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Eat Pray Love auf Bali?! Warum ich nicht beim Handleser war

27. Januar 2015
Eat Pray Love auf Bali: Ganesha

Zuletzt aktualisiert am 2. Juni 2021 um 7:18

Auf Bali lasse ich mir aus der Hand lesen. Das hatte ich mir zumindest in den Kopf gesetzt. Und dann traf ich Ketut, den Rezeptionisten unseres Hotels … Eine kurze Geschichte aus Indonesien, die mir heute durchaus peinlich sein könnte. Außerdem: Wie haben der Mega-Bestseller „Eat, Pray, Love“ von Elizabeth Gilbert und seine Verfilmung mit Julia Roberts den Tourismus auf Bali verändert?


Zum Handleser auf Bali? Ernsthaft? – Eine Geschichte

Ketut lacht. Er wirft den Kopf in den Nacken, legt die rechte Hand mit den klobigen Ringen vor seine Augen. Mit der anderen hält er sich den Bauch. Ich stehe ihm an der Rezeption gegenüber und möchte mich in Luft auflösen. Denn Ketut lacht über mich.

Kannst du einen Handleser empfehlen?“ Das war die Frage, die seine Schultern wild auf und ab hüpfen lässt. Seit wir in der Bungalow-Anlage in Ubud seine Gäste sind, hatte Ketut für jedes Problem eine Lösung. Einen netten Fahrer hat er uns beschafft (seinen Bruder) und Tickets für die Überfahrt zu den Gili-Inseln (viel günstiger). Selbst beim Auskurieren meiner Lebensmittelvergiftung stand er mir mit Rat und Tat zur Seite („Schwarzen Tee trinken und erst einmal nichts essen.“).

Eine von unzähligen Statuen in Ubud

Und nun das. „Glaubst du etwa an so einen Quatsch?“ fragt er, als er sich endlich wieder beruhigt hat. Nein. Ja. Weiß nicht. Ich spüre, wie ich rot werde. Die Idee ist jedenfalls nicht neu. Schon zu Hause habe ich mir in den Kopf gesetzt, mir auf Bali aus der Hand lesen zu lassen und per E-Mail zu einem Handleser namens Agus Kontakt aufgenommen. „YOU CAN JUSH COME TO MY HOUSE ANYTIME YOU WANT, BUT EVERYDAY MANY PEOPLE COME TO ME FOR HAVE ANY SESSION, SO IF YOU JUSH COME,THEN I AM NOT VERY SURE IF YOU CAN MEET ME. OR YOU MUSH WAIT FOR LONG TIME“, hatte der mir geantwortet. Ich wollte das Risiko, ihn zu verpassen, nicht eingehen. Und dachte, Ketut kennt bestimmt eine Alternative. „Wozu brauchst DU denn einen Handleser? Was erhoffst du dir davon?“ fragt er mich stattdessen.

Meine Hand. Was sagt der Handleser?

Was Handleser Ketut Liyer aus „Eat, Pray, Love“ wohl in meiner Hand gelesen hätte?

Tja, was eigentlich?

Antworten. Antworten auf Fragen, die mich lange schon beschäftigen. Warum habe ich so oft das Gefühl, ich gehöre dort nicht hin, wo ich bin? Wo ist mein Platz? Wann komme ich da an? Was muss ich dafür tun? Und ganz konkret: Soll ich einen Schnitt machen, alles zurücklassen, die Arbeit, die Stadt, die Freunde, die Familie, und ins Ausland gehen? Oder kehre ich von dort genau so rat- und ruhelos zurück? Ich wollte Hilfe bei meiner Entscheidung. Weniger zweifeln, mehr vertrauen. Darauf, dass am Ende alles gut wird. Frieden schließen mit allem, was schief gegangen ist. Fertig werden mit allem, was wehgetan hat. Später einmal sagen können: Das war alles ganz richtig so, es musste alles genau so sein.

Think, Analyze, Act“ statt „Eat, Pray, Love“

All das sage ich Ketut nicht. Ich druckse herum, behaupte, dass ich es lustig finden würde. Dass ich neugierig sei. Und dann bekomme ich meine Antworten. Nicht von Agus, dem Handleser, sondern von Ketut, dem Rezeptionisten. Der mich jetzt sehr ernst ansieht. „Finde heraus, was dir fehlt in Deinem Leben. Frage es dich ganz genau, sei ehrlich zu dir selbst dabei. Ganz egal, was es ist – Liebe, Geld, ein anderer Job, Abwechslung, weniger Stress, was auch immer – krieg deinen Hintern hoch, höre auf deine innere Stimme, tu all das, was notwendig ist, um dein Ziel zu erreichen. So einfach ist das. Kein Handleser kann dir dabei helfen. Da musst du ganz allein durch“, sagt er. Und grinst.

Und gegen Unruhe hilft Meditation“, fügt er hinzu, bevor er sich umdreht und mich allein lässt mit meinen Gedanken. Noch am selben Tag treffe ich eine Entscheidung.

***


Eat, Pray, Love, die Insel Bali und ich

Diese kurze Geschichte habe ich 2013 geschrieben, im selben Jahr meiner Reise nach Bali. Sie heute zu lesen, weckt in mir das Bedürfnis, erst einmal Folgendes klarzustellen: Ich bin damals nicht wegen „Eat, Pray, Love“ nach Bali geflogen. Die indonesische Insel war eines von mehreren infrage kommenden Zielen, für das die Freundin, mit der ich gereist bin, und ich uns gemeinsam entschieden, nachdem wir uns über unsere Optionen belesen hatten.

Ich wollte auf Bali auch nicht wegen „Eat, Pray, Love“ zum Handleser. Mir einmal aus der Hand lesen zu lassen, das hat mich aus irgendeinem Grund schon immer gereizt. Bis heute habe ich meiner Neugier nie nachgegeben und mir weder auf einem heimischen Jahrmarkt noch einer asiatischen Insel je von einem Hellseher oder Handleser meine Zukunft prophezeien lassen. Am Ende bin ich wohl doch zu stark davon überzeugt, dass mein Leben nicht in meiner Handfläche geschrieben steht und ich auf das, was mir passiert oder nicht, Einfluss habe.

Eat Pray Love auf Bali: Auch Julia Roberts fährt durch die Reisterrassen nahe Ubud

Balis berühmte Reisfelder waren Drehorte für „Eat, Pray, Love“: Julia Roberts fährt im Film desöfteren durch sie hindurch

Was aber zweifelsohne stimmt: Ich habe „Eat, Pray, Love“ damals unheimlich gern gelesen. Den Bestseller bekam ich etwa 2009 in die Finger – in einer Zeit, in der ich sehr um mein Selbstvertrauen rang und überaus empfänglich war für Geschichten über Selbstfindung und Selbstliebe. Es war auch die Zeit, in der ich meine ersten längeren Reisen unternahm. All das spielte sicher eine Rolle. Außerdem hielt ich Elizabeth Gilbert, die Autorin, schlichtweg für eine brillante Erzählerin.

Heute, da mir klarer ist, wie gut ich es im Leben habe, verstehe ich die inhaltliche Kritik am Buch wesentlich besser. Ich müsste Elizabeth Gilberts Memoiren noch einmal lesen, um zu überprüfen, ob ich sie mir als Hauptfigur mit all ihren Privilegien inzwischen vielleicht sogar unsympathisch und die Darstellung der Menschen in Italien, Indien und Indonesien zu klischeehaft wären. Ich kann mich zumindest gut daran erinnern, dass ich mich damals sehr über den Film geärgert habe: Im Buch hatte mich Liz’ Schilderung ihrer Depression tief berührt, im Film mit Julia Roberts in der Hauptrolle blieb von dieser ernsthaften Problematik kaum etwas übrig, fand ich.

Wie hat „Eat, Pray, Love“ den Tourismus auf Bali verändert?

Sowohl das Buch aus dem Jahr 2006 als auch der Film von 2010 waren ein Riesenerfolg. Die Memoiren standen 187 Wochen in der Bestseller-Liste der New York Times und haben sich bis heute mehr als 12 Millionen Mal weltweit verkauft. Möglicherweise hat der Erfolg von „Eat, Pray, Love“ sechs Jahre später auch einem Werk den Weg zum Mega-Bestseller geebnet, in dem ebenfalls eine Autorin eine Lebenskrise auf einer Reise zu bewältigen versucht: „Wild“ („Der große Trip“) von Cheryl Strayed.

Was ich damals nicht wusste (Ihr?):  Elizabeth Gilbert hat nicht etwa über eine vergangenes Abenteuer geschrieben, sondern ihre Reise nach Italien, Indien und Indonesien unternommen, als sie den Vertrag für dieses Buch längst in der Tasche und einen Vorschuss eingestrichen hatte.

Auf Bali spielen Buch und Film überwiegend in Ubud, Balis künstlerischem Zentrum in der Mitte der Insel. Unter anderem ist der berühmte Affenwald, Monkey Forest, in „Eat, Pray, Love“ zu sehen. Drehorte waren neben Ubud auch das Dorf Teneganan, Lovina im Norden und der Padang Padang Beach im Süden der Insel, jener Strand an dem die Schlussszene spielt (obwohl es unmittelbar in der Nähe von Ubud gar keinen Strand gibt). Von Interesse ist auch das Hotel, in dem Julia Roberts während der Dreharbeiten nächtigte – das Panchoran Retreat Bali, das ebenfalls einer der „Eat, Pray, Love“-Drehorte war.

Sucht man heute im Internet nach Informationen darüber, wie „Eat, Pray, Love“ den Tourismus auf Bali verändert hat, stößt man durchaus auch auf positive Berichte: Der Roman habe entscheidend dabei geholfen, dem Tourismus auf der Insel wieder auf die Sprünge zu helfen. Nach dem Attentat in einem Nachtclub in Kuta im Jahr 2002, bei dem 202 Menschen starben, waren die Besucherzahlen nämlich drastisch zurückgegangen.

Bei meiner Suche stieß ich außerdem mehrfach auf zwei Personen aus Ubud, die im Buch eine große Rolle spielen. Die eine ist Wayan, die balinesische Heilerin, mit der Liz während ihres Aufenthalts auf Bali Freundschaft schließt. Im Jahr 2010 nahm Wayan für eine Behandlung schon umgerechnet 70 Euro und freute sich über ihr seit dem Bucherfolg blühendes Geschäft. Sie scheint ihre BesucherInnen mit Vorliebe wegen Übergewichts zu behandeln – selbst wenn diese gar nicht übergewichtig sind oder die Heilerin nicht deshalb aufgesucht haben.

Eat Pray Love Bali Aushang im Cafe

In einem Restaurant in Ubud hing 2013 ein Auszug aus „Eat, Pray, Love“ mit Fotos. Worum genau es ging, weiß ich aber nicht mehr

Die andere Person ist selbstverständlich Ketut Liyer, der Liz prophezeite, sie werde nach Bali zurückkehren, sich scheiden lassen und später einmal reich werden. Nach dem Bucherfolg ist wohl kein Tag vergangen, an dem nicht etliche TouristInnen vor seinem Haus Schlange gestanden haben. Viele hatten ihren Ausflug zu dem balinesischen Medizinmann über einen der zahlreichen Tourveranstalter gebucht, die Gästen auch an die anderen Schauplätze im Buch und Drehorte aus dem Film bringen. Als er wegen des Buchs zur Berühmtheit wurde, erhöhte auch Ketut seine Preise um ein Vielfaches und verlangte 30 bis 40 Euro für eine 20-minütige Sitzung. Das Geschäft brummt offenbar noch immer: Seit seinem Tod bietet Ketuts Sohn verschiedene Dienste zur Lebensberatung, allen voran Palm Reading (also Handlesen)  an.

Bloggerin und Yoga-Trainerin Jeanette hat Ketut auf Bali zu Lebzeiten besucht und beschreibt hier ihre ernüchternde Begegnung mit dem „geistesabwesend auf die Menge schielenden“ alten Mann. Auch die US-amerikanische Bloggerin Ashley hat den berühmten Handleser aufgesucht und wunderte sich über die sich sehr ähnelnden Prophezeiungen, die sie und ihre Freundin bekamen.

Besonders Ubud hat sich seit dem Buch gewandelt

Grundsätzlich lässt sich schwer belegen, wie viel Prozent des – längst überhandnehmenden – Besucherzuwachses auf Bali auf „Eat Pray Love“ zurückgehen. Doch natürlich lassen sich viele Belege dafür finden, dass die Reise-Erzählung und die dazugehörige Verfilmung eine Sogwirkung hatten – und zwar vor allem auf an Yoga interessierte Frauen. Der Besitzer eines Yoga-Studios in Ubud, das 2007 ganz bescheiden begann und mittlerweile mehr als 100 Yoga-Stunden in 5 Räumlichkeiten wöchentlich anbietet, meint, 80 Prozent seiner Kunden seien Frauen zwischen 25 und 40 Jahre. Viele Besucher, die Ubud von vorherigen Reisen kannten, schildern, wie rasant die Künstlerstadt sich verändert hat und wie schnell unzählige Yoga-Studios, Cafés und Geschäfte im Zentrum eröffneten.

Tradioneller Kecak-Tanz in Ubud

Fand auch damals schon regelmäßig in Ubud statt: Tradioneller Kecak-Tanz

Mittlerweile kämpft Bali bekanntlich mit einem Overtourismus-Problem, dem ich mich hier gewidmet habe. Zu guter Letzt interessiert mich: Hast du „Eat, Pray, Love“ gelesen? Warst du mal auf Bali? Trifft vielleicht sogar beides zu? Hast du vielleicht sogar die Drehorte besucht? Ich würde mich freuen, wenn du deine Eindrücke und Gedanken dazu in den Kommentaren mit mir und anderen Leser:innen teilst!

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2 Comments
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11. Juni 2016 8:31

Hallo Susanne, ach, herrlich die Geschichte! Ich dachte immer die Balinesen seien noch viel abergläubischer als wir. Ich habe mir bisher 2 Mal aus der Hand lesen lassen, einmal in New Orleans. Alles sah so nach Vodoo und geheimen Mächten aus. Ich war neugierig. Genau genommen, konnte sie vieles raten, z.B. dass ich viel reise. Klar, war ja auch im Urlaub. Die 3 Kinder vom 2. Mann sind bisher ausgefallen und dürften in meinem Alter nicht mehr kommen. ;-) Zum Glück!!! Bali müsste doch allgemein seit diesem Buch boomen. Ich habe den Film gesehen. Vielleicht sollte ich mal das Buch lesen!… Read more »