Inspiration

Nar­ben­herz: Ein Buch für alle, die noch hadern

25. März 2015
Jessica Wageners „Narbenherz“

Zuletzt aktua­li­siert am 29. Juli 2020 um 14:59

Wenn sie diese Tortur über­steht, wird sie in die Welt auf­bre­chen, schwört sich die krebs­kranke Jes­sica noch im Kran­ken­haus. In ihrem Buch „Nar­ben­herz“ erzählt sie ihre bewe­gende Geschichte – und räumte damit die letzten Zweifel an meinen Rei­se­plänen aus.


Fast ein Jahr vor meiner großen Reise stieß ich auf den Blog der Jour­na­listin Jes­sica Wagener. Ein glück­li­cher Zufall. Denn mit jedem ihrer Texte wichen meine letzten Zweifel. Einer nach dem anderen. Bis ich tief im Inneren wusste: Ich werde reisen. Es wird das Beste für mich sein.

Inzwi­schen gibt es Jes­sicas bewe­gende Geschichte auch als Buch. „Nar­ben­herz“ heißt es. Ich lege es jedem nahe, der seine Lebens­träume ein ums andere Mal ver­schiebt. Auf irgend­wann, wenn’s besser passt. Als ließe das Leben sich planen. „Es gibt doch gar keine Sicher­heit im Leben“, schreibt die Autorin, „Nicht finan­ziell, nicht gesund­heit­lich, nicht emo­tional. Einen Job kann man ver­lieren, eine Bezie­hung kann zer­bre­chen. Sicher­heit ist eine Illu­sion.“

Sie weiß, wovon sie spricht. Mit 33 bekommt Jes­sica Wagener die Dia­gnose Krebs. Wegen Kom­pli­ka­tionen bei einer OP müssen ihr zudem fast die Beine ampu­tiert werden. Noch wäh­rend ihrer Chemo fasst die Jour­na­listin einen Ent­schluss. „Wenn ich diese Tortur über­stehe, wenn ich den Krebs aus meinem Körper gejagt habe – dann werde ich nur noch das tun, was mein Herz erfüllt. Jede Sekunde aus­kosten. Keinen Atemzug ver­geuden.“

Nar­ben­herz: die Seele voll­stopfen mit schil­lernden Erleb­nissen

Also reist die Ham­bur­gerin sechs Monate lang um die Welt, sie will Kopf und Seele „voll­stopfen mit schil­lernden Erleb­nissen“. Bild­ge­waltig erzählt sie in „Nar­ben­herz“ vom hur­ri­ca­ne­be­dingten Strom­aus­fall in New York, vom Leben in Rios Favelas, vom Tan­go­tanzen in Buenos Aires. Immer wieder jedoch holt das Erlebte sie ein und zwingt sie, sich mit den Folgen aus­ein­an­der­zu­setzen – mit der Angst vor dem Tod, die zu ihrem stän­digen Begleiter geworden ist. Mit dem schmerz­haften Ver­lust von Freun­dinnen, die mit ihrem Trauma nicht umgehen konnten. Und mit ihrem gebro­chenen Herzen – denn auch mit einer kom­pli­ziert gewor­denen Bezie­hung will sie auf ihrer Reise abschließen.

Von ihrer Angst, ihrem Schmerz, ihrem Glück und ihrer Dank­bar­keit erzählt Jes­sica Wagener zutiefst berüh­rend, mit Sätzen, die ins Mark treffen und noch lange nach­hallen. Manche wegen ihrer Deut­lich­keit („Tschüs. Fickt Euch hart, Ihr Drecks-Erin­ne­rungen.“). Manche, weil sie den ganzen Horror auch mit wenigen Worten schmerz­haft genau beschreiben: „Ihre Stimme wärmt mich nicht“, heißt es etwa über eine Kran­ken­schwester, die „betont sonnig” mit ihr spricht.

Stück für Stück gewinnt Jes­sica das Ver­trauen zurück, das der Krebs ihr genommen hat: Ver­trauen in das Leben. „Reisen kann Seelen heilen“, ist sie nach ihrer Heim­kehr über­zeugt.

Die letzten Seiten von „Nar­ben­herz“ habe ich ges­tern in Singapur gelesen, in einem Bistro im Bota­ni­schen Garten. Danach brachte der Kellner mein Laksa, neben mir plät­scherte ein Was­ser­fall, ich aß und lauschte und schaute mich um. Und dachte einmal mehr: Das alles hier, das ist ganz richtig so.

***


Wel­ches Buch hat dein Fernweh geweckt? Erzähl mir davon in den Kom­men­taren.


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2 Comments
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Britta
30. März 2015 8:41

Liebe Susanne, auch wenn’s ein biss­chen banal ist: Das Buch von Meike Win­ne­muth, das sie nach ihrer Welt­reise durch den Mil­lio­nen­ge­winn bei “Wer wird Mil­lionär” geschreiben hat, ist auch ein guter Weg­be­reiter. Die Autorin ist klug und witzig, und sie ver­steht eine Menge davon, auf die “rich­tige” Art zu reisen. Außerdem: Die Enden der Welt von Roger Wil­lemsen, sehr, lesens­wert!!!!
Alles Liebe Britta