage ist einem tra­di­tio­nellen ara­bi­schen Souk nach­emp­funden und Teil einer rie­sigen Hotel­an­lage. Dahinter erhebt sich das Luxus­hotel Burj Al Arab

Fort­schritt­li­ches Dubai: Will­kommen in „Smart City“!

Mein Lieb­lingsort ist der Souk im Madinat Jumeirah. Er ist einem tra­di­tio­nellen ara­bi­schen Markt nach­emp­funden und Teil einer rie­sigen Hotel­an­lage in der Nähe des Burj Al Arab. Die echten alten Souks in der Alt­stadt von Dubai habe ich auch besucht. Sie sind mir aber zu anstren­gend. Man kann sich nichts in Ruhe anschauen, wird ständig von links und rechts ange­quatscht. Wenn er auch nur künst­lich ist: Im Souk Madinat Jumeirah komme ich eher in Tau­send­und­eine-Nacht-Stim­mung.

Shopping im Souk Madinat Jumeirah

Geschäft im Souk Madinat Jumeirah

Was mich am Leben in Dubai auch fas­zi­niert, ist die Fort­schritt­lich­keit. Dubai ist eine „Smart­City“. Wer hier lebt, bekommt so gut wie nie Rech­nungen oder andere Post auf Papier, son­dern erle­digt alles mit dem Smart­phone. Ich hatte noch nie so viele Apps auf meinem Handy. Für alles gibt es eine App, für die Strom- und die Was­ser­ab­rech­nung, für Arzt­be­suche, für Gut­scheine von Restau­rants. Sogar Auto­un­fälle werden – sofern es keinen Per­so­nen­schaden gibt – per Smart­phone gemeldet. Man stellt ein­fach den Vor­gang ein, lädt Fotos für die Ver­si­che­rung hoch, fertig.

Wie lange wir hier bleiben, kann ich nicht sagen. Meinem Mann gefällt es gut, aber er ver­steht auch meine Zweifel. Wir reden über alles, haben uns vor­ge­nommen, nichts in uns hin­ein­zu­fressen. Wenn es nach der Corona-Pan­demie wieder mög­lich ist, wollen wir unbe­dingt mehr von der Ver­ei­nigten Ara­bi­schen Emi­rate sehen und in andere Länder in der Umge­bung reisen. Dubai ist dafür ja ein super Dreh­kreuz. Und doch: Mir fehlt die Natur! Ich ver­misse die Jah­res­zeiten und Vogel­ge­zwit­scher und den Geruch von nassem Laub. Vor allem aber kann ich mir ein Leben mit Kin­dern in Dubai nur schwer vor­stellen. Wie auch immer wir uns letzt­lich ent­scheiden: Ich bin dankbar für die Erfah­rungen, die ich in Dubai sammle.

Wüste in den Vereinigten Arabischen Emiraten

In der Wüste im Nach­bar­emirat Abu Dhabi. Patricia emp­fiehlt Rei­senden unbe­dingt eine Wüs­ten­sa­fari in den Ver­ei­nigten Ara­bi­schen Emi­raten,  am besten zum Son­nen­auf­gang oder Son­nen­un­ter­gang

***


Leben in Dubai: Infos zum Aus­wan­dern auf einen Blick

  • Dubai ist mit mehr 3,1 Mil­lionen Ein­woh­nern die größte Stadt der Ver­ei­nigten Ara­bi­schen Emi­rate. Jahr für Jahr ziehen Tau­sende Arbeitsmigrant:innen in die VAE zu, sodass sich eine genaue Ein­woh­ner­zahl schwer bestimmen lässt. Fast 90 Pro­zent der Bewohner:innen kommen aus dem Aus­land. Da der Groß­teil der Arbeits­mi­granten in der ganzen Föde­ra­tion männ­lich ist, haben die VAE einen extremen Män­ner­über­schuss.
  • Ein­bür­ge­rungen kommen selten vor, aber Ausländer:innen können in Dubai und der VAE eine unbe­grenzte  Auf­ent­halts­ge­neh­mi­gung für sich und ihre Fami­lien bean­tragen. Das Visum gilt aber nur in Ver­bin­dung mit einer Fest­an­stal­lung. Bei Ver­lust der Arbeits­stelle hat man einen Monat Zeit, einen neuen Job zu finden, sonst droht die Aus­wei­sung.
  • Sofern man nicht als Investor:in ein­reist, muss man von einem Pri­vat­un­ter­nehmen ein­ge­laden werden, um in Dubai arbeiten zu können. Inter­es­sierte können auch eine Arbeits­ver­mitt­lung kon­tak­tieren, um eine Stelle in Dubai zu finden. Hier sind außerdem Job­börsen gelistet. Die Kosten für das Arbeits­visum für Dubai belaufen sich auf 200 Dirham (ca. 50 Euro) pro Jahr.
  • Gut aus­ge­bil­detet Fach­kräfte und Akademiker:innen, die in Dubai arbeiten, bekommen oft ein statt­li­ches Gehalt. Reiz­voll ist das Aus­wan­dern  auch des­halb, weil die VAE keine Ein­kom­mens­steuer erheben.
  • Laut auswandern-info.com sind allein 2018 offi­ziell 1.048 Deut­sche in die VAE gezogen. Wie viele Deut­sche in Dubai leben, lässt sich schwer sagen. Zwar ist auch das nicht aus­sa­ge­kräftig, aber  bei Facebook gibt es meh­rere Gruppen für Deut­sche in Dubai, allein diese hier hat aktuell mehr als 6300 Mit­glieder.

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7 Comments
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Christian Wiemann
1. Mai 2020 14:42

Hört sich gut an, aber ganz ehr­lich gesagt die Men­ta­lität dieser Menschen wäre mir nichts. Ich würde die Jah­res­zeiten auch ver­missen. Glimmer und Glanz ist nicht alles,ich könnte mir ein Leben dort nicht vor­stellen. Respektlos ist nichts für mich. Nur wegen das Geldes nein danke. Ich wün­sche ihn trotzdem viel Glück. MFG Chris­tian Wie­mann

4. Mai 2020 17:26

Ein super span­nender Bei­trag! Ich war noch nie in Dubai, möchte das aber auf jeden Fall einmal sehen. Aber dort leben? Ich glaube das könnte ich nicht. Da bin ich ein zu großer Frei­heits-Mensch (bitte ohne Vor­ur­teile ver­stehen), sodass es ein­fach schwierig wäre dort tat­säch­lich so zu leben, wie man in AT oder DE eben ganz leicht kann. Aber einmal ansehen und Urlaub dort ver­bringen möchte ich auf jeden Fall mal :)

Liebe Grüße

4. Mai 2020 18:54

Als Urlaubs­ziel ist Dubai sicher fas­zi­nie­rend, aber dort leben wäre keine Option für mich. Mit Schwüle und großer Hitze kann ich nicht gut umgehen und als Frau nicht wahr­ge­nommen zu werden, stößt mir auch bitter auf.
Aber dein Bericht kommt sehr offen und ehr­lich rüber und liest sich gut.

Liebe Grüße
Liane

5. Mai 2020 4:13

Liebe Susanne, liebe Patricia, wow, das ist ein span­nender Bericht! Ich kenne Dubai nur von kurzen Auf­ent­halten, war aber nie länger dort. Es ist schön, in ein anderes Leben ein­zu­tau­chen. Ich selbst bin bei dieser Stadt zwie­ge­spalten. Wir waren immer in den Win­ter­mo­naten da, zum Teil als Sto­pover bei Reisen nach Indien. Wenn man dann von Indien zurück kommt, ist es fast ein kleiner Kul­tur­schock. Alles so sauber auf den Straßen! Ich habe mal gelesen, dass es trotz der schi­cken Neu­bauten keine Abwas­ser­ka­na­li­sa­tion gibt und dafür Tank­wagen benutzt werden. Für einige Zeit könnte ich mir ein Leben dort vor­stellen, aber… Read more »

9. Mai 2020 15:25
Reply to  Susanne

Hallo Susanne,

mit den Emi­granten bin ich ganz bei dir. Ich habe so viele am Flug­hafen gesehen. VAE mit kleinstem öko­lo­gi­schen Fuß­ab­druck — da bin ich gespannt! Im Moment sieht es wohl eher anders aus.

Liebe Grüße
Renate