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Pokhara in Nepal: Was die Stadt (nicht) zu bieten hat

15. Januar 2020
Blick auf Pokhara Nepal

Zuletzt aktua­li­siert am 18. Januar 2020 um 10:04

Doch, doch, Pokhara in Nepal ist schon schön! Aber die Stadt als solche ist es nicht. Warum das ver­meint­liche Urlaubs­pa­ra­dies am Fuße des Anna­purna-Mas­sivs mir nicht so recht gefallen will und wo mich die Gegend schließ­lich doch begeis­tert hat. Dazu: Tipps für eine Reise nach Pokhara.


Mein Lieb­lingsort ist Pokhara.“

Seit ich als Deutsch­leh­rerin in Kathmandu arbeite, höre ich diesen Satz sehr häufig. Sobald die nepa­le­si­schen Schüler:innen gelernt haben, „Lieb­lings-“ vor Sub­stan­tive zu setzen und sobald sie dann auch über ihren „Lieb­lingsort“ spre­chen können, bezeichnen gut 90 Pro­zent von ihnen Pokhara als eben­jenen. Ich wun­dere mich dar­über nicht mehr. Und wun­dere mich eben doch: Die Begeis­te­rung für die zweit­größte Stadt des Landes, die mir hier im Klas­sen­raum (und mehr­heit­lich auch auf Rei­se­b­logs) ent­ge­gen­strömt,  kann ich nur mit Ein­schrän­kungen teilen. Mein Lieb­lingsort in Nepal ist Pokhara jeden­falls nicht – und das muss ich jetzt wohl alles ein biss­chen besser erklären.

Ein paar Fakten über Pokhara

Zunächst einmal: Pokhara samt Umland hat etwas mehr als 310.000 Ein­wohner und liegt 200 Kilo­meter west­lich von Nepals Haupt­stadt Kathmandu. Eine ein­zige Straße ver­bindet die beiden Städte – der Prithvi Highway, eine stark repa­ra­tur­be­dür­figte Piste, auf der sich Tag für Tag unzäh­lige Fahr­zeuge, dar­unter jede Menge Tou­ris­ten­busse, anein­ander vor­bei­schieben. Im Schnitt dauert die Bus­fahrt von Kathmandu nach Pokhara sieben Stunden. Besucher:innen reisen aber nicht nur aus Kathmandu an, sie kommen auch aus Rich­tung Süden, nachdem sie zum Bei­spiel den Chitwan Natio­nal­park an der Grenze zu Indien besucht haben. Pokhara liegt direkt am Phewa Lake (auch  „Fewa“ geschrieben), dem zweigrößten See Nepals. Von hier aus starten außerdem zahl­reiche kür­zere und län­gere Treks ins Anna­purna-Massiv. Auch des­halb ist die Stadt fester Pro­gramm­punkt jeder Nepal-Rund­reise.

Pokhara Nepal: Bunte Boote im Phewa-See

Für den Phewa-See mit seinen bunten Booten ist Pokhara berühmt

Trekking von Pokhara aus

Schild mit ange­bo­tenen Treks in Pokhara

Pokhara Nepal: Schön oder nicht schön?

Für Ein­hei­mi­sche und vor allem für Haupt­stadt­be­wohner scheint Pokhara indessen der Inbe­griff von Urlaub und Aus­zeit, von Abschalten und Erho­lung zu sein. Und genau da liegt für mich der Hase im Pfeffer.

Ja, sicher­lich: Ver­gli­chen mit dem Kathmandutal, diesem anstren­genden, völlig zuge­bauten Bal­lungs­raum mit seinen 2,5 Mil­lionen Ein­woh­nern, ist Pokhara nahezu beschau­lich. Aber wer jetzt glaubt, man könne dort überall in Ruhe durch pit­to­reske Straßen schlen­dern, wer glaubt, Pokhara sei so eine rich­tige Urlaubs­stadt, ein Kurort gera­dezu, der irrt. Auch Pokhara ist voll, auch dort gibt es Stau und Hup­kon­zerte, auch dort hat man erst mal Mühe, echte Rück­zugs­orte zu finden.

Inwie­fern die Stadt eine Ent­täu­schung ist

Zweimal war ich mitt­ler­weile für je vier Tage in der Stadt und beide Male habe ich sie ein wenig ratlos wieder ver­lassen. Denn so schön und lau­schig, wie ich sie mir vor­ge­stellt hatte, fand ich sie ganz ein­fach nicht. Durch das Zen­trum zieht sich eine elendig lange Ein­kaufs­meile, in der es haupt­säch­lich Kashmir- und Trek­king-Klei­dung und ansonsten immer den­selben Tou­ris­ten­nippes zu kaufen gibt. In der­selben Straße, deren erster Abschnitt am Ufer des Phewa-Sees ent­lang­führt, befinden sich etliche Bars und Restau­rants, oft groß und unge­müt­lich wie Bahn­hofs­hallen. In den Sei­ten­straßen reihen sich Hotels anein­ander, von denen man viele kaum von­ein­ander unter­scheiden kann.

Nepal erhofft sich in naher Zukunft wesent­lich mehr Gäste, des­halb werden immer mehr Hotels gebaut: Bei meinem letzten Besuch in Pokhara im Sommer 2019 waren es auch die Bau­stellen, die dem Stadt­zen­trum vie­ler­orts jeg­liche Idylle raubten. Außerdem befindet sich nahe der Stadt ein inter­na­tio­naler Flug­hafen im Bau. 2021 soll er seinen Betrieb auf­nehmen und den Trib­huvan Inter­na­tional Air­port in Kathmandu, den bis­lang ein­zigen inter­na­tio­nalen Flug­hafen des Landes (Stand: Januar 2020), ent­lasten.

Pokhara Nepal: Flaniermeile Lakeside Road

Alte Archi­tektur wie im Kathmandutal sucht man im Zen­trum von Pokhara jeden­falls ver­geb­lich. Die Stadt sieht ganz anders als Kathmandu aus, auch weil sie viel sau­berer und auf­ge­räumter ist. Das ist ange­nehm. Einer­seits. Ande­rer­seits wirkt sie an vielen Stellen wie eine eilig aus dem Boden gestampfte Bet­ten­burg-Sied­lung ohne Gesicht und ohne Geschichte.

Der Autor Misha G. Schoe­n­e­berg hat Pokhara  bei seinem Besuch ähn­lich erlebt. In seinem Buch „Sid­dharta Highway“ von 2017 beschreibt er die Lakeside Road, jene Ein­kaufs­straße, wie folgt:

 Es ist die Fla­nier­meile dieser welt-totalen Tou­rismus-Indus­trie, die […] bisher noch jeden Ort, den sie als Para­dies ver­kauft, schon zig-fach ver­ge­wal­tigt hat, bevor sie die Clowns und Colo­nels der Global Player aus den Her­ren­län­dern drü­ber­steigen lässt: Den von McDonald’s, den aus Ken­tucky, die Kaf­fee­röster, die Fuji-Sushi aus Japan. Alle Multis sind schon da!

Pokhara voller McDonald’s, KFC und Star­bucks? Auch mir fällt diese Vor­stel­lung nicht schwer. Schon jetzt prägt tou­ris­ti­sche Zweck­mä­ßig­keit nahezu jedes Gebäude im Zen­trum. Und mit dem Hippie-Mekka, das die Stadt in den Sieb­ziger Jahren einmal war, hat sie heute über­haupt nichts mehr gemein.

Vor­züge: Was Nepals zweit­größte Stadt zu bieten hat

Man könnte sagen: Es ist es alles Städ­ti­sche, was mir an dieser Stadt nicht gefällt.

Aber Pokhara ist ja nicht nur Fla­nier­meile, nicht nur Restau­rants und Hotels, nicht nur Lakeside Road. Der Trumpf dieses Ortes, der immer ein paar Grad wärmer als Kathmandu ist, ist seine ein­ma­lige Lage am Phewa-See und am Fuße des Himalayas. Sie schenkt ihm die Viel­falt und Schön­heit, die er am Erd­boden in seinem Zen­trum ver­missen lässt. Ist der Himmel wol­kenlos, kann man die Gipfel des Anna­purna-Mas­sivs von den Ter­rassen der Gebäude aus empor­ragen sehen. Beson­ders auf­fällig ist der Macha­puchare. „Fish­tail“ nennen die Ein­hei­mi­schen den fast 7000 Meter hohen Berg. Mich erin­nert sein Gipfel immer an ein Stück­cken Toble­rone.

Annapurna-Massiv mit Machapuchare von Pokhara aus

Links im Bild: Der Gipfel des Macha­puchare

Wun­der­schön ist Pokhara mitten auf dem Phewa Lake, der von grünen Hügeln ein­ge­rahmt ist und erstaun­lich türkis im Son­nen­licht glit­zert. Eine Bade­stelle hat er, so weit ich weiß, leider nicht. Aber Boot fahren kann und sollte man auf ihm, ent­weder leiht man selbst eines aus oder man lässt sich von einem Boots­führer hin­über­schip­pern. Auf einer kleinen Insel mitten im See steht ein Tempel, Barahi-Tempel mit Namen, und in der Ferne kreisen immer ein paar Para­gli­ding-Schirme vor dem Berg­pan­orama umher.

Phewa-Lake

Auf dem Phewa-See

Am aller­besten aber gefällt mir Pokhara von oben. Bei der World Peace Pagoda, die man nach einer etwa ein­stün­digen Wan­de­rung vom Phewa-Ufer aus erlangt, liegen einem der See, die Stadt und das end­lose Grün, das sie umgibt, zu Füßen. In Sar­angkot, einem ein­ge­mein­deten Dorf auf 1500 Metern Höhe, ist der Blick auf die Berge, den Phewa-See und die Stadt noch spek­ta­ku­lärer.

Sarangkot, Nepal: Toller Ausblick auf Pokhara

Und schließ­lich gibt es abseits des Zen­trums doch einige Sehens­wür­dig­keiten, die sich lohnen und die man noch dazu auch zu Fuß oder mit dem Fahrrad errei­chen kann: Die längste Höhle Nepals etwa. Oder den Bind­hya­ba­sini-Tempel, eine der ältesten hei­ligen Stätten im Pok­ha­ratal (Genaueres dazu unter den Reise-Tipps im Anschluss).

So haben sie am Ende doch recht, die Urlauber und Ein­hei­mi­schen, die immer wieder sagen: Pokhara ist schön und viel­seitig und unbe­dingt eine Reise wert. Man kann wan­dern, Rad fahren, Boot fahren, para­gliden, trekken und tanzen.

Stimmt, all das kann man in Pokhara. Und das Stadt­zen­trum? Nun, das kann man sich sparen.

***


Pokhara Nepal: Reise-Tipps und Infos

  • Zweite Reihe Auf der Suche nach gutem Essen oder Kaffee ist gesunde Skepsis bei den Lokalen direkt am See ange­bracht. Mit „Lakeside“ werben sie hier und sind meist völlig über­teuert. Ist der Blick auf den See auch schön, der Blick auf den Teller ist es oft nicht. Ent­weder ist schlichtweg zu wenig drauf oder man bekommt fade Aller­welts­küche. Die Erfah­rung habe ich in Pokhara häu­figer gemacht, ohne dass ich kon­krete Restau­rants nennen könnte. Land­ein­wärts gibt es, wie so oft, wesent­lich gemüt­li­chere, bes­sere und preis­lich ange­mes­se­nere Lokale.
  • Wan­de­rung zur World Peace Pagoda Der strah­lend weiße Stupa  – welt­weit gibt es übri­gens 80 dieser bud­dhis­ti­schen Frie­dens­sym­bole – steht auf einem Hügel unweit des Phewa-Sees. Man kann den See halb umrunden und dann hin­auf­wan­dern oder man kom­bi­niert den Aus­flug mit einer Boots­tour. Heißt kon­kret: Man lässt sich ans andere Ufer über­setzen,  danach geht es noch etwa eine Stunde hinauf. Ach­tung: Mehr­fach habe ich jetzt von Über­fällen beim Auf­stieg zur Frie­dens­pagode gelesen. Uns ist nichts pas­siert und auch nichts auf­ge­fallen. Ratsam wäre aber wohl, die Strecke nicht allein zu gehen.
    World Peace Pagoda in Pokhara

    World Peace Pagoda in Pokhara Nepal

    Blick auf die Stadt von der World Peace Pagoda aus

    … und der Aus­blick von dort oben auf die Stadt

  • Gup­teshwor Mahadev Cave Mit etwa drei Kilo­me­tern Länge ist die Höhle nahe Pokhara Nepals längste Höhle. Der unspek­ta­ku­läre Ein­gang befindet sich in einer Laden­zeile. Wer davor steht, ahnt nicht, dass es dahinter erst einmal 200 Stufen hin­ab­geht und sich im Innern der Höhle sogar ein Tempel befindet, der Shiva gewidmet ist. Dort steht auch eine Kuh, aus deren Euter hei­liges Wasser fließt, wenn man eine Geld­spende hin­ter­lässt. Vor­sicht: Der Boden in der Höhle ist ziem­lich rut­schig.
    Gupteshwor Mahadev Cave
  • Bind­hya­ba­sini-Tempel Etwa zwei Stunden Fuß­marsch sind es vom Zen­trum zu der schönen, ruhigen Anlage aus dem 17. Jahr­hun­dert, die bisher vom Tou­ris­ten­an­sturm ver­schont geblieben ist. Der Tempel ist Göttin Bha­ga­wati, einer Erschei­nungs­form von Par­vati, Shivas Frau, gewidmet. Man kann die Gläu­bigen beob­achten, die Opfer­gaben bringen und hat bei gutem Wetter einen fan­tas­ti­schen Aus­blick auf das Anna­purna-Massiv.
    Bindhyabasini-Tempel in Pokhara

    Shivas Reit­tier als Statue auf dem Gelände des Bind­hya­ba­sini-Tem­pels in Pokhara

  • Aus­flug nach Ban­dipur Mit regio­nalen Bussen kann man von Pokhara aus nach Ban­dipur fahren, dabei muss man in der kleinen Stadt Dumre umsteigen. Ban­dipur ist ein Berg­dorf, das berühmt ist für seine gut erhal­tene newa­ri­sche Archi­tektur. Die Haupt­straße säumen Holz­bauten und Blu­men­schmuck, abseits davon wan­dert man durch die wun­der­schöne, unbe­rührte Land­schaft.
  • Aus­flug zum Begnas Lake Im Pok­ha­ratal gibt es ins­ge­samt sieben Seen. Als Alter­na­tive zum Phewa Lake beliebt ist der Begnas Lake, an dem es wesent­lich ruhiger zugeht. Von Pokahra ist er etwa 30 Kilo­meter  ent­fernt, es fahren Busse vom Zen­trum aus dorthin. Der Begnas Lake soll sau­berer als der Phewa Lake sein und sich des­halb auch besser zum Schwimmen eignen. Aller­dings weiß ich auch hier nichts von Lie­ge­weisen oder einer offi­zi­ellen Bade­stelle.
  • Aus­flug nach Sar­angkot Mein High­light in der Umge­bung von Pokhara! In dem Dorf auf etwa 1500 Metern Höhe gibt es einen Aus­sichts­punkt, den die meisten Rei­senden zum Son­nen­auf­gang auf­su­chen. Man kann Sar­angkot in etwa zwei Stunden zu Fuß errei­chen oder die steile Ser­pen­ti­nen­straße mit dem Taxi hin­auf­fahren. Von Sep­tember bis Dezember and dann wieder von Februar bis Mai starten hier auch die Para­gli­ding-Flüge. Wer möchte, kann eine oder meh­rere Nächte in einer der Lodges und Guest­houses in Sar­angkot ver­bringen. Himm­li­sche Ruhe und gran­diose Aus­blicke garan­tiert.
    Sarangkot bei Pokhara

    Pause mit Aus­blick in der Bhan­jyang Vil­lage Lodge in Sar­angkot

  • Movie Garden Leider war ich selbst noch nie da, aber ich habe das viel­ver­spre­chende Schild gesehen und mich zumin­dest  im Internet davon über­zeugt, dass der „Movie Garden“ ein tolles Open-Air-Kino sein muss. Jeden Abend um 19 Uhr wird hier bei Ker­zen­schein ein Film in einem hüb­schen, teils mit Bambus über­dachten Garten gezeigt. Man sollte früh da sein, um sich einen Platz zu sichern. Wenn ich das nächste Mal in Pokhara bin, gehe ich ganz sicher hin!

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Auf kosmopoetin.com gibt es tolle Fotos. Auch auf rausinsleben.de gibt es Ein­drücke aus Pokhara in Nepal.

Warst du schon mal in Pokhara Nepal? Wie hast Du die Stadt erlebt? Hast Du noch wei­tere gute Tipps? Erzähl mir davon gern in den Kom­men­taren!


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Christian Wiemann

Danke sehr.aufschlussreich hätte nicht geglaubt das pokahara keine Kultur-Stadt ist. Ansonsten fände ich es alles super. Nur so zur Info in lum­bini wird dem­nächst ein inter­na­tio­naler Flug­hafen eröffnet,Geburtsort Buddhas laut den Medien. Ist glaube ist auch drin­gend not­wendig ein zweiter Flug­hafen. Schöne Grüße aus Deutsch­land Christian,ear wirk­lich sehr inter­es­sant.

Liebe Susanne, danke fürs Ver­linken! Liebe Grüße, Jasmin