Geschichten

Chiang Mai in Thai­land: Buddhas Ein­la­dung

6. November 2017
Tempel in Chiang Mai in Thailand

Zuletzt aktua­li­siert am 9. März 2020 um 18:28

Alles ist ver­gäng­lich.“ und „Das Leben ist hier und jetzt.“ Mit Buddhas Weis­heiten im Kopf fla­niere ich durch die Alt­stadt von Chiang Mai in Thai­land, von Tempel zu Tempel zu Tempel. Eine Geschichte. Im Anschluss: Infos und Rei­se­tipps für deinen Auf­ent­halt in der Stadt im Norden Thai­lands.


Unter­wegs in Chiang Mai in Thai­land: Eine Geschichte

Etwa 200 Tempel gibt es in Chiang Mai in Thai­land. In der Alt­stadt geht man keine zehn Schritte, schon ragt wieder eine gol­dene Pagode in den Himmel, steht wieder ein ver­ziertes Holztor zu hei­ligen Hallen weit offen, thront wieder ein über­le­bens­großer Buddha über den Dächern des Vier­tels.

Buddha auf den Strassen von Chiang Mai

Vor­ges­tern Nacht bin ich in der Stadt im Norden von Thai­land ange­kommen, den zweiten Tag in Folge stromere ich nun schon allein durch ihre Straßen.

Mein“ Tempel in Chiang Mai

Und mache, inzwi­schen rou­ti­niert, etwa dreimal pro Stunde das hier: einen Tempel erbli­cken, den Sarong aus meinem Stoff­beutel kramen, ihn um meine Schul­tern legen, meine Flip­flops unten an der Treppe abstreifen, mich vor den Altar knien und Buddha betrachten. Mein Lieb­lings­buddha in Chiang Mai – ich hab längst einen aus­er­koren – sitzt im Wat Umong­ma­ha­the­rat­chan, einem kleinen, unschein­baren Tempel nicht weit weg von meinem Hostel. Je dichter man an ihn her­an­tritt, umso mehr ver­wan­delt sich sein gleich­mü­tiges Lächeln in ein schel­mi­sches Grinsen. Jeden­falls bilde ich mir das ein. „Guck nicht so ernst“, scheint er zu mir zu sagen, „sei nicht so streng mit dir.“

Buddha im Wat Umongmahatheratchan

Auf meinem Weg von Tempel zu Tempel sin­niere ich über den Bud­dhismus. Alles ist ver­gäng­lich, betonen die Bud­dhisten, das Gute wie das Schlechte, alles Leid und alles Schöne, jede Bezie­hung und jedes Gefühl. Und der Mensch leidet, weil er trotzdem nicht los­lässt, weil er mit aller Macht fest­halten will, was seiner Natur nach vor­über­ge­hend ist.

Wat Phan Ohn

Ich kenne da eine, denke ich milde in mich hinein grin­send, die ist Profi darin. Die haut sich die immer­glei­chen Gedanken, den ganz uralten Scheiß gna­denlos um die Ohren, hun­dert Mal, tau­send Mal, immer wieder, jah­re­lang. Nun. Sie arbeitet daran.

Das Leben ist hier und jetzt“, auch das sagen die Bud­dhisten und immerhin: Hier und jetzt ist alles gut. „Jetzt“ ist nicht Alltag und „hier“ ist nicht Ham­burg, es ist nicht kalt draußen, es regnet nicht, es ist kein Sonntag im Herbst, an dem nie­mand anruft und man selber auch nie­manden anrufen will.

 Chiang Mai Erfah­rungen: Buddha überall und guter Rat an jeder Ecke

Statt­dessen laufe ich durch Chiang Mai, emp­fäng­lich für all seinen Frieden und Lieb­reiz: das helle Klingen der Wind­spiele. Den Glanz der Pagoden und Tem­pel­dä­cher im Son­nen­licht. Die Blumen überall. Die glück­skeks­ar­tigen Sinn­sprüche, die auf Thai und auf Eng­lisch an jedem zweiten Baum in Tem­pel­nähe befes­tigt sind, „Love is ever­y­where“, steht auf einem, „Don’t brood over the past“ auf einem anderen. Oder den Mönch, der im Wat Phan Ohn hin­ge­bungs­voll die Umran­dung der Pagode putzt, wäh­rend sakraler Gesang aus den Boxen dringt. Ich sitze selig im groß­zügig ange­legten Hof des Tem­pels und esse eine Schale „Sticky Rice with Mango“, als mir seine oran­ge­far­bene Robe zwi­schen der gold­gelben Chedi und warm­roten Mauern ent­ge­gen­leuchtet.

Schilder in Chiang Mai

Schild in Chiang Mai in Thailand

Alles hier kommt mir vor wie eine Ein­la­dung: Komm her, schau dich um, egal, was dir im Kopf her­um­geht, egal, wie du dich fühlst, du bist gut, so wie du bist, du bist richtig hier. Ich nehme sie dan­kend an. Und schick sie in Gedanken weiter. Nach Hause, nach Ham­burg. Für diese Sonn­tage im Herbst.

Monk Chat: Schild in Chiang Mai in Thailand

Schild in Chiang Mai: Diese Ein­la­dung habe ich leider nicht ange­nommen

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Chiang Mai in Thai­land: Infos für deine Reise

Chiang Mai liegt im ber­gigen Norden von Thai­land. Ein Blick auf die Karte verrät: Einen Strand hat Chiang Mai nicht, es gibt auch keinen, den man für einen Tages­aus­flug errei­chen kann, denn die Stadt liegt recht weit vom Meer ent­fernt. Wer seinen Urlaub in Thai­land also aus­schließ­lich am Strand ver­bringen will, ist in Chiang Mai leider falsch.

Sehens­wür­dig­keiten: Von Tempel zu Tempel

Dafür ist sie der größte und kul­tu­rell bedeu­tendste Ort in der Region und hat ent­spre­chend viele Sehens­wür­dig­keiten zu bieten. Wegen ihrer vielen Tempel kommt Chiang Mai in Thai­land eine beson­dere Bedeu­tung zu: Wie oben schon erwähnt, gibt es fast 200 Tempel hier, die meisten von ihnen stehen in der Alt­stadt. Die hei­ligen Stätten machen die Alt­stadt von Chiang Mai im Ganzen zu einer Sehens­wür­dig­keit, einige Tempel sind aber beson­ders bemer­kens­wert. Zu ihnen zählen:

  • Wat Chedi Luang: ein König­li­cher Tempel dritter Klasse, der im 15. Jahr­hun­dert fer­tig­ge­stellt wurde. Sein Chedi wurde bei einem Erdbeben im Jahr 1545 zer­stört. Treppen führen zu der rie­sigen Ruine hinauf. Die Anlage beher­bergte vor dem Erdbeben den Sma­ragd­buddha, der heute im Königs­pa­last in Bangkok auf­be­wahrt wird. Im Wat Chedi Luang gibt es seit 1995 einen nach­ge­stellten Buddha aus schwarzer Jade zu bestaunen, den die Ein­hei­mi­schen „Phra Yok“ nennen.
  • Wat Phra Singh: ein König­li­cher Tempel erster Klasse. Auch er beher­bergt eine beson­ders bedeu­tende Buddha-Statue – Phra Phuttha Sihing –, deren genaue Her­kunft unge­wiss ist.
  • Wat Chiang Man (das ist die Tem­pel­an­lage auf dem Bei­trags­bild ganz oben): Er wurde 1297 als erster Tempel in Chiang Mai gebaut. Beson­ders toll ist der Chedi Chang Lom („von Elefanten geschützter Chedi“) mit seinen 15 Stei­n­ele­fanten am Sockel. In einer geschützten Ecke befinden sich außerdem ein 10 Zen­ti­meter hoher Berg­kris­tall-Buddha („Phra Setang Kha­mani“) und ein 30 Zen­ti­meter hoher „schrei­tender Buddha“ (Phra-Sila-Statue) aus dem 8. Jahr­hun­dert. Von beiden Figuren glauben die Ein­hei­mi­schen, dass sie ihre Stadt beschützen. Wat Chiang Man Chiang Mai in Thailand
  • Wat Umong: Er ist etwa 700 Jahre alt und liegt wun­der­schön etwas abseits mitten im Wald. Hier gibt es einen Tunnel mit bud­dhis­ti­schen Bild­nissen und einen See mit Fischen und Schild­kröten.
  • Wat Phra That Doi Suthep: Er gehört sicher zu den bekann­testen Sehens­wür­dig­keiten in Chiang Mai. Auch dieser König­liche Tempel zweiter Klasse liegt nicht in der Alt­stadt, son­dern etwa 15 Kilo­meter vom Zen­trum ent­fernt am Hang des Berges Doi Suthep. Man erreicht ihn über eine lange Treppe, deren Geländer wie Schlangen aus­sehen. Im Zen­trum der großen Anlage stehen ein gol­dener Chedi, ein Zere­mo­nie­schirm und rund­herum etliche Bud­dha­fi­guren. Von hier oben hat man einen sagen­haften Aus­blick auf Chiang Mai.

    • Doi Suthep Tempel

Wer sich näher für die hei­ligen Stätten inter­es­siert, dem emp­fehle ich diesen Bei­trag über Tempel in Chiang Mai von homeiswhereyourbagis.com.

Wei­tere High­lights und Aus­flüge in Chiang Mai

Sehens­wert neben den vielen bud­dhis­ti­schen Tem­peln ist auch die Stadt­mauer, deren Tore und Zita­dellen gut erhalten oder restau­riert wurden. Hier gibt es auch einen Was­ser­graben.

Pae Gate in Chiang Mai in Thailand

Nachts am Pae Gate in Chiang Mai

Einen Besuch wert ist außerdem der kleine City Park (Buak Hard Public City Park) im äußersten Süd­westen der Alt­stadt. Nicht ent­gehen lassen sollten sich Rei­sende die Night Mar­kets in Chiang Mai, etwa den „Sunday Night Market“ von 16 bis 0 Uhr in der „Wal­king Street“. Aber Ach­tung, hier wird’s voll! Es gibt auch einen etwas klei­neren „Saturday Night Market“ in der Wua Lai Road, von 17 bis 22 Uhr. Auf beiden gibt es unzäh­lige Stände mit leckerem Essen, Klei­dung und Sou­ve­nirs. Aus­führ­liche Infos über die Nacht­märkte von Chiang Mai mit tollen Fotos gibt es auf diesem eng­lisch­spra­chigen Blog.

Für einen Aus­flug von Chiang Mai bietet sich eine Fahrt zum Grand Canyon bzw. Han Dong Canyon an. Diesen Stein­bruch in der Nähe von Han Dong (etwa 15 Kilo­meter vom Stadt­zen­trum ent­fernt) hat man irgend­wann ein­fach sich selbst über­lassen, heute füllen Grund- und Regen­wasser ihn. Hier kann man sogar schwimmen und pad­deln – ideal für alle, die in Chiang Mai den Strand ver­missen. Genaue Infos über den Canyon gibt es hier.

Außerdem kann man von Chiang Mai aus eine Tages­tour zum Ele­phant Nature Park machen. Der Ele­phant Nature Park befindet sich ca. eine Auto­stunde nörd­lich der Stadt, er ist eine Ele­fan­ten­auf­fang­sta­tion, die Elefanten aus der Gefan­gen­schaft befreit und sich um die miss­han­delten und ver­letzten Tiere küm­mert. Besu­cher dürfen beim Füt­tern und Baden helfen, geritten werden die Tiere selbst­ver­ständ­lich nicht. Ich habe den Ele­phant Nature Park auch besucht. Über meine Erfah­rungen im Park und meine Gedanken zum Thema „Elefanten und Tou­rismus“ habe ich hier auf dem Blog aus­führ­lich geschrieben.

Chiang Mai Elephant Nature Park

Die Ein­wohner

Chiang Mai hat laut dieser aktu­ellen Quelle etwa 128.000 Ein­wohner und ist damit natür­lich um ein Viel­fa­ches kleiner und beschau­li­cher als die thai­län­di­sche Haupt­stadt Bangkok. Voll und wuselig kann es hier trotzdem werden, weil die Bevöl­ke­rungs­dichte sehr hoch ist. Ein nicht unbe­trächt­li­cher Teil der Ein­wohner von Chiang Mai sind mitt­ler­weile Digi­tale Nomaden, die zum Arbeiten nur ihren Laptop und schnelles Internet brauchen. Wie viele west­liche Selbst­stän­dige sich über meh­rere Monate im Jahr oder dau­er­haft in Chiang Mai nie­der­lassen, konnte ich nicht her­aus­finden, auf jeden Fall ist die Stadt im Norden von Thai­land offenbar bes­tens für Digi­tale Nomaden geeignet.

(Regel­mäßig) anste­hende Ereig­nisse in Chiang Mai

Jedes Jahr steigen in Chiang Mai tolle Fes­ti­vals und womög­lich bist du genau in dieser Zeit vor Ort.

  • Das Chiang Mai Flower Fes­tival findet immer am ersten Febru­ar­wo­chen­ende statt und dauert drei Tage.
  • Song­kran Mit diesem Fest wird Mitte Aprildas thai­län­di­sche Neu­jahr im ganzen Land will­kommen geheißen, in Chiang Mai wird es beson­ders groß gefeiert. Es gibt Paraden und viel Unter­hal­tung – und teils hef­tige Was­ser­schlachten auf den Straßen, die zuge­ge­be­ner­maßen nicht jeder­manns Sache sind.
  • Loi Kra­thong Bei diesem Fes­tival, das nach unserem Kalender meist auf den November fällt, wird die Göttin des Was­sers ver­ehrt. Die Menschen setzen kleine Bana­nen­blatt-Boote gefüllt mit Blumen und Kerzen ins Wasser. Außerdem findet spe­ziell in Nord­thai­land davor oder gleich­zeitig das Yi Peng-Fes­tival statt, bei dem man Him­mels­la­ternen steigen lässt. Obwohl es sich um zwei eigen­stän­dige Feste han­delt, fassen viele sie unter dem Begriff Lich­ter­fest zusammen. Einen tollen Bei­trag zu beiden Festen gibt es auf dem Blog myroad.de. Auch die Autoren von vakuya.com haben sie besucht und dar­über auf ihrem Blog geschrieben.

Aktu­elle Ver­an­stal­tungen

Du hast eine Reise nach Chiang Mai geplant und fragst Dich, welche Events, Feste und Ereig­nisse ganz aktuell anstehen? Schau mal in diesen Ver­an­stal­tungs­ka­lender, viel­leicht fin­dest du dort etwas Pas­sendes.

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Tina P.

Das ist ja ein schöner Beitrag,der richtig Fernweh auf­kommen läßt…!Einmal lesen reicht gar nicht.

Hi Susanne,

wun­derbar geschrieben. Du schenkst mir Rei­se­fee­ling pur und die typi­sche süd­ost­asia­ti­sche Gelas­sen­heit ist gera­dezu spürbar. Danke dir dafür und noch eine schöne Zeit!

Liebe Grüße,
Mad