Suchst Du etwas?

Hasen­brödel

Autorin
Drei Haselnüsse für Aschenbrödel Ausstellung auf Schloss Moritzburg

Auf Schloss Moritz­burg bei Dresden wurde „Drei Hasel­nüsse für Aschen­brödel“ gedreht – ein Film, der auch mir etwas bedeutet. Ihm widmet das Schloss jedes Jahr eine Aus­stel­lung. Was es dort zu sehen gibt und was es mit „Hasen­brödel“ auf sich hat.


Bis zum zweiten Weih­nachts­fei­ertag läuft „Drei Hasel­nüsse für Aschen­brödel“ in diesem Jahr noch 13 Mal im Fern­sehen. Min­des­tens einmal werde ich daran hängen bleiben. Wie fast jedes Jahr, seit ich denken kann.

Die tsche­chisch-ost­deut­sche Kopro­duk­tion von 1973 liegt mir am Herzen, und das nicht etwa, weil ich Fan von kit­schigen Mär­chen­filmen bin oder mich die Geschichte des Mäd­chens, das buch­stäb­lich wie Phönix aus der Asche steigt, so sehr rührt – dafür habe ich sie viel zu oft gesehen. Der Grund ist ein anderer: Der Film ver­bindet mich auf wun­der­same Weise mit meiner Familie.

Drei Hasel­nüsse für Aschen­brödel“ (oder: „Hasen­brödel“)

Wenn „Drei Hasel­nüsse für Aschen­brödel“ läuft, bin ich wieder zehn Jahre alt und sitze mit den Frauen der Familie auf dem Sofa im Wohn­zimmer meiner Groß­el­tern in Greifs­wald. Im Schein der Lich­ter­kette am sorg­fältig mit Blei­la­metta geschmückten Weih­nachts­baum schauen wir zu, wie Aschen­brödel das Herz des Prinzen gewinnt und das Gute über das Böse siegt. Meine Oma, meine Mutter und meine Tante haben den Film schon zu Ost­zeiten geliebt und lächeln seelig.

Mein Opa kommt durch die Tür, sein Blick fällt auf den Röh­ren­fern­seher. „Och nee, guckt ihr schon wieder Hasen­brödel?“, sagt er in gespielter Ent­rüs­tung. Und dann lässt er sich doch in den Sessel fallen und ein­lullen von den Bil­dern dieses Mär­chens. Und von seiner Musik.

  Dieses Video wird von You­tube ein­ge­bettet. Sehen Sie es hier an, wird Ihre IP-Adresse an den Betreiber des Por­tals gesendet. Siehe Daten­schutz­er­klä­rung.  

Dieses Video ansehen auf You­Tube.

 „Drei Hasel­nüsse für Aschen­brödel“: Aus­stel­lung auf Schloss Moritz­burg

Diese Melodie, die einen nicht mehr los­lässt, sie erklingt auch in den Räumen und Gängen auf Schloss Moritz­burg. Das barocke Jagd­schloss ist einer von vier Dreh­orten von „Drei Hasel­nüsse für Aschen­brödel“. Jedes Jahr im Winter widmet das Schloss dem Kult­film eine Aus­stel­lung. Ich habe sie gleich am Eröff­nungstag besucht, an einem Samstag Mitte November, als der Wind die letzten Blätter von den Bäumen holte.

  • Drei Haselnüsse für Aschenbrödel: Regie-Stuhl

Viele der Gäste kamen aus Tsche­chien, wo „Drei Hasel­nüsse für Aschen­brödel“ min­des­tens genau so beliebt ist wie hier. Kon­se­quent sind die Erklä­rungen auf allen Schil­dern deutsch und tsche­chisch. Zu sehen gibt es Szenen-Nach­bil­dungen, Ori­gi­nal­kos­tüme und Repliken, Requi­siten und Film­pla­kate und an ver­schie­denen Stellen begegnet einem Aschen­brö­dels Rätsel:

 

Die Wangen sind mit Asche beschmutzt, aber der Schorn­stein­feger ist es nicht. Ein Hüt­chen mit Federn, die Arm­brust über der Schulter, aber ein Jäger ist es nicht. Ein sil­ber­ge­wirktes Kleid mit Schleppe zum Ball, aber eine Prin­zessin ist es nicht. Wer ist das?

Dazu ist die Aus­stel­lung reich an Infos zur Ent­ste­hungs­ge­schichte und Anek­doten zum Dreh des Mär­chen­films. Und die sind mit­unter ernüch­ternd: Zum Bei­spiel lag damals, genau wie am Tag meines Besuchs, noch über­haupt kein Schnee. Im kleinen schloss­ei­genen Kino­saal erzählt Haupt­dar­steller Pavel Tráv­níček auf der Lein­wand, dass die weißen Land­schaften im Film aus Kunst­schnee und Sty­ropor bestehen – und man diverse Szenen wie­der­holen musste, wenn der Wind letz­teren durch­ein­an­der­wir­belte.

Schloss Moritz­burg: Der Drehort stinkt, der Ball­saal ist woan­ders

Auch Fisch­mehl wurde als Schnee­er­satz ver­wendet – mit dem Ergebnis, dass es auf Schloss Moritz­burg wie Hulle stank.

Die Ball­szene wurde nicht im Schloss gedreht, son­dern in den Babels­berger Film­stu­dios in Potsdam. Und wer genau hin­sieht, wird fest­stellen, dass es sich bei Niko­laus nicht durch­ge­hend um das­selbe Pferd han­delt: Ungüns­ti­ger­weise brach wäh­rend des Drehs die Maul- und Klau­en­seuche aus und die Crew durfte den Ori­ginal-Niko­laus nicht über die tsche­chisch-deut­sche Grenze bringen und musste ein anderes Pferd beschaffen.

Nach dem Rund­gang landet man schließ­lich vor der Treppe, auf der sich die Schlüs­sel­szene des Mär­chens abspielt: Die, auf der Aschen­brödel beim über­stürzten Ver­lassen des Balls ihren Schuh ver­liert. An dieser Stelle steht heute eine bron­zene Skulptur des Schuhs, dahinter ein hüft­hohes Geländer, das unacht­same Besu­cher davor schützt, drüber zu stol­pern.

Drei Haselnüsse für Aschenbrödel: Auf der Treppe steht Aschenbrödels SchuhWer jetzt noch nicht genug hat, kann Schloss Moritz­burg in einer Kut­sche umrunden. Oder ein­fach den Film zu Weih­nachten zu Hause schauen. Er läuft übri­gens auch rund um die Uhr bei Net­flix.

Drei Haselnüsse für Aschenbrödel: Kutsche vorm Schloss Moritzburg

***


Drei Hasel­nüsse für Aschen­brödel“: Infos zur jähr­li­chen Aus­stel­lung auf Schloss Moritz­burg

  • Schloss Moritz­burg liegt nörd­lich von Dresden und ist mit öffent­li­chen Nah­ver­kehrs­mit­teln von dort in weniger als 50 Minuten zu errei­chen. Wer Wert auf eine beson­dere Anreise legt, kann mit der his­to­ri­schen Schmal­spur­bahn „Lößnitz­da­ckel“ von Rade­beul bis Moritz­burg fahren. Preis pro Strecke: 7 Euro. Nur echt mit viel Qualm und Dampf­lock-Sound!

  •  Die Win­ter­aus­stel­lung zu „Drei Hasel­nüsse für Aschen­brödel“ läuft noch bis Sonntag, 25. Februar.
  • Der Ein­tritts­preis beträgt 9 Euro pro Person
  • Tickets kann man vorab auf der Web­seite des Schlosses kaufen. Das ist auch ratsam, denn die Aus­stel­lung ist gut besucht und der Ein­lass wird nach bestimmten Zeit­fens­tern gere­gelt.

Dir hat dieser Bei­trag gefallen? Ich freue mich, wenn Du ihn teilst! Wenn Du über neue Bei­träge infor­miert werden möch­test, folg mir gern per RSS, bei Flip­board, Face­book, Insta­gram, Twitter oder You­tube.

Hinterlasse einen Kommentar

Will­kommen auf Flügge!

Hi, ich bin Susanne, Journalistin und Reisende. Ich liebe Geschichten vom Reisen und Auswandern (auch allein!). Mehr über mich erfährst Du hier. (Foto: © André Schade)

Flügge im Netz

Check Our FeedVisit Us On FacebookVisit Us On TwitterVisit Us On InstagramVisit Us On Youtube

Flügge per Mail folgen

Mit einem Abo stimmst Du der Speicherung Deiner Daten zu. (Siehe Datenschutzerklärung.)

Foto der Woche

Grün-gelbe Pracht auf Suomenlinna vor Helsinki (früher eine Festung, daher die Kanone)

Flügge auf Reisedepeschen.de

Autorenseite Reisedepeschen