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Nach­haltig reisen in Nepal

6. März 2019
Gebetsfahnen in Pokhara

Zuletzt aktua­li­siert am 15. Januar 2020 um 8:23

Nepal will künftig wesent­lich mehr Gäste emp­fangen als bisher. Das ist grund­le­gend für das Wirt­schafts­wachstum des Ent­wick­lungs­landes, bringt aber auch Pro­bleme mit sich. Nach­hal­tiger Tou­rismus ist des­halb in Nepal beson­ders wichtig – und Rei­sende können ihren Teil dazu bei­tragen. Hier kommen ein paar Tipps.


Nepals Tou­ris­mus­mi­nis­te­rium ver­folgt ein klares Ziel: Zwei Mil­lionen Besu­cher will der Himalaya-Staat ab 2020 jähr­lich Will­kommen heißen. Das Land braucht den Tou­rismus, er ist seine zweit­wich­tigste Ein­nah­me­quelle und damit grund­le­gend für seine wirt­schaft­liche Ent­wick­lung. Gleich­zeitig stellt ein höheres Gäs­te­auf­kommen das struk­tur­schwache Nepal vor Her­aus­for­de­rungen. Damit poten­zi­elle Pro­bleme sich nicht aus­wachsen, sind auch die Gäste selbst gefragt. Hier habe ich ein paar ein­fache Tipps zum nach­hal­tigen Reisen in Nepal zusam­men­ge­fasst.

Nach­haltig reisen in Nepal: Plastik ver­meiden

Das gilt letzt­lich welt­weit und vor allem dort, wo Plastik nicht recy­celt wird: Statt Wasser in Plas­tik­fla­schen zu kaufen, füllt man besser eine mit­ge­brachte Fla­sche wieder auf. In Nepal ist das für Rei­sende gut umsetzbar. Sowohl pri­vate Haus­halte als auch Hotels lassen sich Trink­wasser meist in 20-Liter-Bot­ti­chen lie­fern, die, wenn sie leer sind, wieder abge­holt und recy­celt werden.

  • Nachhaltig Reisen in Nepal Trinkwasser
    Was­ser­spender und …

Gäste können sich an diesen Was­ser­spen­dern kos­ten­frei bedienen. Einige Unter­künfte stellen ihnen dafür sogar sta­bile Trink­fla­schen auf den Zim­mern zur Ver­fü­gung.

Stoff­beutel statt Plas­tik­tüten

Genau wie zu Hause gilt: Man nimmt am besten immer einen Ruck­sack mit oder packt sich eine Tra­ge­ta­sche ein, mit der man Lebens­mittel oder andere Ein­käufe trans­por­tieren kann.Viele Geschäfte in Nepal geben robuste, meist gelbe oder rote Stoff­beutel aus. Hat man doch mal keine eigene Tasche dabei, kann man diese Beutel künftig wun­derbar wie­der­ver­wenden.

Nachhaltig Reisen in Nepal Stoffbeutel

In vielen Geschäften in Nepal bekommt man solche Stoff­beutel statt Plas­tik­tüten

Nach­haltig reisen in Nepal: Am besten mit dem Bus

Nepa­le­si­sche Air­lines bieten Inlands­flüge zu ver­schie­denen tou­ris­ti­schen Kno­ten­punkten des Landes an. Man kann bei­spiels­weise in nur 25 Minuten von Kathmandu nach Pokhara fliegen, Nepals zweit­größter Stadt, von der aus viele Tou­risten zum Trek­king im Himalaya-Gebirge auf­bre­chen. Das­selbe gilt für den Chitwan Natio­nal­park im Süden von Nepal: In 20 Minuten kann man von der Haupt­stadt nach Bha­ratpur am Rande des Natur­schutz­ge­biets fliegen.

Es geht aber wesent­lich umwelt­freund­li­cher: Alle grö­ßeren Orte außer­halb des Kath­man­dutals werden von gut aus­ge­stat­teten Tou­ris­ten­bussen von der Haupt­stadt aus ange­fahren. Meist fahren die Busse mor­gens gegen 7 Uhr von Sor­ak­hutte nahe dem Tou­ris­ten­viertel Thamel ab. Die Zusam­men­ar­beit mit den Hotels und Rei­se­ver­an­stal­tern, die die Fahr­karten ver­kaufen, läuft meiner Erfah­rung nach gut.

Stau in Kathmandu

Oft gibt es Staus im Kathmandutal. Dafür kriegt man auf so einer Bus­fahrt viel zu sehen und reist nach­hal­tiger

Sicher­lich dauert eine Über­land­fahrt in Nepal so ihre Zeit: Für die 200 Kilo­meter von Kathmandu nach Pokhara braucht der Bus bei­spiels­weise sieben Stunden. Schuld daran sind die schmalen, kur­vigen und maroden Straßen sowie der Stau in der Haupt­stadt. Eine Mit­tags­pause ist bei so langen Fahrten des­halb grund­sätz­lich vor­ge­sehen, das Essen im Restau­rant ist im Fahr­preis inklu­diert.

Nach­haltig reisen in Nepal: Trekken mit Ver­ant­wor­tung

Immer wieder gibt es in Nepal Berichte über voll­ge­müllte Berg­hänge und Wan­der­pfade. Wichtig (und eigent­lich selbst­ver­ständ­lich) daher: Nimm Deinen Müll wieder mit, zumin­dest dahin, wo er ent­sorgt und recy­celt werden kann. Das gilt vor allem für leere Bat­te­rien und anderen Elek­tro­schrott.

Nach­hal­tig­keit beginnt übri­gens schon beim Koffer- bzw. Ruck­sack­pa­cken zu Hause: Bes­ten­falls ver­zichtet man nach Mög­lich­keit auf Dinge, die im Rei­se­land nur zu Müll werden. Und: Eine Umwelt­or­ga­ni­sa­tion hat errechnet, dass 7537 Tonnen weniger Koh­len­di­oxid jähr­lich in die Atmo­sphäre gelangten, würden Rei­sende ihr Gepäck um 25 Pro­zent redu­zieren.

Das Plas­tik­fla­schen­pro­blem besteht eben­falls auf den Wander-Routen: Viele Tou­risten haben schlichtweg zu viel Angst, sich etwas ein­zu­fangen, wenn sie natür­li­ches Frisch­wasser trinken. Sie decken sich des­halb lieber mit Trink­wasser in Plas­tik­fla­schen ein. Heute gibt es aber meh­rere Mög­lich­keiten zur sicheren mobilen Was­ser­auf­be­rei­tung. Noch ein Vor­teil: Man muss wesent­lich weniger Gewicht mit sich her­um­schleppen.

Wer beim Wan­dern im Himalaya auf eine geführte Tour setzt, sollte bei der Wahl des Rei­se­ver­an­stal­ters darauf achten, dass er gewisse Nach­hal­tig­keits­stan­dards erfüllt. Das heißt, die Bevöl­ke­rung wird bedacht, die Ange­stellten gut behan­delt, aus­ge­rüstet und bezahlt. Viele beliebte Trek­king-Routen, etwa der Manaslu-Cir­cuit, führen durch Dörfer, die bei den Erdbeben 2015 zer­stört wurden. Nach­hal­tige Rei­se­ver­an­stalter spenden einen Teil ihrer Ein­nahmen für den Wie­der­aufbau dieser Ort­schaften und sind daher beson­ders unter­stüt­zens­wert.

Machapuchare von Pokhara aus

Links im Bild: Der Gipfel des Macha­puchare von Pokhara aus

Viele Rei­sende, die unab­hängig wan­dern, enga­gieren privat einen nepa­le­si­schen Porter (Träger). Sie sollten wissen: Für das Wohl­be­finden der Porter sind sie in hohem Maße mit­ver­ant­wort­lich. Die Männer sind meist ein­fache Bauern und die Arbeit als Träger stellt für viele von ihnen die ein­zige Mög­lich­keit dar, über­haupt Geld zu ver­dienen. Häufig schleppen sie aber viel zu viel Gewicht auf ihren Schul­tern durch das Gebirge und besitzen nicht einmal ange­mes­sene und sichere Trek­king-Klei­dung.

Die nepa­le­si­sche Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tion „Kathmandu Envi­ron­mental Edu­ca­tion Pro­ject“ („KEEP“) mit Sitz in Thamel setzt sich für das Wohl­ergehen der Porter ein. Sie nimmt auch Klei­der­spenden für die Träger ent­gegen. Da Nepa­lesen im Schnitt kleiner sind, passen ihnen die Trek­king­ja­cken und ‑hosen von west­li­chen Tou­risten oft­mals nicht. Schlaf­säcke, Son­nen­brillen, Hand­schuhe, Socken und Stiefel nimmt die Spen­den­stelle der Orga­ni­sa­tion aber jeder­zeit gern an.

Nach­haltig reisen in Nepal: Hotel-Tipps

Immer mehr Gast­häuser und Hotels in Nepal schreiben sich Nach­hal­tig­keit auf die Fahnen. Zwei davon habe ich per­sön­lich kennen lernen können. Zum einen das Bed and Bre­ak­fast „Tra­di­tional Homes Swotha“ ganz in der Nähe des Patan Durbar Squares:

  • Nachhaltig Reisen in Nepal Tradtional Homes Swotha Patan
    Nach­hal­tiges Bed & Bre­ak­fast in Patan:

Dabei han­delt es sich um ein 100 Jahre altes Newar-Wohn­haus, das lie­be­voll restau­riert wurde. Die tra­di­tio­nelle Bau­weise der Newar, der größten Volks­gruppe im Kathmandutal, ist auf diese Weise erhalten geblieben: Fens­ter­rahmen, Möbel und Säulen aus Holz prägen die geschmack­voll und den­noch modern ein­ge­rich­teten Zimmer. Vor­hänge, Tep­piche und Seifen werden von lokalen Händ­lern aus Patan ein­ge­kauft. Außerdem setzt das Haus im Falle eines Strom­aus­falls und zum Was­ser­er­hitzen auf Solar­energie.*

Nachhaltig reisen in Nepal: Hausordnung Traditional Homes Swotha

Ein wei­terer Vor­reiter in Sachen Nach­hal­tig­keit ist das „Kan­tipur Temple House“ in Thamel: Genau wie „Tra­di­tional Homes Swotha“ legt das Haus Wert darauf, die typi­sche newa­ri­sche Archi­tektur zu erhalten. Beson­ders beein­dru­ckend ist der Innenhof mit seinen auf­wän­digen Schnit­ze­reien. Das Hotel ver­zichtet auf Plastik, kom­pos­tiert seinen Bio-Müll, arbeitet mit einer Recy­cling­firma zusammen und greift auf tra­di­tio­nelle Ener­gie­spar­me­thoden zurück, etwa Wärm­fla­schen für die Gäste im Winter und Ven­ti­la­toren im Sommer. Noch dazu ver­ar­beitet es nur Bio-Lebens­mittel von nepa­le­si­schen Höfen und Plan­tagen.

Nachhaltig Reisen in Nepal: Kantipur Temple House

Nach­hal­tig­keit heißt auch, Kultur und Archi­tektur zu erhalten. Hier zu sehen: Der Innenhof des Kan­tipur Temple House

So viel zu den nach­hal­tigen Unter­künften in Kathmandu und Patan, von denen ich mir per­sön­lich einen Ein­druck machen konnte. Im Internet findet man inzwi­schen eine Viel­zahl von Hotels, die sich eben­falls um Umwelt­freund­lich­keit bemühen.

Strom sparen

In allen Unter­künften sind Gäste dazu ange­halten, Licht und gege­be­nen­falls Hei­zung aus­zu­schalten und mög­lichst alle elek­tri­schen Geräte vom Strom­netz zu nehmen, wenn sie ihr Zimmer ver­lassen. Diese ver­brau­chen näm­lich auch Energie, wenn sie nicht ange­schaltet sind. Zwar hat sich die Strom­ver­sor­gung zumin­dest im Kathmandutal im ver­gan­genen Jahr ent­schei­dend sta­bi­li­siert, doch nach wie vor muss man hier ab und an mit Strom­aus­fällen rechnen.

Wasser sparen

Auch die Was­ser­ver­sor­gung stößt noch immer häufig an ihre Grenzen. Viele Hotels und Pri­vat­haus­halte sind daher vor allem in den regen­armen Monaten darauf ange­wiesen, zusätz­li­ches Wasser ein­zu­kaufen und hin­auf­zu­pumpen. Gäste sollten sparsam mit Wasser umgehen und zum Bei­spiel nicht länger als unbe­dingt nötig duschen.

Nach­haltig reisen in Nepal: Com­mu­nity Homes­tays

Der Begriff Nach­hal­tig­keit in Zusam­men­hang mit Tou­rismus beein­haltet auch respekt­volle Begeg­nungen mit den Bewoh­nern eines Landes und ihrer Kultur. Eine dank­bare Mög­lich­keit, in Nepal mit Ein­hei­mi­schen in Kon­takt zu kommen, sind Com­mu­nity Homes­tays. Mitt­ler­weile gibt es sie im ganzen Land. Tou­risten, die sich für diese Unter­künfte ent­scheiden, über­nachten in Pri­vat­häu­sern inmitten einer nepa­le­si­schen Gemein­schaft, wobei die Zimmer für die aus­län­di­schen Gäste mit West­toi­letten und Duschen mit Warm­wasser aus­ge­stattet sind. Rei­sende werden hier in das All­tags­leben der Ein­hei­mi­schen mit­ein­be­zogen und lernen die nepa­le­si­sche Kultur aus erster Hand kennen.

Rangoli mit Einheimischen

Nach­haltig reisen heißt auch: Kul­tur­erbe schützen. Im Com­mu­nity Homestay werden Tou­risten ins All­tags­leben der Gemeinde ein­ge­bunden

Zudem unter­stützen die Gäste die Gemeinde mit ihrem Auf­ent­halt auf zwei Arten: Ers­tens helfen sie, die ein­hei­mi­sche Frauen vor Ort zu stärken. In den Com­mu­nity Homes­tays über­nehmen näm­lich Frauen zen­trale Auf­gaben und erwirt­schaften auf diese Weise ein eigenes Ein­kommen. Zwei­tens kommt ein Teil des Geldes der jewei­ligen Kom­mune zugute, unter anderem werden davon Schulen gebaut.

Nachhaltig Reisen in Nepal Tharu Community Homestay

Ein­gang des Tharu Com­mu­nity Homes­tays am Rande des Chitwan Natio­nal­parks

Ich habe das Tharu Com­mu­nity Homestay im Süden von Nepal besucht und Zeit mit den Ein­hei­mi­schen, den Tharu, ver­bracht. Ein ein­ma­liges Erlebnis.*

Nach­haltig reisen in Nepal: Pro­dukte von Ein­hei­mi­schen kaufen

Dieser Punkt klang schon bei den Hotel-Tipps weiter oben an: Rei­sende kaufen Pro­dukte – von Hand­ar­beiten bis Lebens­mittel – nach Mög­lich­keit am besten von ein­hei­mi­schen Händ­lern. Nicht nur stärken sie damit die lokale Wirt­schaft, sie tragen auch dazu bei, dass weniger Energie und Kosten auf­ge­wendet werden müssen, diverse Güter zu impor­tieren.


Warst Du schon einmal in Nepal und hast Tipps zum nach­hal­tigen Reisen? Kennst Du viel­leicht noch wei­tere umwelt­freund­liche Unter­künfte in Nepal? Hin­ter­lass mir dazu gern einen Kom­mentar!

***


*Offen­le­gung: Der Rei­se­ver­an­stalter „Fai­raway“ hat mich zu einer Nacht im „Trad­tional Homes Swotha“ und zu zwei Nächten im „Tharu Com­mu­nity Homestay“ ein­ge­laden.


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Ein toller Bei­trag, vielen Dank dafür. Mir fällt z.b. auch die Aus­wahl des Essens in den Bergen ein… besser lokales und Dinge, die vor Ort zu finden sind. Und für mich fällt der Ver­zicht auf das Elefanten reiten auch durchaus unter Nach­hal­tig­keit…

Danke, da waren ein paar gute Tipps dabei. Ich gebe zu, ich trau mich auch noch nicht an natür­li­ches Frisch­wasser ran. Hast Du einen guten, selbster­probten Tipp für Auf­be­reit­s­ungs­filter?

Michael Richter

Vielen Dank für die Hin­weise. Ich komme gerade aus Nepal. Viel­leicht wäre es sinn­voll diese in die Hei­mat­sprache zu über­setzen, denn mit dem Umwelt­be­wusst­sein der Bevöl­ke­rung ist es nicht so weit her, Plas­tik­fla­schen liegen ver­streut im Wald, da sind mir ganz viele beim Joggen begegnet ;-) Es gibt auch Luxus­ho­tels, die auf Nach­hal­tig­keit setzen, z.B. Pavi­lions Himalayas in Pokhara, sehr zu emp­fehlen…