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Kathmandu, Nepal: Im Roboter-Restaurant

12. Mai 2019
Im Roboter-Restaurant „Naulo“ in Kathmandu

Zuletzt aktualisiert am 10. September 2023 um 19:57

Roboter-Restaurant?! Mit so einem Ort hätte ich hier in Kathmandu nicht gerechnet: In Nepals Hauptstadt gibt es ein Lokal, in dem Roboter die Speisen servieren. Es ist das erste dieser Art in Südasien. „Naulo“ heißt es und ich habe es vor Kurzem mal ausprobiert. 


Vieles im Leben ist eine Frage der Erwartung. Zum Beispiel hatte ich von meinem Besuch im ersten Roboter-Restaurant Südasiens erwartet, dass er mich beeindruckt zurücklässt, dass ich staune, was so ein Roboter heute schon alles so kann. Zumindest ein bisschen.

 Roboter-Restaurant im Einkaufszentrum

Nun ja. Der Reihe nach:

Naulo“ heißt das „voll digitalisierte“ Lokal in Nepals Hauptstadt Kathmandu, das im vergangenen Jahr eröffnet wurde und dessen Existenz mich in Japan, Singapur oder auch in Indien wohl nicht so überrascht hätte wie hier in Nepal. Das „Naulo“ empfängt seine Gäste in der teuersten Straße der Stadt, der Durbar Marg. Boutiquen, Hotels und schicke Restaurants säumen sie, an ihrem Ende steht der ehemalige Königspalast. Zur Straße wirbt ein schwarzes Schild für das „Naulo“, darauf das Logo des Restaurants, ein Bild von einem Kellner-Roboter und der Slogan „Where food meets technology“. Angesichts der noblen Adresse sind die Räumlichkeiten überraschend unspektakulär: Das Roboter-Restaurant befindet sich im ersten Stock eines kleinen Einkaufszentrums namens „Capital Mall“ und hat nicht mal ein eigenes Klo. Gäste benutzen die Kundentoilette, auf die auch alle anderen Kunden der „Capital Mall“ gehen.

Roboter-Restaurant Kathmandu: Schild außen

Willkommen im Roboter-Restaurant! Mit diesem Schild wirbt das „Naulo“ zur Straße hin

Das „Naulo“ („naulo“ heißt „neu“ auf nepalesisch) ist nicht groß. Die Deko, der angeklebte Nachthimmel und das dunkelblaue Licht machen aber durchaus was her und passen zum Roboter-Thema. Als mein Freund und ich das Restaurant an einem späten Sonntagnachmittag betreten, läuft Popmusik. Am Eingang stehen vier Roboter, zwei links, zwei rechts, mit ihren Tabletts bereit. Sie sind mintgrün und weiß und reichen mir bis knapp über die Schulter, sie erfüllen viele Kriterien des Kindchenschemas und blinzeln mit riesigen Kulleraugen in den Raum, sprechen uns aber nicht zur Begrüßung an, als wir an ihnen vorübergehen.

Naulo, das Roboter-Restaurant von Kathmandu

Die spacige Inneneinrichtung im Roboter-Restaurant „Naulo“ passt

Stattdessen heißt uns ein freundlicher Kellner Willkommen, nachdem wir uns für einen Platz am Fenster entschieden haben. Er drückt einen Knopf irgendwo an unserem Tisch und verbindet ihn so mit einem der vermeintlichen Technikwunder. Die Bestellung nimmt ein paar Minuten später aber kein Roboter, sondern er höchst persönlich auf. Eigentlich gibt es dafür in die Tische integrierte Touchscreens. Unseres scheint jedoch nicht zu funktionieren, sodass der Kellner uns ein Tablet reicht, mit dem wir unsere Speisen und Getränke auswählen – während er daneben steht und wartet.

Kulinarisch kann man das Robotor-Restaurant nirgends einordnen: Alles gibt es hier, von Burger und Sandwiches über Pasta und Pizza bis hin zu indischen Currys und nepalesischen Momos. Die Preise sind – nächste Überraschung – moderat, zumindest sind sie nicht so hoch, wie sie in dieser Lage, und dann noch in einem so ungewöhnlichen Lokal, denkbar wären. Jedoch werden hier am Ende, wie in vielen Restaurants in Nepal, zehn Prozent Servicegebühr und 13 Prozent Mehrwertsteuer auf den Rechnungsbetrag geschlagen.

 Wer bringt hier die Getränke?!

Wir bestellen Minzlimonade, Quesadillas als Vorspeise und Sizzler als Hauptgericht, lehnen uns zurück und schauen uns um. Nur zwei weitere Tische sind besetzt und von den Robotern ist erst einmal nicht allzu viel zu sehen. Nur einer von ihnen vollführt unbeladen einen Halbkreis zwischen Küche und Eingang. Drei Angestellte schauen ihm dabei aufmerksam zu. Moment mal, fahren die immer so langsam?

Im Roboter-Restaurant Naulo in Kathmandu

Gaaaaanz langsam dreht sich der Roboter, die Angestellten im Lokal schauen besorgt zu

Noch während wir uns das fragen, bringt unser Kellner die Minzlimonaden. Ja, genau, der Kellner. Ihm entgeht unsere Verwunderung nicht. Lächelnd erklärt er uns, dass die Roboter nur das Essen, nicht jedoch die Getränke zum Tisch befördern. Einen Augenblick später wissen wir, warum: Die Roboter schieben sich im Zeitlupentempo über das Parkett und ruckeln dabei so sehr, dass wohl kaum ein Glas heil und voll beim Gast ankäme. Fast eine Minute braucht der Kellner-Roboter mit den Kulleraugen und den leuchtenden Ohren für die vielleicht zwanzig Meter von der Küche bis zu den Tischen am Fenster. Qualvoll mit anzusehen ist das.

 Roboter-Kellner: Keine Maschinen der vielen Worte

An unserem Tisch ist auch zehn Minuten später noch kein Roboter gewesen, denn die Quesadillas bringt uns ebenfalls der nette junge Mann von vorhin. Er wolle nicht, dass die Vorspeise kalt wird, lautet seine Begründung. Erst die Sizzlers, unsere Hauptgerichte, kommen per Roboter zu uns. Zielstrebig ruckelt der digitale Mitarbeiter mit dem dampfenden Essen am anderen Ende des Raumes los und steuert, unter den besorgten Augen des Personals, geradewegs auf den falschen Tisch zu, bevor er schließlich die Kurve kriegt und endlich vor uns steht.

Hello. Please remove all the food items from the tray“, scheppert eine Frauenstimme aus dem Roboterkörper und kaum haben wir die Teller heruntergehoben – natürlich steht wieder ein Kellner aus Fleisch und Blut daneben und hilft – schiebt der blinkende Helfer ein knappes „Thank you. Enjoy your meal“, hinterher, bevor er abdreht und umkehrt. Und das war es dann auch schon. Ende der Vorstellung.

Das Essen ist keine Offenbarung, aber es schmeckt passabel. Die Speisen sind hier aber ohnehin zweitrangig.  Ernüchtert verlassen wir das Roboter-Restaurant. Hätten wir selbst ein Gespräch mit den rollenden Kunststoffkellnern beginnen sollen? Womöglich schon. Zu Hause finde ich ein Youtube-Video, in dem die Roboter aus dem „Naulo“ mit dem Kopf nicken, ihren Namen sagen („Ginger“) und unter anderem auf Fragen zu ihrem Befinden und ihrem Wohnort reagieren können. Als Gäste im „Naulo“ haben wir davon aber nichts mitbekommen.

Roboter-Restaurant: Sieht so der Service der Zukunft aus?

Mitbekommen haben wir dafür, dass die Maschinenmenschen im Roboter-Restaurant mehr Arbeit machen, als sie dem Personal abnehmen. Ständig müssen die Kellner die Roboter in Position bringen und aufpassen, dass sie ihr Ziel auch erreichen. Wird es irgendwann also mehr Roboter als Menschen in der Gastronomie geben? Nach meinem Besuch im „Naulo“ kann ich mir das nicht mehr vorstellen.


Warst Du schon mal in einem Roboter-Restaurant? Erzähl mir davon gern in den Kommentaren!


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11 Comments
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12. Mai 2019 23:53

Liebe Susanne, Roboter als Bedienung im Restaurant - das hätte ich in Nepal auch nicht erwartet. Scheint ja noch in der Erprobungsphase zu sein, wenn die Roboter so langsam sind und wackelig. Mein Mann und ich waren im letzten Jahr in einem Roboterhotel in Singapur. Dort arbeiten zwei Roboter, Yoshi und Yolanda, die den Gästen bestellte Sachen wie Handtücher, Wasser usw. in das Hotelzimmer bringen. Man ruft an und einige Zeit später kommen sie. Interessant fand ich, dass sie alleine Aufzugfahren können. Es klingelt an der Zimmertür, sie sagen was, du holst die Sachen und bekommst auch noch ein kleines… Read more »

21. Mai 2019 18:11

Lol Susanne, einfach nur lol. :D Danke für diesen Artikel!

1. Juli 2019 1:57

I haven’t tried that even after living in Kathmandu since 6 years.I should visit this restaurant very soon.

1. Juli 2019 1:58

Sehr gut!!!

11. Januar 2020 23:44

Ich habe vor ein paar Jahren im chinesischen Harbin praktisch die identische Erfahrung mit einem Roboterrestaurant gemacht und bin ebenfalls zum Schluss gekommen, dass die dortigen Roboter die Effizenz verringern. Allerdings glaube ich, dass die nicht so wirklich auf dem aktuellen Stand der Dinge waren und das da technisch wohl schon einiger mehr möglich wäre. Bei meinem Besuch hatte ich den Eindruck, dass die Roboter vom Restaurantbesitzer selbst gebaut wurden. Ich war hingegen einmal in einem vollautomatischen Sushirestaurant in Japan. Da gab es an jedem Tisch ein Tablett, wo man die Sushi bestellen konnten. Die wurden dann über ein Fliessband… Read more »

13. Januar 2020 6:48
Reply to  Susanne

Mich hat das eigentlich nicht gestört. Die Sushis waren sehr lecker und die Atmosphäre eher gediegen. Und naja, ein gestresster Service ist ja auch nicht wirklich entspannend.