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Aus­wan­dern ist kein Hippie-Traum“

Autorin
Auswandern Christiane Sternberg

(Foto: © CIPS / Marcos Gittis)

In einem anderen Land Fuß zu fassen erfor­dert gute Vor­be­rei­tung und eine klare Vor­stel­lung vom neuen Leben. Die Jour­na­listin Chris­tiane Stern­berg (51) ist selbst vor zehn Jahren nach Zypern gegangen – und hat nun einen Rat­geber für Aus­wan­derer geschrieben.


Aus­wan­dern und an seinem Sehn­suchtsort ganz von vorn anfangen. Dort leben, wo andere Urlaub machen. Für viele Men­schen bleibt das zeit­le­bens ein Traum. Doch pro Jahr kehren immerhin rund 25.000 Staats­bürger Deutsch­land lang­fristig den Rücken.

Aus­wan­dern: Wert­volle Tipps von einer, die es wissen muss

Wie die Jour­na­listin und Rei­se­führer-Autorin Chris­tiane Stern­berg: Mehr­fach war sie meh­rere Wochen beruf­lich auf Zypern gewesen und hatte über das Leben auf der geteilten Insel und den EU-Bei­tritt der Repu­blik Zypern 2004 berichtet. Vor zehn Jahren zog sie schließ­lich gemeinsam mit ihrem Mann, einem Foto­grafen, in die Insel­haupt­stadt Nikosia. Mit ihrem Buch „Die Fibel für Aus­wan­derer: Ihre Check­liste für den Neu­an­fang“ geht sie das Gedan­ken­ex­pe­ri­ment Aus­wan­dern Schritt für Schritt mit ihren Lese­rInnen durch. Im Inter­view erklärt sie, welche Fragen Men­schen, die ihre Heimat eben­falls ver­lassen wollen, sich stellen sollten.

Flügge: Warum haben Sie beschlossen, einen Rat­geber für Aus­wan­derer zu schreiben?

Chris­tiane Stern­berg: Zypern ist eine Urlaubs­insel. Wenn man hier lebt, kommt man mit vielen Tou­risten ins Gespräch. Das läuft oft auf die Frage „Und in wel­chem Hotel sind Sie unter­ge­bracht?“ hinaus. Wenn ich dann ant­worte „Nein, nein, ich lebe hier!“, ähneln sich die Reak­tionen in vielen Fällen. Die Leute finden das inter­es­sant und toll. Sie fragen aber immer auch, ob es nicht auf­wändig ist, aus­zu­wan­dern und ob ich kein Heimweh habe. Am häu­figsten höre ich: „Und was macht man dann?“ Es scheint die Annahme zu gelten, dass jemand, der aus­wan­dert – ins­be­son­dere in ein Urlaubs­ge­biet – ein Aus­steiger ist. Dabei ist Aus­wan­dern kein Hippie-Traum und auch nicht die Ver­län­ge­rung des Urlaubs, son­dern die Ver­la­ge­rung des All­tags in andere Umstände. Das möchte ich mit dem Rat­geber ver­deut­li­chen. Außerdem gebe ich Hil­fe­stel­lung bei diesem Schritt und nenne Fak­toren, die man sich im Vor­feld über­legen sollte.

Auswandern Christiane Sternberg

Flügge: Was bewegt Men­schen dazu, ihre Heimat für immer ver­lassen zu wollen?

Chris­tiane Stern­berg: Wenn es nicht die Liebe ist, sind es oft die Lebens­um­stände, in denen jemand zu Hause steckt. Häufig gibt es zuvor irgend­einen Lebens­ein­schnitt, zum Bei­spiel eine Tren­nung oder den Ver­lust des Jobs. Viele wün­schen sich einen Neu­an­fang, sie möchten anderswo von vorn beginnen und etwas Neues pro­bieren.

Flügge: Unter wel­chen Bedin­gungen kann das gelingen?

Chris­tiane Stern­berg: Wenn man nicht der Illu­sion erliegt, dass der Orts­wechsel alles ver­än­dert. Man sitzt ja nicht plötz­lich nur noch Kaffee trin­kend unter einer Palme. Um viele der all­täg­li­chen Pro­bleme, die man zu Hause hat, muss man sich genau so im Aus­land küm­mern. Da hilft gute Vor­be­rei­tung, aber häufig beschäf­tigen sich Men­schen, die aus­wan­dern, mit ganz ein­fa­chen Dingen nicht.

Flügge: Welche zum Bei­spiel?

Chris­tiane Stern­berg: Viele, die bei Ren­ten­ein­tritt ins Aus­land gehen, bedenken nicht, dass sie dann noch viel Lebens­zeit haben. Wenn der Tag dann nur aus Kaf­fee­trinken und Besu­chen bei Freunden besteht, ist das wenig erfül­lend. Man muss sich vorher klar machen: Womit möchte ich dort meine Zeit füllen? Möchte ich dort arbeiten? Wenn ja, welche Mög­lich­keiten gibt es? Noch ein Bei­spiel: Eltern, die aus­wan­dern, müssen sich vorher gut infor­mieren, auf welche Schule sie ihre Kinder schi­cken können. Oft kommen ja nur Pri­vat­schulen infrage, an denen auf deutsch oder eng­lisch unter­richtet wird. Diese sind aber sehr teuer. Auf einige Umstände kommt man von allein aber auch nicht. Hier auf Zypern ist zum Bei­spiel der Per­so­nen­nah­ver­kehr mise­rabel. Für Eltern bedeutet das, dass sie ihre Kinder täg­lich mit dem Auto zur Schule bringen und wieder ein­sam­meln und sie am Wochen­ende auch mal nachts von einer Party abholen müssen. Des­halb ist es so wichtig, sich so genau wie mög­lich mit den Gege­ben­heiten im Ziel­land aus­ein­an­der­zu­setzen.

Flügge: Wie bereitet man sich am besten auf das Leben im anderen Land vor?

Chris­tiane Stern­berg: Man sollte mehr Zeit dort ver­bracht haben als einen ein­zigen zwei­wö­chigen Urlaub und das Land auch mal in anderen Jah­res­zeiten erlebt haben. Am besten spricht man viel mit Men­schen, die dort leben. Wenn man vor Ort noch keine tiefer gehenden Kon­takte geknüpft hat, kann man zum Bei­spiel bei Face­book diversen Gruppen bei­treten, „Deut­sche in .…..“ heißen die meist. Mit­glieder, die dort schon wohnen, beant­worten mit Engels­ge­duld alle Fragen. Einem Land kann man sich auch gut nähern, indem man sich mit seinem Jahres-, Wochen- und Tages­rhythmus beschäf­tigt: Welche Fei­er­tage gibt es dort und werden die noch ernst genommen? Welche Sen­dungen im Fern­sehen sind beson­ders beliebt und was mögen die Men­schen so sehr daran? Letzt­lich wird es aber selbst dann Momente geben, in denen einem die Men­ta­li­täts­un­ter­schiede zu schaffen machen können.

Flügge: Und was tut man, wenn man erst vor Ort fest­stellt, wie groß diese Unter­schiede sind?

Chris­tiane Stern­berg: Zunächst mal ist das völlig normal. Das ist übri­gens auch der Grund, warum Bezie­hungen, in denen einer von beiden aus einem anderen Land kommt, viel Arbeit bedeuten. Oft stellt ein Partner fest, dass der andere in seinem Land ganz anders tickt als im eigenen. Jeder fällt zu Hause wieder in seinen alten Rhythmus zurück. Die Frage ist dann aber: Wie gehe ich damit um? Man kann das Ganze als Aben­teuer sehen und als per­sön­liche Berei­che­rung. Das ist die Chance, seinen eigenen Kom­pass neu zu jus­tieren und sich selbst von einer anderen Seite kennen zu lernen. Wenn die Sicht­weisen, die man zu Hause für gut und richtig hielt, kom­plett über den Haufen geworfen werden, kann man sich fragen: Stellt das, was mich auf­regt, in diesem Land viel­leicht eine viel sinn­vol­lere Hal­tung dar als die, die ich von zu Hause gewöhnt bin? Ich bin auf Zypern zum Bei­spiel ruhiger geworden. Mein Bedürfnis nach Pünkt­lich­keit habe ich dem Leben hier ange­passt. Wenn ich auf eine Behörde gehe, weiß ich, dass das hier eben etwas länger dauern kann. Und wenn jemand bei rot über die Ampel fährt und ich sage „Das darf der doch nicht!“, müssen mein Mann und ich laut lachen.

Flügge: Was emp­finden Sie am Aus­wan­dern als beson­ders berei­chernd?

Chris­tiane Stern­berg: Wenn man sich die Frei­heit genommen und den Mut auf­ge­bracht hat, diesen Schritt zu gehen, dann stärkt das die eigene Per­sön­lich­keit enorm.


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6 Kommentare auf "Aus­wan­dern ist kein Hippie-Traum“"

Gute Vor­be­rei­tung und klare Vor­stel­lung” … in diesem Fall wäre ich nie aus­ge­wan­dert. ;)

[…] bevor ich nach Japan aus­ge­wan­dert war, hatte ich mal ein Leih-Stück in Kyoto anpro­biert. Einen Kimono zu tragen, ist ein ein­ma­liges […]

[…] ich nach Kanada aus­ge­wan­dert bin, hat letzt­lich mit meinem Beruf zu tun. Ich bin Geo­loge. In Deutsch­land gibt es für meinen […]

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Hi, ich bin Susanne, Journalistin und Reisende. Ich liebe Geschichten vom Reisen und Auswandern (auch allein!). Mehr über mich erfährst Du hier. (Foto: © André Schade)

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