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Amy Winehouse in Camden: Amy-Art in ihrem Stadtteil

Bis zu ihrem Tod im Juli 2011 lebte Amy Wine­house in Camden. Das Lon­doner Stadt­viertel prägt sie bis heute mit. Auf dem Markt steht eine Statue der Sän­gerin, und Künstler haben ihr zu Ehren Gra­fitti an die Wände gebracht.


Hätte ich gewusst, dass ich über Amy Wine­house schreiben würde, ich hätte viel­leicht einiges anders gemacht an diesem Tag Anfang April in London. Hier im Bezirk Camden, im Norden des Stadt­zen­trums, lebte die Sän­gerin — am Camden Square Nummer 30. Hier lernte sie eines Abends in einer Kneipe Blake Fielder-Civil kennen, den Mann, an dessen Seite sie zum ersten Mal mit harten Drogen in Kon­takt kam und den sie noch mehr liebte als die Musik.

Auf den Spuren von Amy Winehouse in Camden

Viel­leicht wäre ich ins „The Hawley Arms“ gegangen, Amys Lieb­lingspub, viel­leicht in eine der vielen Bars und Live­mu­sik­clubs, in denen ständig 60-er-Jahre-Songs, Ska und Gitar­ren­musik gespielt werden, von Ray Charles und den Spe­cials und den Shangri-Las. Wenn man in Camden lebt, hat Amy Wine­house einmal in einem Inter­view gesagt, kommt man an dieser Musik nicht vorbei. Das Viertel habe musi­ka­lisch auf sie abge­färbt und sie ent­schei­dend beein­flusst, als sie „Back to Black“ auf­nahm, ihr welt­weit erfolg­rei­ches Album. Und ihr letztes.

Amy Winehouse in Camden: In dem Londoner Stadtteil lebte sie

Viel­leicht hätte ich mir ihr Haus ange­schaut, viel­leicht wäre ich über den Prim­rose Hill gelaufen, einen Hügel auf der Nord­seite des Regent’s Park, auf dem sie einen Sommer lang glück­liche Stunden mit Blake ver­brachte, bevor dieser sie für seine Ex-Freundin ver­ließ.

Doch ers­tens war ich nie ein Fan von der Sorte, die zu Pil­ger­reisen auf­bricht. Genau genommen war ich über­haupt kein Fan von Amy Wine­house. Ich hätte nur zuge­stimmt, hätte jemand betont, wie außer­ge­wöhn­lich sie klingt. Zwei­tens ist es voll an diesem son­nigen Sams­tag­vor­mittag in Camden. Es zieht die Massen auf die Märkte, für die der Stadt­teil so berühmt ist. Kein guter Zeit­punkt, um sich irgend­etwas in Ruhe anzu­schauen.

Immerhin den Stre­etart-Trail laufe ich teil­weise ab. Von dem Pro­jekt erfuhr ich kurz vor meiner Abreise nach Eng­land: Meh­rere Künstler haben zu Ehren von Amy Wine­house in Camden acht Por­träts und Text­zeilen an die Wände gebracht.

Amy Winehouse in Camden: Unterwegs auf dem Streetart-Trail

Von März bis Juni 2017 waren die Werke offi­ziell zu sehen, womög­lich sind sie bis heute nicht über­sprüht worden.

Und wäh­rend ich durch die Straßen laufe und die Amy-Graf­fiti betrachte, fällt mir doch noch so etwas wie in Fan-Moment ein. Ich habe ihn fünf Jahre nach ihrem Tod erlebt: Im Flug­zeug sah ich den Doku­men­tar­film „Amy“, der die Sän­gerin mit Videos, Notizen und Ton­auf­nahmen von ihr selbst und engen Freunden por­trä­tiert. Da sah ich Amy Wine­house, wie ich sie nie gesehen hatte: als auf­ge­weckte, zum Schreien komi­sche, unge­heuer schlaue und wun­der­schöne Frau, die an ihrem Wunsch, geliebt zu werden, zer­brach. Und deren Songs unmög­lich hätten authen­ti­scher sein können. Mag sein, ich habe mir im Flug­zeug sogar ein paar Tränen ver­drückt.

Der Stre­etart-Trail führt zum Jewish Museum in der Albert Street. Dort läuft noch bis 24. Sep­tember die Aus­stel­lung „Amy Wine­house: A Family Por­trait“, die ich sicher auch besucht hätte, hätte ich geahnt, dass dieser Text von der Künst­lerin han­deln würde.

Nie mehr wegzudenken: Amy Winehouse in Camden

Eine wei­tere Sta­tion auf dem Rund­gang ist die lebens­große Bron­ze­statue der Musi­kerin. Sie wurde 2014 auf dem Sta­bles Market ent­hüllt. Unweit von hier hat Amy Wine­house früher selbst einmal gestanden und Kla­motten ver­kauft. Dreimal frage ich Händler an den sich anein­an­der­rei­henden Ständen, wo genau die Statue steht. Jeder von ihnen kann mir sofort Aus­kunft geben.

Amy Winehouse in Camden: Auf dem Camden Stables Market steht eine Statue der Sängerin

Sie wollte regel­recht ver­schwinden, kom­men­tiert ein enger Freund in der Doku die Drogen- und Alko­hol­sucht der Sän­gerin. Aus Camden wird Amy Wine­house nie­mals ver­schwinden.


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