Kathmandu Nepal

Coro­na­virus: Zur aktu­ellen Situa­tion in Nepal

20. März 2020
Coronavirus in Nepal: Station zum Händewaschen

Zuletzt aktua­li­siert am 24. Oktober 2020 um 9:00

Ich lebe zur­zeit in Kathmandu und möchte hier über die aktu­elle Situa­tion rund um das Coro­na­virus in Nepal infor­mieren. Ich bin keine Viro­login und kann ledig­lich meinen per­sön­li­chen Ein­druck ver­mit­teln. Gesi­cherte Infor­ma­tionen über bestä­tigte Fälle, Rei­se­be­schrän­kungen und andere Maß­nahmen sowie über neue Ent­wick­lungen aktua­li­siere ich hier fort­lau­fend.


Offi­ziell ver­zeichnet Nepal jetzt (Stand: 23. Oktober 2020) 153,008 bestä­tigte Fälle. Inzwi­schen hat sich Covid-19 in allen 77 Distrikten ver­breitet, wobei ein Distrikt aktuell keine aktiven Fälle hat. Am 16. Mai wurde der erste Todes­fall auf­grund der Virus­er­kran­kung bestä­tigt, mitt­ler­weile sind 829 Per­sonen gestorben. Die aktu­ellen Zahlen für Nepal kann man hier ein­sehen.

Coro­na­virus in Nepal: Zunächst kein Aus­bruch

Wochen­lang hatte es nur einen ein­zigen Covid-19-Fall in Nepal gegeben: Ein nepa­le­si­scher Stu­dent, der aus Wuhan zurück­ge­kehrt war,  wurde positiv auf Covid-19 getestet. Am 24. Januar bestä­tigte Nepal den Fall.

Es wäre wohl einem Wunder gleich­ge­kommen, wenn es in Nepal, einem Nach­bar­land von China und Indien, bei einem Fall geblieben wäre. Ende März bestä­tigte sich schließ­lich ein zweiter Fall.

Covid-19 in Nepal: Zeit­strahl

Coronavirus in Nepal: Leitfaden des nepalesischen Gesundheitsministeriums

Coro­na­virus in Nepal: Leit­faden vom nepa­le­si­schen Gesund­heits­mi­nis­te­rium

Die Pati­entin, eine nepa­le­si­sche Stu­dentin, hatte sich aller­dings auch nicht in Nepal infi­ziert. Sie war am 17. März an Bord eines Qatar-Flugs aus Frank­reich nach Nepal zurück­ge­kommen.

In der Folge stieg die Zahl der bestä­tigten Fälle bis 2.4. auf sechs Per­sonen an. Alle Pati­enten waren, wie die Stu­dentin, aus dem Aus­land zurück­ge­kehrt, näm­lich aus Bel­gien und den Ver­ei­nigten Ara­bi­schen Emi­raten.

März: Voll­stän­diger Lock­down

Am Dienstag, 24.3., 6 Uhr früh, ging das ganze Land in den voll­stän­digen Lock­down. Die Bevöl­ke­rung war ange­halten, unnö­tige Wege zu ver­meiden.  Um sich mit einem Fahr­zeug durch die Stadt zu bewegen, brauchte man eine Son­der­ge­neh­mi­gung. Lebens­mit­tel­ge­schäfte öff­neten meist ein paar Stunden am Morgen und am Abend.

  • Coronavirus in Nepal: Ladeneingang mit Warnhinweisen
    Kathmandu im Lock­down: Warn­hin­weise an einem Lebens­mit­tel­ge­schäft in Sanepa

April: Ein Mas­sen­aus­bruch in Nepal droht

Bis 4. April erhöhte sich die Zahl der Fälle auf neun, dar­über hinaus hatte es die erste Über­tra­gung inner­halb des Landes gegeben. Zwei der Neu-Infi­zierten waren aus Indien zurück­ge­kehrt. Ins­ge­samt sind laut Nepali Times vom 7. April min­des­tens 120.000 Arbeits­mi­granten allein bis Anfang April ohne Scree­ning über die Grenze gekommen. Die dritte neu infi­zierte Person ist ver­wandt mit einem Rück­kehrer aus den VAE.

Mai: Rasante Ver­brei­tung; Lands­leute dürfen nicht heim­kehren

Von Anfang bis Mitte Mai wuchs die Zahl der Neu­in­fek­tionen deut­lich. Laut Gesund­heits­ex­perten lag das aber nicht nur an nun mehr Tests, son­dern auch am Ver­halten der Regie­rung: Diese hatte Heim­kehr­wil­lige zunächst nicht legal wieder ein­reisen lassen. Viele Betrof­fene, die an der indisch-nepa­le­si­schen Grenze fest­hingen, kehrten des­halb illegal in ihre Heimat zurück, indem sie bei­spiels­weise durch einen Grenz­fluss schwammen. Hätte man in Indien fest­sit­zende Arbeitsmigrant:innen kon­trol­liert wieder ein­reisen lassen, hätte es den Experten zufolge nicht so viele Covid-19-Infek­tionen in Nepal gegeben. Erst seit Ende Mai können nepa­le­si­sche Arbeitsmigrant:innen legal in ihre Heimat ein­reisen.

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Coro­na­virus in Nepal: Infos zur aktu­ellen Situa­tion
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Ende Mai war die Situa­tion an der Grenze und an den Über­gängen in die Pro­vinzen chao­tisch. Tau­sende nepa­le­si­sche Arbeitsmigrant:innen kamen täg­lich nach langen Mär­schen erschöpft im Grenz­ge­biet an und mussten dort tage­lang aus­harren. Sie wurden nicht mit Essen und Wasser ver­sorgt, geschweige denn gibt es ange­messen aus­ge­stat­tete Qua­ran­täne-Unter­künfte. Die Regie­rung stand nicht nur in dieser Hin­sicht stark in der Kritik, das Land nicht vor­be­reitet zu haben, als dafür Zeit gewesen wäre. Bis 28. Mai starben zwei Heim­kehrer auf­grund von feh­lender medi­zi­ni­scher Zuwen­dung und Hunger.

Nach vielen Wochen des War­tens wurden am Don­nerstag, 11. Juni, die ersten Migran­tinnen aus dem Aus­land nach Hause geflogen – 300 Frauen, die in Kuwait fest­hingen. Im Rahmen eines erst kürz­lich fertig gewor­denen Rück­hol­pro­gramms sollten ab Mitte Juni mehr Menschen heim­ge­bracht werden.

Juni: Pro­teste gegen die Regie­rung und Locke­rungen

Die Mehr­heit der 15 Per­sonen, die bis 9. Juni ver­storben waren, wurden erst nach ihrem Tod positiv auf das SARS-CoV-2-Virus getestet – was dafür spricht, dass noch immer viel zu wenig, zu spät und zu langsam getestet wurde. Auch fehlte es in den Iso­la­ti­ons­zen­tren an Per­sonal und Equip­ment. So wurden aus­ge­rechnet Qua­ran­täne-Camps Orte mit der höchsten Anste­ckungs­ge­fahr.

Am 9.  Juni pro­tes­tierten in Kathmandu erst­mals etwa 150 Menschen für eine Ände­rung der Test-Stra­tegie und den Ein­satz von mehr PCR-Tests, für wür­de­volle Bedin­gungen für Heim­keh­rende und bes­sere Aus­stat­tung von Qua­ran­täne-Sta­tionen. Und sie fragten: Wo ist das Geld, das Nepal im Kampf gegen die Corona-Pan­demie aus dem Aus­land bekommen hat? (Infos und Fotos von dem Pro­test, den die Polizei mit Was­ser­wer­fern auf­löste, gibt es hier.) Auch am 11. Juni gingen Menschen in Kathmandu auf die Straße, in anderen Städten fanden eben­falls Demos statt.

Am 18. Juni behaup­tete Regie­rungs­chef K.P. Oli zum wie­der­holten Male öffent­lich, Covid-19 sei wie eine Grippe. Für die Tri­via­li­sie­rung der Erkran­kung ern­tete er im Internet Spott und Häme.

Ab 11. Juni durften bestimmte Geschäfte wieder öffnen. Auch Pri­vat­fahr­zeuge konnten, je nach Kenn­zei­chen, wieder fahren. Ist das Datum nach dem nepa­le­si­schen Kalender eine gerade Zahl, durften Autos und Zweiräder mit einer geraden Zahl am Ende ihres Kenn­zei­chens fahren, an Tagen mit unge­rader Zahl im Datum durften Fahr­zeuge mit unge­rader Zahl fahren.

Geschlossen blieben wei­terhin Kinos, Restau­rants, Hotels (sofern nicht als Qua­ran­täne-Ein­rich­tung genutzt), Beau­ty­sa­lons, Shop­ping Malls, alle  Orte, an denen Menschen sich ver­sam­meln,  sowie der öffent­liche Nah­ver­kehr.

Die Medien berich­teten schon seit Ende Juni, Restau­rants böten laut Aus­hängen nur „Take-Away“-Service an – in Wahr­heit aber seien die Tische drinnen wieder besetzt. Das deckt sich mit meinen eigenen Beob­ach­tungen.

Ende Juni ging eine Gruppe junger Menschen öffent­lich am Patan Durbar Square für eine bes­sere Covid-19-Stra­tegie in den Hun­ger­streik.  Anfang Juli erschienen bei You­Tube Videos über ihren Streik, etwa dieses. Am 7. Juli been­deten die Pro­tes­tie­renden ihren Hun­ger­streik, nachdem sie ein 12-Punkte-Abkommen mit dem Gesund­heits­mi­nis­te­rium unter­zeichnet hatten.

Juli: Der Lock­down ist offi­ziell auf­ge­hoben

Der vier­mo­na­tige Lock­down in Nepal war am 22. Juli offi­ziell vorbei, wie die Regie­rung am 21. Juli bekannt gab. Men­schen­an­samm­lungen blieben  jedoch wei­terhin ver­boten (und Bil­dungs­ein­rich­tungen wei­terhin geschlossen), Hotels und Restau­rants sollten ab 30. Juli wieder öffnen können. Gesund­heits­ex­perten kri­ti­sierten die über­gangs­lose Öff­nung: Die Gefahr, an Covid-19 zu erkranken, sei immer noch hoch.

August:  Rück­kehr in den Lock­down

Wegen eines erneuten Anstiegs an Covid-19-Fällen gingen Nepals dritt­größte Stadt Birat­nagar sowie die Städte Bir­junj, Raj­biraj und wei­tere Gemeinden im Süden des Landes  für zwei Wochen wieder in den voll­stän­digen Lock­down. Die Aus­gangs­sperre begann am 1. August um 0 Uhr. (Quelle)

Auch die Haupt­stadt ver­zeich­nete seit Auf­he­bung der Aus­gangs­sperre sehr viel höhere Infek­ti­ons­zahlen.

Im Kathmandutal werden Aus­gangs­sperren wieder ein­ge­führt

Im ganzen Kathmandutal sowie in Distrikten mit mehr als 200 Fällen galt seit 6. August erneut die Odd-Even-Regel. Das heißt: Pri­vat­fahr­zeuge durften je nach Kenn­zei­chen ent­weder nur an geraden oder unge­raden Tagen fahren. Außerdem herrschte aber­mals von 9 Uhr abends bis 5 Uhr mor­gens Aus­gangs­sperre. Da das Kathmandutal sich seit Auf­he­bung des Lock­downs zum Corona-Hot­spot ent­wi­ckelte, wurden Gegenden mit vielen Geschäften, u.a. Ason und New Road abge­rie­gelt. Ab 15. August waren Restarauntbetreiber:innen wieder ange­halten, nur „Take Away“-Service anzu­bieten.

Ab 19. August, Mit­ter­nacht, durften pri­vate Fahr­zeuge im Kathmandutal aber­mals nur im Not­fall ver­kehren.  Ein­wohner sollten wieder nur zum Ein­kaufen das Haus ver­lassen, Geschäfte waren nur am Morgen ein paar Stunden (von 4 bis 9.15 Uhr) geöffnet. Die Rege­lung sollte eine Woche lang gelten – und kam einem voll­stän­digen Lock­down gleich, wie er im März aus­ge­rufen wurde.

Update: Die Maß­nahmen wurden zweimal ver­län­gert und galten dann bis 9. Sep­tember.  Lebens­mit­tel­ge­schäfte waren bis 11 Uhr vor­mit­tags geöffnet. (Quelle)

Am 24. August berich­tete Kathmandu Post, dass sich das Con­tact Tra­cing in der Haupt­stadt als sehr schwierig gestaltet, weil viele positiv Geteste sich aus Angst vor Stig­ma­ti­sie­rung und Job­ver­lust den Behörden nicht zu erkennen ergeben und ihre Erkran­kung ver­schweigen.

Sep­tember: Lage spitzt sich weiter zu

Zunächst galt  wei­terhin die Aus­gangs­sperre, die am 19. August vor­erst für eine Woche wieder ein­ge­führt worden war. Nach zwei­ma­liger Ver­län­ge­rung blieb sie bis 9. Sep­tember bestehen.

Nach Zusam­men­stößen von Polizei und Zivi­listen, die am 3. Sep­tember trotz strenger Covid-19-Auf­lagen den tra­di­tio­nellen Mach­hin­dra­nath-Umzug nach­holen wollten, beschlossen die Behörden in Lalitpur eine kom­plette Aus­gangs­sperre füt Freitag, 4. Sep­tember, von 4 bis 22 Uhr. Nicht einmal ein­kaufen war an diesem Tag erlaubt. Die Polizei drohte mit Schüssen, wenn sich Bürger nicht daran halten. (Quelle)

In ver­schie­denen Lan­des­teilen kommen Lebens­mittel und andere Güter des täg­li­chen Lebens nicht mehr an. In meh­reren Distrikten in der Pro­vinz Kar­nali fehlt es an Reis, der wegen des Lock­downs und wegen Erd­rut­schen nicht gelie­fert werden konnte. In ent­le­genen Dör­fern haben Frauen seit geraumer Zeit keinen Zugriff auf Monats­hy­gie­ne­ar­tikel.

Ab 10. Sep­tember dürfen Fahr­zeuge je nach Kenn­zei­chen wieder abwech­selnd fahren, ins Kathmandutal hinein werden aber keine Fahr­zeuge gelassen. Lebens­mit­tel­ge­schäfte dürfen nun bis 11 Uhr vor­mit­tags und dann noch mal abends von 17 bis 19 Uhr öffnen. Shop­ping-Malls und alle mög­li­chen Fach­ge­schäfte dürfen unter Wah­rung des Hygie­ne­pro­to­kolls jeden zweiten bzw. an fest­ge­legten Tagen öffnen (Genaueres hier.)

Ab 17. Sep­tember kommen wei­tere Locke­rungen hinzu. Län­gere Bus­fahrten und Inlands­flüge sind wieder frei­ge­geben, aller­dings darf pro Reihe auf jeder Seite nur ein Pas­sa­gier sitzen und Bus­un­ter­nehmen dürfen die Preise um bis zu 50 Pro­zent erhöhen. Restau­rants und Hotels dürfen wieder öffnen. Viele Menschen machen sich Sorgen wegen der anste­henden Fes­tival-Saison. Nor­ma­ler­weise sind die Busse in dieser Zeit extrem voll mit Nepales:innen, die zu ihren Fami­lien wollen. Vor diesem Hin­ter­grund zwei­feln viele an, dass die Sicher­heits­vor­keh­rungen über­haupt ein­ge­halten werden.

Oktober: Inten­siv­betten belegt, ris­kante Regie­rungs­ent­schei­dung

Am 6. Oktober meldet Kathmandu Post, dass alle Betten mit der Mög­lich­keit zur Beatmung im Kathmandutal belegt sind.

Am 13. Oktober, pünkt­lich zur bald begin­nenden Fes­ti­val­saison, wäh­rend der die Mobi­lität im ganzen Land tra­di­tio­nell beson­ders hoch ist, gibt die Regie­rung eine Ent­schei­dung bekannt, die kaum nach­zu­voll­ziehen ist: Fahr­zeuge im öffent­li­chen Nah­ver­kehr und Über­land­busse dürfen wieder voll besetzt werden. Bis­lang hatten Abstands­re­geln gegolten und es durfte nur je eine Person pro Reihe Platz nehmen. Der Ver­brau­cher­schützer Jyoti Baniya bezeichnet diese Ent­schei­dung als „das größte Ver­bre­chen, das die Regie­rung gegen die all­ge­meine Bevöl­ke­rung verübt hat“.  Auch Mediziner:innen warnen, dass das Virus sich so noch schneller und stärker ver­breiten wird.

Wie gut ist Nepal gegen Covid-19 gewappnet?

In keinster Weise. Unter anderem fehlt es an Inten­siv­betten und anderer Aus­stat­tung. Weil ange­for­derte Aus­rüs­tung nicht ankommt, haben einige Kran­ken­häuser schon vor Wochen Ersatz-Schutz­klei­dung von orts­an­säs­sigen Schneider:innen und Tex­til­fa­briken bas­teln lassen. Zum Ein­satz kommen Plastik oder auch Klar­sicht­fo­lien aus dem Büro­be­darf.

Wie sehr es an lebens­wich­tigen Schutz­mög­lich­keiten für Mediziner:innen man­gelt, ver­deut­licht auch eine besorg­nis­er­re­gende Mel­dung vom 22. März 2020: Immer mehr Ange­stellte in den Kran­ken­häu­sern in Kathmandu – Laborant:innen, Ärzte und Ärt­ztinnen, Pfleger und Schwes­tern – rei­chen Urlaub ein. Die Kli­nik­lei­tungen sehen sich gezwungen, ihn zu geneh­migen, weil sie ande­ren­falls Kün­di­gungs­wellen befürchten.

Update vom 26.8.: Noch immer man­gelt es in den Kran­ken­häu­sern an Schutz­aus­rüs­tung, u.a. an Masken.

Social Distancing“ bzw. „Phy­sical Distancing“ ist vor allem im dicht besie­delten Kathmandutal schwer umzu­setzen. Mehr als 20.200 Einwohner:innen leben auf einem Qua­drat­ki­lo­meter. Zum Ver­gleich: In Ham­burg teilen sich die gleiche Fläche nur 2438 Per­sonen.

Volle Straßen in Kathmandu

Ason Bazar im Zen­trum von Kathmandu: immer voll

Noch dazu wohnen Eltern, Kinder und Enkel­kinder in der Regel unter einem Dach und viele junge Leute teilen sich Zimmer. Die Iso­lie­rung ein­zelner Per­sonen ist daher schwierig.

Wirt­schaft­li­chen Folgen und wach­sende Armut

Auch die wirt­schaft­li­chen Kon­se­quenzen machen den Menschen hier Sorgen. Zum einen ist der Tou­rismus eine der wich­tigsten Ein­nah­me­quellen des Himalaya-Staates. Zum anderen ist Nepal in hohem Maße von Indien und China abhängig und darauf ange­wiesen, Roh­stoffe, Lebens­mittel, Medi­ka­mente und andere Güter des täg­li­chen Lebens zu impor­tieren. Ist  der Waren­ver­kehr beein­träch­tigt, könnte das sehr unan­ge­nehme Folgen für das kleine Land haben.

Ein Bei­trag vom 26. März ver­deut­lichte: Viele Menschen in Nepal haben mehr Angst davor, zu ver­hun­gern, als an Corona zu erkranken. Zum Über­leben brauchen sie staat­liche Hilfen. Es gab aller­dings selbst am dritten Tag des Lock­downs noch kei­nerlei Hilfs­plan von Seiten der Regie­rung für sie.

Am 16. und 17. April erschienen Berichte über ver­zwei­felte in die Haupt­stadt Zuge­zo­gene (z.B. hier) die in Kathmandu nicht über­leben können, weil sie kein Geld für Essen und Miete mehr haben. Des­halb ver­su­chen aktuell viele Menschen trotz Lock­down zu Fuß in ihre Hei­mat­dörfer zu gelangen, sodass sich ähn­liche Szenen wie in Indien abspielen.

Ende Mai berich­teten nepa­le­si­sche Medien von einem ersten bekannten Hun­ger­toten, es gibt wei­tere Berichte, nach denen Menschen infolge des Lock­downs ver­hun­gert sind, wenig später folgen welche über einen Anstieg an Selbst­morden im Land.

Schlecht steht es auch um die Aber­tau­senden Arbeits­mi­granten. Viele haben vor ihrer Abreise viel Geld in die Stel­len­ver­mitt­lung ins Aus­land, bei­spiels­weise im Mitt­leren Osten, inves­tiert unv viele sind ent­gegen aller Ver­spre­chungen nie bezahlt worden. Sie kehren nach Nepal zurück – ohne Ein­kommen, ohne Arbeit und ohne Per­spek­tive (mehr dazu hier).

Rei­se­be­schrän­kungen

Seit 2. Sep­tember sind sehr ein­ge­schränkt wieder inter­na­tio­nale Flüge mög­lich. Im Sep­tember bei­spiels­weise gibt es 60 Flüge, die von acht aus­län­di­schen und zwei nepa­le­si­schen Air­lines durch­ge­führt werden. Mehr Infor­ma­tionen hier.

Früh wurde die Klet­ter­saison abge­sagt. Die Tou­ris­mus­kam­pagne #Nepal2020, die sich zum Ziel gesetzt hatte, dieses Jahr mehr als zwei Mil­lionen Tou­risten ins Land zu locken, wurde eben­falls bis auf Wei­teres gestoppt.

Coronavirus Nepal: Reisebeschränkungen

Die nepa­le­si­sche Immi­gra­ti­ons­be­hörde ver­öf­fent­lichte am 13.3. diese Rei­se­be­schrän­kungen. Alles längst wieder hin­fällig: Ab 24.3.  herrschte vor­erst für eine Woche der voll­stän­dige Lock­down, er wurde sechsmal ver­län­gert. Am 22. Juli wurden die meisten noch ver­blie­benen Ein­schrän­kungen auf­ge­hoben – und inzwi­schen  wieder ein­ge­führt, weil sich Covid-19 seitdem rasant aus­breitet. Flüge für Tou­risten wird es wei­terhin nicht geben

Was gilt jetzt für „gestran­dete“ Deut­sche in Nepal?

Am 8.4. hob die vor­erst letzte  von der deut­schen Regie­rung gechar­terte Maschine im Rahmen des Rück­hol­pro­gramms ab. Bitte unbe­dingt  die Facebook-Seite der Deut­schen Bot­schaft in Kathmandu abon­nieren.

Nepal in Not: Ich möchte helfen!

Häufig werde ich  gefragt, an welche Orga­ni­sa­tion man spenden sollte. Hier folgt eine Liste von Ver­einen und Orga­ni­sa­tionen, deren Arbeit ich medial ver­folgt, mit denen ich per­sön­lich in Kon­takt gestanden und für die ich teil­weise auch selbst gespendet habe.

  • Nepal­hilfe Bie­tig­heim-Hers­feld e.V.: Der deut­sche Verein arbeitet gemeinsam mit den nepa­le­si­schen Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tionen Hoste Hainse und Jagrity Child and Youth Con­cern Nepal (JCYCN) in zahl­rei­chen Pro­jekten daran, unter­pri­vi­li­gierten Kin­dern in Nepal Bil­dung zu ermög­li­chen. Wäh­rend der Pan­demie hat der Verein unter anderem Haus­be­suche von Lehr­kräften auf die Beine gestellt. Auch Income- Genera­tion-Pro­jekte werden geför­dert.
  • Blin­kNow Foun­da­tion: Die Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tion unter­hält eine Schule, ein Kin­der­heim, eine Klinik und Zen­tren für Frauen und Mäd­chen in Surkhet und ist wäh­rend des Covid-19-Aus­bruchs auch für unzäh­lige Heim­keh­rende zur Stelle.
  • Out of Ashes: Die Orga­ni­sa­tion stammt aus Schweden und kämpft gemeinsam mit inter­na­tio­nalen Part­nern gegen Sex­handel in Asien. Sie unter­stützt u.a. die extrem dis­kri­mi­nierte Badi-Com­mu­nity im Westen von Nepal. Wäh­rend der Covid-19-Pan­demie hilft sie mit Nah­rungs­pa­keten.
  • Kathmandu Envi­ron­mental Edu­ca­tion Pro­ject (KEEP): Eine Orga­ni­sa­tion, die sich für das Wohl von Menschen ein­setzt, die im Tou­rismus arbeiten. Zu ihrer Arbeit gehört ein Por­ters Wel­fare Pro­gram, bei dem Träger fach­lich aus­ge­bildet werden und Eng­lisch lernen und mit ange­mes­sener Klei­dung aus­ge­stattet werden.

Für wei­tere aktu­elle Infor­ma­tionen in Hin­blick auf das Coro­na­virus in Nepal ver­weise ich an dieser Stelle auf die Nepal-Seite des Aus­wär­tigen Amtes.

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10 Comments
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Christian
19. März 2020 21:08

Danke für die Information,ich per­sön­lich habe eine Reise gebucht am 1 Oktober bis 18oktober. Ich hoffe das bis dahin alles vorbei ist. Das Land war schon immer mein Traum. LG Chris­tian Wie­mann

Christian
24. März 2020 10:35
Reply to  Susanne

Danke, viel­leicht kann ich sie Mal besuchen,wir haben ein paar Tage Auf­ent­halt in Kathmandu. Die Menschen dort sollen ja sehr gast­freund­lich sein. MFG Chris­tian Wie­mann

Susan
22. März 2020 3:29

Liebe Susanne, vielen Dank für deinen Blog, den ich bereits zum Beginn unserer Reise gerne las. Mitt­ler­weile sind wir in Kathmandu gestrandet und ich würde mich wahn­sinnig freuen, hier wei­terhin von deinen Updates lesen zu dürfen. Namaste und liebe Grüße Susan

29. März 2020 21:52

Liebe Susanne,
vielen Dank für deinen sehr infor­ma­tiven Bericht über die Situa­tion in Nepal. Bis zu uns hier nach Deutsch­land dringen da sonst nicht viele Nach­richten, damit wir uns ein Bild machen könnten.

Ich würde mir wün­schen, das Ganze wäre bald vorbei, bin da leider aber skep­tisch. Da du so aktu­elle berich­test, habe ich deinen Bei­trag mit meinem über das Nepal Visum ver­linkt.

Ich wün­sche dir, deine Familie und Freunden sowie den Menschen in Nepal alles Gute.

Liebe Grüße
Renate

30. März 2020 10:13
Reply to  Susanne

Oh, hatte ich noch nicht gesehen. Vielen Dank. Toi, toi, toi — ich ver­folge die Situa­tion in Nepal weiter.
Renate

Florian
28. August 2020 14:38

Hallo Susanne, habe herz­li­chen Dank für die hier zusam­men­ge­tra­genen Infor­ma­tionen!! Eigent­lich hatte ich geplant mit meinen beiden Söhnen (15 und 19 Jahre) Mitte Oktober nach Kathmandu zu reisen… heute hat mir der Trek­king-Guide geschrieben und meinte, dass er kaum eine Chance für unser Vor­haben sieht. Wir wollen den Manaslu umrunden… Wie es aus­sieht werden wir ver­su­chen die Reise auf März nächsten Jahres zu ver­schieben. Ich drücke dir, deinem Freund und eurem Umfeld, die Daumen, dass ihr weiter gut durch diese ver­rückte Zeit kommt. Und ich freue mich natür­lich über neue Infos aus Kathmandu (ich bin 2017 erst­mals dort gewesen und… Read more »