Geschichten

Zum erste Mal in „Incredible India“: Was mir von Indien bleibt

30. November 2016
Indien: Kuh und Mann in Varanasi

Zuletzt aktua­li­siert am 15. März 2021 um 19:45

Von jeder Reise kehren wir voller Bilder und Ein­drücke zurück. Inter­es­sant ist, welche uns als erste ein­fallen, wenn wir zu Hause von der Zeit an jenem anderen Ort erzählen. Wenn ich an meine erste Reise nach Indien denke, kommen mir zuerst die fol­genden in den Sinn. (Auf Einladung*)


Denk ich an Indien, dann denke ich an …

Kühe. Ich komme ein­fach nicht umhin, sie als erstes zu erwähnen. Natür­lich kannte ich die Bilder aus Indien. Natür­lich wusste ich, dass die Tiere dort heilig und all­ge­gen­wärtig sind. Und trotzdem: Als ich zum ersten Mal in Indien war, hat es mich umge­hauen, wie selbst­ver­ständ­lich sie Teil allen öffent­li­chen Lebens sind.

Zum ersten Mal in Indien: Heilig ist die Kuh

Kühe also. Fette Kühe, klapp­rige Kühe. Ein­zeln und in der Herde, ange­bunden und frei, quer auf der Fahr­bahn lie­gend, längs am Mit­tel­streifen ste­hend. Es kommt vor, dass man sie in schmalen Gassen sachte am Hin­tern zur Seite schieben muss. Und sich fragt: Wie zur Hölle ist die Kuh dort hin­ge­kommen, bis zur oberste Stufe der steilen Treppe zum Tempel? Oder hoch auf diesen Balkon?

Über­haupt: das Neben­ein­ander von Mensch und Tier. So selbst­ver­ständ­lich wie Kühe leben Was­ser­büffel, Affen, Wild­schweine, Ziegen und Hunde in den Städten. Und auch sie nimmt man besser als Ver­kehrs­teil­nehmer ernst.

Ver­kehr in Indien: abenteuerlich

Alles, was man sonst über den Ver­kehr in Indien hört, ist wahr.

Tuk-Tuk fahren in Vara­nasi, Indien
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Halb­fer­tige Geis­ter­häuser am Stra­ßen­rand, von denen viele zwar Wände und Stock­werke, aber weder Dächer noch Fas­saden haben. Sich anein­an­der­rei­hende Ver­kaufs­buden, in denen haar­genau die glei­chen Chips und Süßig­keiten hängen. Grell­bunte Shiva-Plas­tik­puppen unter kleinen Zelt­pa­vil­lons alle paar Kilo­meter. Mit blin­kenden Lich­ter­ketten zuge­hängte Tempel und über­steu­erte Hin­d­uge­sänge, die nebenan aus den Boxen quellen.

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Unver­gleich­liche Momente am Ganges in Vara­nasi, die ich bei meiner ersten Reise nach Indien erleben durfte. Die öffent­li­chen Toten­ver­bren­nungen am Manikar­nika Ghat, die mir kur­zer­hand die Sprache ver­schlugen. Ganga Aarti, das all­abend­liche reli­giöse Ritual am Ufer des hei­ligen Flusses mit Feuer und Rauch, Trom­meln und Gesang.

Müll. Und noch mehr Müll.

Die Gewiss­heit, dass auf jeder Ver­kehrs­insel jemand liegt oder sitzt, und ist dort noch so wenig Platz.

Kinder, die sich auf der Straße erleich­tern. (Erst kürz­lich habe ich gelesen: Im länd­li­chen Raum haben mehr als 65 Pro­zent der Bevöl­ke­rung keine Toi­lette und der Groß­teil der Inder möchte auch keine, aus Angst, ihr Zuhause würde durch sie verunreinigt.)

Müll. Unmengen von Müll. An Hängen, in Gräben, in knie­hohen Haufen im Stadt­zen­trum, in denen Kühe oder Wild­schweine nach Nah­rung wühlen.

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Der Taj Mahal. Genauer: der Moment, in dem man sich – obwohl ein­ge­quetscht und schrill von Ord­nungs­hü­tern ange­pfiffen – ehr­fürchtig durch das berühmte Ein­gangstor schiebt, das den Prachtbau einrahmt.

Das sind die Dinge, von denen ich nach meiner ersten Reise nach Indien erzählte, wenn jemand mich fragte, wie es war. Das sind die Ein­drücke, die geblieben sind. Für jeden ein­zelnen bin ich zutiefst dankbar.

***


*Offen­le­gung: Ich wurde im Rahmen des „Inter­na­tional Bud­dhist Con­clave“ von Incredible India nach Indien eingeladen.


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