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Ubud Bali: Para­dies vorne rechts

Autorin
Ubud Bali: Opfergaben in einem Hotel

Zuletzt aktua­li­siert am 26. Sep­tember 2019 um 6:02

Insel der Gegen­sätze – zuge­geben, das klingt abge­dro­schen. Und doch: Bali bezau­bert und Bali ver­stört, an seinen Stränden, in der Par­ty­hoch­burg Kuta und vor allem in der Künst­ler­stadt Ubud. Von Beginn an bin ich hin- und her­ge­rissen.


Flug­hafen Den­pasar. Immer wieder guckt der Kon­trol­leur zwi­schen mir und meinem Pass auf und ab. Langsam werde ich nervös. Dann ver­zieht sich sein Mund zu einem breiten Grinsen.

Du bist schön“, sagt er auf deutsch, „Will­kommen auf Bali.“ Hinter der Glastür klemmen zwei Frauen den Ankom­menden Blumen hin­ters Ohr.

Zehn Minuten später sitzen meine Freundin Lara und ich im Taxi. Der Fahrer spricht kein Wort mit uns. Bei der Ankunft am Hotel kann er so selbst­ver­ständ­lich nicht auf den großen Schein raus­geben, wie wir keine Lust haben zu dis­ku­tieren.

Von Kuta bis Ubud: Bali ver­zau­bert und ver­stört

Von Beginn an bin ich auf Bali hin- und her­ge­rissen. Ver­zau­bert, ver­stört, von einem Moment auf den nächsten. Beim ersten Strand­spa­zier­gang kann ich mich nicht satt sehen an den Opfer­gaben, die überall her­um­stehen – kleine Körb­chen aus Palm­blät­tern, gefüllt mit Blüten, Keksen und Münzen, die die Götter milde stimmen sollen. Tag für Tag bas­teln die Bali­ne­sinnen sie in Grüpp­chen, tragen sie anmutig auf Tabletts durch die Straßen und stellen sie vor die Geschäfte, auf die Stufen der Tempel, ans Meer.

Opfergaben am Strand von Kuta, Bali

Wir setzen uns zwi­schen die Farb­tupfer in den Strand­sand. Sofort sind wir umringt von flie­genden Händ­le­rinnen. Eine greift nach meinem Arm, will mir ein Arm­band anhalten. Eine andere breitet einen Sarong vor uns aus. Die Dritte zeigt uns Stroh­hüte.

Ich bin schlecht in so was.

No, thank you“ sagen und lächeln. Beim zweiten Mal nicht mehr reagieren. Danach in die andere Rich­tung starren. Wie blöd ich mir dabei vor­komme. Erschöpft sehen die Frauen aus, unend­lich müde, als sie ihre schweren Säcke und Stapel zusam­men­raffen und sich abwenden, in den Augen die Trau­rig­keit der Welt. Wie immer quält mich mein Gewissen. Hätte ich ihnen nicht ein­fach etwas geben können? Ein paar Cent nur, ver­dammt!

Die Par­ty­hoch­burg auf Bali heißt Kuta

In der Legian Street, der Par­ty­meile in Kuta, geht das Abwim­meln leichter. Hastig stre­cken Männer uns Drogen und Viagra ent­gegen, kaum sind wir am Memo­rial, dem Denkmal für die Anschlags­opfer von 2002, vor­bei­ge­gangen. Genau hier rissen Bomben 202 Menschen in den Tod. Rund­herum tobt das Leben. Die Clubs spielen gegen­ein­ander an, wir ver­stehen unser eigenes Wort nicht. Überall blinkt es, Autos und Motor­roller ver­stopften die Straße. No, thank you.

Memorial in Kuta

Nach drei Tagen fahren wir mit dem Taxi weiter nach Ubud. Wir stehen im Stau. Wir finden es nicht, dieses Bali, auf dem Julia Roberts in „Eat Pray Love“ selig auf freien Straßen ent­lang­ra­delt. Aus dem Auto­fenster bestaune ich den gren­zen­losen Ein­falls­reichtum der Bali­nesen, wenn es darum geht, mög­lichst viel auf einem Motor­roller zu trans­por­tieren: Mutter, Vater und zwei Kinder, links und rechts acht Plas­tik­tüten und zwei Kisten.

Ubud Bali und der Beweis: Auf einen Scooter passt die ganze Familie

Aber an der nächsten Ecke wartet immer das Para­dies. Reis­terrassen, unfassbar satt­grün. Kopf­große Blüten in lila und pink. Wenn es nicht nach Abgasen stinkt, duftet es nach Räu­cher­stäb­chen. Von unserem Bun­galow im tro­pi­schen Garten am Rand von Ubud aus hören wir jeden Abend aus der Ferne das auf­ge­regte Klin­geln der Game­l­an­or­chester. Von ganz nah das Anschwellen und Abschwellen von Gril­len­zirpen. Und etwas, das klingt, als würde man auf eine Gum­mi­ente treten. „Fuß­hupe“ nennen wir das Geräusch. Es dauert ein paar Tage, bis wir her­aus­finden, dass es Geckos sind.

Reisterrassen nahe Ubud, Bali

Ubud Bali: Unsere Oase ist ein Café

Auf der Monkey Forest Road im Stadt­zen­trum von Ubud wei­chen wir manns­hohen Schotter­haufen mitten auf dem Gehweg aus und igno­rieren ange­strengt die immer­glei­chen Tou­risten-Lock­rufe („Mas­sage?“ „Trans­port?“). Ein schät­zungs­weise acht­jäh­riger Scoo­ter­fahrer hupt uns von der Straße. Wir sind auf dem Weg zum Café Wayan, unserem Lieb­lingsort in Ubud. Hier sitzt man barfuß auf Podesten mitten im Dschungel, im Hin­ter­grund plät­schert das Wasser in kleinen Brunnen. Eine Oase im Chaos. Gleich da vorne rechts.

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