Inspiration

Bud­dhismus in Indien: Unter Buddhas Baum

26. Januar 2017
Buddhismus Indien: Besucher unter dem Bodhi Tree in Bodghaya, unter dem Buddha Erleuchtung erlangte

Zuletzt aktua­li­siert am 22. Juli 2020 um 7:11

Obwohl er vor mehr als 2500 Jahren im Norden des Landes geboren wurde, hat der Bud­dhismus Indien nicht allzu stark geprägt. Trotzdem erzählen bud­dhis­ti­sche Pil­ger­stätten bis heute von der Ent­ste­hung und Ver­brei­tung der viert­größten Welt­re­li­gion. Ich habe drei dieser hei­ligen Orte besucht. (Auf Ein­la­dung*)


Im Oktober 2016 durfte ich an der „Inter­na­tional Bud­dhist Con­clave“ teil­nehmen, einer mehr­tä­gigen Ver­an­stal­tung rund um den Bud­dhismus in Indien, seine Lehre und sein kul­tu­relles Erbe.

Bud­dhismus in Indien: Zu Besuch bei drei Pil­ger­stätten

Fast 300 Mönche, Rei­se­ver­an­stalter und Medi­en­ver­treter aus aller Welt sind der Ein­la­dung der indi­schen Regie­rung nach Delhi gefolgt, um von dort aus drei der wich­tigsten bud­dhis­ti­schen Pil­ger­stätten im Norden des Landes zu besu­chen. Sie heißen:

  • Bodh Gaya
  • Sar­nath
  • Nalanda

Wo alles begann: Der „Baum des Erwa­chens“ in Bodh Gaya

Buddha kam 567 v. Chr. als Sid­dhartha Gautama im Nach­bar­land Nepal zur Welt, in einem Ort namens Lum­bini, gleich hinter der heu­tigen Grenze. Der Bud­dhismus aber wurde 35 Jahre später im Norden Indiens geboren – unter einem Baum, so sagt es die Legende.

Sechs Jahre lang war Sid­dhartha bis dahin als Asket durch die Gan­ges­ebene gepil­gert. Er suchte eine Ant­wort auf die Frage, was den Menschen von seinem Leid erlöst. Schließ­lich ließ er sich unter einer Pap­pel­feige nieder und erlebte beim Medi­tieren die end­gül­tige Befreiung von allen nega­tiven Gefühlen. Aus Sid­dhartha wurde Buddha, der „Erwachte“. Seine neue Lebens­weise und seine bud­dhis­ti­sche Lehre waren geboren.

Buddhismus Indien: Mönche singen unter dem Bodhi Tree

Der Bodhi-Baum, der heute in Bodghaya steht, soll der fünfte Nach­folger jener Pap­pel­feige sein, unter der Buddha einst saß. Der ein­ge­zäunte, breit gewach­sene Baum steht dort nicht etwa auf freier Fläche, wie ich es mir vor­ge­stellt hatte, son­dern auf dem Gelände des Maha­bodhi-Tem­pels – einer 55 Meter hohen Gebets­stätte, die ursprüng­lich im zweiten Jahr­hun­dert erricht wurde, um an den Ort von Buddhas Erwa­chen zu erin­nern. Der Tempel musste über die Jahr­hun­derte mehr­fach neu gebaut und restau­riert werden und zählt seit 2002 zum UNESCO-Welt­kul­tur­erbe.

Der Mahabodhi-Tempel in Bodhgaya

Rund­herum stehen klei­nere und grö­ßere Stupas, zwischen denen immer wieder die oran­ge­far­benen oder roten Kutten von Mön­chen leuchten. Einige von ihnen gehen langsam im Uhr­zei­ger­sinn um den Tempel herum, vorbei an mit Blu­men­ketten geschmückten Buddha-Sta­tuen und Stein­mauern. Andere medi­tieren oder prak­ti­zieren den Son­nen­gruß in Rich­tung des Bodhi-Baums, unter dessen Ästen und Zweigen Mönche singen.

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Mönche singen unter dem Bodhi­baum in Bodh­gaya, Indien
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In Sar­nath gab Buddha seine Lehre erst­malig weiter

Nachdem Buddha das Erwa­chen erlangt hatte, wollte er sein Wissen wei­ter­geben. Der Über­lie­fe­rung nach kam er in Sar­nath mit fünf Freunden zusammen, die ihn schon in den Jahren seiner Askese begleitet hatten. Sie wurden seine ersten Schüler und die ersten Mönche im bud­dhis­ti­schen Orden. Sie erlebten in Sar­nath auch Buddhas erste Pre­digt. Vor ihnen sprach der „Erwachte“ zum aller­ersten Mal über die „Vier Edlen Wahr­heiten“, die die Grund­lage des Bud­dhismus und seiner Lehre bilden.

Buddhismus Indien: Buddha und seine Schüler

In Sar­nath stehen alte Klos­ter­mauern, Säulen und ein Tempel. Den genauen Ort, an dem Buddha erste Lehr­rede hielt, mar­kiert der 35 Meter hohe „Dha­mekh Stupa“. Vor ihm zünden Besu­cher Kerzen und Räu­cher­stäb­chen an, weiter hinten auf der Wiese singen Mönche.

Buddhismus Indien: Stupa in Sarnath

Sar­nath bildet mit seiner Ruhe den größt­mög­li­chen Gegen­satz zu Vara­nasi, die hei­ligste Stadt der Hin­du­isten. Sie liegt nur etwa zehn Kilo­meter ent­fernt und hat mich mit ihrem Chaos und den öffent­li­chen Toten­ver­bren­nungen, die hier tag­täg­lich am Ufer des Ganges statt­finden, sprachlos gemacht.

Die Uni­ver­sität Nalanda lehrte den Bud­dhismus in Indien

Der „Erwachte“ selbst soll zwar einige Jahre in Nalanda ver­bracht haben, doch erst lange nach seinem Tod, vom fünften bis zum zwölften Jahr­hun­dert, stand hier, im heu­tigen Bun­des­staat Bihar, etwa 15 Kilo­meter ent­fernt von Rajgir, eine bud­dhis­ti­sche Uni­ver­sität. An diesem Ort lehrten und lernten mehr als 1000 Pro­fes­soren und 10.000 Schüler die Weis­heiten Buddhas. Damit war Nalanda das größte Lehr­zen­trum der dama­ligen Zeit. Erst seit 2016 steht die Rui­nen­stadt auf der Liste der UNESCO-Welt­kul­tur­er­be­stätten.

Die buddhistische Universität in Nalanda war das größte Lehrzentrum der Antike

In der rie­sigen, gepflegten Anlage befinden sich die Reste von elf Klös­tern und sechs Tem­peln. Auch die gut erhal­tenen Zimmer der Stu­denten können wir betreten, in ihnen ist es ange­nehm kühl.

Buddhismus Indien: In Nalanda wurden buddhistische Weisheiten gelehrt

Ab dem 10. Jahr­hun­dert ver­ließ der Bud­dhismus Indien schließ­lich, bezie­hungs­weise wurde nach und nach aus seinem Geburts­land ver­drängt. (Zur Ver­brei­tung des Bud­dhismus weiter unten mehr.) Doch bis heute erzählen diese drei Orte  ein­drucks­voll die Geschichte der viert­größten Welt­re­li­gion. Was die bud­dhis­ti­schen Pil­ger­stätten außerdem eint: Sie sind Orte der Ruhe und Stille in diesem rund­herum lauten, wuse­ligen Land.

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Bud­dhismus kurz erklärt

Lord Buddha kam als Sid­dhartha Gautama im nepa­le­si­schen Lum­bini zur Welt. Der Bud­dhismus wurde aller­dings in Indien geboren, wie es auch der obige Text ver­deut­licht. Buddha war am Tag seines „Erwa­chens“ 35 Jahre alt. Seine Lehre brei­tete sich zunächst in ganz Indien aus, ver­schwand von dort aber ab dem 10. Jahr­hun­dert all­mäh­lich wieder. Der Bud­dhismus konnte in Indien auch nie mehr die­selbe Bedeu­tung erlangen, die er zuvor in seinem Geburts­land inne­hatte. Dafür jedoch ver­brei­tete er sich in vielen anderen Län­dern auf dem asia­ti­schen Kon­ti­nent.

Ver­brei­tung

Von Indien aus gelangte der Bud­dhismus zunächst nach Sri Lanka, in den Nahen Osten, auf die grie­chi­schen Inseln und nach Make­do­nien. Von Süd­asien fand Buddhas Lehre schließ­lich über Sri Lanka Ver­brei­tung in Süd­ost­asien — in Kam­bo­dscha, Thai­land, Myanmar und Laos. Im Norden Asiens fand sie in Tibet, China, Japan und Korea beson­deren Anklang.

Buddha-Figur in Thailand

Buddha-Figur am Wat Doi Suthep in Chiang Mai, Thai­land

Anhänger

Um die 450 bis 500 Mil­lionen Anhänger soll der Bud­dhismus heute haben, die Länder mit der stärksten Ver­brei­tung sind China, Süd­korea, Taiwan, Thai­land, Myanmar, Mon­golei, Laos, Bhutan, Japan, Sri Lanka, Kam­bo­dscha und Vietnam. Im heu­tigen Indien hin­gegen macht der Anteil der Bud­dhisten an der Gesamt­be­völ­ke­rung nicht mal mehr einen Pro­zent aus.

Bud­dhismus: Regeln, Lehre, Rituale

Im Bud­dhismus gibt es keine Götter. Auch Lord Buddha betrach­tete sich selbst weder als „Gott“ noch als Stell­ver­treter irgend­eines Gottes. Es gibt aller­dings soge­nannte „Bodhi­sattvas“, das sind Menschen, die das Erwa­chen erlangt haben, sich jedoch aus Mit­ge­fühl wieder „erden“ (die end­gül­tige Befreiung von allem Leid also hin­aus­zö­gern), um andere Menschen auf dem Weg in die Erlö­sung zu begleiten und die bud­dhis­ti­sche Lehre wei­ter­zu­geben. Man ver­ehrt sie, bringt ihnen Opfer­gaben und bittet sie um Rat und Segen, als Götter gelten Bodhi­sattvas aber nicht. Buddha selbst betonte immer wieder, dass letzt­lich jeder Mensch seine Erkennt­nisse gewinnen kann. Der Bud­dhismus folgt zwar einigen Regeln, Dog­ma­tismus lehnte der „Erwachte“ jedoch strikt ab und mahnte seine Anhänger immer wieder dazu, festen Glau­bens­sätzen mit Skepsis zu begegnen.

Buddhas Lehre heißt „Dharma“. Kern und Basis des „Dharma“ sind die „Vier Edlen Wahr­heiten“, näm­lich die edle Wahr­heit über das Leiden, die edle Wahr­heit über die Ursache des Lei­dens, die edle Wahr­heit über die Been­di­gung des Lei­dens und die edle Wahr­heit über den Pfad der Aus­übung, der zur Been­di­gung des Lei­dens führt. Die vierte edle Wahr­heit zielt auf den „Edlen Acht­fa­chen Pfad“ ab, der eben­falls ein zen­trales Ele­ment der bud­dhis­ti­schen Lehre dar­stellt. Er ist eine Anlei­tung zum Erlangen der Erlö­sung. Eine gute Über­sicht über die ein­zelnen Bestand­teile und Ver­hal­tens­weisen bietet Wiki­pedia. Eine der Grund­hal­tungen des Bud­dhismus ist die Acht­sam­keit, das „Sich-Ver­senken“. Medi­ta­tion ist bekann­ter­maßen eines der zen­tralen Rituale im Bud­dhismus und prägt die Lebens­weise seiner Anhänger.

Ver­schie­dene Schulen

Es haben sich über die Zeit ver­schie­dene Rich­tungen im Bud­dhismus her­aus­ge­bildet. Die bekann­testen bud­dhis­ti­schen Schulen heißen Ther­avada, Maha­yana, Zen-Bud­dhismus, Vajra­yana und Tibe­ti­scher Bud­dhismus, wobei Ther­aveda die ursprüng­lichste und der Zen-Bud­dhismus zu den neueren Wei­ter­ent­wick­lungen zählt. Inner­halb dieser Gruppen gibt es wei­tere Unter­tei­lungen. Alle Schulen jedoch richten sich nach den „Vier Edlen Weis­heiten“ und dem “Edlen Acht­fa­chen Pfad“.

Buddhistischer Mönch in Bangkok

Bud­dhis­ti­scher Mönch in Bangkok

Wer sich zu allem, was ich hier bis­lang erwähnt habe, eine genauere Ein­füh­rung wünscht (aber auch nicht knie­tief in die Materie ein­steigen will), emp­fehle ich das Buch „Der kleine Taschen­bud­dhist“ von Bet­tina Lemke. Darin wird Ein­stei­gern das Wich­tigste in Kürze erklärt, sehr ver­ständ­lich noch dazu.

Wird im Bud­dhismus Weih­nachten gefeiert?

Laut Google stellen viele Menschen sich diese Frage. Die Ant­wort: Eigent­lich spielt Weih­nachten im Bud­dhismus natür­lich keine Rolle. Bud­dhisten haben ein eigenes ähn­lich großes Fest: Vesakh heißt der höchste bud­dhis­ti­sche Fei­ertag, er wird am ersten Voll­mondtag im Mai gefeiert. Die Menschen zele­brieren an diesem Tag die Geburt, das Erwa­chen und die Erlö­sung Buddhas. Das Vesakh-Fest (auch: Vis­akha Puja) hat inso­fern gewisse Par­al­lelen mit Weih­nachten, zumal es, wie der deut­sche Bud­dhist in diesem Bei­trag betont, bei beiden Festen um Umbrüche gehe: Weih­nachten als Win­ter­fest zeige an, dass die Tage im Jahr bald wieder länger würden, wäh­rend Vesakh in asia­ti­schen Län­dern den Umbruch von der Tro­cken- zur Regen­zeit mar­kiere – und das sei eben im Mai der Fall. Aber auch wenn Weih­nachten aus reli­giöser Sicht für sie keine Bedeu­tung hat, feiern viele Bud­dhismus-Anhänger im Westen das Fest der Liebe mit.

Am Schluss noch ein Link-Tipp: Auch hier geht’s um Bud­dhismus in Indien.

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*Offen­le­gung: Ich wurde im Rahmen des „Inter­na­tional Bud­dhist Con­clave“ von „Incredible India“ nach Indien ein­ge­laden.


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6 Comments
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27. Januar 2017 4:01

Sehr infor­ma­tiver und schöner Artikel. Vor allem dass in Indien die größte Lehr­stätte der dami­ligen Zeit stand war mir völlig neu.
Viel­leicht etwas haar­spal­te­risch von mir, aber das 500‑1200 n.Chr. ist doch eher Mit­tel­alter und nicht Antike oder?

27. Januar 2017 7:36

Wow! Was für beein­dru­ckende Bauten! Danke für den infor­ma­tiven und schön bebil­derten Bericht!

3. Februar 2017 19:33

Liebe Susanne,
toller Bericht und super Fotos. Ich finde es immer toll, wenn man kleine Videos ein­bindet, das ver­mit­telt die Stim­mung noch mal ganz anders.