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Hostel? Immer noch okay!

Autorin
Herein! Aber in diesem Hostel gibt's nicht viel zu sehen

Mit fünf Fremden auf engstem Raum wohnen, Küche, Klo und Dusche teilen? Auch mit 33 Jahren habe ich damit kein Pro­blem. Ein paar Bedin­gungen müssen aller­dings erfüllt sein. 


Ich konnte ihn früher rie­chen als sehen, seine Fahne hing schwer in der Lobby. Er teilte mir ein Bett in einem Vier­er­zimmer zu, in dem am Ende außer mir nur Männer waren – dabei hatte ich eigent­lich ein „Female Dorm“ gebucht. Beschwerde zwecklos, das Hostel war voll. So voll wie all­abend­lich der Aus­hilfs­re­zep­tio­nist, selbst Back­pa­cker und gegen Logis dort tätig.

Die Zim­mer­aus­stat­tung: zwei wack­lige Stock­betten, drei ros­tige Haken. Kein Regal, kein Schließ­fach, keine Lampe am Bett. Die Toi­letten befanden sich in einem maroden Wasch­raum am anderen Ende des Flurs. Genau wie die Duschen, vor denen Tep­piche standen vor Dreck.

Will­kommen auf Maui! Aus­ge­rechnet.

Ich hätte einen Bun­galow mieten sollen, dachte ich, als ich in dem win­zigen Zimmer nach einer freien Stelle für meinen Ruck­sack suchte, trotz der hor­renden Preise auf Hawaii.

 Nicht sauber, dafür gesellig

Spule ich sechs Tage vor, kann ich hin­zu­fügen: Meine Zeit auf Maui war wun­derbar, trotz und wegen der grot­tigen Absteige. Die Jungs im Zimmer haben kaum geschnarcht (Des­halb buche ich „Female Dorms“: Es wird weniger geschnarcht!) und sich ver­läss­lich um die Spinnen geküm­mert, die sich in unser Zimmer ver­irrten.

Das Ent­schei­dende aber: Es gab eine rie­sige Gemein­schafts­küche und einen Innenhof mit Sitz­be­reich im Schatten. Hat nicht jedes Hostel zu bieten. Leute kennen zu lernen, war hier leicht wie sonst nir­gends. Wir spra­chen beim Früh­stück über dre­ckige Klos und nächt­li­chen Lärm und Bier-Dieb­stähle aus dem Gemein­schafts­kühl­schrank (Wir ver­mu­teten das Per­sonal dahinter). Danach erkun­deten wir zusammen die Insel.

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Damit war immerhin eine meiner Erwar­tungen an ein Hostel erfüllt: Ich habe Anschluss gefunden, gute Leute kennen gelernt, wie fast jedes Mal bisher. Immer treffe ich übri­gens auch Back­pa­cker, die älter sind als ich, Mitte dreißig und drüber. Es gilt, was Gitti Müller sagt: „Es ist völlig egal, wie alt oder jung man im Hostel ist.“ Die TV-Jour­na­listin ist auch mit fast 60 nicht zwin­gend die Her­bergs-Älteste. Und falls doch, dann pfeift sie drauf. Ich wün­sche mir mehr Gitti Mül­lers in den Hos­tels dieser Welt.

Klassisches Backpacker-Frühstück: Pancakes. Viele.

Klas­si­sches Back­pa­cker-Früh­stück: Pan­cakes. Viele.

Zurück zu der Bruch­bude auf Maui: Gesellig war sie immerhin. Nur Kom­fort war selten so abwe­send wie dort. In Sin­gapur, der nächsten Sta­tion auf meiner Reise, erlebte ich den krassen Gegen­satz: Ein Arm­band mit inte­griertem Chip öff­nete einem in diesem Hostel die Türen, man schlief in einer geräu­migen Höhle mit rie­sigem Safe, zwei Steck­dosen, zwei Lampen, reich­lich Abla­ge­flä­chen und schweren Vor­hängen. Der Früh­stücks­raum glich der Lounge eines Fünf-Sterne-Hauses. Tiptop sauber alles, nahezu steril. Und wohl das Beste, was man für so wenig Geld im Zen­trum bekommen kann.

Natür­lich, anderswo hätte man mehr Platz, mehr Pri­vat­sphäre sicher­lich auch. Aber wie viel Zeit ver­bringt man unter­wegs schon in seiner Unter­kunft? Reise ich allein in teu­reren Gegenden und halte mich dazu noch nur ein paar dort Tage auf, sticht ein Hostel meist alle andere Optionen aus.

So werde ich wohl weiter mein Bett im „Female Dorm“ buchen. Es sei denn, ich kann mir einen Bun­galow am Strand leisten. Dann nehme ich natür­lich den.

Was hast Du in Hos­tels erlebt – und kommt so eine Unter­kunft für Dich über­haupt noch infrage? Erzähl es mir in den Kom­men­taren!


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Kommentare

16
  • Sabine von Ferngeweht

    Ich habe nichts gegen Hos­tels. Aber Pri­vat­zimmer muss sein. Ebenso wie sau­bere Toi­letten (am liebsten eine eigene). Und bitte auch keine Partys bis mitten in der Nacht. Wenn das gewähr­leistet ist, mag ich die Stim­mung in Hos­tels sehr gern — auch mit 45 Jahren 😉

    • Susanne

      Ja, das ist der Ide­al­fall, da stimme ich zu, und das gibt’s ja zum Glück auch alles in vielen Hos­tels.

  • Georg

    Die Mög­lich­keit neue Leute kennen zu lernen und sich mit
    anderen Rei­senden zu unter­halten, finde ich auch das
    Posi­tivste an Hos­tels. Aller­dings bevor­zuge ich schon
    eher mein eigenes Zimmer, da ich ansonsten bei Hos­tels ohne
    Safe oder ähn­li­chem Angst hätte, dass mir jemand etwas klaut.

    • Susanne

      Hallo Georg, das ver­stehe ich, aber meist gibt es ja einen Safe oder immerhin irgendein abschließ­bares Fach. Ein eigenes Zimmer in Hos­tels ist ja aber auch viel teurer, erst recht wenn man allein reist.

  • Janina

    Mein Freund und ich (beide 31 Jahre) steigen auch immer noch regel­mäßig in Hos­tels ab und haben echt fast nur gute Erfah­rungen gemacht. So man­ches Hostel kann mit nor­malen Hotels mit­halten! Ich glaube Vor­be­halte haben vor allem die­je­nigen, die noch nie oder selten in Hos­tels waren! 🙂

    Tipp: In der Neben­saison ein Dorm buchen und hoffen, dass man allein ist — klappt häufig! Aber natür­lich wirk­lich nur in der Neben­saison. So spart man sich die Kosten für ein Dop­pel­zimmer mit dem Rei­se­partner.

    • Susanne

      Hi Janina,
      das glaube ich auch. Es gibt die Kli­schee-Par­ty­meuten-Absteigen, aber eben auch richtig luxe­riöse Her­bergen. Zu Deinem Tipp: Stimmt, selbst auch schon erlebt. Liebe Grüße!

  • Oli

    Ich wurde vor ein paar Tagen in Kam­bo­dscha von einem Hostel abge­wiesen, weil ich zu alt war. Dort lässt man nur Leute bis 35 rein, wurde mir beschieden. Das fand ich ziem­lich schade, denn gerade bei den etwas älteren Leuten im Dorm han­delt es sich häufig um sehr span­nede Per­sön­lich­keiten.

    Ansonsten: Ich mag klei­nere Dorms sehr gerne. Am liebsten gemischte Vie­rer­dorms, höchs­tens aber mit sechs Betten. Mit etwas Glück kann sich zwi­schen den Leuten im Zimmer eine echt coole Dynamik ent­wi­ckeln.

    • Susanne

      Hallo Oli,
      so etwas höre ich zum ersten Mal. Schade in der Tat – und unsinnig. Wie lautet denn die Begrün­dung, abge­sehen von „zu alt”? Das ist ja nun erst einmal noch keine rich­tige Begrün­dung. Wahr­schein­lich hast Du Dir die gar nicht mehr ange­hört. Ich dachte nur: Geht es womög­lich am Ende nur um Geld? Nimmt man viel­leicht an, ältere Rei­sende sind zah­lungs­kräf­tiger und sollen auch ent­spre­chend ble­chen? Hm. Diese Dynamik habe ich auch kennen- und schätzen gelernt – und zwar mit Zimmer-Bewoh­nern im Alter von Anfang zwanzig bis Ende vierzig. Ich würd mir wün­schen, das in Zukunft noch öfter zu erleben.

  • Nina

    Also ich gehe auch mit 25 immer noch gerne in Hos­tels, am liebsten mit Freun­dinnen (Dorm) oder meinem Freund (Dop­pel­zimmer). Ich war bisher in Hos­tels in Nizza (mit 19 ‚Jahren), Seattle, Boise, Salt Lake City, Las Vegas, Venice Beach, London und Cancun und Aachen. Keins hat mich bisher ent­täuscht und man wurde stets freund­lich auf­ge­nommen. Preis­lich meist unschlagbar und oft auch mit tollem Früh­stück oder sogar gemein­samem Abend­essen (Hostel Orquideas, Cancun). Ich plane auch noch ein paar Jahre in Hos­tels zu über­nachten wenn ich reise, ins­be­son­dere in Asien.

    • Susanne

      Hi Nina,
      mit 25 ist das ja auch noch nicht so unge­wöhn­lich. Freut mich, dass Du bisher mit allen Glück hat­test. In Asien ist der Alters­durch­schnitt in Hos­tels höher als in Europa, habe ich zumin­dest fest­ge­stellt, aber viel­leicht täuscht meine Stich­probe auch. Grüße!

  • Vani

    Hey Susanne,

    du hast ja auch schon eine Menge in Hos­tels erlebt wie ich gelesen habe 🙂 Ich bin gespannt was mich in meinem nächsten Hostel hier in Aus­tra­lien erwartet.

    Gruß aus Mel­bourne

    Vani

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Hi! Ich bin Susanne. Journalistin und Reisende. Ich liebe und schreibe Geschichten vom Reisen (auch allein!) und Auswandern. Warum? Hier erfährst du mehr. (Foto: © André Schade)

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