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Ein Buch für alle, die noch hadern

Autorin
Jessica Wageners „Narbenherz“

Wenn sie diese Tortur übersteht, wird sie in die Welt aufbrechen, schwört sich die krebskranke Jessica noch im Krankenhaus. Wie ihre bewegende Geschichte die letzten Zweifel an meinen Reiseplänen ausräumte.


Fast ein Jahr vor meiner großen Reise stieß ich auf den Blog der Journalistin Jessica Wagener. Ein glücklicher Zufall. Denn mit jedem ihrer Texte wichen meine letzten Zweifel. Einer nach dem anderen. Bis ich tief im Inneren wusste: Ich werde reisen. Es wird das Beste für mich sein.

Inzwischen gibt es Jessicas bewegende Geschichte auch als Buch.* „Narbenherz“ heißt es. Ich lege es jedem nahe, der seine Lebensträume ein ums andere Mal verschiebt. Auf irgendwann, wenn’s besser passt. Als ließe das Leben sich planen. „Es gibt doch gar keine Sicherheit im Leben“, schreibt die Autorin, „Nicht finanziell, nicht gesundheitlich, nicht emotional. Einen Job kann man verlieren, eine Beziehung kann zerbrechen. Sicherheit ist eine Illusion.“

Sie weiß, wovon sie spricht. Mit 33 bekommt Jessica Wagener die Diagnose Krebs. Wegen Komplikationen bei einer OP müssen ihr zudem fast die Beine amputiert werden. Noch während ihrer Chemo fasst die Journalistin einen Entschluss. „Wenn ich diese Tortur überstehe, wenn ich den Krebs aus meinem Körper gejagt habe – dann werde ich nur noch das tun, was mein Herz erfüllt. Jede Sekunde auskosten. Keinen Atemzug vergeuden.“

Die Seele vollstopfen mit schillernden Erlebnissen

Also reist die Hamburgerin sechs Monate lang um die Welt, sie will Kopf und Seele „vollstopfen mit schillernden Erlebnissen“. Bildgewaltig erzählt sie in „Narbenherz“ vom hurricanebedingten Stromausfall in New York, vom Leben in Rios Favelas, vom Tangotanzen in Buenos Aires. Immer wieder jedoch holt das Erlebte sie ein und zwingt sie, sich mit den Folgen auseinanderzusetzen – mit der Angst vor dem Tod, die zu ihrem ständigen Begleiter geworden ist. Mit dem schmerzhaften Verlust von Freundinnen, die mit ihrem Trauma nicht umgehen konnten. Und mit ihrem gebrochenen Herzen – denn auch mit einer kompliziert gewordenen Beziehung will sie auf ihrer Reise abschließen.

Von ihrer Angst, ihrem Schmerz, ihrem Glück und ihrer Dankbarkeit erzählt Jessica Wagener zutiefst berührend, mit Sätzen, die ins Mark treffen und noch lange nachhallen. Manche wegen ihrer Deutlichkeit („Tschüs. Fickt Euch hart, Ihr Drecks-Erinnerungen.“). Manche, weil sie den ganzen Horror auch mit wenigen Worten schmerzhaft genau beschreiben: „Ihre Stimme wärmt mich nicht“, heißt es etwa über eine Krankenschwester, die „betont sonnig“ mit ihr spricht.

Stück für Stück gewinnt Jessica das Vertrauen zurück, das der Krebs ihr genommen hat: Vertrauen in das Leben. „Reisen kann Seelen heilen“, ist sie nach ihrer Heimkehr überzeugt.

Die letzten Seiten von „Narbenherz“* habe ich gestern in Singapur gelesen, in einem Bistro im Botanischen Garten. Danach brachte der Kellner mein Laksa, neben mir plätscherte ein Wasserfall, ich aß und lauschte und schaute mich um. Und dachte einmal mehr: Das alles hier, das ist ganz richtig so.


 

Welches Buch hat dein Fernweh geweckt? Erzähl mir davon in den Kommentaren.

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Kommentare

3
  • Britta

    Liebe Susanne, auch wenn’s ein bisschen banal ist: Das Buch von Meike Winnemuth, das sie nach ihrer Weltreise durch den Millionengewinn bei „Wer wird Millionär“ geschreiben hat, ist auch ein guter Wegbereiter. Die Autorin ist klug und witzig, und sie versteht eine Menge davon, auf die „richtige“ Art zu reisen. Außerdem: Die Enden der Welt von Roger Willemsen, sehr, lesenswert!!!!
    Alles Liebe Britta

    • Susanne

      Liebe Britta: kein bisschen banal, finde ich – bin großer Meike-Winnemuth-Fan und kenne das Buch. Ich würde es auch empfehlen! Gut, dass Du Roger Willemsen erwähnst – steht auch schon auf meiner Liste! Alles Liebe zurück!

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