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Südwesten der USA: Das Leben ist ein Roadtrip

1. Februar 2015
Südwesten USA: Monument Valley

Zuletzt aktualisiert am 2. Juni 2021 um 7:21

Ein Auto, zwei Freundinnen, 3000 Meilen: Eine Geschichte über einen Roadtrip durch den Südwesten der USA, von Nevada über Utah, Arizona und Kalifornien zurück zum Startpunkt Las Vegas. Dazu: Nationalparks, Städte, Sehenswürdigkeiten: Was eine Reise durch den Südwesten der USA so reizvoll macht.


Südwesten der USA: Im Mietwagen von Canyon zu Canyon

Ein Roadtrip? So wie Thelma und Louise?“ fragte ein Freund vor der Abreise. In Gedanken sah ich Lara und mich im Auto auf einer diesen endlosen, schnurgeraden Straßen zur Musik mitsingen. Mit Wind und Sonnenbrille im Haar. Und auch ein bisschen auf der Flucht – zwar nicht vor der Polizei wie die Frauen in dem Film. Aber wer reist, ist doch immer auf der Flucht vor irgendwas.

Diese Straßen jedenfalls – sie sind hier im Südwesten der USA genau so, wie ich sie mir vorgestellt habe. Gleich am ersten Tag packe ich meine Fahrangst am Kragen, zerre sie von der Rückbank und schmeiße sie aus dem Auto. Fünf Jahre lang habe ich mich vorm Autofahren gedrückt, aber hier im Süden von Nevada kann nun wirklich gar nichts schief gehen. Automatik, kaum Gegenverkehr, links und rechts Steppe, am Horizont ein paar Berge und ansonsten: gar nichts.

Mit dem Mietwagen durch Nevada

Mit dem Mietwagen unterwegs im Südwesten der USA: Schnurgerade Straßen, kaum Gegenverkehr

Noch dazu haben wir Hilde. So heißt unser Navi. Hilde kann kein Englisch, sie spricht die Straßen- und Ortsnamen so aus, wie sie geschrieben stehen. In Richtung „Doofentowen“ (Downtown) schickt sie uns und in den Nationalparks zum „Entranze“ (Entrance). Aber auf Hilde ist Verlass. 3000 Meilen weit.

On the road im Südwesten der USA

Im Grenzbereich von Nevada, Utah und Arizona: An einem Tag unserer Reise sind wir in allen drei Staaten

Zehn Uhr abends, irgendwo in Arizona. Die Klimaanlage pustet seit Stunden tapfer gegen die 38 Grad von draußen an. Es ist längst dunkel, als wir in der abgelegenen Wüstenstadt Page ankommen. Keinen Meter weiter wollen wir fahren, nur ein Bett müssen wir noch finden. Wir klappern fünf Motels ab – alle ausgebucht. Mit jedem „Nein“ mischt sich mehr Resignation in meine Müdigkeit. Am sechsten Motel, versteckt in einer Seitenstraße, hängt ein Zettel mit einer Telefonnummer. Man möge anrufen, es sei für heute noch was frei. Zehn Minuten später biegt ein Auto auf den Hof und ein Engel steigt aus. Mit nassen Haaren und rosa Plastiklatschen an den Füßen. Sie habe gerade unter der Dusche gestanden, als das Telefon klingelte, ruft uns die kleine, rundliche Frau namens Shannon fröhlich zu. Eine Ferienwohnung gebe es da noch.

Das Apartment ist viel zu groß und eigentlich zu teuer. Aber so verlockend gegenüber einer Nacht im Auto. Später decke ich mich im Queensize-Bett mit dem Gefühl von Sicherheit zu: Mal wieder alles gut gegangen. Mal wieder umsonst die Laune verhageln lassen.

Urlaub im Südwesten der USA: Der Antelope Canyon ist ein Muss

Am nächsten Tag stehen wir mit offenen Mündern im Antelope Canyon. Ein begehbares Natur-Kunstwerk: Wind und Wasser haben die Felsen um uns herum angespitzt und rund geschliffen, Licht lässt den Sandstein goldgelb bis kirschrot leuchten. Wir packen unsere Kameras gar nicht mehr weg. „Du bist nur einmal hier. Genieße es!“, denke ich bei jedem zweiten Klick. Eines der Fotos schicke ich später einem Freund. „Hast Du das selbst aufgenommen?“, fragt er. „Ja! Es sieht dort wirklich so aus!“, antworte ich.

Ein Muss im Südwesten der USA: Antelope Canyon

Darf auf einer Reise in diesem Teil der USA nicht fehlen: Der Antelope Canyon in Arizona

Lower Antelope Canyon Ausstieg Ausgang

Hier geht’s wieder raus: Ausstieg aus dem Lower Antelope Canyon

Diese wertvollen Hier-und-Jetzt-Momente. Es gibt reichlich davon. In der Stadt Flagstaff merken wir nur zufällig, dass wir auf der Route 66 unterwegs sind. Am Grand Canyon fühlen wir uns winzig klein und können uns an den uralten Gesteinsschichten in den verschiedensten Rottönen kaum sattsehen.

Grand Canyon Arizona

Der Grand Canyon ist vielleicht die berühmteste Sehenswürdigkeit im Südwesten der USA

In San Diego, Kalifornien, essen wir vom weltbesten Cheesecake, bis uns schlecht wird. Im Yosemite Park trottet ein junger Schwarzbär vor unserem Auto über die Straße, minutenlang glotzen wir ihm hinterher.

 Beach Boardwalk: Besonderer Park bei San Francisco, Kalifornien

Oder der Beach Boardwalk: Dass mitten am Strand von Santa Cruz Kaliforniens ältester Vernügungspark steht, erfahren wir erst, als wir in der Stadt südlich von San Francisco ankommen. Nur ein Parkplatz trennt ihn von unserem Motel. Der Wind trägt die vergnügten Schreie der Fahrgäste in unser Zimmer. Mit klopfenden Herzen und neugierig wie Kinder laufen wir los, kaum dass wir Koffer und Rucksack abgestellt haben. Wir freugruseln uns in der Geisterbahn und noch mehr im „Giant Dipper“, einer Holzachterbahn von 1924, die viel schlimmer ist, als sie aussieht. Und dann lassen wir uns in der  Spielhalle die Zukunft vorhersagen. Alles wird gut, steht – zusammengefasst – auf dem Zettel, den der Automat auf Knopfdruck ausspuckt.

Santa Cruz Beach Boardwalk

Santa Cruz Beach Boardwalk:  einer der ältesten Parks dieser Art in den USA

Dabei kann er uns eigentlich gestohlen bleiben, der Gedanke an die Zukunft. So schwer hat er sich bislang abhängen lassen. Sobald wir mal nicht mit jeder Faser mit Erleben beschäftigt sind, sobald wir wieder nur stundenlang auf einer dieser Straßen geradeaus fahren, fläzt er sich frech in unsere Mitte und flüstert uns seine nervigen Fragen ins Ohr. Uns, den beiden Singles Anfang 30. Die bei jeder Gelegenheit die Tasche packen und abhauen – je länger am Stück, umso besser, scheint in letzter Zeit zu gelten.

Andauernd will er wissen, ob wir richtig sind auf unserem Weg. Als sei das ganze Leben ein Roadtrip. Nur einer ohne Navi eben. Keiner sagt uns, wann wir abbiegen müssen. Oder dass wir viel zu schnell fahren. Oder dass wir geradewegs auf einen Stau zuhalten. Oder welche Strecke die bessere ist. Und vor allem: Wann wir ankommen.

An einer roten Ampel, zurück in Nevada, fallen uns die Glückskekse ein, die wir am Vorabend zusammen mit der Rechnung beim Chinesen bekommen haben.

Was steht in Deinem?“
„Learn Chinese: Curry Chicken …“
„Hä? Dreh mal um.“
„Achso. Don’t worry. Prosperity will knock on your door soon. Und bei Dir?“
„Enjoy life! This is not a dress rehearsal.“

Vor uns taucht die Skyline von Las Vegas auf.

In Las Vegas begann und endete der Roadtrip im Südwesten der USA

In zwei Hotels hier begann und endete unser Urlaub in den USA: Las Vegas

***


Einmal im Leben: Was Urlaub im Südwesten der USA reizvoll macht 

Der Text oben ist – wie so viele Beiträge hier auf meinem Blog – eine Geschichte und kein Reisebericht. Insofern ist er zugegebenermaßen nicht gerade informativ. Chronologische Reiseberichte mit Beschreibungen jedes einzelnen Reisetages machen mir leider keinen Spaß. Andere BloggerInnen können das besser und sind dabei mit ihrer Dokumentation von Entfernungen, Unterkünften, alles rund um den Mietwagen, Eintrittspreisen und sonstigen Kosten weitaus genauer sind als ich.

Wer richtige, ausführliche Reiseberichte über Roadtrips im Südwesten der USA samt Route für die Rundreise lesen möchte, dem empfehle ich die folgenden: Tanja und Christian von „Takly on Tour“ haben den Südwesten der USA im Wohnmobil samt Kleinkind bereist, Andreas von „Reisewut“ hat all sein Wissen über den „klassischen Südwesten“ übersichtlich hier zusammengetragen, und auch Mandy von „Travelroads“ hat einen detaillierten Reisebericht über ihren Solo-Roadtrip mit dem Mietwagen durch den Südwesten der USA geschrieben – mit Tagesetappen und Tipps. Die Blogger von Phototravellers.de haben sich außerdem deziert mit den Sehenswürdigkeiten im Südwesten der USA beschäftigt.

Horseshoe Bend

Sicher eine der am häufigsten fotografierten Sehenswürdigkeiten im Südwesten der USA (und mittlerweile wohl recht überlaufen): Horseshoe Bend nahe Page, Arizona

Was genau mit „Südwesten der USA“ gemeint ist, ist übrigens gar nicht so eindeutig und die Abgrenzung zum „Mittleren Westen“, zur „Westküste“ und zu den „Südstaaten“ unscharf. Touristisch, das meint jedenfalls Wikipedia, werde das Colorado-Plateau als der Südwesten der USA vermarktet. Das Colorado-Plateau verdankt seinen Namen dem Colorado River, dem größten und bedeutendsten Fluss der Region. Zum Colorado-Plateau zählen die „Four-Corner-Staaten“ Utah, Colorado, Arizona und New Mexico. Mein Eindruck aber ist, dass der klassische Roadtrip statt durch Colorado und New Mexiko eher durch Nevada und Kalifornien führt.

Was bleibt mir, die ich keinen Reisebericht zu bieten habe, noch hinzuzufügen? Nun, ich möchte einfach noch einmal betonen, wie lohnenswert eine Reise durch den Südwesten der USA ist. Warum?

Der Südwesten der USA ist ungeheuer vielseitig

Kaum ein Urlaub war so abwechslungsreich wie dieser. In etwas mehr als drei Wochen habe ich sowohl die Wüste als auch den Ozean, sowohl die Steppe als auch die größten Bäume der Welt, sowohl absolute Einöde als auch überfüllte Stadtviertel erlebt. Ich bin durch die Navajo Nation Reservation – das größte Reservat amerikanischer Ureinwohner in den USA – und durch die Straßen von Los Angeles gefahren.

Venice Los Angeles

Unterwegs in Venice, dem berühmten Stadtteil von Los Angeles

Ich bin in Kalifornien bei 14 Grad Außentemperatur ins Auto ein- und ein paar Stunden später landeinwärts bei 34 Grad wieder ausgestiegen. Ich habe Teile von Nevada, Utah, Arizona und Kalifornien gesehen, ich bin von Nationalpark zu Nationalpark und von Canyon zu Canyon gereist, ich bin am Strand von San Diego, durch Venice in Los Angeles und über den Strip in Las Vegas flaniert. Ich bin mit dem Mietwagen auf unzähligen Straßen, mit dem Boot auf dem Lake Powell und mit dem Fahrrad über die Golden Gate Bridge in San Francisco gefahren – und wenn ich gewollt hätte, hätte ich mit einem Helikopter über den Grand Canyon fliegen können.

Roadtrip im Südwesten der USA: Golden Gate Bridge, San Francisco

Da war’s plötzlich eiskalt: San Francisco ist bekannt für seine plötzlichen Wetterumschwünge

Wem also Vielfalt und Abwechslung im Urlaub das Wichtigste sind, wird im Südwesten der USA eine Reise nach seinem Geschmack erleben.

Ein Park ist hier schöner als der andere

Kein Wunder, dass viele Menschen so einen Urlaub unbedingt einmal im Leben machen wollen. Ein Roadtrip-Klassiker ist der Südwesten der USA vor allem wegen seiner Fülle an Nationalparks und Canyons. Wir haben auf unserer Reise den Bryce Canyon in Utah, den Antelope Canyon in Arizona, das Monument Valley, den Grand Canyon, den Yosemite Nationalpark und den Sequoia Nationalpark in Kalifornien besucht. Was ist am schönsten, was besonders erwähnenswert? Eine Antwort fällt mir schwer, weil mich permanent der Gedanke begleitet hat, dass all diese Parks und Canyons zurecht weltberühmt sind.

Bryce Canyon im Südwesten der USA

Einer der Nationalparks, die wir auf unserer Reise angesteuert haben, war der Bryce Canyon in Utah mit seinen unzähligen spitzen Felsen  (Mehr Infos über den Bryce Canyon gibt es auf genussbummler.de)

Wirklich umgehauen haben mich der Antelope Canyon (in unserem Fall war es der Lower Antelope Canyon) und der Anblick des Monument Valleys aus der Ferne. Der Grand Canyon ist fast so groß wie der Bundesstaat Delaware, und an seinem Rand zu und bis zum Horizont nichts als die riesige Gesteinsschlucht zu sehen, ist überwältigend. Mit seinen Ausmaßen hat mich außerdem der „General Sherman Tree“ im Sequoia Nationalpark beeindruckt. Der größte lebende Baum der Welt ist um die 2000 Jahre alt, fast 84 Meter hoch und hat einen Durchmesser von elf Metern.

Sehenswürdigkeit im Südwesten der USA: Monument Valley

Das Monument Valley befindet sich innerhalb der Navajo-Nation-Reservation, im Grenzgebiet von Utah und Arizona

Der „General Sherman Tree“ im kalifornischen Seqouia Nationalpark ist der größte lebende Baum der Erde

Und dann wäre da noch der Lake Powell, ein Stausee im trockenen Grenzgebiet von Utah und Arizona. Der Lake Powell ist nach dem Lake Mead der zweitgrößte Stausee der USA und wird auch mit Wasser vom Lake Mead gespeist. Der Lake Powell ist wunderschön und viele Amerikaner verbringen ihren Urlaub gern an seinen Ufern.

Lake Powell

Auf dem Lake Powell: An den Felswänden lässt sich erkennen, wie stark der Wasserstand gesunken ist

Aber der Lake Powell hat ein Problem: Er trocknet dramatisch aus, ist heute nicht einmal mehr bis zur Hälfte gefüllt. Das führt zu Wasserknappheit im gesamten Südwesten der USA. Bei einer Bootstour kann man die Austrocknung gut an den Felsen ablesen.

 Eine Reise mit dem Auto ist hier eigentlich gar nicht schwer

Wir waren Ende Juli, Anfang August in den USA und haben unsere Unterkünfte immer erst kurzfristig, einen bis drei Tage vorher, gebucht. Nur an drei Orten hat das nicht geklappt: In den Städten Page (der einzigen Stadt am Lake Powell), in San Francisco und in San Diego. Für diese drei Orte empfehle ich, möglichst schon vor dem Urlaub Hotels zu organisieren. Gut zu wissen ist auch: Direkt in oder in unmittelbarer Nähe den Nationalparks gibt es meist nur wenige, teure Unterkünfte  – und die nächste günstige Übernachtungsmöglichkeit befindet sich dann gern mal 100 Kilometer entfernt vom jeweiligen Park. Abgesehen davon empfand ich den Südwesten der USA als leicht zu bereisen. Man findet sich gut zurecht und ein Roadtrip hier schenkt einem viel Freiheit, Pläne zu verwerfen und länger an einem Ort zu bleiben, der einem gefällt. Und genau das ist ein Roadtrip für viele schließlich: der Inbegriff von Freiheit.

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4 Comments
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Patrick
5. März 2015 0:54

Das Leben ist definitiv ein Roadtrip, ohne Navi und auch ohne Karte. Beängstigend? Nur, wenn man zuviel Zeit hat, drüber nachzudenken. Ansonsten? Befreiend, einfach nur cool! Irgendeine Tür öffnet sich immer, wenn man nur genügend Klinken drückt. Manchmal sogar welche ohne. Mein Page-Erlebnis hatte ich auch schon. Wir haben uns fürs Auto entschieden. Der örtliche Polizist kam einmal, hat uns aber in Ruhe gelassen. Zwei Jungs im hinteren Teil eines Vans beim Feierabendbier sahen wohl so aus, dass es ihnen gut geht. Im nächsten Ort wussten wir dann, dass der vollgeparkte Straßenrand im Anwohnergebiet weniger auffällig ist, als ein leerer… Read more »

20. Dezember 2019 18:00

Liebe Susanne,
danke, das Du den Pin heute in fb gepostet hast, sonst hätte ich diese wundervolle Geschichte nie gefunden! Normale Reisebericht entlocken mir ein Gähnen, harte Fakten kann man auch bei Wikipedia finden. Deine Story hat mir Lust gemacht, vielleicht doch einmal über den großen Teich zu fliegen.
Vom Antelope Canyon hatte ich bis eben nichts gehört und das Foto ist der Hammer!!!
Liebe Grüße
Karen