Geschichten

Brighton sehen und träumen: Sehens­wür­dig­keiten und Meer

8. Mai 2017
Brighton Sehenswürdigkeiten Karussell auf dem Brighton Pier

Zuletzt aktua­li­siert am 14. März 2020 um 9:32

Urlaub in Brighton? Unbe­dingt! Nicht mal eine Stunde süd­lich von London liegt die Küs­ten­stadt. Sie gilt als hip, ent­spannt und unge­heuer kreativ, selbst die Sehens­wür­dig­keiten in Brighton haben das gewisse Etwas. Kunst ist hier all­ge­gen­wärtig, ohne auf­dring­lich zu sein. Und: Sie wirkt! (Auf Ein­la­dung*)


  Brighton Sehens­wür­dig­keiten: Im Urlaub umgeben von Kunst

Auf dem Platz vor der Biblio­thek steht ein manns­hoher Quader. „Before I die …“ prangt in großen Let­tern weiß auf schwarz an allen vier Wänden. Dar­unter haben Pas­santen mit Kreide ihre Träume fest­ge­halten. Lang gehegte, immer wieder ver­scho­bene, abs­trakte und kon­krete – die Dinge, die sie unbe­dingt erleben wollen, bevor sie sterben. „Before I die I want to …“, fängt jede Zeile an, „travel to China“, steht dahinter zum Bei­spiel oder „apo­lo­gise to my sister“. „Embrace every happy moment“ hat jemand zwi­schen zwei Bei­träge gequetscht, jemand anderes ein­fach nur „live“. Es rührt mich, die Her­zens­wün­sche fremder Menschen zu lesen.

 Überall ist Kunst in Brightons Zentrum

Ich bin mit einem Freund in Brighton und der Quader am Jubilee Square ist Kunst. Die Instal­la­tion von Candy Chang, die wir bei unserem ersten Stadt­bummel ent­de­cken, ist ein Über­bleibsel des SICK-Fes­ti­vals, das wir knapp ver­passt haben. Fes­ti­vals gibt es in Brighton viele, die Küs­ten­stadt im Süden Eng­lands ist berühmt für ihre stetig wach­sende krea­tive Szene. Kunst wird uns auf ihren Straßen noch öfter begegnen. Doch erst einmal zieht es uns ans Meer.

Am Strand in Brighton: Vom West Pier zum Brighton Pier

Das ist im Son­nen­licht erstaun­lich türkis und der Strand­sand von Weitem erstaun­lich hell. Moment, Sand? Nein. Am Strand von Brighton liegen Steine, teils faust­große graue und blass­gelbe Steine. Am Ufer schiebt das Wasser sie mit viel Getöse vor und zurück, bei jedem Schritt knir­schen sie unter unseren Schuhen.

Im Meer, viel­leicht 200 Meter von hier, steht noch ein Kunst­werk. Nur dass es keines ist. Wir bli­cken auf den West Pier, viel­mehr auf das, was von ihm übrig­blieb.

Brighton Sehenswürdigkeiten: Das Gerippe des West Piers

Es gibt in Brighton Sehens­wür­dig­keiten, die eher unge­wöhn­lich sind: etwa der West Pier

1866 erbaut, war die See­brücke in ihren ersten Jahr­zehnten ein Magnet für betuchte Tou­risten. Einen Pavillon gab es hier und einen pom­pösen Kon­zert­saal. Nach dem Zweiten Welt­krieg verlor der West Pier von Brighton an Popu­la­rität, sein Erhalt wurde zu teuer, er ver­fiel nach und nach.

Schon längst hätte er restau­riert werden sollen. Bis zuletzt gab es Pläne, die Sehens­wür­dig­keit in Brighton wieder in Betrieb zu nehmen. Eigent­lich.

Jahr­zehn­te­lang pas­sierte nichts, bis die Brücke nach einer Sturm­flut 2002 zusam­men­brach und zwei Brände sie im Jahr darauf voll­ständig zer­störten. Seitdem steht nur noch ein ros­tiges Metall­ge­rippe im Meer. Wellen umspülen die zer­bro­chenen Streben.

  High­light der Stadt: Der Brighton Pier ist ein Ver­gnü­gungs­park

Zer­streuung gibt es nebenan, auf dem Brighton Pier – der erhal­tenen See­brücke, die zu unserer Linken in den Atlantik ragt. Wir nähern uns ihr über die Strand­pro­me­nade, laufen an schnieken Sea­food-Restau­rants, Eis-Ständen und „Fish and Chips“-Buden vorbei. Kein Wunder, dass auch so viele Ein­hei­mi­sche ihren Urlaub in Brighton ver­bringen. Jetzt, Ende März, hat die Sonne schon Kraft, aber wärmer als 15 Grad wird es nicht. Das ist vielen hier Sommer genug: Ver­käufer stehen in T‑Shirts vor ihren Läden, Pär­chen kommen uns in dünnen Klei­dern, kurzen Hosen und Flip-Flops ent­gegen.

  • Brighton Sehenswürdigkeiten: Brighton Pier von der Promenade aus

Der Brighton Pier – eigent­lich heißt er richtig Brighton Palace Pier – ist ein Ver­gnü­gungs­park mit einer Spiel­halle, Zucker­wat­te­buden und Fahr­ge­schäften. „Party-Alarm!“, ruft eine Stimme vom Band, wann immer sich eines der Karus­sells auf der Platt­form am Ende des Stegs in Bewe­gung setzt. Danach wehen Fetzen von Tina Tur­ners „Simply the best“ zu uns her­über.

Simply the best finde ich die blau-weiß-gestreiften Lie­ge­stühle, die gesta­pelt in der Mitte der Brücke zur kos­ten­freien Nut­zung für Besu­cher bereit­stehen. In einem von ihnen lehne ich mich zurück, schließe die Augen und spüre die Son­nen­wärme auf den Lidern. Ich kann die Möwen hören, die von den Laternen links und rechts von uns her­un­ter­schreien. Und die Fragen, die in mir immer lauter werden.

Was hätte ich über­haupt an diesen Quader geschrieben? Was will ich eigent­lich in diesem Leben, was muss ich noch sehen, was noch fühlen, was ganz unbe­dingt fer­tig­bringen?“

   Brighton Sehens­wür­dig­keiten: Unter­wegs in North Laine

Später schlen­dern wir durch North Laine, Brigh­tons alter­na­tives Viertel. So bunt sind sonst nur die Strand­hütten in der ein­ge­mein­deten Stadt Hove: In Knall­farben stehen sie dort in Reih und Glied auf dem Asphalt und heben sich von den mon­dänen beige­far­benen Haus­fas­saden hinter ihnen ab.

Urlaub in Brighton: Beach huts in Hove

Wer in Brighton Sehens­wür­dig­keiten anschaut, spa­ziert sicher auch zu den bunten Hütten am Strand der ein­ge­mein­deten Stadt Hove

In North Laine säumen kleine Shops mit detail­ver­liebter Deko die Straßen: ein Gitar­ren­ge­schäft mit auf­ge­spraytem Jimmy Hen­drix, ein Fahr­rad­laden mit Retro-Draht­esel überm Ein­gang, ein Comedy-Theater, auf dessen Vor­dach ein Plastik-Pin-Up-Girl einen Schuh vom rot-weiß-bestrumpften Bein schleu­dert. Zwi­schen Platten‑, Buch- und Vin­tage-Läden finden sich etliche Pubs und Restau­rants mit inter­na­tio­naler Küche, vor­zugs­weise vege­ta­risch.

  • Straße in North Laine

Was es in diesem Teil von Brighton außerdem gibt? Eso­te­ri­k­ge­schäfte. „Psychic Rea­dings“ wirbt ein Auf­steller vor einem dieser Läden. Fast gebe ich meiner Neu­gier nach, mir von einem Medium die Zukunft vor­her­sehen zu lassen. Und dann beschließe ich, meine Ant­worten doch lieber selbst zu finden.

Wir biegen ab in die Ken­sington Street, wo Gra­fitti die Rück­seiten meh­rerer Wohn­häuser schmü­cken. Unweit von hier, in der Nähe des Bahn­hofs von Brighton, hat auch Banksy sich ver­ewigt und damit die Anzahl der Sehens­wür­dig­keiten in Brighton erhöht: 2004 brachte er seine „Kis­sing Cop­pers“ an die Wand des Prince Albert Pubs. Gesprayte Por­träts bedeut­samer Musiker, von Elvis über Bob Marley bis Amy Wine­house, umgeben die sich küs­senden Poli­zisten an ihrem unschein­baren Platz ganz unten neben einer Müll­tonne. Vor einigen Jahren wurde das Kunst­werk durch ein Replikat ersetzt und mit einer Ple­xi­glas­scheibe ver­sehen. Das Ori­ginal hat jemand bei einer Aktion in Miami erstei­gert – für 575.000 Dollar. Und mit ein paar Aus­bes­se­rungen des Pub-Per­so­nals, wie ich später lese: Das legte beherzt Hand an, nachdem das Graf­fito beschä­digt worden war.

Brighton Sehenswürdigkeiten: Banksy an der Pub-Wand

Schlen­dern durch The Lanes

An unserem letzten Tag laufen wir durch The Lanes  – kleine Gassen in der Innen­stadt von Brighton, in denen sich Schmuck­läden, Bou­ti­quen, Gale­rien, Tee­stuben und Pubs anein­an­der­reihen. In einem der kleinen Geschäfte gibt es nichts als Fudge, die typisch eng­li­sche Kara­mell­spe­zia­lität. Wir nehmen ein paar Riegel in den Sorten Weiße Scho­ko­lade, Erd­nuss­butter und Nougat mit.

Am Jubilee Square wird der Quader mit den Her­zens­wün­schen gerade abge­baut, als wir vor­über­gehen. Zu spät, denke ich.

Noch einmal sitzen wir in Lie­ge­stühlen auf dem Brighton Pier und schauen aufs Meer. Quietschsüß sind die Fudge-Riegel, wir haben schon nach jeweils einem Bissen genug. In der Ferne steht das Metall­ske­lett des West Piers wie ein Mahnmal für einen nicht erfüllten Traum.

Bevor ich sterbe, möchte ich echte Liebe finden. Mehr reisen, mehr schreiben, viel­leicht ein Buch irgend­wann. Und noch viel, viel öfter ans Meer fahren.

Wie ein Mahnmal steht er im Wasser: Brightons West Pier

***


 Brighton: Wei­tere Infos und Tipps für deinen Besuch

Eher als Geschichte denn als Rei­se­be­richt ange­legt, bietet der obige Text nur begrenzt Platz für Hin­ter­grund­infos über die eng­li­sche Küs­ten­stadt Brighton. Das hole ich in diesem Teil nach.

Lage und Anfahrt

  • Lage: Brighton liegt an Eng­lands Süd­küste in der Graf­schaft East Sussex. Von London trennen die Stadt etwa 76 Kilo­meter.
  • Anfahrt: Du kannst Brighton bequem von London aus errei­chen. Unter anderem von der Vic­toria Sta­tion fahren täg­lich meh­rere Züge in die Küs­ten­stadt, die meisten brauchen für die Strecke weniger als eine Stunde. Mög­lich ist die Anfahrt nach Brighton aber auch mit einem Bus von National Express. Die Bus­fahrt ist güns­tiger, dauert aber auch um die 2,5 Stunden. Mehr Infos zur Anreise dazu gibt es auf rome2rio.com.

Ein­wohner von Brighton

Eigent­lich ist Brighton nur ein Teil von Brighton and Hove. Die beiden Städte Brighton und Hove werden seit 1997 gemeinsam ver­waltet, im Jahr 2001 wurde ihnen gemeinsam offi­ziell der „City Status“ zuge­spro­chen. Viele Menschen, auch in Eng­land, betrachten Brighton und Hove immer noch als von­ein­ander unab­hän­gige Städte. 290.395 Ein­wohner hat Brighton und Hove laut Wiki­pedia der­zeit. Als Wohnort ist sie beson­ders für Krea­tive und Künstler:innen attraktiv. Sie gilt wegen ihrer großen LGBT-Com­mu­nity außerdem als „unof­fi­cial gay capital of the UK“. Viele ihrer Ein­wohner sind außerdem Stu­die­rende. An der Uni­ver­sity of Brighton sind mehr als 21.000 Per­sonen ein­ge­schrieben.

Wei­tere Sehens­wür­dig­keiten in der Innen­stadt und am Strand

Die meisten Sehens­wür­dig­keiten in Brighton befinden sich, wie im Text erwähnt, am Strand und im Zen­trum. Man kann sie gut zu Fuß ablaufen, vom Strand in die Innen­stadt ist es nicht allzu weit. Ein paar bekannte High­lights von Brighton und Umge­bung sind bisher uner­wähnt geblieben. Unter anderem diese:

  •  Royal Pavi­lion Man kann ihn in Brighton nicht über­sehen, denn er passt eigent­lich über­haupt nicht in seine süd­eng­li­sche Umge­bung. Das Bau­werk gehört optisch nach Indien, es ähnelt näm­lich viel­mehr einem Mogul­pa­last statt einem eng­li­schen Schloss. Gebaut wurde er von  1815 bis 1822 auf Geheiß des etwas exzen­tri­schen Königs George IV, der damals noch Prince of Wales war. Brighton Sehenswürdigkeiten: Royal Pavilion
  • Bri­tish Air­ways i360 Ein 173 Meter hoher Aus­sichts­turm (Die Aus­sicht kann man auf 138 Metern genießen) am Strand von Brighton. Von den Ein­woh­nern wird er auch „The Brighton Donut“ genannt. Der Spitz­name geht zurück auf die ver­glaste donut­för­mige Außen­kanzel, die an seinem super­schlanken Turm auf- und abfährt. Um Tickets küm­mert man sich am besten vorher online.
    British Airways i360

    Der Aus­sichts­turm Bri­tish Air­ways i360 am Brighton Beach, hier aber leider ohne den „Donut“, die Glas­kanzel, im Bild

  • Brighton  Dome Das ist das Kon­zert­haus, in dem ABBA 1974 den Grand Prix gewannen. Auch der Brighton Dome wurde für den dama­ligen Prince of Wales und spä­teren König George IV  nach indo-isla­mi­schem Archi­tek­tur­vor­bild gebaut. Er beher­bergte ursprüng­lich Pfer­de­ställe, eine Reit­schule und eine Getrei­de­kammer. Um 1860 baute man ihn zum Kon­zert­saal um. Es lohnt sich, vor der Reise anste­hende Ereig­nisse in Brighton vor seinem zu che­cken, viel­leicht ist eine tolle Ver­an­stal­tung im Brighton Dome dabei. Mehr dazu weiter unten.
  • Seven Sis­ters So heißen die wun­der­schönen Krei­de­felsen an der Küste zum Ärmel­kanal zwi­schen  Seaford und East­bourne, sie liegen etwas mehr als 30 Kilo­meter von Brighton ent­fernt. Leider war ich selbst nicht da, aber den Fotos und anderen Berichten nach zu urteilen lohnt sich ein Aus­flug von Brighton unbe­dingt!

Auf vielen Fotos der Küs­ten­stadt ist auch noch das Rie­senrad von Brighton zu sehen. Es stand dort, wo heute der Bri­tish Air­ways i360 steht und, richtig, ist heute nicht mehr in Betrieb. Seit es im Mai 2016 von der Pro­me­nade ver­schwand, haben viele Ein­hei­mi­sche und Urlauber das Brighton-Rie­senrad schmerz­lich ver­misst.

Aus­führ­li­chere Infos über Sehens­wür­dig­keiten, jede Menge Tipps und tolle Fotos gibt es auch bei wetraveltheworld.de und bei travellersarchive.de. Wer sich näher für Stree­tart in Brighton inter­es­siert, dem sei dieser Bei­trag von ze.tt emp­fohlen.

Anste­hende Ereig­nisse in Brighton

Mitt­ler­weile dürfte deut­lich geworden sein: Brighton hat kul­tu­rell enorm viel zu bieten, ein Fes­tival jagt das nächste, ständig gibt es Kunst- und Musik­ver­an­stal­tungen. Eine gute Über­sicht über aktu­elle und kom­mende Events hat „Visit Brighton“, das offi­zi­elle Tou­ris­mus­portal der Stadt hier. Wer über die anste­henden Kon­zerte und Stücke im Brighton Dome Bescheid wissen will, kann sich auf der Web­site des Ver­an­stal­tungs­ortes infor­mieren.

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*Offen­le­gung: Ich wurde von Visit Brighton nach Brighton ein­ge­laden.


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Ein traum­haft schöner Artikel!

Super schön geschrieben Susanne, und ich hätte jetzt wirk­lich Lust auf einen kleinen Aus­flug nach Brighton. :)