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Nepal nach den Erdbeben

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Nepal Erdbeben aktuell Bhaktapur

Die ver­hee­renden Erd­beben in Nepal jähren sich in diesem Früh­ling zum dritten Mal. Was sehen Rei­sende heute noch von den Schäden? Ich war in Kathmandu und Umge­bung und schil­dere hier meine Ein­drücke.


Am 25. April und am 12. Mai 2015 wurde Nepal von Erd­beben der Stärken 7,8 und 7,2 erschüt­tert. Fast 9000 Men­schen starben, mehr als 22.000 wurden ver­letzt, Hun­dert­tau­sende Häuser und reli­giöse Stätten beschä­digt oder zer­stört. Die Wucht der Erd­stöße wird auch deut­lich, wenn man sich Fol­gendes vor Augen führt: Der Gipfel des Mount Ever­ests ver­schob sich infolge der Beben um drei Zen­ti­meter nach Süd­westen, die Haupt­stadt Kathmandu ist andert­halb Meter nach Süden gerutscht und liegt heute einen Meter höher.

Auf dem Durbar Square in Bhak­tapur soll der „Bats­hala Durga“-Tempel neu errichtet werden

Etwa zwei­ein­halb Jahre nach den Erd­beben, im Oktober 2017, war ich im Kathmandutal, der am schlimmsten betrof­fenen Region. Vor meiner Reise fragte ich mich, wie viel ich dort von den Schäden noch sehen würde. Ich hatte Medi­en­be­richte ver­folgt, laut denen der Wie­der­aufbau nur schlep­pend vor­an­ging und der Groß­teil der Men­schen, die ihre Häuser ver­loren hatten, auch zwei Jahre später noch in Not­un­ter­künften lebte.

Nepal nach den Erdbeben: das Kathmandutal heute

Des­halb hatte ich mir die Situa­tion weitaus schlimmer vor­ge­stellt. Dazu muss ich sagen: Ich bin nur in die Königs­städte Kathmandu, Patan und Bhak­tapur gereist, nicht in die umlie­genden Dörfer, von denen einige fast voll­ständig zer­stört wurden.

  • Erdbeben Nepal heute Kathmandu
    Erd­be­ben­schäden in Kathmandu

Die Folgen der Erd­beben sind aber auch in den tou­ris­ti­schen Zen­tren nicht zu über­sehen: Auf den Durbar Squares, den Herz­stü­cken der Königs­städte, stützen aktuell noch Holz­balken die ver­blie­benen Tempel. Ver­ein­zelt klaffen in den angren­zenden Straßen Lücken in Häu­ser­zeilen oder es liegt ein Stein­haufen dort, wo früher mal ein Haus stand. Berühmte Plätze und erhal­tene Sehens­wür­dig­keiten sind aber alle begehbar, die Straßen und Wege überall vom Schutt befreit.

Erdbeben Nepal heute Stützbalken in Patan

Nepal heute, nach den Erd­beben: Noch stützen Balken einige der Tempel am Durbar Square in Patan

Ins­ge­samt ist die Zer­stö­rung weniger prä­sent, als ich ange­nommen hatte. Das sage ich aller­dings als jemand, der zum ersten Mal im Kathmandutal war. Wer die Region vor den Erd­beben kannte, ver­misst sicher schmerz­lich den schlanken, neun­stö­ckigen Dha­ra­hara Tower im Pan­orama von Kathmandu, um nur eines von vielen Bau­werken zu nennen, die es heute nicht mehr gibt. Auch die drei Durbar Squares, alle­samt UNESCO-Welt­kul­tur­er­be­stätten, haben ihre ursprüng­liche Pracht ein­ge­büßt. In Kathmandu ist der Groß­teil der 50 Tempel und Pagoden, die den Platz vorm Königs­pa­last einst schmückten, ein­ge­stürzt.

Erdbeben Nepal heute: Boudanath wurde restauriert

Der Stupa von Boudhanath (auch „Bod­nath“) ist restau­riert worden

Die nepa­le­si­sche Regie­rung will die his­to­ri­schen Stätten mit Ori­gi­nal­ma­te­ria­lien und in tra­di­tio­neller Bau­weise wieder auf­bauen. Zu den bereits repa­rierten Bau­werken zählt der Stupa von Boudhanath, das größte bud­dhis­ti­sche Hei­ligtum des Landes und eine der wich­tigsten Sehens­wür­dig­keiten in Kathmandu. Im November 2016 hat man den Stupa, dessen gol­dene Spitze beim Erd­beben beschä­digt wurde, wie­der­eröffnet. Bisher sind jedoch nicht einmal zehn Pro­zent der zer­störten Gebäude restau­riert worden.

Nepal nach den Erdbeben: Mehr denn je eine Reise wert

Doch selbst wenn Nepal einen Teil seines his­to­ri­schen Erbes für immer ver­loren hat und die Bau­ar­beiten noch Jahr­zehnte andauern, ist das Land samt dem schwer getrof­fenen Kathmandutal unbe­dingt eine Reise wert. Die Newari-Archi­tektur mit ihren Holz­schnit­ze­reien ist hier nach wie vor all­ge­gen­wärtig. Das­selbe gilt, trotz der Ver­luste, für Tempel und Pagoden – es gibt ganz ein­fach unend­lich viele im Tal.

Nepal Erdbeben Aktuell Nyatapola

Unver­sehrt: der Nya­ta­pola-Tempel in Bhak­tapur mit seiner fünf­stö­ckigen Pagode

Einige der sehens­wer­testen Anlagen haben die Erd­beben zudem unbe­schadet über­standen  – der Nya­ta­pola-Tempel in Bhak­tapur etwa oder Pas­hu­pa­ti­nath in Kathmandu.

Nepal ist und bleibt ein­zig­artig. Wer sich davon auf einer Reise selbst über­zeugt, tut zugleich etwas für den Wie­der­aufbau: Der Tou­rismus ist die zweit­wich­tigste Ein­nah­me­quelle des Landes, und kaum etwas hilft den Men­schen, die ihre Häuser ver­loren haben, jetzt so sehr wie Urlauber, die mit ihrem Geld die Wirt­schaft wieder ankur­beln und Arbeits­plätze sichern.

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Nepal heute: Hast Du das Land nach den Erd­beben besucht? Falls ja, erzähl mir gern, wie es aktuell in Nepal aus­sieht – ich freue ich mich sehr über einen Kom­mentar!


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