Geschichten

Allein in Tarifa, Spa­nien: Es fehlt an nichts

24. August 2017
Kites am Tarifa Strand

Zuletzt aktua­li­siert am 21. März 2020 um 9:26

Tarifa, Spa­nien: Allein in Europas Surf-Haupt­stadt, ohne Plan, ohne Erwar­tung. So viel kann man in der anda­lu­si­schen Stadt erleben, und doch: Erst einmal bleibe ich für mich – und genieße diese Frei­heit, rein gar nichts zu ver­missen. Eine Geschichte über einen Tarifa-Urlaub. Dazu: Tipps und Infos für deine Reise.


Tarifa, Spa­nien: Eine Geschichte

Optisch prallen Welten auf­ein­ander am Playa de los Lances: Am oberen Ende des gut hun­dert Meter breiten Strandes glänzen die Glas­scheiben des Wai­kiki in der Sonne. Innen ist der Beach Club weiß gestri­chen und mit Hän­ge­pflanzen deko­riert, davor sitzen Gäste unter Stroh­schirmen im Sand und nippen an ihren Getränken. Kein unge­wöhn­li­cher Anblick.

Wäre da nicht die Plat­ten­bau­sied­lung.

Im Hin­ter­grund erheben sich drei Mehr­fa­mi­lien-Wohn­würfel mit hell­grauen Fas­saden. Bunt sind einzig die Hand­tü­cher auf den Wäsche­leinen, die einige Bewohner von Fenster zu Fenster gespannt haben. Tris­tesse royal, anderswo im Pro­blem­viertel am Stadt­rand zu finden. In Tarifa stehen die farb­losen Bau­sünden am Strand.

Tarifa Spanien Strand

Bau­sünden am Playa de los Lances in Tarifa, Spa­nien

   Tarifa-Urlaub: Kite-Surfen? Danke, nein.

Ich bin allein in Tarifa, im Süden von Spa­nien.  Zuerst hat es mich ans Meer gezogen. Von hier aus kann man Afrika sehen, nur 14 Kilo­meter trennen Spa­nien von Marokko. Ständig lösen sich Haar­strähnen aus meinem Zopf und flat­tern mir wild ins Gesicht. Tarifa ist Europas Kite-Surf-Haupt­stadt, auf den Wind war ich halb­wegs gefasst. Und was könnte ich hier nicht alles unter­nehmen! Kite-Surfen lernen, mit der Fähre nach Marokko über­setzen, mit dem Bus nach Gibraltar, Sevilla oder Cádiz fahren, jede Nacht in den Clubs und Bars in der Alt­stadt feiern.

Nichts davon habe ich geplant, mein Anspruch an meinen Tarifa-Urlaub könnte nied­riger nicht sein. „Im Café sitzen und lesen“, sage ich, wenn jemand fragt, was ich so vorhab diese Woche, „und zwei Stunden später immer noch. In einem anderen Café. Viel­leicht.“

Allein in Tarifa und voll in meinem Ele­ment

Fürs Erste möchte ich nicht einmal Gesell­schaft, und das ist noch relativ neu. Allein gereist bin ich schon oft. Bewusst allein geblieben nicht. Jahre hat mich das gekostet, aber seit ich zum ersten Mal ohne Beglei­tung auf­ge­bro­chen bin, habe ich gelernt, mir selbst genug zu sein. Mehr noch: Heute brauche ich das Allein­sein, auch – und gerade – unter­wegs.

Playa de Los Lances

Tarifa: Strand oder Wüste?

Stun­den­lang laufe ich mit Musik im Ohr am Strand von Tarifa ent­lang, der vor mir liegt wie eine Wüste. Der Wind bläst mir pha­sen­weise kalt ent­gegen, die Sonne brennt auf die Gän­se­haut an meinen Armen. Über den Dünen kreisen die Kites, ich schaue ihnen von der abge­le­genen „Waves Beach Bar“ aus zu.

Waves Beach Bar am Tarifa Strand

Es fehlt mir an nichts.

Hinter der Puerta de Jerez ver­birgt sich die Alt­stadt. Die weißen Häuser leuchten gegen den ewig-tief­blauen Himmel an. Ich stromere durch die Gassen mit diesem Blick für Details, der mir zu Hause in Ham­burg oft fehlt, vorbei an Stra­ßen­schil­dern aus bunten Fliesen, Oran­gen­bäumen und Wand­ta­feln mit den Ange­boten der Obst­händler. Ich ver­bringe Stunden auf einer Bank am Plaza La Paz und lese.

 Altstadt Tarifa

Ohne Angst, irgend­etwas zu ver­passen.

In der Mor­gen­sonne gehe ich zum Bus­bahnhof und fahre schließ­lich doch mit dem nächst­besten Bus nach Cádiz. Ich erlaufe mir die Stadt, ohne Plan und ohne Eile, vom Bahnhof durch die schmalen Gassen im Zen­trum bis zum Strand.

Und bin voll in meinem Ele­ment.

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Schluss­end­lich bleibe ich nicht lange allein, denn plötz­lich ist da Aneke. Hol­län­derin, wilde Locken, wache Augen, eben­falls allein in Tarifa – und mir so ähn­lich, dass unsere Begeg­nung hier fast kein Zufall sein kann. Mit Plänen hält sie es genau wie ich. So landen wir bei einer spontan gebuchten Wha­le­watching-Tour, beob­achten Pott­wale und Del­fine, trinken abends Wein auf den kleinen Plätzen in der Alt­stadt und lassen uns tags­über zusammen ziellos durch die Stadt treiben.

 Tarifa: Plat­tenbau und Beach Club

Zum Bei­spiel durch die Plat­ten­bau­sied­lung, die ihren Charme von der anderen Seite aus ent­faltet. Hier haben die Geschäfte bon­bon­far­benen Fas­saden. In der kleinen Dro­gerie gibt es alles und nichts, aber auf jeden Fall einen kurzen Plausch mit der Ver­käu­ferin, aus den Cafés mit den bunten Mar­kisen dringen Musik und lautes Gelächter, der Obst- und Gemü­se­händler unter­hält sich ange­regt mit Anwoh­nern.

Plattenbausiedlung Tarifa

Zum Son­nen­un­ter­gang füllt sich das Wai­kiki. Im Abend­licht wirken die Plat­ten­bauten dahinter nicht mehr ganz so kalt. Ohne sie würde hier etwas fehlen.

Sonnenuntergang im Waikiki Beach Club

Son­nen­un­ter­gang am Wai­kiki, am Strand von Tarifa

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Tarifa, Spa­nien: Infos und Rei­se­tipps

Eine Geschichte wie die oben ste­hende bietet sich oft nur ein­ge­schränkt zum Unter­bringen von Rei­se­tipps an. Des­wegen kommen hier noch ein paar nütz­liche Infos für deinen Tarifa-Urlaub.

Wetter: Tarifa ist die „Stadt der Winde“

Kein Wunder, dass es so viele Surfer nach Tarifa zieht. Die Stadt in Spa­nien ist nicht nur die Surf­haupt­stadt, son­dern auch die Wind­haupt­stadt Europas. Laut diesem Bei­trag bläst und pustet es fast immer heftig in Tarifa,  fast die Hälfte des Jahres wehen sogar Winde, die bis zu 140 Stun­den­ki­lo­meter errei­chen.

Um zu ver­stehen, warum das Wetter hier so ist, wie es ist, muss man nur mal kurz auf die Karte schauen: Tarifa liegt in der Meer­enge von Gibralta, ganz im Süden von Spa­nien. Die Gebirge im Süden Europas und im Norden Afrikas pressen den Wind in diese Schneise hinein. Super zum Surfen und Strom-Erzeugen! Für die Ein­hei­mi­schen jedoch sei das Wetter in Tarifa häufig eine Plage. Am schlimmsten sei der Ost­wind, „Levante“ auf Spa­nisch. Mit „Poni­ente“, dem West­wind, lebe es sich leichter. Als ich in Tarifa war, muss der Levante geweht haben. Ich habe in der ganzen Woche nur einmal richtig am Strand gelegen – es war wegen des Windes ein­fach nicht mög­lich, dort ent­spannt aufs Meer zu schauen oder zu lesen.

Auf reisen-nach-spanien.com heißt es, eine kleine Wind­pause gebe es zumin­dest im August. Für alle, die also nicht zum Surfen kommen, dürfte daher wohl der August die beste Rei­se­zeit für Tarifa sein. Wer das stän­dige Wehen nicht gewöhnt ist oder sich mit so einem Wetter nicht gut arran­gieren kann, sollte erst recht auf diesen Monat aus­wei­chen, damit der Wind nicht die gute Laune im Tarifa-Urlaub weg­pustet. Nach­teil: Im Sommer ist es natür­lich auch beson­ders voll in Tarifa.

Abge­sehen vom Wind ist das Klima in der süd­lichsten Stadt auf dem euro­päi­schen Fest­land über­wie­gend mild. Im November und Dezember herr­schen meist um die 15 Grad und schon ab März steigen die Tem­pe­ra­turen mit­tags auf über 20 Grad, aller­dings regnet es von Mai bis Oktober etwas mehr.

Ab an den Strand. Aber an wel­chen?

Der Strand in Tarifa, der der Stadt am nächsten ist, ist der, der auch in der obigen Geschichte Erwäh­nung findet: der Playa de Los Lances. Näher am Zen­trum ist sein süd­li­ches Ende, auch „Playa de Los Lances Sur“ genannt. Wer ihn in Rich­tung Norden ent­lang­läuft, landet am deut­lich lee­reren Abschnitt „Playa de Los Lances Norte“.  Natür­lich gibt es ent­lang der Costa de la Luz und der Costa del Sol, die in Tarifa auf­ein­an­der­treffen, etliche wei­tere Traum­strände. Noch weiter in nord­west­li­cher Rich­tung etwa liegt der eben­falls beson­ders bei Kite-Sur­fern sehr beliebte Playa Val­de­vaqueros. Genauere Infos zu den Stränden nahe Tarifa gibt es auf andalusien360.de.

Shop­ping in Tarifa

Die größte Ein­kaufs­straße in Tarifa heißt Calle Batalla del Salado. Hier gibt es kleine Bou­ti­quen, vor allem aber aller­hand Surf­shops. Inter­es­sant ist auch ein Besuch der Markt­halle von Tarifa im Zen­trum der Alt­stadt (Calle de San Julian), auch wenn es hier nur begrenzt Klei­dung und statt­dessen natür­lich vor allem fri­schen Fisch, Fleisch, Obst und Gemüse zu kaufen gibt. Sie ist von Montag bis Freitag immer bis 14 Uhr geöffnet. Bei Tarifa Soul in der Calle Sancho IV el Bravo 23 gibt es wun­der­schöne hand­ge­fer­tigte Klei­dung und (Wohn-)Accessoires.

Boutique in der Altstadt

Auch in der Alt­stadt von Tarifa gibt es viele süße

 Cafés und Beach Bars in Tarifa: Meine Tipps

Mit der „Waves Beach Bar“ und dem „Wai­kiki Beach Club“ habe ich im Text oben ja schon zwei nette Lokale in Tarifa genannt. Hier kommen drei wei­tere:

Café Azul (Calle Batalla del Salado) Min­des­tens einmal solltet Ihr im Café Azul früh­stü­cken. Das mar­ro­ka­ni­sche Flair macht das Lokal zu etwas Beson­derem, die Aus­wahl an super­fri­schen Früh­stücks­va­ri­anten ist beein­dru­ckend, die Por­tionen groß und immer sehr ansehn­lich ange­richtet. Ein toller Start in den Tag ist hier garan­tiert.

Encuentro Tarifa (Lugar Grupo Car­denal Cis­neros 3): Das Encuentro befindet sich in einem der Plat­ten­bauten unweit vom Wai­kiki Beach Club und vom Meer. Von außen daher etwas unscheinbar, ist es drinnen und auf der kleinen Ter­rasse sehr gemüt­lich und nett ein­ge­richtet, die Möbel und Kissen sind alle in Pas­tell­farben gehalten und machen viel her. Vor allem schmeckt das Essen her­vor­ra­gend und das Preis-Leis­tungs-Ver­hältnis ist unschlagbar, es gibt frisch gepressten Saft und ver­schieden belegte Toasts zusammen schon für unter 4 Euro. Es gibt auch güns­tige Waf­feln, die üppig mit Früchten belegt sind. Hier kann man den Strandtag super mit einem Früh­stück beginnen oder später für eine Pause ein­kehren.

Encuentra Tarifa Spanien

Café 10 (Calle Nuestra Señora de la Luz 10) : Mitten in einem der hüb­schen Alt­stadt­gäss­chen gelegen mit fairen Preisen, leckeren frisch gepressten Säften und Crêpes und recht impo­santen Obst­bei­lagen.

Anreise nach Tarifa, Spa­nien: Wel­cher Flug­hafen?

Tarifa hat keinen eigenen Flug­hafen, aller­dings gibt es meh­rere in unmit­tel­barer Nähe. Wie geht die Anreise nach Tarifa also am unkom­pli­zier­testen und von wel­chem Flug­hafen kommt man am schnellsten hin? Am ein­fachsten ist die Anreise über die Flug­häfen in Malaga und Sevilla, wobei Malaga dichter liegt. Von beiden fahren Busse nach Tarifa. Mög­lich ist die Anreise auch über den Flug­hafen in Jerez, er wird aller­dings weitaus sel­tener und kaum direkt ange­flogen. Wer aus Eng­land anreist, kann auch den nur 45 Minuten ent­fernten Flug­hafen in Gibraltar in Erwä­gung ziehen.

Anreise mit dem Auto: Wo kann man in Tarifa parken?

Beson­ders im Sommer sind Park­plätze in Tarifa etwas rar gesät. Ein paar Tipps zum Parken in Tarifa gibt es hier.

Anste­hende Ereig­nisse in Tarifa

Machst du dich dem­nächst schon auf die Reise nach Anda­lu­sien und möch­test wissen, was in deinem Tarifa-Urlaub vor Ort so los ist? Die ein­zige halb­wegs ver­läss­liche und aktu­elle Auf­lis­tung von Ver­an­stal­tungen (Shows, Kon­zerte und andere anste­hende Ereig­nisse in Tarifa) habe ich auf den Seiten von tarifa.de gefunden. Schau dort mal rechts in der Sei­ten­leiste unter „Aktu­elle Events“, ob etwas für dich dabei ist.

Zum Schluss noch zwei Lese­tipps: Hier erzählt Sarah von rapunzel-will-raus.ch von ihrem Urlaub in Tarifa. Und:  Sandra von tracksandthecity.com hat hier zehn mehr oder weniger kuriose Fakten über Anda­lu­sien zusam­men­ge­tragen.

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Ein Urlaub, in dem die Zeit still zu stehen scheint. Sehr schön beschrieben!

Julia

Super toller Text, gefällt mir sehr! :)

Katrin

Liebe Susanne, schön, dass du wieder geschrieben hast. Ein sehr ent­spannter Bericht!

Yas

Kom­plette Zustim­mung: Tarifa encan­ta­dora! Bin zur Zeit eben­falls selbst hier und genieße jeden Moment der Road­trips, Beach Clubs, Alstadt Bars und Cafés sowie Féria. Es war Liebe auf den ersten Blick: aus ersten 2 Nächten sind mitt­ler­weile 12 geworden ;-) bis bald irgendwo auf der Welt!

Yas

BTW: zufällig auf deinen Artikel gestoßen als ich im Wai­kiki war ;-)

Frank

Hi Susanne

ich habe gerade deinen Rei­se­be­richt in Travel Epi­sodes gelesen…
Die Liebe ist wie das Meer…ich bin am Meer geboren und es zieht mich immer zum Meer zurück.
Son­nige Grüße von einer kleinen
Bucht aus Fuer­te­ven­tura.…

Frank