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Brighton sehen und träumen

Autorin
Karussell auf dem Brighton Pier

 

Offen­le­gung
Dieser Bei­trag ent­stand nach einer kos­ten­losen Pres­se­reise ohne inhalt­liche Vor­gaben durch den Ver­an­stalter.

Urlaub in Brighton? Unbe­dingt! Nicht mal eine Stunde süd­lich von London liegt die Küs­ten­stadt. Sie gilt als hip, ent­spannt und unge­heuer kreativ. Tat­säch­lich: Kunst ist hier all­ge­gen­wärtig, ohne auf­dring­lich zu sein. Und: Sie wirkt!


Auf dem Platz vor der Biblio­thek steht ein manns­hoher Quader. „Before I die …“ prangt in großen Let­tern weiß auf schwarz an allen vier Wänden. Dar­unter haben Pas­santen mit Kreide ihre Träume fest­ge­halten. Lang gehegte, immer wieder ver­scho­bene, abs­trakte und kon­krete – die Dinge, die sie unbe­dingt erleben wollen, bevor sie sterben. „Before I die I want to …“, fängt jede Zeile an, „travel to China“, steht dahinter zum Bei­spiel oder „apo­lo­gise to my sister“. „Embrace every happy moment“ hat jemand zwi­schen zwei Bei­träge gequetscht, jemand anderes ein­fach nur „live“. Es rührt mich, die Her­zens­wün­sche fremder Menschen zu lesen.

Urlaub in Brighton: Überall ist Kunst

Ich bin mit einem Freund in Brighton und der Quader am Jubilee Square ist Kunst. Die Instal­la­tion von Candy Chang, die wir bei unserem ersten Stadt­bummel ent­de­cken, ist ein Über­bleibsel des SICK-Fes­ti­vals, das wir knapp ver­passt haben. Fes­ti­vals gibt es in Brighton viele, die Küs­ten­stadt im Süden Eng­lands ist berühmt für ihre stetig wach­sende krea­tive Szene. Kunst wird uns in ihren Straßen noch öfter begegnen. Doch erst einmal zieht es uns ans Meer.

Urlaub in Brighton: umgeben von Kunst

Das ist im Son­nen­licht erstaun­lich türkis und der Strand­sand von Weitem erstaun­lich hell. Moment, Strand­sand? Nein. Hier liegen Steine, teils faust­große graue und blass­gelbe Steine. Am Ufer schiebt das Wasser sie mit viel Getöse vor und zurück, bei jedem Schritt knir­schen sie unter unseren Schuhen.

Im Meer, viel­leicht 200 Meter von hier, steht noch ein Kunst­werk. Nur dass es keines ist. Wir bli­cken auf den West Pier, viel­mehr auf das, was von ihm übrig­blieb.

Urlaub in Brighton: Das Gerippe des West Piers

1866 erbaut, war die See­brücke in ihren ersten Jahr­zehnten ein Magnet für betuchte Tou­risten. Einen Pavillon gab es hier und einen pom­pösen Kon­zert­saal. Nach dem Zweiten Welt­krieg verlor der West Pier an Popu­la­rität, sein Erhalt wurde zu teuer, er ver­fiel nach und nach.

Schon längst hätte er restau­riert werden sollen. Bis zuletzt gab es Pläne, ihn eines Tages wieder in Betrieb zu nehmen. Eigent­lich.

Jahr­zehn­te­lang pas­sierte nichts, bis die Brücke nach einer Sturm­flut 2002 zusam­men­brach und zwei Brände sie im Jahr darauf voll­ständig zer­störten. Seitdem steht nur noch ein ros­tiges Metall­ge­rippe im Meer. Wellen umspülen die zer­bro­chenen Streben.

Der Brighton Pier: ein Ver­gnü­gungs­park

Zer­streuung gibt es nebenan, auf dem Brighton Pier – der erhal­tenen See­brücke, die zu unserer Linken in den Atlantik ragt. Wir nähern uns ihr über die Strand­pro­me­nade, laufen an schnieken Sea­food-Restau­rants, Eis-Ständen und „Fish and Chips“-Buden vorbei. Kein Wunder, dass auch so viele Ein­hei­mi­sche ihren Urlaub in Brighton ver­bringen.  Jetzt, Ende März, hat die Sonne schon Kraft, aber wärmer als 15 Grad wird es nicht. Das ist vielen hier Sommer genug: Ver­käufer stehen in T-Shirts vor ihren Läden, Pär­chen kommen uns in dünnen Klei­dern, kurzen Hosen und Flip-Flops ent­gegen.

  • Urlaub in Brighton: Brighton Pier von der Promenade aus

Der Brighton Pier ist ein Ver­gnü­gungs­park mit einer Spiel­halle, Zucker­wat­te­buden und Fahr­ge­schäften. „Party-Alarm!“, ruft eine Stimme vom Band, wann immer sich eines der Karus­sells auf der Platt­form am Ende des Stegs in Bewe­gung setzt. Danach wehen Fetzen von Tina Tur­ners „Simply the best“ zu uns her­über.

Simply the best finde ich die blau-weiß-gestreiften Lie­ge­stühle, die gesta­pelt in der Mitte der Brücke zur kos­ten­freien Nut­zung für Besu­cher bereit­stehen. In einem von ihnen lehne ich mich zurück, schließe die Augen und spüre die Son­nen­wärme auf den Lidern. Ich kann die Möwen hören, die von den Laternen links und rechts von uns her­un­ter­schreien. Und die Fragen, die in mir immer lauter werden.

Was hätte ich über­haupt an diesen Quader geschrieben? Was will ich eigent­lich in diesem Leben, was muss ich noch sehen, was noch fühlen, was ganz unbe­dingt fer­tig­bringen, bevor es zu spät ist?“

North Laine: Hier hat Banksy sich ver­ewigt

Später schlen­dern wir durch North Laine, Brigh­tons alter­na­tives Viertel. So bunt sind sonst nur die Strand­hütten in der ein­ge­mein­deten Stadt Hove: In Knall­farben stehen sie dort in Reih und Glied auf dem Asphalt und heben sich von den mon­dänen beige­far­benen Haus­fas­saden hinter ihnen ab.

Urlaub in Brighton: Beach huts in Hove

In North Laine säumen kleine Shops mit detail­ver­liebter Deko die Straßen: ein Gitar­ren­ge­schäft mit auf­ge­spraytem Jimmy Hen­drix, ein Fahr­rad­laden mit Retro-Draht­esel überm Ein­gang, ein Comedy-Theater, auf dessen Vor­dach ein Plastik-Pin-Up-Girl einen Schuh vom rot-weiß-bestrumpften Bein schleu­dert. Zwi­schen Platten-, Buch- und Vin­tage-Läden finden sich etliche Pubs und Restau­rants mit inter­na­tio­naler Küche, vor­zugs­weise vege­ta­risch.

  • Urlaub in Brighton: Straße in North Laine

Was es hier außerdem gibt? Eso­te­ri­k­ge­schäfte. „Psychic Rea­dings“ wirbt ein Auf­steller vor einem dieser Läden. Fast gebe ich meiner Neu­gier nach, mir von einem Medium die Zukunft vor­her­sehen zu lassen. Und dann beschließe ich, meine Ant­worten doch lieber selbst zu finden.

Wir biegen ab in die Ken­sington Street, wo Gra­fitti die Rück­seiten meh­rerer Wohn­häuser schmü­cken. Unweit von hier, in der Nähe des Bahn­hofs, hat auch Banksy sich ver­ewigt: 2004 brachte er seine „Kis­sing Cop­pers“ an die Wand des Prince Albert Pubs. Gesprayte Por­träts bedeut­samer Musiker, von Elvis über Bob Marley bis Amy Wine­house, umgeben die sich küs­senden Poli­zisten an ihrem unschein­baren Platz ganz unten neben einer Müll­tonne. Vor einigen Jahren wurde das Kunst­werk durch eine Replik ersetzt und mit einer Ple­xi­glas­scheibe ver­sehen. Das Ori­ginal hat jemand bei einer Aktion in Miami erstei­gert – für 575.000 Dollar. Und mit ein paar Aus­bes­se­rungen des Pub-Per­so­nals, wie ich später lese: Das legte beherzt Hand an, nachdem das Graf­fito beschä­digt worden war.

Urlaub in Brighton: Banksy an der Pub-Wand

An unserem letzten Tag laufen wir durch die Lanes – kleine Gassen im Zen­trum, in denen sich Schmuck­läden, Tee­stuben und Pubs anein­an­der­reihen. In einem der Geschäfte gibt es nichts als Fudge, die typisch eng­li­sche Kara­mell­spe­zia­lität. Wir nehmen ein paar Riegel in den Sorten Weiße Scho­ko­lade, Erd­nuss­butter und Nougat mit.

Am Jubilee Square wird der Quader mit den Her­zens­wün­schen gerade abge­baut, als wir vor­über­gehen. Zu spät, denke ich.

In der Ferne steht der West Pier wie ein Mahnmal

Noch einmal sitzen wir in Lie­ge­stühlen auf dem Brighton Pier und schauen aufs Meer. Quietschsüß sind die Fudge-Riegel, wir haben schon nach jeweils einem Bissen genug. In der Ferne steht das Metall­ske­lett des West Piers wie ein Mahnmal für einen nicht erfüllten Traum.

Bevor ich sterbe, möchte ich echte Liebe finden. Mehr reisen, mehr schreiben, viel­leicht ein Buch irgend­wann. Und noch viel, viel öfter ans Meer fahren.

Urlaub in Brighton: West Pier

***


Offen­le­gung: Ich wurde von Visit Brighton und easy Jet nach Brighton ein­ge­laden. Vielen Dank!


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Ein traum­haft schöner Artikel!

Super schön geschrieben Susanne, und ich hätte jetzt wirk­lich Lust auf einen kleinen Aus­flug nach Brighton. :)

Will­kommen auf Flügge!

Hi, ich bin Susanne, Journalistin und Reisende. Ich liebe Geschichten vom Reisen und Auswandern (auch allein!). Mehr über mich erfährst Du hier. (Foto: © André Schade)

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