Geschichten

Drei Hasel­nüsse für Aschen­brödel: Ein Drehort-Besuch

17. Dezember 2017
Drei Haselnüsse für Aschenbrödel Drehort Schloss Moritzburg

Zuletzt aktua­li­siert am 8. Dezember 2019 um 8:03

Auf Schloss Moritz­burg bei Dresden wurde „Drei Hasel­nüsse für Aschen­brödel“ gedreht – ein Film, der auch mir etwas bedeutet. Ihm widmet das Schloss jedes Jahr im Winter eine Aus­stel­lung. Was es am Drehort zu sehen gibt.


Jahr für Jahr läuft „Drei Hasel­nüsse für Aschen­brödel“ etliche Male im deut­schen Fern­sehen. Min­des­tens einmal werde ich daran hängen bleiben. Wie fast jedes Jahr, seit ich denken kann.

Drei Haselnüsse für Aschenbrödel Drehort Schloss Moritzburg Eingang

Am Drehort von „Drei Hasel­nüsse für Aschen­brödel“: Schloss Moritz­burg in Sachsen

Die tsche­chisch-ost­deut­sche Kopro­duk­tion von 1973 liegt mir am Herzen, und das nicht etwa, weil ich Fan von kit­schigen Mär­chen­filmen bin oder mich die Geschichte des Mäd­chens, das buch­stäb­lich wie Phönix aus der Asche steigt, so sehr rührt – dafür habe ich sie viel zu oft gesehen. Der Grund ist ein anderer: Der Film ver­bindet mich auf wun­der­same Weise mit meiner Familie.

Ein Kult­film namens „Hasen­brödel“

Wenn „Drei Hasel­nüsse für Aschen­brödel“ läuft, bin ich wieder zehn Jahre alt und sitze mit den Frauen der Familie auf dem Sofa im Wohn­zimmer meiner Groß­el­tern in Greifs­wald. Im Schein der Lich­ter­kette am sorg­fältig mit Blei­la­metta geschmückten Weih­nachts­baum schauen wir zu, wie Aschen­brödel das Herz des Prinzen gewinnt und das Gute über das Böse siegt. Meine Oma, meine Mutter und meine Tante haben den Film schon zu Ost­zeiten geliebt und lächeln seelig.

Mein Opa kommt durch die Tür, sein Blick fällt auf den Röh­ren­fern­seher. „Och nee, guckt ihr schon wieder Hasen­brödel?“, sagt er in gespielter Ent­rüs­tung. Und dann lässt er sich doch in den Sessel fallen und ein­lullen von den Bil­dern dieses Mär­chens. Und von seiner Musik.

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 „Drei Hasel­nüsse für Aschen­brödel“: Drehort mit Aus­stel­lung

Diese Melodie, die einen nicht mehr los­lässt, sie erklingt auch in den Räumen und Gängen auf Schloss Moritz­burg. Das barocke Jagd­schloss ist einer von vier Dreh­orten von „Drei Hasel­nüsse für Aschen­brödel“. Jedes Jahr im Winter widmet das Schloss dem Kult­film eine Aus­stel­lung. Ich habe sie gleich am Eröff­nungstag besucht, an einem Samstag Mitte November, als der Wind die letzten Blätter von den Bäumen holte.

  • Drei Haselnüsse für Aschenbrödel Drehort: Regie-Stuhl

Viele der Gäste kamen aus Tsche­chien, wo „Drei Hasel­nüsse für Aschen­brödel“ min­des­tens genau so beliebt ist wie hier. Kon­se­quent sind die Erklä­rungen auf allen Schil­dern deutsch und tsche­chisch. Zu sehen gibt es Szenen-Nach­bil­dungen, Ori­gi­nal­kos­tüme und Repli­kate, Requi­siten und Film­pla­kate und an ver­schie­denen Stellen begegnet einem Aschen­brö­dels Rätsel:

Die Wangen sind mit Asche beschmutzt, aber der Schorn­stein­feger ist es nicht. Ein Hüt­chen mit Federn, die Arm­brust über der Schulter, aber ein Jäger ist es nicht. Ein sil­ber­ge­wirktes Kleid mit Schleppe zum Ball, aber eine Prin­zessin ist es nicht. Wer ist das?

Dazu ist die Aus­stel­lung reich an Infos zur Ent­ste­hungs­ge­schichte und Anek­doten zum Dreh des Mär­chen­films. Und die sind mit­unter ernüch­ternd: Zum Bei­spiel lag damals, genau wie am Tag meines Besuchs, noch über­haupt kein Schnee. Im kleinen schloss­ei­genen Kino­saal erzählt Haupt­dar­steller Pavel Tráv­níček auf der Lein­wand, dass die weißen Land­schaften im Film aus Kunst­schnee und Sty­ropor bestehen – und man diverse Szenen wie­der­holen musste, wenn der Wind letz­teren durch­ein­an­der­wir­belte.

Schloss Moritz­burg: Der Drehort stinkt, der Ball­saal ist woan­ders

Auch Fisch­mehl wurde als Schnee­er­satz ver­wendet – mit dem Ergebnis, dass der Drehort wie Hulle stank.

Die Ball­szene wurde nicht auf Schloss Moritz­burg gedreht, son­dern in den Babels­berger Film­stu­dios in Potsdam. Und wer genau hin­sieht, wird fest­stellen, dass es sich bei Niko­laus nicht durch­ge­hend um das­selbe Pferd han­delt: Ungüns­ti­ger­weise brach wäh­rend des Drehs die Maul- und Klau­en­seuche aus und die Crew durfte den Ori­ginal-Niko­laus nicht über die tsche­chisch-deut­sche Grenze bringen und musste ein anderes Pferd beschaffen.

Nach dem Rund­gang landet man schließ­lich vor der Treppe, auf der sich die Schlüs­sel­szene des Mär­chens abspielt: Die, auf der Aschen­brödel beim über­stürzten Ver­lassen des Balls ihren Schuh ver­liert. An dieser Stelle steht heute eine bron­zene Skulptur des Schuhs, dahinter ein hüft­hohes Geländer, das unacht­same Besu­cher davor schützt, drüber zu stol­pern.

Der berühmte Schuh auf der Treppe

Dieser Drehort – die Treppe, auf der Aschen­brödel seinen Schuh ver­liert – zählt zu den bekann­testen

Wer jetzt noch nicht genug hat, kann den Drehort Schloss Moritz­burg in einer Kut­sche umrunden. Oder ein­fach „Drei Hasel­nüsse für Aschen­brödel“ zu Weih­nachten zu Hause schauen. Er läuft übri­gens auch rund um die Uhr bei Net­flix.

Mit der Kutsche um Schloss Moritzburg

In einer Pfer­de­kut­sche kann man den Drehort Schloss Moritz­burg umrunden

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Drei Hasel­nüsse für Aschen­brödel“: Infos zur Aus­stel­lung am Drehort Schloss Moritz­burg

  • Schloss Moritz­burg liegt nörd­lich von Dresden und ist mit öffent­li­chen Nah­ver­kehrs­mit­teln von dort in weniger als 50 Minuten zu errei­chen. Wer Wert auf eine beson­dere Anreise legt, kann mit der his­to­ri­schen Schmal­spur­bahn „Löß­nitz­da­ckel“ von Rade­beul bis Moritz­burg fahren. Preis pro Strecke: 7 Euro. Nur echt mit viel Qualm und Dampf­lock-Sound!

    • Schmallspurbahn in Radebeul
  •  Die Win­ter­aus­stel­lung am Drehort von „Drei Hasel­nüsse für Aschen­brödel“ läuft diesmal von 16.11.2019 bis 1.3.2020.
  • Der Ein­tritts­preis beträgt 9 Euro pro Person und 7, 50 Euro ermä­ßigt
  • Mehr Infos gibt es auf der Web­seite des Schlosses, Tickets kann man dort eben­falls vorab kaufen. Das ist auch ratsam, denn die Aus­stel­lung ist gut besucht und der Ein­lass wird nach bestimmten Zeit­fens­tern gere­gelt.

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Okorie

Warum ist eine Unter­bre­chungen der film­vor­fuhrung in der Weih­nachts­zeit bin extra wegen dem nach Dresden gekommen