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Wie viel Urlaub brauchen wir?

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Wie viel Urlaub brauchen wir? Ziemlich viel, wenn wir monatelang unter Strom stehen.

Pauschal lässt sich das nicht beantworten. Doch: „Wer sehr unter Druck steht, braucht mehr Zeit zum Regenerieren“, sagt der Mainzer Psychotherapeut und Stress-Experte Dr. Gerhard Zimmermann. Wie viele Tage am Stück er für ratsam hält – und warum „all inclusive“ nicht erholsam ist.


Mehrere Kurztrips und verlängerte Wochenenden rund ums Jahr – das ist eine Möglichkeit. Eine andere sind ein bis zwei längere Urlaube. Sie kommt wohl eher in Betracht für alle, die Fernreisen planen, und verspricht deutlich mehr Erholung.

Wie viel Urlaub brauchen wir? Das sagt der Experte

Rechtlich gilt für Angestellte jedenfalls Folgendes: Das Bundesurlaubsgesetz sieht mindestens 24 Werktage Urlaub vor, wobei der Arbeitgeber auch Samstage als Werktage auslegen kann. Ist der Samstag nicht als Arbeitstag angegeben, reduziert sich der gesetzliche Mindestanspruch auf 20 Tage im Jahr. Längere Urlaube sind dem Gesetz nach aber in jedem Fall drin: Zwölf Werktage – also zwei Wochen – am Stück müssen zusammenhängend genehmigt werden.

Und wie viel Urlaub brauchen wir aus gesundheitlicher Sicht? Wann und wie wird die Auszeit wirklich erholsam? Das habe ich den Psychotherapeuten und Stress-Experten Dr. Gerhard Zimmermann aus Mainz gefragt.

Flügge: Wie oft und wie lange sollten wir Urlaub machen?

Dr. Gerhard Zimmermann: „Ich empfehle mindestens einmal im Jahr zwei Wochen am Stück, besser drei. Bis wirklich eine Erholung eintritt und die Stresshormone im Körper abgebaut werden, können bis zu 14 Tage und in Einzelfällen auch mehr als 14 Tage vergehen. Dabei spielt unter anderem das Alter eine Rolle: Jüngere vertragen Stress besser, etwa ab 40 werden die Erholungszeiten länger. Wie lang die Pause sein sollte, hängt aber vor allem vom Grad der Überlastung ab: Wer monatelang unter Strom steht, braucht entsprechend mehr Zeit zum Regenerieren. Das gilt übrigens für geistig arbeitende Menschen noch mehr als für Angestellte, die eher körperlich arbeiten. Letztere bauen nämlich durch die Bewegung mehr Spannung ab.“

Flügge: Stehen wir denn heute mehr unter Strom?

Dr. Gerhard Zimmermann: „Ja. Gerade in den letzten zehn Jahren hat sich unsere Lebensweise sehr verändert. Durch Smartphones und Tablets haben sich unsere Bildschirmzeiten extrem erhöht, die Folge sind Schlafstörungen und die Abwesenheit von Leerzeiten und Langeweile. Es kommen heute auch mehr Patienten in meine Praxis, die wegen ihres Jobs überlastet sind. Von ihnen höre ich öfter, dass ihre Firma oder ihre Vorgesetzten die Grenze zwischen Beruf und Freizeit nicht ausreichend respektieren. Das heißt, sie müssen auch im Urlaub erreichbar sein und bekommen auch dann E-Mails und Anrufe vom Chef.“

Flügge: Warum ist das so gefährlich?

Dr. Gerhard Zimmermann: „Weil wir nicht mehr runterkommen. Durch die Beschäftigung mit dem Smartphone und dem Tablet sind wir in der Außenwahrnehmung. Die Selbstwahrnehmung wird dabei völlig heruntergefahren. Wir spüren unsere Grenzen nicht mehr, unser Körper kann nicht mehr rechtzeitig entspannen. Und wenn wir uns nicht ausreichend erholen, werden wir krank. Viele chronische Erkrankungen sind stressbedingt. Eine dauerhafte hohe Belastung setzt Entzündungsprozesse im Körper in Gang und stört das Immunsystem. Das kann zu Herz-Kreislauf-Problemen, Rheuma, Allergien, Schuppenflechten und sogar zu Krebs führen. Zu viel Stress begünstigt außerdem Depressionen, denn wer sich nicht erholt, kriegt irgendwann den Alltag nicht mehr auf die Reihe – und das führt zu Angst beziehungsweise Panik.“

Flügge: Ist es ratsam, im Urlaub immer zu verreisen?

Dr. Gerhard Zimmermann: „Grundsätzlich ist es günstiger zu verreisen, weil man so leichter Abstand gewinnt und nicht in Versuchung kommt, zu Hause Liegengebliebenes abzuarbeiten.“

Flügge: Und wie sieht ein erholsamer Urlaub aus?

Dr. Gerhard Zimmermann: „Die Erfahrung zeigt, dass es besser ist, die Reise einigermaßen ausgeschlafen und in Ruhe zu beginnen. Am besten steigt man also nicht gleich am ersten bürofreien Tag abgehetzt ins Flugzeug, sondern erst einen Tag später. Je ausgeruhter man am Urlaubsort ankommt, desto besser und früher setzt die Erholung ein – das gilt umso mehr, je weiter weg die Reise geht. Außerdem ist man dann viel weniger anfällig für Infekte. Jeder kennt das, wenn man in den ersten Tagen im Urlaub erst mal krank wird. Wichtig ist auch, genug zu schlafen, sich viel zu bewegen, am besten in der Natur. Und: Maß zu halten beim Essen und beim Alkohol. Denn viel zu essen und viel zu trinken belastet den Körper erheblich. All-inclusive-Urlaube, bei denen man richtig reinhaut, sind deshalb aus gesundheitlicher Sicht gar keine so gute Idee.“


Was denkst Du? Wie viel Urlaub brauchen wir? Und wie hältst Du es mit Deinen Urlaubstagen? Hinterlass mir dazu gern einen Kommentar!


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Kommentare

14
  • Imke

    Hallo Susanne,
    ein sehr interessanter Artikel! Ich persönlich fahre gerne einmal im Jahr für 2-3 Wochen weg und verteile die restlichen Tage auf kürzere Auszeiten. Nur dieses Jahr bin ich noch recht blank bei der Urlaubsplanung 😉 Vielleicht kommt die rechte Inspiration ja noch…
    Viele Grüße
    Imke

    • Susanne

      Hi Imke, die kommt sicher noch. Und ansonsten: Ich mach’s genau wie Du und finde das so ziemlich ideal. Viele Grüße zurück!

  • Gina

    Hi Susanne,
    ich bin ein Fan von langen Urlauben. Drei bis vier Wochen dürfen es gerne sein, besonders wenn es weiter weg geht.
    Ich habe auch festgestellt, dass meine Fähigkeit abzuschalten von dem Level der Belastung abhängt, das ich vorher hatte. Früher habe ich schon in den ersten Urlaubstagen nicht mehr an die Arbeit gedacht. Mit steigendem Stress merkte ich, dass es immer länger dauerte, bis ich den Kopf frei bekam.

    LG
    Gina

    • Susanne

      Hi Gina, danke für Deinen Kommentar! Bei vier Wochen am Stück ist nur nicht mehr so viel übrig. Kommst Du denn aus mit nur einer ganz großen Pause im Jahr?

  • Mogroach

    Interessanter Artikel! Vor allem „All in ist keine gute Idee“ hat mir sehr gut gefallen. 😉 Wir versuchen uns zweimal im Jahr eine Pause von jeweils drei Wochen zu gönnen. Dann ist der Urlaub aber auch komplett aufgebraucht. Die Zeit bis zum nächsten Urlaub ist dann gerade noch so zu meistern ohne komplett am Rad zu drehen, weil der Körper zwischendurch schon nach Erholung schreit. Mir persönlich kommen drei Wochen immer recht lange vor, da das Zeitgefühl irgendwann schwindet. Und da man weiß, dass man nicht direkt nach 3 Tagen wieder in seinen Alltag muss, setzt die Erholung meist direkt ein. Zumindest geht es mir so. Sobald im Urlaubsort angekommen, wird die Arbeit ausgeblendet… Das war vor ein paar Jahren noch anders… als ich noch max. 14 Tage Urlaub machte, und die teils Zuhause zum Aufarbeiten des Liegengebliebenes nutzte. Da war die Erholung gleich Null.
    Mittlerweile könnten wir aber auch ein paar Monate Urlaub am Stück gut gebrauchen… Und arbeiten daher an unserem Weltreiseplan 🙂

    LG Silvi und Chris

    • Susanne

      Vielen Dank! Ich finde Euer Modell super, leider haben viele ja gar nicht so viele Urlaubstage, dass zweimal im Jahr drei Wochen drin wären. Aber gut wäre das. Nein, Zuhausebleiben geht nicht, wenn es nicht sein muss, das finde ich auch. Viel Spaß beim Planen!

  • Kathi

    Super Interview, Susanne 🙂
    In letzter Zeit habe ich öfter Job gewechselt und war dann wegen Probezeiten etc. beim Urlaub etwas limitiert. Ich versuche, möglichst viele „Mini-Urlaube“ in meinen Alltag zu integrieren. Ein langes Wochenende hier, ein langes Wochenende da. Dein Experte sagt zwar, dass das nicht so besonders erholend für den Körper ist, aber für mich setzt irgendwie die Erholung und der Urlaubseffekt schon ein, wenn ich im Auto sitze. Selbst, wenn ich nur eine Stunde von daheim weg bin.
    Ein langer Urlaub wäre aber auf jeden Fall mal wieder schön! 🙂
    Liebe Grüße,
    Kathi

    • Susanne

      Liebe Kathi, vielen Dank! Hängt ja auch davon ab, wie alt und gestresst man ist. Idealerweise hat man, finde ich, den einen langen Urlaub und noch ein, zwei kleine dazu. Liebe Grüße zurück!

  • Anja

    Sehr interessanter Beitrag! 🙂
    Ich mache einmal im Jahr einen langen Urlaub von 3 Wochen (länger am Stück klappt ja meistens mit der Arbeit nicht) Zusätzlich nutze ich aber auch jede Gelegenheit, um an den Wochenenden zu reisen. Ein Wochenende, das ich in einer anderen Stadt verbringe, fühlt sich für mich auch immer viel länger an und ich bin dann am Montag wieder mit neuem Schwung bei der Arbeit. 🙂
    Liebe Grüße
    Anja

    • Susanne

      Liebe Anja,
      so in etwa versuche ich es auch. Ich finde auch, dass sich letztlich jedes Wegfahren lohnt, aber die echte Erholung braucht Zeit. Vielen Dank für Deinen Kommentar und liebe Grüße zurück!

  • Ilona

    Ich hatte letztes Jahr zwei längere Urlaube und dazwischen lange nix. Das war nichts für mich. Diesmal versuche ich, alle zwei Monate mal etwas rauszukommen. Da hat man auch im Alltag immer etwas, worauf man sich freuen kann 😉
    Mir ist der Tapetenwechsel sehr wichtig – ich brauche neues für den Geist, aber auch den Luxus, ein oder zwei Stunden auf der Wiese zu liegen oder im Straßencafé zu sitzen und zu beobachten oder zu dösen. Tatsächlich achte ich aber im Alltag auch darauf, dass ich diesen Luxus ausreichend bekomme. Entspannung beginnt halt nicht erst im Urlaub, sondern schon zu Hause. wer zu Hause nicht weiß, wie er entspannt, der kann im Urlaub nicht einfach nen Hebel umlegen… Das ist auch eine Trainingssache.

    Spannendes Interview.

    • Susanne

      Liebe Ilona, da hast Du recht – die Gefahr besteht, dass einem die Zeit bis zum nächsten Urlaub zu lang wird. Auch wahr: Man kann zu Hause mehr auf sich achten, das erfordert schon auch, konsequent zu sein. Danke für Deinen Kommentar!

  • Christina

    Ich denke mir oft, je mehr Urlaub ich abbekomme, desto besser. Die letzten beiden Jahre war ich mit meinem Freund jeweils drei Wochen auf Bali und habe insgesamt vier Wochen am Stück frei bekommen – das war gigantisch. Aber ich könnte auch noch mehr urlauben, wenn ich die Möglichkeit dazu hätte. Oft finde ich aber auch, dass bereits ein Wochenendtrip in eine andere Gegend sehr erholsam ist – der sprichwörtliche Tapetenwechsel eben. Oft kommt mir so ein Kurztrip im Nachhinein viel länger vor als ein normales Wochenende in den eigenen vier Wänden.

    • Susanne

      Liebe Christina,

      oh, ich könnte auch mehr und würde mich nicht so schnell langweilen. Ja, die Erfahrung habe ich auch gemacht, dass vollgepackte, ereignisreiche Wochenenden sich länger anfühlen, als solche, an denen man zu Hause ausruht. Schätze mal, das sind die neuen Eindrücke, die verarbeiten wir irgendwie anders.

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