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Eine Stadt namens Rostock

Autorin
Tipps für Rostock

… ihr beschei­dener Ruf und ich: Sieben Jahre lang habe ich in Ros­tock gelebt und die Han­se­stadt an der Ostsee danach regel­mäßig besucht. Und hat sie auch noch so viele Skep­tiker: Für mich ist und bleibt sie ein Her­zensort. Eine kleine Hom­mage – und ein paar tolle Tipps für Ros­tock.


Ein son­niger Nach­mittag im Spät­sommer 2002: Gerade hatte ich mich zum Win­ter­se­mester an der Uni Ros­tock ein­ge­schrieben, Haupt­fach: Ger­ma­nistik, Neben­fach: Anglistik/Amerikanistik, nun saß ich auf einer der breiten Bänke, die den Platz vor dem Uni-Haupt­ge­bäude säumen, und schaute mich um. Die Stadt war voll, Pas­santen schlen­derten die Krö­pe­liner Straße ent­lang, in der sich bunte Gie­bel­häuser anein­an­der­schmiegen, zu meiner Rechten spru­delte ein Brunnen, irgendwo spielte jemand Akkor­deon. Da ergriff mich eine leise Ahnung: In Ros­tock zu stu­dieren, ist die rich­tige Ent­schei­dung.

Und dabei war ich noch nicht mal am Meer.

Tipps für Rostock Ostsee DiedrichshagenBald lernte ich: Die Krö­pe­liner Straße – „Kröpi“ genannt – ist hier die Haupt­ein­kaufs­straße, der „Brunnen der Lebens­freude“ wegen seiner nackten Bron­ze­fi­guren besser als „Por­no­brunnen“ bekannt und die Akkor­de­on­klänge stammten von Spiel­man­nopa, dem hut­ze­ligen Stra­ßen­mu­siker mit den lieben Augen, den jeder Ros­to­cker kennt.

Was es heißt, in Rostock zu studieren

Und meine Ahnung? Wurde Gewiss­heit. Ros­tock ist ein Ort, dessen Vor­züge ich sofort zu schätzen wusste, nicht erst nach mona­te­langem Ein­ge­wöhnen, nicht erst im Rück­blick, als ich längst weg­ge­zogen war. Meck­len­burg-Vor­pom­merns ein­zige Groß­stadt hat es mir leicht gemacht.

Dort zu leben und zu stu­dieren, das hieß, in der Innen­stadt Möwen schreien zu hören. Immer wieder den Anblick der Giebel am Neuen Markt und anderswo im Zen­trum zu bewun­dern. Fast überall zu Fuß hin­laufen zu können, auch nachts, von Club zu Club, denn es gab viele gute Clubs in dieser Stadt mit ihren kaum mehr als 200.000 Ein­woh­nern.

Tipps für Rostock KTV

Die Krö­pe­liner-Tor-Vor­stadt, kurz KTV, ist das Stu­den­ten­viertel der Han­se­stadt

Es hieß, regel­mäßig in der Süd­stadt-Mensa zu ver­sa­cken, die im bun­des­weiten „Mensa des Jahres“-Ranking oft ganz vorn mit dabei war. Im Sommer mit der Aus­sicht auf Kräne und Schiffe am Stadt­hafen zu grillen und jeden Winkel der KTV zu kennen – die Krö­pe­liner-Tor-Vor­stadt, das Viertel, in dessen pas­tell­far­benen Miets­häu­sern die meisten Stu­denten wohnen, in dessen Straßen sich die meisten Cafés, Kneipen und krea­tive Läden befinden.

In Rostock liegt die Ostsee vor der Haustür

In Ros­tock zu leben, das hieß zu guter Letzt, die Ostsee vor der Haustür zu haben – nicht bloß einen Bodden, nicht bloß eine Bucht, nein, das weite, das offene Meer erstreckt sich vor einem im Stadt­teil War­ne­münde. Und das wie­derum hieß, unzäh­lige Nach­mit­tage mit Freunden am Wasser zu ver­bringen. Und anzu­baden bis spä­tes­tens Ende Mai.

Tipps für Rostock Warnemünde Leuchtturm

Leucht­türme an der Hafen­ein­fahrt von War­ne­münde

Ach, dieses Meer! Keine zwanzig Minuten braucht die S-Bahn von der KTV nach War­ne­münde, keine wei­tere Vier­tel­stunde läuft man vom Bahnhof zum Strand. Der ist mit bis zu 80 Metern der brei­teste der Ost­see­küste und kann es auf­nehmen mit den Traum­stränden am Mit­tel­meer. Der Sand ist so hell und fein wie Strand­sand nur sein kann, und vorne, nahe den Leucht­türmen, stehen im Sommer die weißen Möbel einer Beach-Bar im Sand und am Himmel kreisen fast immer ein paar Dra­chen. In den Ferien ist jeder Fleck hier belegt, und wem das zu viel ist, der kann zum Bei­spiel am Wasser ent­lang in Rich­tung Westen fahren, dahin, wo der Wald beginnt, wo die Küste steil und der Strand steinig wird, da ist es noch immer schön ruhig.

Tipps für Rostock Warnemünde Strand

Und doch genießt diese Stadt kein allzu hohes Ansehen. Kra­walle von Fuß­ball­fans haben damit zu tun, vor allem aber die ras­sis­ti­schen Anschläge im Stadt­teil Lich­ten­hagen 1992. Sie haben ihr nach­haltig geschadet.

Rostocks Ruf: irgendwas zwischen grau und braun

Kürz­lich erschien eine Merian-Aus­gabe über Ros­tock mit einem Inter­view mit Mar­teria.

Der Rapper ist in der Han­se­stadt auf­ge­wachsen und hat seiner Heimat vor ein paar Jahren einen Song gewidmet. „Ich fand immer merk­würdig, was für einen schlechten Ruf die Stadt hatte“, sagt er darin. Seit Lich­ten­hagen gelte sie als „Ossi-Stadt, Neubau-Platten und so“, viele hätten danach ein Pro­blem gehabt zu sagen: „Ich bin aus Ros­tock.“

Ähn­lich ging es mir sogar noch 2009, als ich nach Ham­burg zog. Erzählte ich, wo ich stu­diert hatte, war die Reak­tion meist ver­halten – und ich sofort im Recht­fer­ti­gungs­modus. „Es ist dort nicht so schlimm, wie du denkst“, hörte ich mich sagen, „Ros­tock ist eigent­lich sehr schön!“

Das ist es bis heute, ganz unei­gent­lich. Das habe ich bisher noch bei jedem Besuch gedacht.

Okay, man glaubt das viel­leicht nicht gleich, wenn man den Haupt­bahnhof auf der Süd­seite ver­lässt und von Plat­ten­bauten begrüßt wird. Und, ja, es stimmt: Auf der S-Bahn-Fahrt nach War­ne­münde ziehen wirk­lich ziem­lich lange nichts als Hoch­haus­reihen vor­über. Aber das ist hier eben nicht alles, und es tut mir in der Seele weh, dass diese Stadt noch heute als grau und grimmig gilt, trotz all ihrer Farben, all ihrer welt­of­fenen Men­schen.

Tipps für Rostock Südstadt

Albrecht-Kossel-Platz am Haupt­bahnhof (Süd­seite)

Bei meinem letzten Besuch vor zwei Wochen ging ich vorm „Hotel Neptun“ am Strand­auf­gang 11 ans Meer. Vorm „Supreme­surf“, der Surf­schule mit Beach-Bar, saß eine Möwe auf einem der Holz­ti­sche und schrie, von der Hütte drang eine Cover-Ver­sion von „Time after Time“ an mein Ohr. „If you’re lost you can look and you will find me, time after time“, sang eine warme Män­ner­stimme, und der Refrain ging mir den ganzen Tag nicht aus dem Kopf.

Tipps für Rostock, auf der Mole von Warnemünde

Viel­leicht weil er so gut passt zu meinem Ros­tock-Gefühl. Weil ich mich hier wohl fühle, ein ums andere Mal.


 Zu guter Letzt: Meine besten Tipps für Rostock

  • Tört­chen­lokal Wal­den­berger – Hier halten sagen­hafte Tört­chen, was sie optisch ver­spre­chen. Besu­cher nehmen sie sich selbst aus der Vitrine am Ein­gang des lie­be­voll ein­ge­rich­teten Cafés. Dem Inhaber kann man in der offenen Küche beim Kre­ieren seiner süßen Sünden zuschauen.
  • Veis – Veganes Eis­café in der KTV mit aus­ge­fal­lenen Sorten wie „Ton­k­abohne.“ Wichtig: Ihr müsst unbe­dingt mit Sahne bestellen, die Sahne ist der Knaller!
  • Heu­mond – Urig und gemüt­lich, mit Bücher­re­galen und Ker­zen­schein. Hier werden Vege­ta­rier und Veganer glück­lich.
  • Pesto-Peter – An einem ehe­ma­ligen klas­si­schen Kiosk im Rosen­garten gibt es, wenn es nicht zu kalt draußen ist, Burger (auch vege­ta­ri­sche), Curry-Wurst mit Spe­zi­al­soßen und natür­lich: Nudeln mit ein­zig­ar­tigen Pesti.
  • Peter-Weiss-Haus – Ein Kul­tur­zen­trum im Herzen der KTV, in dem Kon­zerte, Partys Lesungen, Work­shops statt­finden. Im Sommer trifft man sich im großen Bier­garten.
  • Lite­ra­tur­haus Ros­tock – Man staunt, was dieses Haus alles auf die Beine stellt und wen es zu Lesungen so an die Ost­see­küste holt!
  • Mau-Club – Der trad­ti­ons­reiche Club mit viel Platz steht direkt am Stadt­hafen und lockt mit Kon­zerten, Lesungen und Partys. (Lieb­lings­er­in­ne­rung: ein aus­ver­kauftes Kon­zert von „The Wai­lers“!)
  • Andere Buch­hand­lung – Lie­be­voll und per­sön­lich: Hier schreiben alle Mit­ar­beiter regel­mäßig ihre Emp­feh­lungen auf kleine Zettel und legen sie zu ihren Favo­riten.
  • Buch­hand­lung Krakow Nachf. – Der Charme alter Buch­hand­lungen ist in dem Laden am Kir­chen­platz in War­ne­münde noch spürbar. Er hat viel Stamm­kund­schaft aus der Umge­bung. Geht mal rein und sagt Hallo, ich habe dort als Stu­dentin eine Weile gear­beitet!
  • Coaast – In dem Schall­plat­ten­café in War­ne­münde gibt es eine große Aus­wahl vor allem an Rock-Musik, ‘nen Kaffee bekommt man hier tat­säch­lich auch.
  • Café Pan­orama im Neptun-Hotel – Vom 19. Stock­werk des berühmten Neptun-Hotels kann man ganz War­ne­münde über­bli­cken. Und: Die Torten sind ein Traum! Öffnet um 13 Uhr, am Wochen­ende bildet sich vorm Ein­gang gern schon vorher eine Schlange.
  • Li.Wu. – An zwei Spiel­stätten bringt das „Licht­spiel­theater Wun­der­voll“ Filme aus Europa und dem Rest der Welt auf die Lein­wand, die im Main­stream-Kino nie laufen würden.
  • FISH-Fes­tival – Hat nix mit Fisch zu tun. Der Name steht für „Film­fes­tival im Stadt­hafen“. Jedes Jahr im Früh­ling stellen Nach­wuchs-Fil­me­ma­cher aus Deutsch­land und einem jähr­lich wech­selnden Part­ner­land aus dem Ost­see­raum ihre Werke vor.

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5 Kommentare auf "Eine Stadt namens Rostock"

Hey Susanne,
zwei Jahre nach dir, habe ich mich in Ros­tock eben­falls in Ger­ma­nistik ein­ge­schrieben. Auch ich habe mich stark in die Stadt am Meer ver­liebt. Ros­tock ist eine Klasse für sich. Sym­pa­thisch han­sea­tisch! Vielen Dank für den Artikel 🙂

Ich mag Ros­tock auch sehr, wir haben zwar in Wismar gewohnt(übrigens auch ein wun­der­schöne Stadt) aber sind auch gerne in Ros­tock gewesen, ob imTier­park oder auch der Weih­nachts­markt immer Pflicht­pro­gramm gewesen.

Lg aus Nor­wegen
Ina

http://www.mitkindimrucksack.de

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