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Tarifa, Spanien: Es fehlt an nichts

24. August 2017
Kites am Tarifa Strand

Zuletzt aktualisiert am 9. Dezember 2021 um 16:45

Tarifa, Spanien: Allein in Europas Surf-Hauptstadt, ohne Plan, ohne Erwartung. So viel kann man in der andalusischen Stadt erleben, und doch: Erst einmal bleibe ich für mich – und genieße diese Freiheit, rein gar nichts zu vermissen. Eine Geschichte über meinen Solo-Urlaub in Tarifa. Dazu: Tipps und Infos für deine Reise.


Tarifa, Spanien: Eine Geschichte

Optisch prallen Welten aufeinander am Playa de los Lances: Am oberen Ende des gut hundert Meter breiten Strandes glänzen die Glasscheiben des Waikiki in der Sonne. Innen ist der Beach Club weiß gestrichen und mit Hängepflanzen dekoriert, davor sitzen Gäste unter Strohschirmen im Sand und nippen an ihren Getränken. Kein ungewöhnlicher Anblick.

Wäre da nicht die Plattenbausiedlung.

Im Hintergrund erheben sich drei Mehrfamilien-Wohnwürfel mit hellgrauen Fassaden. Bunt sind einzig die Handtücher auf den Wäscheleinen, die einige Bewohner von Fenster zu Fenster gespannt haben. Tristesse royal, anderswo im Problemviertel am Stadtrand zu finden. In Tarifa stehen die farblosen Bausünden am Strand.

Tarifa Spanien Strand

Bausünden am Playa de los Lances in Tarifa, Spanien

   Tarifa-Urlaub: Kite-Surfen? Danke, nein.

Ich bin allein in Tarifa, im Süden von Spanien.  Zuerst hat es mich ans Meer gezogen. Von hier aus kann man Afrika sehen, nur 14 Kilometer trennen Spanien von Marokko. Ständig lösen sich Haarsträhnen aus meinem Zopf und flattern mir wild ins Gesicht. Tarifa ist Europas Kite-Surf-Hauptstadt, auf den Wind war ich halbwegs gefasst. Und was könnte ich hier nicht alles unternehmen! Kite-Surfen lernen, mit der Fähre nach Marokko übersetzen, mit dem Bus nach Gibraltar, Sevilla oder Cádiz fahren, jede Nacht in den Clubs und Bars in der Altstadt feiern.

Nichts davon habe ich geplant, mein Anspruch an meinen Tarifa-Urlaub könnte niedriger nicht sein. „Im Café sitzen und lesen“, sage ich, wenn jemand fragt, was ich so vorhab diese Woche, „und zwei Stunden später immer noch. In einem anderen Café. Vielleicht.“

Allein in Tarifa und voll in meinem Element

Fürs Erste möchte ich nicht einmal Gesellschaft, und das ist noch relativ neu. Allein gereist bin ich schon oft. Bewusst allein geblieben nicht. Jahre hat mich das gekostet, aber seit ich zum ersten Mal ohne Begleitung aufgebrochen bin, habe ich gelernt, mir selbst genug zu sein. Mehr noch: Heute brauche ich das Alleinsein, auch – und gerade – unterwegs.

Playa de Los Lances

Tarifa: Strand oder Wüste?

Stundenlang laufe ich mit Musik im Ohr am Strand von Tarifa entlang, der vor mir liegt wie eine Wüste. Der Wind bläst mir phasenweise kalt entgegen, die Sonne brennt auf die Gänsehaut an meinen Armen. Über den Dünen kreisen die Kites, ich schaue ihnen von der abgelegenen „Waves Beach Bar“ aus zu.

Waves Beach Bar am Tarifa Strand

Es fehlt mir an nichts.

Hinter der Puerta de Jerez verbirgt sich die Altstadt. Die weißen Häuser leuchten gegen den ewig-tiefblauen Himmel an. Ich stromere durch die Gassen mit diesem Blick für Details, der mir zu Hause in Hamburg oft fehlt, vorbei an Straßenschildern aus bunten Fliesen, Orangenbäumen und Wandtafeln mit den Angeboten der Obsthändler. Ich verbringe Stunden auf einer Bank am Plaza La Paz und lese.

 Altstadt Tarifa

Ohne Angst, irgendetwas zu verpassen.

In der Morgensonne gehe ich zum Busbahnhof und fahre schließlich doch mit dem nächstbesten Bus nach Cádiz. Ich erlaufe mir die Stadt, ohne Plan und ohne Eile, vom Bahnhof durch die schmalen Gassen im Zentrum bis zum Strand.

Und bin voll in meinem Element.

Schlussendlich bleibe ich nicht lange allein, denn plötzlich ist da Aneke. Holländerin, wilde Locken, wache Augen, ebenfalls allein in Tarifa – und mir so ähnlich, dass unsere Begegnung hier fast kein Zufall sein kann. Mit Plänen hält sie es genau wie ich. So landen wir bei einer spontan gebuchten Whalewatching-Tour, beobachten Pottwale und Delfine, trinken abends Wein auf den kleinen Plätzen in der Altstadt und lassen uns tagsüber zusammen ziellos durch die Stadt treiben.

 Tarifa: Plattenbau und Beach Club

Zum Beispiel durch die Plattenbausiedlung, die ihren Charme von der anderen Seite aus entfaltet. Hier haben die Geschäfte bonbonfarbenen Fassaden. In der kleinen Drogerie gibt es alles und nichts, aber auf jeden Fall einen kurzen Plausch mit der Verkäuferin, aus den Cafés mit den bunten Markisen dringen Musik und lautes Gelächter, der Obst- und Gemüsehändler unterhält sich angeregt mit Anwohnern.

Plattenbausiedlung Tarifa

Zum Sonnenuntergang füllt sich das Waikiki. Im Abendlicht wirken die Plattenbauten dahinter nicht mehr ganz so kalt. Ohne sie würde hier etwas fehlen.

Sonnenuntergang im Waikiki Beach Club

Sonnenuntergang am Waikiki, am Strand von Tarifa

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Tarifa, Spanien: Infos und Reisetipps

Eine Geschichte wie die oben stehende bietet sich oft nur eingeschränkt zum Unterbringen von Reisetipps an. Deswegen kommen hier noch ein paar nützliche Infos für deinen Tarifa-Urlaub.

Wetter: Tarifa ist die „Stadt der Winde“

Kein Wunder, dass es so viele Surfer nach Tarifa zieht. Die Stadt in Spanien ist nicht nur die Surfhauptstadt, sondern auch die Windhauptstadt Europas. Laut diesem Beitrag bläst und pustet es fast immer heftig in Tarifa,  fast die Hälfte des Jahres wehen sogar Winde, die bis zu 140 Stundenkilometer erreichen.

Um zu verstehen, warum das Wetter hier so ist, wie es ist, muss man nur mal kurz auf die Karte schauen: Tarifa liegt in der Meerenge von Gibralta, ganz im Süden von Spanien. Die Gebirge im Süden Europas und im Norden Afrikas pressen den Wind in diese Schneise hinein. Super zum Surfen und Strom-Erzeugen! Für die Einheimischen jedoch sei das Wetter in Tarifa häufig eine Plage. Am schlimmsten sei der Ostwind, „Levante“ auf Spanisch. Mit „Poniente“, dem Westwind, lebe es sich leichter. Als ich in Tarifa war, muss der Levante geweht haben. Ich habe in der ganzen Woche nur einmal richtig am Strand gelegen – es war wegen des Windes einfach nicht möglich, dort entspannt aufs Meer zu schauen oder zu lesen.

Auf reisen-nach-spanien.com heißt es, eine kleine Windpause gebe es zumindest im August. Für alle, die also nicht zum Surfen kommen, dürfte daher wohl der August die beste Reisezeit für Tarifa sein. Wer das ständige Wehen nicht gewöhnt ist oder sich mit so einem Wetter nicht gut arrangieren kann, sollte erst recht auf diesen Monat ausweichen, damit der Wind nicht die gute Laune im Tarifa-Urlaub wegpustet. Nachteil: Im Sommer ist es natürlich auch besonders voll in Tarifa.

Abgesehen vom Wind ist das Klima in der südlichsten Stadt auf dem europäischen Festland überwiegend mild. Im November und Dezember herrschen meist um die 15 Grad und schon ab März steigen die Temperaturen mittags auf über 20 Grad, allerdings regnet es von Mai bis Oktober etwas mehr.

Ab an den Strand. Aber an welchen?

Der Strand in Tarifa, der der Stadt am nächsten ist, ist der, der auch in der obigen Geschichte Erwähnung findet: der Playa de Los Lances. Näher am Zentrum ist sein südliches Ende, auch „Playa de Los Lances Sur“ genannt. Wer ihn in Richtung Norden entlangläuft, landet am deutlich leereren Abschnitt „Playa de Los Lances Norte“.  Natürlich gibt es entlang der Costa de la Luz und der Costa del Sol, die in Tarifa aufeinandertreffen, etliche weitere Traumstrände. Noch weiter in nordwestlicher Richtung etwa liegt der ebenfalls besonders bei Kite-Surfern sehr beliebte Playa Valdevaqueros. Genauere Infos zu den Stränden nahe Tarifa gibt es auf andalusien360.de.

Shopping in Tarifa

Die größte Einkaufsstraße in Tarifa heißt Calle Batalla del Salado. Hier gibt es kleine Boutiquen, vor allem aber allerhand Surfshops. Interessant ist auch ein Besuch der Markthalle von Tarifa im Zentrum der Altstadt (Calle de San Julian), auch wenn es hier nur begrenzt Kleidung und stattdessen natürlich vor allem frischen Fisch, Fleisch, Obst und Gemüse zu kaufen gibt. Sie ist von Montag bis Freitag immer bis 14 Uhr geöffnet. Bei Tarifa Soul in der Calle Sancho IV el Bravo 23 gibt es wunderschöne handgefertigte Kleidung und (Wohn-)Accessoires.

Boutique in der Altstadt

Auch in der Altstadt von Tarifa gibt es viele kleine Boutiquen

 Cafés und Beach Bars in Tarifa, Spanien: Meine Tipps

Mit der „Waves Beach Bar“ und dem „Waikiki Beach Club“ habe ich im Text oben ja schon zwei nette Lokale in Tarifa genannt. Hier kommen drei weitere:

Café Azul (Calle Batalla del Salado) Mindestens einmal solltet Ihr im Café Azul frühstücken. Das marrokanische Flair macht das Lokal zu etwas Besonderem, die Auswahl an superfrischen Frühstücksvarianten ist beeindruckend, die Portionen groß und immer sehr ansehnlich angerichtet. Ein toller Start in den Tag ist hier garantiert.

Encuentro Tarifa (Lugar Grupo Cardenal Cisneros 3): Das Encuentro befindet sich in einem der Plattenbauten unweit vom Waikiki Beach Club und vom Meer. Von außen daher etwas unscheinbar, ist es drinnen und auf der kleinen Terrasse sehr gemütlich und nett eingerichtet, die Möbel und Kissen sind alle in Pastellfarben gehalten und machen viel her. Vor allem schmeckt das Essen hervorragend und das Preis-Leistungs-Verhältnis ist unschlagbar, es gibt frisch gepressten Saft und verschieden belegte Toasts zusammen schon für unter 4 Euro. Es gibt auch günstige Waffeln, die üppig mit Früchten belegt sind. Hier kann man den Strandtag super mit einem Frühstück beginnen oder später für eine Pause einkehren.

Encuentra Tarifa Spanien

Café 10 (Calle Nuestra Señora de la Luz 10) : Mitten in einem der hübschen Altstadtgässchen gelegen mit fairen Preisen, leckeren frisch gepressten Säften und Crêpes und recht imposanten Obstbeilagen.

Anreise nach Tarifa, Spanien: Welcher Flughafen?

Tarifa hat keinen eigenen Flughafen, allerdings gibt es mehrere in unmittelbarer Nähe. Wie geht die Anreise nach Tarifa also am unkompliziertesten und von welchem Flughafen kommt man am schnellsten hin? Am einfachsten ist die Anreise über die Flughäfen in Malaga und Sevilla, wobei Malaga dichter liegt. Von beiden fahren Busse nach Tarifa. Möglich ist die Anreise auch über den Flughafen in Jerez, er wird allerdings weitaus seltener und kaum direkt angeflogen. Wer aus England anreist, kann auch den nur 45 Minuten entfernten Flughafen in Gibraltar in Erwägung ziehen.

Anreise mit dem Auto: Wo kann man in Tarifa parken?

Besonders im Sommer sind Parkplätze in Tarifa etwas rar gesät. Ein paar Tipps zum Parken in Tarifa gibt es hier.

Anstehende Ereignisse in Tarifa

Machst du dich demnächst schon auf die Reise nach Andalusien und möchtest wissen, was in deinem Tarifa-Urlaub vor Ort so los ist? Die einzige halbwegs verlässliche und aktuelle Auflistung von Veranstaltungen (Shows, Konzerte und andere anstehende Ereignisse in Tarifa) habe ich auf den Seiten von tarifa.de gefunden. Schau dort mal rechts in der Seitenleiste unter „Aktuelle Events“, ob etwas für dich dabei ist.

Zum Schluss noch zwei Lesetipps: Hier erzählt Sarah von rapunzel-will-raus.ch von ihrem Urlaub in Tarifa. Und:  Sandra von tracksandthecity.com hat hier zehn mehr oder weniger kuriose Fakten über Andalusien zusammengetragen.

Und: Eine andere tolle spanische Stadt am Meer, die einen Besuch lohnt, ist Valencia. Auf weltreize.com gibt es 15 Insidertipps für Valencia.

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13 Comments
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25. August 2017 7:12

Ein Urlaub, in dem die Zeit still zu stehen scheint. Sehr schön beschrieben!

Julia
25. August 2017 7:47

Super toller Text, gefällt mir sehr! :)

Katrin
3. September 2017 16:41

Liebe Susanne, schön, dass du wieder geschrieben hast. Ein sehr entspannter Bericht!

Yas
4. September 2017 22:21

Komplette Zustimmung: Tarifa encantadora! Bin zur Zeit ebenfalls selbst hier und genieße jeden Moment der Roadtrips, Beach Clubs, Alstadt Bars und Cafés sowie Féria. Es war Liebe auf den ersten Blick: aus ersten 2 Nächten sind mittlerweile 12 geworden ;-) bis bald irgendwo auf der Welt!

Yas
4. September 2017 22:22
Reply to  Yas

BTW: zufällig auf deinen Artikel gestoßen als ich im Waikiki war ;-)

Frank
10. Januar 2018 23:30

Hi Susanne

ich habe gerade deinen Reisebericht in Travel Episodes gelesen…
Die Liebe ist wie das Meer…ich bin am Meer geboren und es zieht mich immer zum Meer zurück.
Sonnige Grüße von einer kleinen
Bucht aus Fuerteventura.…

Frank

Petra
13. Juni 2020 9:05

Tarifa ist mein Seelen + Kraftort … und du hast ihn wunderbar beschrieben … Danke!