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Drei Hasel­nüsse für Aschen­brödel: Zu Besuch am Drehort

17. Dezember 2017
Drei Haselnüsse für Aschenbrödel Drehort Schloss Moritzburg

Zuletzt aktua­li­siert am 31. Juli 2020 um 16:40

Die Moritz­burg bei Dresden war Drehort von „Drei Hasel­nüsse für Aschen­brödel“ – einem Film, der auch mir per­sön­lich viel bedeutet. Ihm widmet das Schloss jedes Jahr im Winter eine Aus­stel­lung. Dort gibt es Ori­gi­nal­kos­tüme und Requi­siten zu sehen und Besu­cher lernen die Umstände der Dreh­ar­beiten kennen. Ein Besuch. Dazu: Wissenswertes über Dreh­orte in Tsche­chien, das berühmte Lied zum Film und seine Schau­spieler und Schau­spie­le­rinnen.


Drei Hasel­nüsse für Aschen­brödel“: Kult­film von 1973

Jahr für Jahr läuft „Drei Hasel­nüsse für Aschen­brödel“ etliche Male im deut­schen Fern­sehen. Min­des­tens einmal werde ich auch in diesem Winter daran hängen bleiben. Wie jedes Jahr. Seit ich denken kann.

Drei Haselnüsse für Aschenbrödel Drehort Schloss Moritzburg Eingang

Am Drehort von „Drei Hasel­nüsse für Aschen­brödel“: Schloss Moritz­burg in Sachsen

Die tsche­chisch-ost­deut­sche Kopro­duk­tion von 1973 liegt mir am Herzen, und das nicht etwa, weil ich Fan von kit­schigen Mär­chen­filmen bin oder weil mich die Geschichte des Mäd­chens, das buch­stäb­lich wie Phönix aus der Asche steigt, so sehr rührt – dafür habe ich sie viel zu oft gesehen. Der Grund ist ein anderer: Der Film ver­bindet mich auf wun­der­same Weise mit meiner Familie.

Wenn „Drei Hasel­nüsse für Aschen­brödel“ läuft, bin ich wieder zehn Jahre alt und sitze mit den Frauen der Familie auf dem Sofa im Wohn­zimmer meiner Groß­el­tern in Greifs­wald. Im Schein der Lich­ter­kette am sorg­fältig mit Blei­la­metta geschmückten Weih­nachts­baum schauen wir zu, wie Aschen­brödel das Herz des Prinzen gewinnt und das Gute über das Böse siegt. Meine Oma, meine Mutter und meine Tante haben den Film schon zu Ost­zeiten geliebt und lächeln seelig.

Mein Opa kommt durch die Tür, sein Blick fällt auf den Röh­ren­fern­seher. „Och nee, guckt ihr schon wieder Hasen­brödel?“, sagt er in gespielter Ent­rüs­tung. Und dann lässt er sich doch in den Sessel fallen und ein­lullen von den Bil­dern dieses Mär­chens. Und von seiner Musik.

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 „Drei Hasel­nüsse für Aschen­brödel“: Drehort Schloss Moritz­burg

Diese Melodie, die einen nicht mehr los­lässt, sie erklingt auch in den Räumen und Gängen auf Schloss Moritz­burg. Das barocke Jagd­schloss ist einer von vier Dreh­orten von „Drei Hasel­nüsse für Aschen­brödel“. Jedes Jahr im Winter widmet das Schloss dem Kult­film eine Aus­stel­lung. Ich habe sie gleich am Eröff­nungstag besucht, an einem Samstag Mitte November, als der Wind die letzten Blätter von den Bäumen holte.

  • Drei Haselnüsse für Aschenbrödel Drehort: Regie-Stuhl

Viele der Gäste kamen aus Tsche­chien, wo „Drei Hasel­nüsse für Aschen­brödel“ min­des­tens genau so beliebt ist wie hier. Kon­se­quent stehen die Erklä­rungen auf allen Schil­dern in deut­scher und tsche­chi­scher Sprache. Zu sehen gibt es Szenen-Nach­bil­dungen, Ori­gi­nal­kos­tüme und Repli­kate, Requi­siten und Film­pla­kate. Und an ver­schie­denen Stellen begegnet einem Aschen­brö­dels Rätsel:

Die Wangen sind mit Asche beschmutzt, aber der Schorn­stein­feger ist es nicht. Ein Hüt­chen mit Federn, die Arm­brust über der Schulter, aber ein Jäger ist es nicht. Ein sil­ber­ge­wirktes Kleid mit Schleppe zum Ball, aber eine Prin­zessin ist es nicht. Wer ist das?

Dazu ist die Aus­stel­lung reich an Infos zur Ent­ste­hungs­ge­schichte und Anek­doten zum Dreh des Mär­chen­films. Und die sind mit­unter ernüch­ternd: Zum Bei­spiel lag damals, genau wie am Tag meines Besuchs, noch über­haupt kein Schnee. Im kleinen schloss­ei­genen Kino­saal erzählt Haupt­dar­steller Pavel Tráv­níček auf der Lein­wand, dass die weißen Land­schaften im Film aus Kunst­schnee und Sty­ropor bestanden – und man diverse Szenen wie­der­holen musste, wenn der Wind das Gemisch mal wieder völlig durch­ein­an­der­wir­belte.

Der Drehort Moritz­burg stank fürch­ter­lich

Auch Fisch­mehl wurde auf und um Schloss Moritz­burg als Schnee­er­satz ver­wendet – mit dem Ergebnis, dass der Drehort ganz fürch­ter­lich stank.

Die Ball­szene wurde nicht auf Schloss Moritz­burg gedreht, son­dern in den Babels­berger Film­stu­dios in Potsdam. Und wer genau hin­sieht, wird fest­stellen, dass es sich bei Niko­laus nicht durch­ge­hend um das­selbe Pferd han­delt: Ungüns­ti­ger­weise brach wäh­rend der Dreh­ar­beiten die Maul- und Klau­en­seuche aus. Die Crew durfte den Ori­ginal-Niko­laus daher nicht über die tsche­chisch-deut­sche Grenze bringen und musste ein anderes Pferd beschaffen.

Nach dem Rund­gang landet man schließ­lich vor der Treppe, auf der sich die Schlüs­sel­szene des Mär­chens abspielt: Die, auf der Aschen­brödel beim über­stürzten Ver­lassen des Balls ihren Schuh ver­liert. An dieser Stelle steht heute eine bron­zene Skulptur des Schuhs, dahinter ein hüft­hohes Geländer, das unacht­same Besu­cher davor schützt, drüber zu stol­pern.

Der berühmte Schuh auf der Treppe

Drei Hasel­nüsse für Aschen­brödel“: Dieser Drehort – die Treppe, auf der Aschen­brödel seinen Schuh ver­liert – zählt zu den bekann­testen auf Schloss Moritz­burg

Wer jetzt noch nicht genug hat, kann den Drehort Schloss Moritz­burg in einer Kut­sche umrunden. Oder ein­fach „Drei Hasel­nüsse für Aschen­brödel“ zu Weih­nachten zu Hause schauen. Er läuft übri­gens auch rund um die Uhr bei Net­flix.

Mit der Kutsche um Schloss Moritzburg

In einer Pfer­de­kut­sche kann man den Drehort Schloss Moritz­burg umrunden

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3HfA: Infos zur Aus­stel­lung am Drehort Schloss Moritz­burg

  • Schloss Moritz­burg liegt nörd­lich von Dresden und ist mit öffent­li­chen Nah­ver­kehrs­mit­teln von dort in weniger als 50 Minuten zu errei­chen. Wer Wert auf eine beson­dere Anreise legt, kann mit der his­to­ri­schen Schmal­spur­bahn „Löß­nitz­da­ckel“ von Rade­beul bis Moritz­burg fahren. Preis pro Strecke: 7 Euro. Nur echt mit viel Qualm und Dampf­lock-Sound!

    • Schmallspurbahn Lößnitzdackel in Radebeul
  •  Die Win­ter­aus­stel­lung am Drehort von „Drei Hasel­nüsse für Aschen­brödel“ läuft in der Regel immer von Mitte November bis Ende Februar des Fol­ge­jahres.
  • Der Ein­tritts­preis beträgt 9 Euro pro Person und 7, 50 Euro ermä­ßigt
  • Mehr Infos gibt es auf der Web­seite des Schlosses, Tickets kann man dort eben­falls vorab kaufen. Das ist auch ratsam, denn die Aus­stel­lung ist gut besucht und der Ein­lass wird nach bestimmten Zeit­fens­tern gere­gelt.

Drei Hasel­nüsse für Aschen­brödel: Mehr über den Weih­nachts­film

Wie schon erwähnt ist der Film eine tsche­chisch-ost­deut­sche Kopro­duk­tion und hat im heu­tigen Tsche­chien ebenso viele Fans wie bei uns in Deutsch­land. Er basiert auf der Aschen­puttel-Ver­sion der Gebrüder Grimm von 1819 sowie auf dem davon abge­wan­delten Kunst­mär­chen „Drei Hasel­nüsse für Aschen­brödel“ der tsche­chi­schen Schrift­stel­lerin Božena Něm­cova, das zwischen 1842 und 1845 ent­stand. Regie führte Václav Vor­líček, ein tsche­chi­scher Film­re­gis­seur. Das Dreh­buch stammt von dem tsche­chi­schen Dra­ma­turg und Dreh­buch­autor Fran­tišek Pav­líček. Von Dreh­orten über Schau­spieler und Schau­spie­le­rinnen bis hin zur Film­musik hat Tsche­chien viele wei­tere ent­schei­dende Anteile an der Ent­ste­hung des beliebten Mär­chen­films.

Dreh­orte in Tsche­chien

Viele ver­binden mit „Drei Hasel­nüsse für Aschen­brödel“ Schloss Moritz­burg und die Babels­berger Film­stu­dios, viele Szenen des tsche­chisch-ost­deut­schen Films ent­standen aber auch in Tsche­chien. Und genau wie Schloss Moritz­burg sind die tsche­chi­schen Dreh­orte eine Reise wert.

Auf tsche­chi­scher Seite wurde im Böh­mer­wald, in den Film­stu­dios Bar­randov in Prag sowie im Was­ser­schloss Švihov (deutsch Schwihau) gedreht. Die Burg Švihov stammt aus dem 14. Jahr­hun­dert. Sie befindet sich in der Stadt Švihov im Bezirk Okres Kla­tovy. Als Drehort für „Drei Hasel­nüsse für Aschen­brödel“ dienten die Wirt­schafts­ge­bäude der Vor­burg. Und: Auch auf Schloss Švihov gibt es eine Dau­er­aus­stel­lung zum Film. Mehr Infos dazu hier.

Drei Haselnüsse für Aschenbrödel Burg Švihov

Die Burg Švihov in Tsche­chien war auch einer der Dreh­orte von „Drei Hasel­nüsse für Aschen­brödel“. Foto: Jiří Strašek / CC BY-SA 4.0

Das Lied aus dem Film

Auch die Film­musik stammt von einem tsche­chi­schen Kom­po­nisten, näm­lich von Karel Svo­boda. Wäh­rend der Sound­track und auch die Titel­me­lodie von „Drei Hasel­nüsse für Aschen­brödel“ in Deutsch­land instru­mental gehalten war, sang in der tsche­chi­schen Ori­gi­nal­ver­sion Karel Gott einige der Stücke. Später gab es die Titel­me­lodie auch als Single mit Text. Ende 2008 kam eine eng­li­sche Vari­ante des DJs Shaun Baker und der Sän­gerin Maloy auf den Markt („Could You, Would You, Should You“). 2009 erschien das Lied in einer deut­schen Ver­sion mit dem Titel „Küss mich, halt mich, lieb mich“, inter­pre­tiert von Ella End­lich.

Drei Haselnüsse für Aschenbrödel Drehort: Hier gibt es Infos zur Filmmusik

Die Schau­spieler und Schau­spie­le­rinnen

Die beiden Stars des Films, Libuše Šafrán­ková in der Rolle des Aschen­brödel und Pavel Tráv­níček als Prinz, kommen beide aus Tsche­chien. Libuše Šafrán­ková war beim Dreh gerade einmal 19 Jahre alt, Pavel Tráv­níček 22. Pavel Tráv­níček konnte nicht reiten und sprach bei den Dreh­ar­beiten noch mit einem so starken mäh­ri­schen Akzent, dass man nicht nur die deut­schen Schauspieler:innen, son­dern sogar ihn für die tsche­chi­sche Fas­sung syn­chro­ni­sierte. Übri­gens: Libuše Šafrán­ková und Pavel Tráv­níček gaben neun Jahre nach „Drei Hasel­nüsse für Aschen­brödel“ noch einmal ein Lie­bes­paar vor der Kamera, näm­lich in dem Mär­chen­film „Der dritte Prinz“.

Die Stief­mutter, der König und die Königin wurden von deut­schen Schauspieler:innen ver­kör­pert. Carola Braun­bock, die die Stief­mutter spielte, war aller­dings in der dama­ligen Tsche­cho­slo­wakei geboren worden. Karin Lesch, die „Königin“ war in Zürich geboren worden, aber als Jugend­liche mit ihrer Mutter, einer über­zeugten Kom­mu­nistin, in die DDR gezogen. Rolf Hoppe, der für „Drei Hasel­nüsse für Aschen­brödel“ in die Rolle des Königs schlüpfte, war einer der belieb­testen Schau­spieler der ehe­ma­ligen DDR und auch nach der Wende regel­mäßig im deut­schen Fern­sehen, unter anderem in meh­reren Filmen der Tatort-Reihe, zu sehen.

Drei Nüsse für Aschen­brödel: Was machen die Schauspieler:innen heute?

Pavel Tráv­níček, der den Prinzen spielte, ist bis heute vor der Kamera und auf der Thea­ter­bühne aktiv. Er grün­dete 1997 sein eigenes Theater, das Skelet in Prag. Tráv­níček arbeitet außerdem als Syn­chron­spre­cher. Er ist in vierter Ehe ver­hei­ratet und hat zwei erwach­sene und einen 2016 gebo­renen Sohn. Libuše Šafrán­ková, die das Aschen­brödel spielte, war auch nach dem Mär­chen­film als Schau­spie­lerin erfolg­reich. Zunächst wirkte sie in wei­teren Mär­chen­filmen mit, 1996 spielte sie aber auch die Haupt­rolle in dem tsche­chi­schen Drama „Kolya“, der  einen Oscar für den besten fremd­spra­chigen Film erhielt. 2015 wurde bekannt, dass die Schau­spie­lerin an Lun­gen­krebs leidet. Bei einer OP musste ein Fünftel ihrer Lunge ent­fernt werden, in einem Inter­view aus dem Jahr 2016 sagte sie, sie habe alles gut über­standen und es gehe ihr gut.

Rolf Hoppe (der König) wirkte in mehr als 400 Filmen mit. Er starb am 14. November 2018 in Dresden im Alter von 87 Jahren. Carola Bran­bock, die Stief­mutter, war bereits 1978 mit nur 54 Jahren ver­storben. Karin Lesch, die die Königin ver­kör­perte, zog sich schon bald nach den Dreh­ar­beiten zu „Drei Hasel­nüsse für Aschen­brödel“ aus dem Film­ge­schäft und der Öffent­lich­keit zurück.

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2 Comments
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Okorie
23. Dezember 2019 7:16

Warum ist eine Unter­bre­chungen der film­vor­fuhrung in der Weih­nachts­zeit bin extra wegen dem nach Dresden gekommen