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Paradies vorne rechts

Autorin
Opfergaben auf Bali, in einem Hotel in Ubud

Insel der Gegensätze – zugegeben, das klingt abgedroschen. Und doch: Bali bezaubert und Bali verstört, an seinen Stränden, in der Künstlerstadt Ubud, in der Partyhochburg Kuta. Von Beginn an bin ich hin- und hergerissen.


Flughafen Denpasar. Immer wieder guckt der Kontrolleur zwischen mir und meinem Pass auf und ab. Langsam werde ich nervös. Dann verzieht sich sein Mund zu einem breiten Grinsen.

„Du bist schön“, sagt er auf deutsch, „Willkommen auf Bali.“ Hinter der Glastür klemmen zwei Frauen den Ankommenden Blumen hinters Ohr.

Zehn Minuten später sitzen meine Freundin Lara und ich im Taxi. Der Fahrer spricht kein Wort mit uns. Bei der Ankunft am Hotel kann er so selbstverständlich nicht auf den großen Schein rausgeben, wie wir keine Lust haben zu diskutieren.

Von Kuta bis Ubud: Bali verzaubert und verstört

Von Beginn an bin ich auf Bali hin- und hergerissen. Verzaubert, verstört, von einem Moment auf den nächsten. Beim ersten Strandspaziergang kann ich mich nicht satt sehen an den Opfergaben, die überall herumstehen – kleine Körbchen aus Palmblättern, gefüllt mit Blüten, Keksen und Münzen, die die Götter milde stimmen sollen. Tag für Tag basteln die Balinesinnen sie in Grüppchen, tragen sie anmutig auf Tabletts durch die Straßen und stellen sie vor die Geschäfte, auf die Stufen der Tempel, ans Meer.

Opfergaben am Strand von Kuta, Bali

Wir setzen uns zwischen die Farbtupfer in den Strandsand. Sofort sind wir umringt von fliegenden Händlerinnen. Eine greift nach meinem Arm, will mir ein Armband anhalten. Eine andere breitet einen Sarong vor uns aus. Die Dritte zeigt uns Strohhüte.

Ich bin schlecht in so was.

„No, thank you“ sagen und lächeln. Beim zweiten Mal nicht mehr reagieren. Danach in die andere Richtung starren. Wie blöd ich mir dabei vorkomme. Erschöpft sehen die Frauen aus, unendlich müde, als sie ihre schweren Säcke und Stapel zusammenraffen und sich abwenden, in den Augen die Traurigkeit der Welt. Wie immer quält mich mein Gewissen. Hätte ich ihnen nicht einfach etwas geben können? Ein paar Cent nur, verdammt!

Die Partyhochburg auf Bali heißt Kuta

In der Legian Street, der Partymeile in Kuta, geht das Abwimmeln leichter. Hastig strecken Männer uns Drogen und Viagra entgegen, kaum sind wir am Memorial, dem Denkmal für die Anschlagsopfer von 2002, vorbeigegangen. Genau hier rissen Bomben 202 Menschen in den Tod. Rundherum tobt das Leben. Die Clubs spielen gegeneinander an, wir verstehen unser eigenes Wort nicht. Überall blinkt es, Autos und Motorroller verstopften die Straße. No, thank you.

Memorial in Kuta

Nach drei Tagen fahren wir mit dem Taxi weiter nach Ubud. Wir stehen im Stau. Wir finden es nicht, dieses Bali, auf dem Julia Roberts in „Eat Pray Love“ selig auf freien Straßen entlangradelt. Aus dem Autofenster bestaune ich den grenzenlosen Einfallsreichtum der Balinesen, wenn es darum geht, möglichst viel auf einem Motorroller zu transportieren: Mutter, Vater und zwei Kinder, links und rechts acht Plastiktüten und zwei Kisten.

Bali beweist: Auf einen Scooter passt die ganze Familie.

Aber an der nächsten Ecke wartet immer das Paradies. Reisterrassen, unfassbar sattgrün. Kopfgroße Blüten in lila und pink. Wenn es nicht nach Abgasen stinkt, duftet es nach Räucherstäbchen. Von unserem Bungalow im tropischen Garten am Rand von Ubud aus hören wir jeden Abend aus der Ferne das aufgeregte Klingeln der Gamelanorchester. Von ganz nah das Anschwellen und Abschwellen von Grillenzirpen. Und etwas, das klingt, als würde man auf eine Gummiente treten. „Fußhupe“ nennen wir das Geräusch. Es dauert ein paar Tage, bis wir herausfinden, dass es Geckos sind.

Reisterrassen auf Bali

Bali: Unsere Oase finden wir in Ubud

Auf der Monkey Forest Road im Stadtzentrum weichen wir mannshohen Schotterhaufen mitten auf dem Gehweg aus und ignorieren angestrengt die immergleichen Touristen-Lockrufe („Massage?“ „Transport?“). Ein schätzungsweise achtjähriger Scooterfahrer hupt uns von der Straße. Wir sind auf dem Weg zum Café Wayan, unserem Lieblingsort in Ubud. Hier sitzt man barfuß auf Podesten mitten im Dschungel, im Hintergrund plätschert das Wasser in kleinen Brunnen. Eine Oase im Chaos. Gleich da vorne rechts.


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