Inspiration

Bud­dhismus in Indien: Unter Buddhas Baum

26. Januar 2017
Buddhismus Indien: Besucher unter dem Bodhi Tree in Bodghaya, unter dem Buddha Erleuchtung erlangte

Zuletzt aktua­li­siert am 7. Dezember 2019 um 11:03

Obwohl er vor mehr als 2500 Jahren im Norden des Landes geboren wurde, hat der Bud­dhismus Indien nicht allzu stark geprägt. Trotzdem erzählen bud­dhis­ti­sche Pil­ger­stätten bis heute von der Ent­ste­hung der viert­größten Welt­re­li­gion. Ich habe drei dieser hei­ligen Orte besucht. (Auf Ein­la­dung*)


Im Oktober 2016 durfte ich an der „Inter­na­tional Bud­dhist Con­clave“ teil­nehmen, einer mehr­tä­gigen Ver­an­stal­tung rund um den Bud­dhismus in Indien und sein kul­tu­relles Erbe.

Bud­dhismus in Indien: Zu Besuch bei drei Pil­ger­stätten

Fast 300 Mönche, Rei­se­ver­an­stalter und Medi­en­ver­treter aus aller Welt sind der Ein­la­dung der indi­schen Regie­rung nach Delhi gefolgt, um von dort aus drei der wich­tigsten bud­dhis­ti­schen Pil­ger­stätten im Norden des Landes zu besu­chen. Sie heißen:

  • Bodh­gaya
  • Sar­nath
  • Nalanda

Wo alles begann: Der „Baum des Erwa­chens“ in Bodh­gaya

Buddha kam 567 v. Chr. als Sid­dharta Gautama im Nach­bar­land Nepal zur Welt, in einem Ort namens Lum­bini, gleich hinter der heu­tigen Grenze. Der Bud­dhismus aber wurde 35 Jahre später im Norden Indiens geboren – unter einem Baum, so sagt es die Legende.

Sechs Jahre lang war Sid­dharta bis dahin als Asket durch die Gan­ges­ebene gepil­gert. Er suchte eine Ant­wort auf die Frage, was den Menschen von seinem Leid erlöst. Schließ­lich ließ er sich unter einer Pap­pel­feige nieder und erlebte beim Medi­tieren die end­gül­tige Befreiung von allen nega­tiven Gefühlen. Aus Sid­dharta wurde Buddha, der „Erwachte“.

Buddhismus Indien: Mönche singen unter dem Bodhi Tree

Der Bodhi-Baum, der heute in Bodghaya steht, soll der fünfte Nach­folger jener Pap­pel­feige sein, unter der Buddha einst saß. Der ein­ge­zäunte, breit gewach­sene Baum steht dort nicht etwa auf freier Fläche, wie ich es mir vor­ge­stellt hatte, son­dern auf dem Gelände des Maha­bodhi-Tem­pels – einer 55 Meter hohen Gebets­stätte, die ursprüng­lich im zweiten Jahr­hun­dert erricht wurde, um an den Ort von Buddhas Erwa­chen zu erin­nern. Der Tempel musste über die Jahr­hun­derte mehr­fach neu gebaut und restau­riert werden und zählt seit 2002 zum UNESCO-Welt­kul­tur­erbe.

Der Mahabodhi-Tempel in Bodhgaya

Rund­herum stehen klei­nere und grö­ßere Stupas, zwi­schen denen immer wieder die oran­ge­far­benen oder roten Kutten von Mön­chen leuchten. Einige von ihnen gehen langsam im Uhr­zei­ger­sinn um den Tempel herum, vorbei an mit Blu­men­ketten geschmückten Buddha-Sta­tuen und Stein­mauern. Andere medi­tieren oder prak­ti­zieren den Son­nen­gruß in Rich­tung des Bodhi-Baums, unter dessen Ästen und Zweigen Mönche singen.

 Dieses Video wird von You­tube ein­ge­bettet. Sehen Sie es hier an, wird Ihre IP-Adresse an den Betreiber des Por­tals gesendet. Siehe Daten­schutz­er­klä­rung.  
Mönche singen unter dem Bodhi­baum in Bodh­gaya, Indien
Dieses Video ansehen auf You­Tube.

In Sar­nath hielt Buddha seine erste Pre­digt

Nachdem Buddha das Erwa­chen erlangt hatte, wollte er sein Wissen wei­ter­geben. Der Über­lie­fe­rung nach kam er in Sar­nath mit fünf Freunden zusammen, die ihn schon in den Jahren seiner Askese begleitet hatten. Sie wurden seine ersten Schüler und die ersten Mönche im bud­dhis­ti­schen Orden. Vor ihnen sprach er zum ersten Mal über die „Vier Edlen Wahr­heiten“, die die Grund­lage der bud­dhis­ti­schen Lehre bilden.

Buddhismus Indien: Buddha und seine Schüler

In Sar­nath stehen alte Klos­ter­mauern, Säulen und ein Tempel. Den genauen Ort, an dem Buddha erste Lehr­rede hielt, mar­kiert der 35 Meter hohe „Dha­mekh Stupa“. Vor ihm zünden Besu­cher Kerzen und Räu­cher­stäb­chen an, weiter hinten auf der Wiese singen Mönche.

Buddhismus Indien: Stupa in Sarnath

Sar­nath bildet mit seiner Ruhe den größt­mög­li­chen Gegen­satz zu Vara­nasi, die hei­ligste Stadt der Hin­du­isten. Sie liegt nur etwa zehn Kilo­meter ent­fernt und hat mich mit ihrem Chaos und den öffent­li­chen Toten­ver­bren­nungen, die hier tag­täg­lich am Ufer des Ganges statt­finden, sprachlos gemacht.

Die Uni­ver­sität Nalanda lehrte den Bud­dhismus in Indien

Der „Erwachte“ selbst soll zwar einige Jahre in Nalanda ver­bracht haben, doch erst lange nach seinem Tod, vom fünften bis zum zwölften Jahr­hun­dert, stand hier eine bud­dhis­ti­sche Uni­ver­sität. An diesem Ort lehrten und lernten mehr als 1000 Pro­fes­soren und 10.000 Schüler die Weis­heiten Buddhas. Damit war Nalanda das größte Lehr­zen­trum der dama­ligen Zeit. Erst seit 2016 steht die Rui­nen­stadt auf der Liste der UNESCO-Welt­kul­tur­er­be­stätten.

Die buddhistische Universität in Nalanda war das größte Lehrzentrum der Antike

In der rie­sigen, gepflegten Anlage befinden sich die Reste von elf Klös­tern und sechs Tem­peln. Auch die gut erhal­tenen Zimmer der Stu­denten können wir betreten, in ihnen ist es ange­nehm kühl.

Buddhismus Indien: In Nalanda wurden buddhistische Weisheiten gelehrt

Ab dem 10. Jahr­hun­dert ver­ließ der Bud­dhismus Indien schließ­lich, bezie­hungs­weise wurde nach und nach aus seinem Geburts­land ver­drängt. Doch bis heute erzählen diese drei Orte   ein­drucks­voll die Geschichte der viert­größten Welt­re­li­gion. Was die bud­dhis­ti­schen Pil­ger­stätten außerdem eint: Sie sind Orte der Ruhe und Stille in diesem rund­herum lauten, wuse­ligen Land.

***


*Offen­le­gung: Ich wurde im Rahmen des „Inter­na­tional Bud­dhist Con­clave“ von „Incredible India“ nach Indien ein­ge­laden.


Dir hat dieser Bei­trag gefallen? Ich freue mich, wenn Du ihn teilst! Wenn Du über neue Bei­träge infor­miert werden möch­test, folg mir gern per RSS oder melde Dich für ein Abo per E‑Mail hier auf der Seite an.

6
Hinterlasse einen Kommentar

3 Comment threads
3 Thread replies
0 Followers
 
Most reacted comment
Hottest comment thread
4 Comment authors

Sehr infor­ma­tiver und schöner Artikel. Vor allem dass in Indien die größte Lehr­stätte der dami­ligen Zeit stand war mir völlig neu.
Viel­leicht etwas haar­spal­te­risch von mir, aber das 500‑1200 n.Chr. ist doch eher Mit­tel­alter und nicht Antike oder?

Wow! Was für beein­dru­ckende Bauten! Danke für den infor­ma­tiven und schön bebil­derten Bericht!

Liebe Susanne,
toller Bericht und super Fotos. Ich finde es immer toll, wenn man kleine Videos ein­bindet, das ver­mit­telt die Stim­mung noch mal ganz anders.