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Gisela on the Road“ und mehr: Fundstücke rund ums Reisen

30. September 2017
Schuhe hängen herab

Zuletzt aktualisiert am 2. Juni 2021 um 10:38

Hier stelle ich ein paar Fundstücke vor, die von inspirierenden Menschen und ihren Erfahrungen handeln und Lust aufs Reisen machen. Diesmal mit dabei: Gisela on the Road. Dahinter verbirgt sich eine Doku über eine reizende 75-Jährige, die die Welt mit ihrem Wohnmobil entdeckt.


Eine Link- und Buchtipp-Sammlung wie diese hat es schon einmal auf dem Blog gegeben. Damals richteten sich die Empfehlungen vor allem an Alleinreisende und alle, die es werden wollen (und sich aus verschiedenen Gründen nicht trauen). Der Schwerpunkt diesmal: Reisen und dabei Grenzen überwinden – gefühlte, reale, körperliche, mentale. Wie beim letzten Mal erhebe ich mit den hier vorgestellten Fundstücken keinerlei Anspruch auf Aktualität.

Gisela on the Road: Mit 75 unterwegs im Wohnmobil

Die WDR-Doku-Reihe „Menschen hautnah“ ist nicht ohne Grund mehrfach preisgekrönt. Mit der Folge „Gisela on the Road“ ist den Machern abermals ein unheimlich inspirierender und berührender Beitrag gelungen. Giselas Geschichte beweist: Für Neuanfänge ist es nie zu spät, und vieles von dem, was uns ausbremst, existiert vor allem in unserem Kopf. (Oder wie Gisela es formuliert: „Es ist ein Obstproblem. Hängt voll in der Birne!“)

Gisela leidet seit Jahren an einer rheumatischen Autoimmunerkrankung, die ihre Gelenke angreift. Im Alter von 67 Jahren konnte sie sich kaum mehr bewegen, war bettlägerig, ein Pflegefall. „Ich hatte die Wahl zu sterben oder zu leben“, erinnert sich Gisela an diese Zeit. Sie entschied sich für letzteres und änderte ihr Leben radikal. Konsequent stellte sie ihre Ernährung um, verzichtete nach und nach auf ihre Medikamente, begann zu meditieren und regelmäßig Sport zu treiben.

Bald ging es ihr besser und ein lang gehegter Herzenswunsch machte sich wieder in ihr breit: reisen. Gisela gab mit 68 Jahren ihren Wohnsitz in Deutschland auf und reist seitdem rund ums Jahr im Wohnmobil durch Europa und Marokko. Sie ist sicher: Hätte sie sich damals auf die Einschätzung ihrer Ärzte verlassen und diese einfach hingenommen, wäre sie heute im Pflegeheim und säße im Rollstuhl. Es ist nicht einfach, einer Frau wie Gisela und ihrer Geschichte in einigen wenigen Sätzen gerecht zu werden. Am besten ist es, Ihr schaut Euch „Gisela on the Road“ direkt selbst an.

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Mit 75 unterwegs im Wohnmobil | WDR Doku
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Belarus: Wo die Babuschka regiert

Über Weißrussland wusste ich nicht viel, bis mir Nadine Lashuks Buch „Liebesgrüße aus Minsk: Wo die Babuschka regiert und Heringe Pelzmäntel tragen“ in die Hände fiel. Als erstes lernte ich: Der offizielle Name lautet „Rebublik Belarus“ und Belarussen ist es wichtig, dass ihr Land nicht „Weißrussland“ genannt wird.

Die Geschichte: Nadine geht mit Anfang 20 für ein Praktikum bei der EU-Kommission in die belarussische Hauptstadt Minsk.

Der Aufenthalt in der „letzten Diktatur Europas“, flößt ihr einigen Respekt ein. Doch als sie sich in einen Belarussen verliebt, ist sie fortan fest mit dem kleinen Land zwischen Polen und Russland verbunden.

Humorvoll erzählt sie von Land und Leuten, von Kliniken, in denen es überaus ruppig zugeht und von ihrer Schwiegermutter, die sich in bedenklichem Maße in ihre Kindererziehung einmischt und gleichzeitig wunderbar herzlich ist. Sie lernt, dass ein Fest ohne Wodka kein Fest ist (und empfiehlt ihrem Vater Wochen vor seinem Besuch in Minsk, seine Trinkfestigkeit zu trainieren). Und sie tastet sich an die belarussische Küche heran. Das Buch enthält übrigens viele Rezepte. (Die sind aber, wen wundert’s, nichts für Veganer). Witzig, informativ und im besten Sinne kurzweilig!

 

Mit 220 Thai-Mönchen zu Fuß durch Indien und Nepal

2016 war ich selbst zum ersten Mal in Indien und habe einige buddhistische Pilgerstätten besucht. Und schon bald reise ich zum ersten Mal nach Nepal, das Geburtsland Buddhas. Klar, dass mich „Siddhartha Highway“ von Misha G. Schoeneberg gereizt hat.

Ich wurde nicht enttäuscht. Der Autor erzählt von einer einmaligen und anstrengenden Reise: Gemeinsam mit 220 Thai-Mönchen ist er auf dem Buddha Walk 1500 Kilometer zu Fuß durch Indien und Nepal gelaufen – eine körperliche und psychische Herausforderung, die ihn mehrere Kilos und Nerven gkostet hat. Und der er – das ist das Beste an diesem fantastischen Buch – an vielen Stellen mit Humor begegnet.

Die Herausforderung beginnt schon vor dem Marsch: Wie überwältigend allein indische Großstädte mit ihrem Lärm und ihrem Chaos sind, weiß er treffend und ohne Beschönigungen zu beschreiben:

Warum das neue Indien nun Kolkata schreibt anstatt Kalikata bleibt für mich ein indisches Geheimnis, eines der eher kleinen zu vernachlässigenden im Vergleich zu den vielen großen Geheimnissen Indiens, wie zum Beispiel das, warum nun gerade an dem Taxistand, zu dem ich gehe, neben der geordneten Reihe Wartender ein Kollege mit heruntergelassener Hose hockt und vor sein Auto kackt.

Es ist Indien!“, wird zum geflügelten Wort. Und während der Autor später mit 220 Mönchen aus ihm unverständlichen Gründen auf der Autobahn entlangläuft, obwohl es doch direkt daneben einen Weg ohne viel Verkehr gibt, kommt er zu folgender Beobachtung: „Für Mönche gilt: Niemals rennen! Das Credo eines indischen Truckers heißt: Gebremst wird nicht! Das ist ein interessanter Interessenkonflikt. Ich mag kaum hinsehen.“

Am Ende hat er viel über sich und über den Buddhismus gelernt und neue Freunde gefunden. Am Ende hat sich die Anstrengung, wie so oft, gelohnt.

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3 Comments
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9. November 2017 9:52

Wow, was für eine bewundernswerte Frau, fit wie ein Turnschuh! Manche Leute denken dass das Leben vorbei ist wenn sie in rente gehen, in meinen Augen fängt es erst richtig an! Sehr mutig von ihr.

Freue mich auf weitere Beiträge,

LG aus Berlin

Loredana

susan
9. März 2021 21:43

Bezueglich “Gisela on the road” weiss jemand, wie es ihr geht?