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Im Roboter-Restau­rant

Autorin
Im Roboter-Restaurant „Naulo“ in Kathmandu

Zuletzt aktua­li­siert am 7. November 2019 um 10:28

Roboter-Restau­rant?! Mit so einem Ort hätte ich hier in Kathmandu nicht gerechnet: In Nepals Haupt­stadt gibt es ein Lokal, in dem Roboter die Speisen ser­vieren. Es ist das erste dieser Art in Süd­asien. „Naulo“ heißt es und ich habe es vor Kurzem mal aus­pro­biert.


Vieles im Leben ist eine Frage der Erwar­tung. Zum Bei­spiel hatte ich von meinem Besuch im ersten Roboter-Restau­rant Süd­asiens erwartet, dass er mich beein­druckt zurück­lässt, dass ich staune, was so ein Roboter heute schon alles so kann. Zumin­dest ein biss­chen.

 Roboter-Restau­rant im Ein­kaufs­zen­trum

Nun ja. Der Reihe nach:

Naulo“ heißt das „voll digi­ta­li­sierte“ Lokal in Nepals Haupt­stadt Kathmandu, das im ver­gan­genen Jahr eröffnet wurde und dessen Exis­tenz mich in Japan, Singapur oder auch in Indien wohl nicht so über­rascht hätte wie hier in Nepal. Das „Naulo“ emp­fängt seine Gäste in der teu­ersten Straße der Stadt, der Durbar Marg. Bou­ti­quen, Hotels und schicke Restau­rants säumen sie, an ihrem Ende steht der ehe­ma­lige Königs­pa­last. Zur Straße wirbt ein schwarzes Schild für das „Naulo“, darauf das Logo des Restau­rants, ein Bild von einem Kellner-Roboter und der Slogan „Where food meets tech­no­logy“. Ange­sichts der noblen Adresse sind die Räum­lich­keiten über­ra­schend unspek­ta­kulär: Das Roboter-Restau­rant befindet sich im ersten Stock eines kleinen Ein­kaufs­zen­trums namens „Capital Mall“ und hat nicht mal ein eigenes Klo. Gäste benutzen die Kun­den­toi­lette, auf die auch alle anderen Kunden der „Capital Mall“ gehen.

Roboter-Restaurant Kathmandu: Schild außen

Will­kommen im Roboter-Restau­rant! Mit diesem Schild wirbt das „Naulo“ zur Straße hin

Das „Naulo“ („naulo“ heißt „neu“ auf nepa­le­sisch) ist nicht groß. Die Deko, der ange­klebte Nacht­himmel und das dun­kel­blaue Licht machen aber durchaus was her und passen zum Roboter-Thema. Als mein Freund und ich das Restau­rant an einem späten Sonn­tag­nach­mittag betreten, läuft Pop­musik. Am Ein­gang stehen vier Roboter, zwei links, zwei rechts, mit ihren Tabletts bereit. Sie sind mint­grün und weiß und rei­chen mir bis knapp über die Schulter, sie erfüllen viele Kri­te­rien des Kind­chen­schemas und blin­zeln mit rie­sigen Kul­ler­augen in den Raum, spre­chen uns aber nicht zur Begrü­ßung an, als wir an ihnen vor­über­gehen.

Naulo, das Roboter-Restaurant von Kathmandu

Die spa­cige Innen­ein­rich­tung im Roboter-Restau­rant „Naulo“ passt

Statt­dessen heißt uns ein freund­li­cher Kellner Will­kommen, nachdem wir uns für einen Platz am Fenster ent­schieden haben. Er drückt einen Knopf irgendwo an unserem Tisch und ver­bindet ihn so mit einem der ver­meint­li­chen Tech­nik­wunder. Die Bestel­lung nimmt ein paar Minuten später aber kein Roboter, son­dern er höchst per­sön­lich auf. Eigent­lich gibt es dafür in die Tische inte­grierte Touch­screens. Unseres scheint jedoch nicht zu funk­tio­nieren, sodass der Kellner uns ein Tablet reicht, mit dem wir unsere Speisen und Getränke aus­wählen – wäh­rend er daneben steht und wartet.

Kuli­na­risch kann man das Robotor-Restau­rant nir­gends ein­ordnen: Alles gibt es hier, von Burger und Sand­wi­ches über Pasta und Pizza bis hin zu indi­schen Currys und nepa­le­si­schen Momos. Die Preise sind – nächste Über­ra­schung – moderat, zumin­dest sind sie nicht so hoch, wie sie in dieser Lage, und dann noch in einem so unge­wöhn­li­chen Lokal, denkbar wären. Jedoch werden hier am Ende, wie in vielen Restau­rants in Nepal, zehn Pro­zent Ser­vice­ge­bühr und 13 Pro­zent Mehr­wert­steuer auf den Rech­nungs­be­trag geschlagen.

 Wer bringt hier die Getränke?!

Wir bestellen Minz­li­mo­nade, Quesadillas als Vor­speise und Sizzler als Haupt­ge­richt, lehnen uns zurück und schauen uns um. Nur zwei wei­tere Tische sind besetzt und von den Robo­tern ist erst einmal nicht allzu viel zu sehen. Nur einer von ihnen voll­führt unbe­laden einen Halb­kreis zwi­schen Küche und Ein­gang. Drei Ange­stellte schauen ihm dabei auf­merksam zu. Moment mal, fahren die immer so langsam?

Im Roboter-Restaurant Naulo in Kathmandu

Gaaaaanz langsam dreht sich der Roboter, die Ange­stellten im Lokal schauen besorgt zu

Noch wäh­rend wir uns das fragen, bringt unser Kellner die Minz­li­mo­naden. Ja, genau, der Kellner. Ihm ent­geht unsere Ver­wun­de­rung nicht. Lächelnd erklärt er uns, dass die Roboter nur das Essen, nicht jedoch die Getränke zum Tisch beför­dern. Einen Augen­blick später wissen wir, warum: Die Roboter schieben sich im Zeit­lu­pen­tempo über das Par­kett und ruckeln dabei so sehr, dass wohl kaum ein Glas heil und voll beim Gast ankäme. Fast eine Minute braucht der Kellner-Roboter mit den Kul­ler­augen und den leuch­tenden Ohren für die viel­leicht zwanzig Meter von der Küche bis zu den Tischen am Fenster. Qual­voll mit anzu­sehen ist das.

Keine Maschine der vielen Worte

An unserem Tisch ist auch zehn Minuten später noch kein Roboter gewesen, denn die Quesadillas bringt uns eben­falls der nette junge Mann von vorhin. Er wolle nicht, dass die Vor­speise kalt wird, lautet seine Begrün­dung. Erst die Sizz­lers, unsere Haupt­ge­richte, kommen per Roboter zu uns. Ziel­strebig ruckelt der digi­tale Mit­ar­beiter mit dem damp­fenden Essen am anderen Ende des Raumes los und steuert, unter den besorgten Augen des Per­so­nals, gera­de­wegs auf den fal­schen Tisch zu, bevor er schließ­lich die Kurve kriegt und end­lich vor uns steht.

Hello. Please remove all the food items from the tray“, schep­pert eine Frau­en­stimme aus dem Robo­ter­körper und kaum haben wir die Teller her­un­ter­ge­hoben – natür­lich steht wieder ein Kellner aus Fleisch und Blut daneben und hilft – schiebt der blin­kende Helfer ein knappes „Thank you. Enjoy your meal“, hin­terher, bevor er abdreht und umkehrt. Und das war es dann auch schon. Ende der Vor­stel­lung.

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Kathmandus Roboter-Restau­rant „Naulo“

Dieses Video ansehen auf You­Tube.

Das Essen ist keine Offen­ba­rung, aber es schmeckt pas­sabel. Die Speisen sind hier aber ohnehin zweit­rangig.  Ernüch­tert ver­lassen wir das Roboter-Restau­rant. Hätten wir selbst ein Gespräch mit den rol­lenden Kunst­stoff­kell­nern beginnen sollen? Womög­lich schon. Zu Hause finde ich ein You­tube-Video, in dem die Roboter aus dem „Naulo“ mit dem Kopf nicken, ihren Namen sagen („Ginger“) und unter anderem auf Fragen zu ihrem Befinden und ihrem Wohnort reagieren können. Als Gäste im „Naulo“ haben wir davon aber nichts mit­be­kommen.

Roboter-Restau­rant: Sieht so der Ser­vice der Zukunft aus?

Mit­be­kommen haben wir dafür, dass die Maschi­nen­men­schen im Roboter-Restau­rant mehr Arbeit machen, als sie dem Per­sonal abnehmen. Ständig müssen die Kellner die Roboter in Posi­tion bringen und auf­passen, dass sie ihr Ziel auch errei­chen. Wird es irgend­wann also mehr Roboter als Menschen in der Gas­tro­nomie geben? Nach meinem Besuch im „Naulo“ kann ich mir das nicht mehr vor­stellen.


Warst Du schon mal in einem Roboter-Restau­rant? Erzähl mir davon gern in den Kom­men­taren!


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Liebe Susanne, Roboter als Bedie­nung im Restau­rant — das hätte ich in Nepal auch nicht erwartet. Scheint ja noch in der Erpro­bungs­phase zu sein, wenn die Roboter so langsam sind und wackelig. Mein Mann und ich waren im letzten Jahr in einem Robo­ter­hotel in Singapur. Dort arbeiten zwei Roboter, Yoshi und Yolanda, die den Gästen bestellte Sachen wie Hand­tü­cher, Wasser usw. in das Hotel­zimmer bringen. Man ruft an und einige Zeit später kommen sie. Inter­es­sant fand ich, dass sie alleine Auf­zug­fahren können. Es klin­gelt an der Zim­mertür, sie sagen was, du holst die Sachen und bekommst auch noch ein kleines… Read more »

Lol Susanne, ein­fach nur lol. :D Danke für diesen Artikel!

I haven’t tried that even after living in Kathmandu since 6 years.I should visit this restau­rant very soon.

Sehr gut!!!

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Hi, ich bin Susanne, Journalistin und Reisende. Ich liebe Geschichten vom Reisen und Auswandern (auch allein!) und lebe zurzeit in Kathmandu, Nepal. Mehr über mich erfährst Du hier.

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