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In den Straßen von KL

Autorin
Blick auf KL

Für den Verkehr in Asien bin ich einfach nicht gemacht. Der Beweis: Er war mir schon im hoch entwickelten Kuala Lumpur zu viel.


„Ihr Zimmer befindet sich im 27. Stockwerk“, sagt der Mann an der Rezeption. Bingo! Lara und ich grinsen uns an. Hinter uns liegen zwölf Stunden Flug von Amsterdam, eine Fahrt im tiefgekühlten Flughafen-Shuttle und ein Gewaltmarsch um Kuala Lumpurs Hauptbahnhof herum, auf der Suche nach der Bahn zu unserem Hotel.

Ermattet haben wir unterwegs von einer großartigen Aussicht fantasiert – und werden nicht enttäuscht. Als die Tür aufgeht, laufen wir zur Fensterfront, die Rucksäcke noch immer auf den verschwitzten Rücken.

Ein Gebäude überragt das andere, zwischen den Häuserzeilen rauscht der Verkehr, und wenn wir uns ganz weit nach rechts stellen, können wir sogar die Petronas Towers sehen. Bei Nacht funkeln sie wie überdimensionale Diamanten. Vielleicht werde ich nie wieder in so einem Hotelzimmer schlafen, denke ich, schon gar nicht für 24 Euro mit Frühstück. Hallo Asien!

Petronas Towers in Kuala Lumpur

Meine Augen sind so überwältigt, dass ich den Geräuschen keine Beachtung schenke. Als wir im Bett liegen, dringen sie umso klarer an mein Ohr: Selbst hier oben dröhnt es unaufhörlich, die ganze Nacht knattern Busse, hupen Autos, heulen Motoren. Neidisch schaue ich im Halbdunkel zu Lara hinüber, die dank Ohropax tief und fest schläft. Ich habe auch welche dabei, nur leider kam ich noch nie mit den Dingern zurecht, ich gewöhne mich einfach nicht an die Fremdkörper in meinen Ohren, auch nicht in dieser Nacht.

In Kuala Lumpur rauscht der Verkehr unaufhörlich

Autos, Busse. Scooter: An den darauffolgenden Tagen lerne ich sie regelrecht hassen.

Bei jedem Hupen zucke ich zusammen. In KL, wie alle hier die Stadt nennen, leben 1,5 Millionen Menschen und jeder scheint einen Motorroller zu besitzen. Asiatische Großstadt eben. Und trotzdem bin ich überfordert mit dem Verkehr, überrascht von seiner Allgegenwart. „So was von fußgängerunfreundlich“, sagt Lara, als wir wieder mal nirgends die Straße überqueren können. Die wenigen Fußgängerampeln stehen ständig auf Rot, und wenn sie doch mal auf Grün umspringen, tut das auch nichts zur Sache. Viel Zeit verschwenden wir deshalb mit Zögern: Können wir jetzt? Und dann springen wir wie Rehe über die Straße, bis Lara mit der Zeit mutiger wird, energisch vorangeht und den Arm in Richtung der Fahrer ausstreckt.

Scooters in Kuala Lumpur

Stellenweise gibt es überdachte Fußgängerbrücken, auf denen man in gut zehn Metern Höhe laufen – und durchatmen – kann. Denn unten steht und stinkt die Luft, andauernd steigen einem die Abgase in die Nase, unwillkürlich halte ich immer wieder meine Hand davor.

Mich wundert nicht, dass so viele Menschen hier einen Mundschutz tragen – auch wenn der Anblick befremdlich ist.

Gebetsgesänge und Hip Hop

Befremdlich wie die Mischung aus Gebetsgesängen, die aus Geschäften dröhnt, in denen ausschließlich Schleier verkauft werden, und lautem Hip Hop aus vorbeifahrenden Autos. Überall existiert so vieles Gegensätzliches nebeneinander: Straßenküchen direkt vor Nobelrestaurants. Pagoden, daneben eine Kirche, gegenüber eine Moschee. Hochhäuser mit Tempeldächern. 33 Grad draußen und maximal 16, kaum macht man einen Schritt ins Innere eines Luxuskaufhauses.

Platz der Unabhängigkeit ("Merdeka Square") mit Sultan Abdul Samad Building, Kuala Lumpur

Auf den Straßen wird gedrängelt – aber an der Ampel grüßen die wartenden Fußgänger einander. Einmal winkt uns sogar jemand fröhlich vom Fahrrad aus zu. Der einzige Fahrradfahrer, den wir hier sehen. An der vollen Kreuzung bahnt er sich seinen Weg zwischen den Autos hindurch und lächelt uns an. Wieder so ein Moment, einer von tausenden, wegen derer ich all das hier liebend gern erlebe, wegen derer ich eigentlich doch ganz gern hier stehe, mitten in der Abgaswolke.


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Kommentare

4
  • Liane

    Liebe Susanne,
    ich bin gerade auf deinen Post gestoßen und kann deine Eindrücke absolut nachempfinden. Wir waren nur zwei Tage lang in KL und haben der Stadt bestimmt nicht die Aufmerksamkeit geschenkt, die sie verdient hätte, aber unsere Lieblingsstadt wird sie nicht. Da finde ich z.B. Bangkok um einiges spannender. Aber die Petronas Tower sind tatsächlich ein Hingucker. Schon bei Tageslicht sehen sie toll aus, aber Nachts sind sie noch viel viel beeindruckender. Und beeindruckend ist auch noch, finde ich, dass sie einer der schwersten Gebäude sind, da man beim Bau nicht genügend Stahlbeton hatte und komplett auf Beton zurückgreifen musste. Sorry, ein bisschen unnützes Wissen muss manchmal sein 🙂

    Liebe Grüße!

    • Susanne

      Spannend, ich wusste das nicht, obwohl ich auch da oben drauf war. Mir gefiel aber übrigens auch Bangkok nicht besonders – aber daran ist auch eine gewisse Verweigerungshaltung schuld. Als ich da ankam, wollte ich nur so schnell wie möglich ans Meer. Wie ich Bangkok bis dahin erlebt hatte, war mir das viel zu voll, hektisch, stickig. Auch so eine Stadt, die vielleicht eine zweite Chance verdient. Immerhin schwärmen viele von Bangkok. Hm.

  • mogroach

    Hi Susanne,

    spannend gerade zu lesen wie unterschiedlich die Meinungen sein können. Wir waren letztes Jahr für zwei Nächte in KL und total begeistert… vor allem weil die Stadt weniger hektisch wirkt als so manch Andere in Asien und weniger gehupt wird als sonst… 😉 Okay, Fußgängerfreundlich ist die Stadt tatsächlich nicht, da muss ich dir Recht geben. Wir haben´s wie die Einheimischen gemacht und sind denen bei rot immer hinterher gelaufen…. Sonst würden wir wohl jetzt noch dort an der Ampel stehen. 🙂
    Wir waren auch von den Tower und dem zugehörigen KLCC Park wahnsinnig beeindruckt… eine grüne, ruhige Oase in der wir viele Stunden verbracht haben und gefühlte tausend Bilder von den Tower geschossen haben.
    VG Silvi und Chris

    • Susanne

      Hallo Ihr zwei,
      na, wie gesagt, das war meine erste asiatische Großstadt vor vier Jahren, insofern sind da die Meinungen gar nicht mehr so unterschiedlich, von heute aus betrachtet. 🙂 Nach wie vor gilt aber: Ich bin nicht wirklich gemacht für den Verkehr in asiatischen Großstädten. Ist so, bleibt so, auch wenn da natürlich, je mehr ich gereist bin, viele Abstufungen erkennbar waren. Euch noch eine gute Reise!

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