Kathmandu Nepal

Coro­na­virus: Zur aktu­ellen Situa­tion in Nepal

20. März 2020
Coronavirus in Nepal: Station zum Händewaschen

Zuletzt aktua­li­siert am 13. April 2021 um 18:38

Ich lebe zur­zeit in Kathmandu und möchte hier über die aktu­elle Situa­tion rund um das Coro­na­virus in Nepal infor­mieren. Ich bin keine Viro­login und kann ledig­lich meinen per­sön­li­chen Ein­druck ver­mit­teln. Gesi­cherte Infor­ma­tionen über bestä­tigte Fälle, Rei­se­be­schrän­kungen und andere Maß­nahmen sowie über neue Ent­wick­lungen aktua­li­siere ich hier fortlaufend.


Offi­ziell ver­zeichnet Nepal jetzt (Stand: 14. April 2021) 280, 984 bestä­tigte Fälle, von denen 3608 als aktiv gelten. Am 16. Mai  2020 wurde der erste Todes­fall auf­grund der Virus­er­kran­kung bestä­tigt, mitt­ler­weile sind 3058 Per­sonen gestorben. Die aktu­ellen Zahlen für Nepal kann man hier ein­sehen.

Das Neueste in Kürze: Von Herbst 2020 bis Früh­jahr 2021 hatte es für Nepal ver­hält­nis­mäßig gut aus­ge­sehen, die Fall­zahlen waren stetig gesunken. Seit das benach­barte Indien wieder einen Anstieg ver­zeichnet, fürchtet auch Nepal eine zweite Welle. Auch hier­zu­lande gibt es seitdem wieder mehr Infek­tionen.  Anfang März zählte Nepal wieder mehr als 200 Neu­in­fek­tionen am Tag, so viele wie seit Januar nicht mehr.  Inzwi­schen hat das Gesund­heits­mi­nis­te­rium emp­fohlen, Schulen wieder für min­des­tens drei Wochen zu schließen.

Coro­na­virus in Nepal: Zeitstrahl

Wochen­lang hatte es nur einen ein­zigen Covid-19-Fall in Nepal gegeben: Ein nepa­le­si­scher Stu­dent, der aus Wuhan zurück­ge­kehrt war,  wurde positiv auf das Coro­na­virus getestet. Am 24. Januar 2020 bestä­tigte Nepal den Fall.

Es wäre wohl einem Wunder gleich­ge­kommen, wenn es in Nepal, einem Nach­bar­land von China und Indien, bei einem Fall geblieben wäre. Ende März 2020 bestä­tigte sich schließ­lich ein zweiter Fall. Die Pati­entin, eine nepa­le­si­sche Stu­dentin, hatte sich aller­dings auch nicht in Nepal infi­ziert. Sie war am 17. März an Bord eines Qatar-Flugs aus Frank­reich nach Nepal zurück­ge­kommen. In der Folge stieg die Zahl der bestä­tigten Fälle bis 2.4. auf sechs Per­sonen an. Alle Pati­enten waren, wie die Stu­dentin, aus dem Aus­land zurück­ge­kehrt, näm­lich aus Bel­gien und den Ver­ei­nigten Ara­bi­schen Emiraten.

März 2020: Voll­stän­diger Lockdown

Am Dienstag, 24.3., 6 Uhr früh, ging das ganze Land in den voll­stän­digen Lock­down. Die Bevöl­ke­rung war ange­halten, unnö­tige Wege zu ver­meiden.  Um sich mit einem Fahr­zeug durch die Stadt zu bewegen, brauchte man eine Son­der­ge­neh­mi­gung. Lebens­mit­tel­ge­schäfte öff­neten meist ein paar Stunden am Morgen und am Abend.

  • Coronavirus in Nepal: Ladeneingang mit Warnhinweisen
    Kathmandu im Lock­down: Warn­hin­weise an einem Lebens­mit­tel­ge­schäft in Sanepa

April 2020: Mas­sen­aus­bruch in Nepal droht

Bis 4. April erhöhte sich die Zahl der Fälle auf neun, dar­über hinaus hatte es die erste Über­tra­gung inner­halb des Landes gegeben. Zwei der Neu-Infi­zierten waren aus Indien zurück­ge­kehrt. Ins­ge­samt sind laut Nepali Times vom 7. April min­des­tens 120.000 Arbeits­mi­granten allein bis Anfang April ohne Scree­ning über die Grenze gekommen. Die dritte neu infi­zierte Person ist ver­wandt mit einem Rück­kehrer aus den VAE.

Mai 2020: Rasante Ver­brei­tung; Lands­leute dürfen nicht heimkehren

Von Anfang bis Mitte Mai wuchs die Zahl der Neu­in­fek­tionen deut­lich. Laut Gesund­heits­ex­perten lag das aber nicht nur an nun mehr Tests, son­dern auch am Ver­halten der Regie­rung: Diese hatte Heim­kehr­wil­lige zunächst nicht legal wieder ein­reisen lassen. Viele Betrof­fene, die an der indisch-nepa­le­si­schen Grenze fest­hingen, kehrten des­halb illegal in ihre Heimat zurück, indem sie bei­spiels­weise durch einen Grenz­fluss schwammen. Hätte man in Indien fest­sit­zende Arbeitsmigrant:innen kon­trol­liert wieder ein­reisen lassen, hätte es den Experten zufolge nicht so viele Coro­na­virus-Infek­tionen in Nepal gegeben. Erst seit Ende Mai können nepa­le­si­sche Arbeitsmigrant:innen legal in ihre Heimat einreisen.

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Coro­na­virus in Nepal: Infos zur aktu­ellen Situation
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Ende Mai war die Situa­tion an der Grenze und an den Über­gängen in die Pro­vinzen chao­tisch. Tau­sende nepa­le­si­sche Arbeitsmigrant:innen kamen täg­lich nach langen Mär­schen erschöpft im Grenz­ge­biet an und mussten dort tage­lang aus­harren. Sie wurden nicht mit Essen und Wasser ver­sorgt, geschweige denn gibt es ange­messen aus­ge­stat­tete Qua­ran­täne-Unter­künfte. Die Regie­rung stand nicht nur in dieser Hin­sicht stark in der Kritik, das Land nicht vor­be­reitet zu haben, als dafür Zeit gewesen wäre. Bis 28. Mai starben zwei Heim­kehrer auf­grund von feh­lender medi­zi­ni­scher Zuwen­dung und Hunger.

Nach vielen Wochen des War­tens wurden am Don­nerstag, 11. Juni, die ersten Migran­tinnen aus dem Aus­land nach Hause geflogen – 300 Frauen, die in Kuwait fest­hingen. Im Rahmen eines erst kürz­lich fertig gewor­denen Rück­hol­pro­gramms sollten ab Mitte Juni mehr Menschen heim­ge­bracht werden.

Juni 2020: Pro­teste gegen die Regie­rung und Lockerungen

Die Mehr­heit der 15 Per­sonen, die bis 9. Juni ver­storben waren, wurden erst nach ihrem Tod positiv auf das SARS-CoV-2-Virus getestet – was dafür spricht, dass noch immer viel zu wenig, zu spät und zu langsam getestet wurde. Auch fehlte es in den Iso­la­ti­ons­zen­tren an Per­sonal und Equip­ment. So wurden aus­ge­rechnet Qua­ran­täne-Camps Orte mit der höchsten Anste­ckungs­ge­fahr.

Am 9.  Juni pro­tes­tierten in Kathmandu erst­mals etwa 150 Menschen für eine Ände­rung der Test-Stra­tegie und den Ein­satz von mehr PCR-Tests, für wür­de­volle Bedin­gungen für Heim­keh­rende und bes­sere Aus­stat­tung von Qua­ran­täne-Sta­tionen. Und sie fragten: Wo ist das Geld, das Nepal im Kampf gegen die Corona-Pan­demie aus dem Aus­land bekommen hat? (Infos und Fotos von dem Pro­test, den die Polizei mit Was­ser­wer­fern auf­löste, gibt es hier.)

Am 18. Juni 2020 behaup­tete Regie­rungs­chef K.P. Oli zum wie­der­holten Male öffent­lich, Covid-19 sei wie eine Grippe. Für die Tri­via­li­sie­rung der Erkran­kung ern­tete er im Internet Spott und Häme.

Ab 11. Juni durften bestimmte Geschäfte wieder öffnen. Auch Pri­vat­fahr­zeuge konnten, je nach Kenn­zei­chen, wieder fahren. Ist das Datum nach dem nepa­le­si­schen Kalender eine gerade Zahl, durften Autos und Zweiräder mit einer geraden Zahl am Ende ihres Kenn­zei­chens fahren, an Tagen mit unge­rader Zahl im Datum durften Fahr­zeuge mit unge­rader Zahl fahren.

Juli 2020: Der Lock­down ist offi­ziell aufgehoben

Der vier­mo­na­tige Lock­down in Nepal war am 22. Juli 2020 offi­ziell vorbei. Men­schen­an­samm­lungen blieben  jedoch wei­terhin ver­boten (und Bil­dungs­ein­rich­tungen wei­terhin geschlossen), Hotels und Restau­rants sollten ab 30. Juli wieder öffnen können. Gesund­heits­ex­perten kri­ti­sierten die über­gangs­lose Öff­nung: Die Gefahr, an Covid-19 zu erkranken, sei immer noch hoch.

August:  Rück­kehr in den Lockdown

Wegen eines erneuten Anstiegs an Covid-19-Fällen gingen Nepals dritt­größte Stadt Birat­nagar sowie wei­tere Städte und Gemeinden im Süden des Landes  für zwei Wochen wieder in den voll­stän­digen Lock­down. Auch die Haupt­stadt ver­zeich­nete seit Auf­he­bung der Aus­gangs­sperre sehr viel höhere Infektionszahlen.

Im Kathmandutal werden Aus­gangs­sperren wieder eingeführt

Im ganzen Kathmandutal sowie in Distrikten mit mehr als 200 Fällen galt seit 6. August erneut die Odd-Even-Regel. Das heißt: Pri­vat­fahr­zeuge durften je nach Kenn­zei­chen nur an geraden oder unge­raden Tagen fahren. Außerdem herrschte aber­mals von 9 Uhr abends bis 5 Uhr mor­gens Aus­gangs­sperre. Ab 15. August waren Restarauntbetreiber:innen wieder ange­halten, nur „Take Away“-Service anzubieten.

Ab 19. August durften pri­vate Fahr­zeuge im Kathmandutal aber­mals nur im Not­fall ver­kehren.  Ein­wohner sollten wieder nur zum Ein­kaufen das Haus ver­lassen, Geschäfte waren anfangs nur am Morgen ein paar Stunden (von 4 bis 9.15 Uhr) geöffnet. Die Rege­lung sollte eine Woche lang gelten – und kam einem voll­stän­digen Lock­down gleich, wie er im März aus­ge­rufen wurde. Die Maß­nahmen wurden zweimal ver­län­gert und galten dann bis 9. September.

Am 24. August berich­tete Kathmandu Post, dass sich das Con­tact Tra­cing in der Haupt­stadt als sehr schwierig gestaltet, weil viele positiv Getes­tete sich aus Angst vor Stig­ma­ti­sie­rung und Job­ver­lust den Behörden nicht zu erkennen ergeben und ihre Erkran­kung verschweigen.

Sep­tember 2020: wieder Lockerungen

Ab 10. Sep­tember dürfen Fahr­zeuge je nach Kenn­zei­chen wieder abwech­selnd fahren, ins Kathmandutal hinein werden aber keine Fahr­zeuge gelassen. Lebens­mit­tel­ge­schäfte dürfen nun bis 11 Uhr vor­mit­tags und dann noch mal abends von 17 bis 19 Uhr öffnen. Shop­ping Malls und alle mög­li­chen Fach­ge­schäfte dürfen unter Wah­rung des Hygie­ne­pro­to­kolls jeden zweiten bzw. an fest­ge­legten Tagen öffnen (Genaueres hier.)

Ab 17. Sep­tember kommen wei­tere Locke­rungen hinzu. Län­gere Bus­fahrten und Inlands­flüge sind wieder frei­ge­geben, aller­dings darf pro Reihe auf jeder Seite nur ein Pas­sa­gier sitzen und Bus­un­ter­nehmen dürfen die Preise um bis zu 50 Pro­zent erhöhen. Restau­rants und Hotels dürfen wieder öffnen.

Oktober 2020: Inten­siv­betten belegt, aber Zahlen gehen runter

Am 6. Oktober meldet Kathmandu Post, dass alle Betten mit der Mög­lich­keit zur Beatmung im Kathmandutal belegt sind. (Im Früh­jahr 2021 wird den­noch klar: Ab Oktober sanken die Fall­zahlen deut­lich, dazu weiter unten mehr.)

November 2020: Angst vor dem Winter

Experten macht der Käl­te­ein­bruch sorgen, denn nicht nur ver­breiten sich Coro­na­viren bei kalter und tro­ckener Luft leichter – im Kathmandutal und anderen Metro­polen gehen die nied­ri­geren Tem­pe­ra­turen mit starker Luft­ver­schmut­zung einher. Stu­dien belegen, dass die Ster­be­rate in Gegenden mit schlechter Luftqualität höher ist.

Dezember: Nepal öffnet seine Grenzen

Ab 13. Dezember ist die tou­ris­ti­sche Ein­reise nach Nepal per Flieger wieder mög­lich, auf dem Landweg aller­dings nicht. (Genaueres  unter „Rei­se­be­schrän­kungen“ .) Seit Mitte Dezember ist es wieder erlaubt, reli­giöse Stätten zu besu­chen, aller­dings unter Ein­hal­tung von Sicherheitsvorkehrungen.

Januar 2021: Dicke Luft, (noch) keine Entwarnung 

Weil die Regie­rung das Con­tact Tra­cing auf­ge­geben hat und keine kos­ten­losen Corona-Tests mehr gewährt (Ein Ent­schluss, der später gericht­lich wieder auf­ge­hoben wurde), ist die Zahl der Tests pro Tag stark gesunken. Damit hat sich auch die  offi­zi­elle Zahl der Neu-Infi­zierten deut­lich ver­rin­gert. Experten warnen jedoch, dass die Infek­ti­ons­raten wei­terhin hoch seien. Noch immer sei die Lage auf den Inten­siv­sta­tionen ange­spannt. Aus diesem Grund stehen sie einer geplanten Wie­der­eröff­nung von Schulen und Kinos im dicht besie­delten Kathmandu (in vielen Gemeinden im Land sind die Schulen längst wieder geöffnet) kri­tisch gegen­über. Diese könne eine zweite Welle befeuern.

Ins­be­son­dere in Kathmandu geben zwei wei­tere Umstände Anlass zur Sorge: Aktuell gibt es anhal­tende Mas­sen­pro­teste, nachdem Regie­rungs­chef K.P. Oli die Auf­lö­sung des Par­la­ments ange­kün­digt hat. Menschen ver­sam­meln sich dicht an dicht, teils ohne Maske. Zum anderen wurden in Kathmandu am Montag, 5. Januar 2021, die schlech­testen Luft­werte welt­weit gemessen. Zusätz­lich zu den Covid-19-Pati­enten suchen seit Tagen immer mehr Menschen mit Atem­wegs­be­schwerden die Kli­niken auf.

Am 23. Januar lässt die Everest-Region sämt­liche Coro­nabe­schrän­kungen fallen, um den Berg­tou­rismus wieder anzu­kur­beln. Weder ein nega­tiver Test noch Qua­ran­täne werden in der Region mehr verlangt.

Am 27. Januar 2021 haben die ersten Per­sonen – Per­sonal, das sys­tem­re­le­vante Tätig­keiten ausübt, und Menschen, die Risi­ko­gruppen ange­hören, die ersten Imp­fungen bekommen.

Februar 2021: Her­denim­mu­nität in Nepal?

Seit dem Herbst ver­zeichnet Nepal stetig sin­kende Neu­in­fek­ti­ons­zahlen, immer häu­figer gibt es Tage, an denen nie­mand am oder mit dem Virus stirbt. Einer­seits sei das der Tat­sache geschuldet, dass weniger getestet worden ist. Ande­rer­seits sagen Experten inzwi­schen, dies könne nicht der ein­zige Grund für den Rück­gang sein. Es sei durchaus mög­lich, dass neue Virus­va­ri­anten inzwi­schen weitaus schwä­cher geworden sind und dass ein Groß­teil der Bevöl­ke­rung bereits infi­ziert gewesen ist und daher über Anti­körper ver­fügt. Dazu gibt es aller­dings keine lan­des­weiten Untersuchungen.

März 2021: Kommt nun doch noch eine zweite Welle?

Im März gibt es im benach­barten Indien wieder einen deut­li­chen Anstieg an Infek­tionen mit dem Coro­na­virus. Auch in Nepal steigen die Zahlen wieder leicht – und das in einer Zeit, in der das Leben hier­zu­lande fast zur Nor­ma­lität zurück­ge­kehrt wäre. Experten fürchten, dass die Sorg­lo­sig­keit, die sich längst in der Bevöl­ke­rung ein­ge­stellt hat, die Ver­brei­tung des Virus in einer zweiten Welle befeuern könnte.

Ende März 2021 kämpft vor allem das Kathmandutal wieder mit extrem schlechter Luft. Einer Studie zufolge spielte in 15 Pro­zent der welt­weiten Todes­fälle wegen Corona auch eine Rolle, dass die Ver­stor­benen zusätz­lich lang­fristig schlechter Luft aus­ge­setzt waren.

April 2021: Die zweite Welle rollt 

Im April wird klar: Die Fall­zahlen erhöhen sich wieder deut­lich, haupt­säch­lich lässt sich jetzt die bri­ti­sche Virus­va­ri­ante nach­weisen. Bis Mitte April hat die Regie­rung noch keine ver­bind­li­chen Schritte ein­ge­leitet, um die Ver­brei­tung des Virus ein­zu­dämmen.  Minis­ter­prä­si­dent KP Oli sagte Anfang April, man möge mit Guave-Blät­tern gur­geln, um das Virus los­zu­werden, ansonsten aber bis­lang nichts. Bars und Restau­rants sind ange­halten, um 21 Uhr zu schließen und das Gesund­heits­mi­nis­te­rium hat emp­fohlen, Schulen für min­des­tens drei Wochen zu schließen.

Wie gut ist Nepal gegen Covid-19 gewappnet?

Zunächst in keinster Weise.

Wie sehr es an Schutz­mög­lich­keiten für Mediziner:innen man­gelte, ver­deut­lichte auch eine besorg­nis­er­re­gende Mel­dung vom 22. März 2020: Immer mehr Ange­stellte in den Kran­ken­häu­sern in Kathmandu – Laborant:innen, Ärzte und Ärt­ztinnen, Pfleger und Schwes­tern – reichten Urlaub ein. Die Kli­nik­lei­tungen sahen sich gezwungen, ihn zu geneh­migen, weil sie ande­ren­falls Kün­di­gungs­wellen befürchteten.

Laut dieser Mel­dung vom 26. August 2020 man­gelte es in den Kran­ken­häu­sern nach wie vor an Schutz­aus­rüs­tung, u.a. an Masken.

Social Distancing“ bzw. „Phy­sical Distancing“ ist vor allem im dicht besie­delten Kathmandutal schwer umzu­setzen. Mehr als 20.200 Einwohner:innen leben auf einem Qua­drat­ki­lo­meter. Zum Ver­gleich: In Ham­burg teilen sich die gleiche Fläche nur 2438 Personen.

Volle Straßen in Kathmandu

Ason Bazar im Zen­trum von Kathmandu: immer voll

Noch dazu wohnen Eltern, Kinder und Enkel­kinder in der Regel unter einem Dach und viele junge Leute teilen sich Zimmer. Die Iso­lie­rung ein­zelner Per­sonen ist daher schwierig.

Wirt­schaft­li­chen Folgen und wach­sende Armut

Auch die wirt­schaft­li­chen Kon­se­quenzen machen den Menschen hier Sorgen. Zum einen ist der Tou­rismus eine der wich­tigsten Ein­nah­me­quellen des Himalaya-Staates. Zum anderen ist Nepal in hohem Maße von Indien und China abhängig und darauf ange­wiesen, Roh­stoffe, Lebens­mittel, Medi­ka­mente und andere Güter des täg­li­chen Lebens zu impor­tieren. Ist  der Waren­ver­kehr beein­träch­tigt, könnte das sehr unan­ge­nehme Folgen für das kleine Land haben.

Ein Bei­trag vom 26. März 2020 ver­deut­lichte: Viele Menschen in Nepal hatten mehr Angst davor, zu ver­hun­gern, als an Corona zu erkranken. Ende Mai berich­teten nepa­le­si­sche Medien von einem ersten bekannten Hun­ger­toten. Es gab wei­tere Berichte, nach denen Menschen infolge des Lock­downs ver­hun­gert sind, wenig später folgten welche über einen Anstieg an Selbst­morden im Land.

Schlecht steht es auch um die Aber­tau­senden Arbeits­mi­granten. Viele haben vor ihrer Abreise viel Geld in die Stel­len­ver­mitt­lung ins Aus­land, bei­spiels­weise im Mitt­leren Osten, inves­tiert und sind ent­gegen aller Ver­spre­chungen nie bezahlt worden. Sie kehren nach Nepal zurück – ohne Ein­kommen, ohne Arbeit und ohne Per­spek­tive (mehr dazu hier).

Rei­se­be­schrän­kungen

Früh wurde die Klet­ter­saison abge­sagt. Die Tou­ris­mus­kam­pagne #Nepal2020, die sich zum Ziel gesetzt hatte, dieses Jahr mehr als zwei Mil­lionen Tou­risten ins Land zu locken, wurde eben­falls bis auf Wei­teres gestoppt.  Seit 17. Oktober 2020 war der Berg­tou­rismus ein­ge­schränkt auch für aus­län­di­sche Gäste wieder mög­lich, inzwi­schen (Stand: Ende März 2021) möchte man den Tou­rismus wieder ankurbeln.

Coronavirus Nepal: Reisebeschränkungen

Die nepa­le­si­sche Immi­gra­ti­ons­be­hörde ver­öf­fent­lichte am 13.3. 2020 diese Rei­se­be­schrän­kungen. Alles lange wieder hin­fällig: Nach zwei Lock­downs, die bis in den Sep­tember 2020 hin­ein­reichten, wurden Rei­se­be­schrän­kungen schritt­weise wieder aufgehoben.

Seit 26. März 2021 dürfen Rei­sende, die geimpft sind UND einen nega­tiven, und zum Zeit­punkt ihres Abflugs maximal 72 Stunden alten PCR-Test vor­legen können, wieder ein­reisen. Sie müssen sich vor Ort in Nepal trotzdem noch einmal testen lassen und sich iso­lieren, bis sie ihr Ergebnis bekommen.  Alle Infor­ma­tionen hier.

Nepal in Not: Ich möchte helfen!

Häufig werde ich  gefragt, an welche Orga­ni­sa­tion man spenden sollte. Hier folgt eine Liste von Ver­einen und Orga­ni­sa­tionen, deren Arbeit ich medial ver­folgt, mit denen ich per­sön­lich in Kon­takt gestanden und für die ich teil­weise auch selbst gespendet habe.

  • Nepal­hilfe Bie­tig­heim-Hers­feld e.V.: Der deut­sche Verein arbeitet gemeinsam mit den nepa­le­si­schen Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tionen Hoste Hainse und Jagrity Child and Youth Con­cern Nepal (JCYCN) in zahl­rei­chen Pro­jekten daran, unter­pri­vi­li­gierten Kin­dern in Nepal Bil­dung zu ermög­li­chen. Wäh­rend der Pan­demie hat der Verein unter anderem Haus­be­suche von Lehr­kräften auf die Beine gestellt. Auch Income- Genera­tion-Pro­jekte werden gefördert.
  • Blin­kNow Foun­da­tion: Die Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tion unter­hält eine Schule, ein Kin­der­heim, eine Klinik und Zen­tren für Frauen und Mäd­chen in Surkhet und ist wäh­rend des Covid-19-Aus­bruchs auch für unzäh­lige Heim­keh­rende zur Stelle.
  • Out of Ashes: Die Orga­ni­sa­tion stammt aus Schweden und kämpft gemeinsam mit inter­na­tio­nalen Part­nern gegen Sex­handel in Asien. Sie unter­stützt u.a. die extrem dis­kri­mi­nierte Badi-Com­mu­nity im Westen von Nepal. Wäh­rend der Corona-Pan­demie hilft sie mit Nahrungspaketen.
  • Kathmandu Envi­ron­mental Edu­ca­tion Pro­ject (KEEP): Eine Orga­ni­sa­tion, die sich für das Wohl von Menschen ein­setzt, die im Tou­rismus arbeiten. Zu ihrer Arbeit gehört ein Por­ters Wel­fare Pro­gram, bei dem Träger fach­lich aus­ge­bildet werden und Eng­lisch lernen und mit ange­mes­sener Klei­dung aus­ge­stattet werden.

Für wei­tere aktu­elle Infor­ma­tionen in Hin­blick auf das Coro­na­virus in Nepal ver­weise ich an dieser Stelle auf die Nepal-Seite des Aus­wär­tigen Amtes.

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10 Comments
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Christian
19. März 2020 21:08

Danke für die Information,ich per­sön­lich habe eine Reise gebucht am 1 Oktober bis 18oktober. Ich hoffe das bis dahin alles vorbei ist. Das Land war schon immer mein Traum. LG Chris­tian Wiemann

Christian
24. März 2020 10:35
Reply to  Susanne

Danke, viel­leicht kann ich sie Mal besuchen,wir haben ein paar Tage Auf­ent­halt in Kathmandu. Die Menschen dort sollen ja sehr gast­freund­lich sein. MFG Chris­tian Wiemann

Susan
22. März 2020 3:29

Liebe Susanne, vielen Dank für deinen Blog, den ich bereits zum Beginn unserer Reise gerne las. Mitt­ler­weile sind wir in Kathmandu gestrandet und ich würde mich wahn­sinnig freuen, hier wei­terhin von deinen Updates lesen zu dürfen. Namaste und liebe Grüße Susan

29. März 2020 21:52

Liebe Susanne,
vielen Dank für deinen sehr infor­ma­tiven Bericht über die Situa­tion in Nepal. Bis zu uns hier nach Deutsch­land dringen da sonst nicht viele Nach­richten, damit wir uns ein Bild machen könnten. 

Ich würde mir wün­schen, das Ganze wäre bald vorbei, bin da leider aber skep­tisch. Da du so aktu­elle berich­test, habe ich deinen Bei­trag mit meinem über das Nepal Visum verlinkt.

Ich wün­sche dir, deine Familie und Freunden sowie den Menschen in Nepal alles Gute. 

Liebe Grüße
Renate

30. März 2020 10:13
Reply to  Susanne

Oh, hatte ich noch nicht gesehen. Vielen Dank. Toi, toi, toi — ich ver­folge die Situa­tion in Nepal weiter.
Renate

Florian
28. August 2020 14:38

Hallo Susanne, habe herz­li­chen Dank für die hier zusam­men­ge­tra­genen Informationen!! Eigent­lich hatte ich geplant mit meinen beiden Söhnen (15 und 19 Jahre) Mitte Oktober nach Kathmandu zu reisen… heute hat mir der Trek­king-Guide geschrieben und meinte, dass er kaum eine Chance für unser Vor­haben sieht. Wir wollen den Manaslu umrunden… Wie es aus­sieht werden wir ver­su­chen die Reise auf März nächsten Jahres zu verschieben. Ich drücke dir, deinem Freund und eurem Umfeld, die Daumen, dass ihr weiter gut durch diese ver­rückte Zeit kommt. Und ich freue mich natür­lich über neue Infos aus Kathmandu (ich bin 2017 erst­mals dort gewesen und… Read more »