Kathmandu Nepal

Coronavirus: Zur aktuellen Situation in Nepal

20. März 2020
Coronavirus in Nepal: Station zum Händewaschen

Zuletzt aktualisiert am 20. Februar 2022 um 21:54

Ich habe bis vor Kurzem in Kathmandu gelebt und informiere hier seit Beginn der Pandemie über die aktuelle Situation rund um das Coronavirus in Nepal. Ich bin keine Virologin und kann lediglich meinen persönlichen Eindruck bzw. das, was Angehörige vor Ort mir berichten, vermitteln. Gesicherte Informationen über bestätigte Fälle, Reisebeschränkungen und andere Maßnahmen sowie über neue Entwicklungen aktualisiere ich fortlaufend.


Offiziell verzeichnet Nepal jetzt (Stand: 20. Februar 2022)  12, 244 aktive Fälle, vom 19.  auf den 20. Februar wurden 262 Neuinfektionen registriert.  Das ist ein starker Rückgang im Vergleich zu den vergangenen Wochen. Insgesamt 975, 559 Menschen in Nepal haben sich bisher offiziell mit dem Coronavirus infiziert, Experten gehen aber davon aus, dass in Wahrheit viel mehr Menschen erkrankt sind. Am 16. Mai  2020 wurde der erste Todesfall aufgrund der Viruserkrankung bestätigt, mittlerweile sind 11, 921 Personen gestorben. Die aktuellen Zahlen für Nepal kann man hier einsehen.

Das Neueste in Kürze:

Die Omikron-Variante sorgte auch in Nepal für einen drastischen Anstieg der Fallzahlen. Der Hotspot war das Kathmandutal, mehr als die Hälfte der Neuinfektionen wurden in der Hauptstadt Kathmandu und seiner Umgebung registriert. Mitte Februar waren 56,7 Prozent der nepalesischen Bevölkerung zweifach geimpft. Wenn du hier klickst, kommst du im folgenden Zeitstrahl direkt zum jetzigen Stand und findest genauere Informationen.

Inzwischen sinken die offiziellen Fallzahlen wieder stetig.

Für Reisende ergeben sich immer wieder Änderungen. Mehr dazu unter „Reisebeschränkungen“. Seit 20.2. steht Nepal nicht mehr auf der Liste der Hochrisikogebiete.

Coronavirus in Nepal: Zeitstrahl 

Hinweis: Nach und nach lösche ich Absätze über vorherige Monate heraus, weil der Text sonst zu lang wird und die Informationen nicht mehr relevant sind. Ab sofort werde ich diesen Beitrag wieder regelmäßig, das heißt, mindestens einmal wöchentlich und immer dann, wenn es wichtige Neuentwicklungen gibt, aktualisieren.

Januar 2022: Omikron sorgt für starken Anstieg

Nach einem ruhigen Herbst mit nur wenigen Hunderten Fällen pro Tag rollt seit Mitte Januar eine dritte Welle über das Land. Anfang des Monats gingen bereits mindestens 22 Prozent der registrierten Neuinfektionen auf die Omikron-Variante zurück. Die derzeitige Entwicklung geht mit dem rapiden Anstieg an Fällen im Nachbarland Indien einher, mit dem Nepal eine 1800 Kilometer lange, größtenteils nicht gut hinsichtlich Corona-Infektionen kontrollierte Grenze teilt. Im Grenzgebiet gehen inzwischen fast alle Infektionen auf Omikron zurück. 

Am 23.1. meldet Kathmandu Post, dass inzwischen 88 Prozent der Infektion auf Omikron zurückgehen. 

Bildungseinrichtungen im Kathmandutal sind wieder geschlossen und immer mehr Restaurant bieten erneut nur Take-Away an. Auch Kinos, Theater, Parks und Fitnessstudio müssen wieder schließen. Seit 21. Januar müssen Bürger ihre Impfung nachweisen, um ein Restaurant oder Hotel betreten zu dürfen oder um in ein Flugzeug zu steigen.

Den “Booster-Shot” bekommen bislang nur Menschen in systemrelevanten Berufen. Laut Deutsche Welle sind bislang nur 40 Prozent der Bevölkerung doppelt geimpft, 53 Prozent haben die erste Dosis erhalten. 

Update: Inzwischen liegt die Quote der zweifach Geimpften bei 42,7 Prozent. Geboostert sind bislang (Stand 24.1.) 168,969 Personen.

Seit 22. Januar gilt im Kathmandutal erneut die “Odd-Even”-Regel, das bedeutet, dass je nach Datum und Nummernschild nur Fahrzeuge mit einer geraden bzw. ungeraden Zahl gefahren werden dürfen. 

Februar 2022: Omikron anscheinend auf dem Rückzug

Die Omikronwelle, die im Januar über das Land rollte, scheint abzuebben. Gab es im vergangenen Monat zeitweise weit mehr als 10.000 bestätigte Infektionen täglich, sind es gegenwärtig weniger als 2000. Aktuell gilt Nepal aber noch als Hochrisikogebiet. Inzwischen wurde die Odd-Even-Regel für Verkehrsteilnehmer wieder gekippt, sodass Bewohner des Kathmandutals ihre Fahrzeuge wieder an allen Tagen fahren dürfen. Schulen sollen demnächst wieder öffnen.

Voraussichtlich ab März soll Nepal weitere 6, 2 Millionen Dosen Impfstoff von Pfizer über das COVAX-Programm erhalten, grundimmunisiert werden damit aber weiterhin nur Kinder und Menschen aus Risikogruppen. Die Booster-Impfung soll ebenfalls mit dem mRNA-Wirkstoff erfolgen, allerdings haben bislang nur Menschen aus systemrelevanten Berufen und alte Menschen sie erhalten.

Wie gut ist Nepal gegen Covid-19 gewappnet?

Zunächst in keinster Weise. Während der ersten Welle mangelte es an Schutzausrüstung.  Angestellte in Krankenhäusern reichten reihenweise Urlaub ein, Klinikleitungen sahen sich gezwungen, ihn zu genehmigen, weil sie anderenfalls Kündigungswellen befürchten. Laut dieser Meldung  mangelte es sogar Ende August  2020 noch an Schutzausrüstung, u. a. an Masken.

Social Distancing“ bzw. „Physical Distancing“ ist vor allem im dicht besiedelten Kathmandutal schwer umzusetzen. Mehr als 20.200 Einwohner:innen leben auf einem Quadratkilometer. Zum Vergleich: In Hamburg teilen sich die gleiche Fläche nur 2438 Personen. Noch dazu wohnen Eltern, Kinder und Enkelkinder in der Regel unter einem Dach und viele junge Leute teilen sich Zimmer. Die Isolierung einzelner Personen ist daher schwierig.

Auch zu Beginn der zweiten Welle im Frühling 2021, die zunächst vor allem den Süden von Nepal, etwa die Stadt Lumbini, ergriffen hatte), war Nepal weitgehend unvorbereitet.

Inzwischen hat Omikron Nepal erreicht und die Anzahl der der positiven Fälle hat den Rekord aus dem vergangen Jahr gebrochen.Eine erneute Überlastung des Gesundheitssystems steht zu befürchten, in den vergangenen Wochen sind mehr als 600 Fachkräfte in den fünf größten öffentlichen Krankenhäusern in Kathmandu erkrankt. Darüber hinaus herrscht in den Apotheken der Hauptstadt zurzeit ein Mangel an fiebersenkenden Mitteln wie Paracetamol.

Volle Straßen in Kathmandu
Ason Bazar im Zentrum von Kathmandu: immer voll (Dieses Foto stammt aus der Zeit vor Corona, es war dort zwischenzeitlich aber wieder genau so voll)

Wirtschaftlichen Folgen und wachsende Armut

Auch die wirtschaftlichen Konsequenzen machen den Menschen hier Sorgen. Zum einen ist der Tourismus eine der wichtigsten Einnahmequellen des Himalaya-Staates. Zum anderen ist Nepal in hohem Maße von Indien und China abhängig und darauf angewiesen, Rohstoffe, Lebensmittel, Medikamente und andere Güter des täglichen Lebens zu importieren. Ist  der Warenverkehr beeinträchtigt, könnte das sehr unangenehme Folgen für das kleine Land haben.

Ein Beitrag vom 26. März 2020 verdeutlichte: Viele Menschen in Nepal hatten mehr Angst davor, zu verhungern, als an Corona zu erkranken. Ende Mai berichteten nepalesische Medien von einem ersten bekannten Hungertoten. Es gab weitere Berichte, nach denen Menschen infolge des Lockdowns verhungert sind, wenig später folgten welche über einen Anstieg an Selbstmorden im Land.

Schlecht steht es auch um die Abertausenden Arbeitsmigranten. Viele haben vor ihrer Abreise viel Geld in die Stellenvermittlung ins Ausland, beispielsweise im Mittleren Osten, investiert und sind entgegen aller Versprechungen nie bezahlt worden. Sie kehren nach Nepal zurück – ohne Einkommen, ohne Arbeit und ohne Perspektive (mehr dazu hier).

Reisebeschränkungen

Ab 20.2. 2022 gilt Nepal nicht mehr als Hochrisikogebiet. Vor nicht notwendigen, touristischen Reisen nach Nepal wird nicht mehr gewarnt. Das Auswärtige Amt weist darauf hin, dass seit 21. Januar 2022 ein Ausreiseverbot am Flughafen für ungeimpfte Personen gilt, selbst das Betreten des Flughafens ist ihnen seitdem nicht gestattet. Mit einem entsprechenden Einreiseverbot für Ungeimpfte sei kurzfristig zu rechnen.

Weiterhin notwenig für die Einreise nach Nepal ist auch für vollständig Geimpfte ein PCR-Test, der bei der Abreise nicht älter als 72 Stunden ist, und ein Ausdruck des ausgefüllten Online-Formulars der Regierung, mit dem ein Barcode generiert wird, den man am Flughafen vorweisen muss. Geimpfte sind von der Quarantänepflicht befreit. Visa-on-Arrival werden auch nur geimpften Personen ausgestellt. (Bitte unbedingt regelmäßig auf die oben verlinkte Seite des Auswärtigen Amtes schauen!)

Nepal in Not: Ich möchte helfen!

Häufig werde ich  gefragt, an welche Organisation man spenden sollte. Hier folgt eine Liste von Vereinen und Organisationen, deren Arbeit ich medial verfolgt, mit denen ich persönlich in Kontakt gestanden und für die ich teilweise auch selbst gespendet habe.

  • Nepalhilfe Bietigheim-Hersfeld e.V.: Der deutsche Verein arbeitet gemeinsam mit den nepalesischen Nichtregierungsorganisationen Hoste Hainse und Jagrity Child and Youth Concern Nepal (JCYCN) in zahlreichen Projekten daran, unterpriviligierten Kindern in Nepal Bildung zu ermöglichen. Während der Pandemie hat der Verein unter anderem Hausbesuche von Lehrkräften auf die Beine gestellt. Auch Income- Generation-Projekte werden gefördert.
  • BlinkNow Foundation: Die Nichtregierungsorganisation unterhält eine Schule, ein Kinderheim, eine Klinik und Zentren für Frauen und Mädchen in Surkhet und ist während des Covid-19-Ausbruchs auch für unzählige Heimkehrende zur Stelle.
  • Out of Ashes: Die Organisation stammt aus Schweden und kämpft gemeinsam mit internationalen Partnern gegen Sexhandel in Asien. Sie unterstützt u.a. die extrem diskriminierte Badi-Community im Westen von Nepal. Während der Corona-Pandemie hilft sie mit Nahrungspaketen.
  • Kathmandu Environmental Education Project (KEEP): Eine Organisation, die sich für das Wohl von Menschen einsetzt, die im Tourismus arbeiten. Zu ihrer Arbeit gehört ein Porters Welfare Program, bei dem Träger fachlich ausgebildet werden und Englisch lernen und mit angemessener Kleidung ausgestattet werden.

Für weitere aktuelle Informationen in Hinblick auf das Coronavirus in Nepal verweise ich an dieser Stelle auf die Nepal-Seite des Auswärtigen Amtes.

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12 Comments
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Christian
19. März 2020 21:08

Danke für die Information,ich persönlich habe eine Reise gebucht am 1 Oktober bis 18oktober. Ich hoffe das bis dahin alles vorbei ist. Das Land war schon immer mein Traum. LG Christian Wiemann

Christian
24. März 2020 10:35
Reply to  Susanne

Danke, vielleicht kann ich sie Mal besuchen,wir haben ein paar Tage Aufenthalt in Kathmandu. Die Menschen dort sollen ja sehr gastfreundlich sein. MFG Christian Wiemann

Susan
22. März 2020 3:29

Liebe Susanne, vielen Dank für deinen Blog, den ich bereits zum Beginn unserer Reise gerne las. Mittlerweile sind wir in Kathmandu gestrandet und ich würde mich wahnsinnig freuen, hier weiterhin von deinen Updates lesen zu dürfen. Namaste und liebe Grüße Susan

29. März 2020 21:52

Liebe Susanne,
vielen Dank für deinen sehr informativen Bericht über die Situation in Nepal. Bis zu uns hier nach Deutschland dringen da sonst nicht viele Nachrichten, damit wir uns ein Bild machen könnten. 

Ich würde mir wünschen, das Ganze wäre bald vorbei, bin da leider aber skeptisch. Da du so aktuelle berichtest, habe ich deinen Beitrag mit meinem über das Nepal Visum verlinkt.

Ich wünsche dir, deine Familie und Freunden sowie den Menschen in Nepal alles Gute. 

Liebe Grüße
Renate

30. März 2020 10:13
Reply to  Susanne

Oh, hatte ich noch nicht gesehen. Vielen Dank. Toi, toi, toi - ich verfolge die Situation in Nepal weiter.
Renate

Florian
28. August 2020 14:38

Hallo Susanne, habe herzlichen Dank für die hier zusammengetragenen Informationen!! Eigentlich hatte ich geplant mit meinen beiden Söhnen (15 und 19 Jahre) Mitte Oktober nach Kathmandu zu reisen… heute hat mir der Trekking-Guide geschrieben und meinte, dass er kaum eine Chance für unser Vorhaben sieht. Wir wollen den Manaslu umrunden… Wie es aussieht werden wir versuchen die Reise auf März nächsten Jahres zu verschieben. Ich drücke dir, deinem Freund und eurem Umfeld, die Daumen, dass ihr weiter gut durch diese verrückte Zeit kommt. Und ich freue mich natürlich über neue Infos aus Kathmandu (ich bin 2017 erstmals dort gewesen und… Read more »

Katrin
7. Juli 2021 6:34

Guten Morgen liebe Susanne,
ich trinke jetzt Kaffee im Bett, und informiere mich wieder bei dir über die aktuelle Situation in Nepal.
Dafür ein großes Dankeschön! Einfach sehr gut gemacht, dein Blog!
Die Nachricht, dass Nepal ab heute „nur noch“ Hochinzidenzgebiet ist, lässt etwas hoffen.
Wir haben auch den Plan im Herbst endlich mal wieder nach Nepal zu kommen.
Ich wünsche Dir und Deinen Menschen dort alles Gute!
Bleibt gesund!
Herzliche Grüße von der Ostsee!
Katrin